Nachdenkliches

 

 

 

 

Geburt

von Karl-Heinz R. Friedhoff

 

Die Geburt ist nicht nur ein einmaliges Ereignis,

sondern ein ständig andauernder Vorgang.

 

Denn das Ziel des Lebens ist es, ganz geboren zu werden,

aber es ist seine Tragödie, dass die meisten von uns sterben,

bevor sie ganz geboren wurden und das werden konnten,

was sie hätten sein können.

 

Leben heißt Wachstum und es bedeutet,

in jeder Minute geboren zu werden.

 

Eine Pflanze, die nicht mehr wächst, beginnt zu sterben.

 

Und so beginnt auch für den Menschen der Tod,

wenn seine Geburt aufhört.

 

 

 

Ferne Lichter

von Karl-Heinz R. Friedhoff

 

Ich hörte die Vorträge

der gelehrten Astronomen,

sah ihre Beweise,

Berechnungen und Statistiken.

 

Sie erklärten mir

mit beeindruckender Logik,

wie hoffnungslos es sei,

da draußen zwischen den Sternen

Brüder der Menschen zu finden.

 

Als sie mir sagten,

daß ich es nachrechnen

und prüfen solle,

da wurde ich plötzlich sehr traurig

und fühlte mich unendlich müde.

 

Also ging ich hinaus,

um in stiller Melancholie

durch die klare, warme Nacht

zu wandern.

 

Doch immer wieder schaute ich

mit fragenden Gedanken

hinauf zu den Sternen,

deren ferne Lichter

im matten Schwarz des Nachthimmels

wie kleine Diamanten funkelten.....

 

 

 

 

 

Die Macht des Zweifels

 

Nachdenkliches

von Karl-Heinz R. Friedhoff

    Dem Menschen ist es schon durch die Macht seiner Zweifel erschwert, den Weg seines Glückes zu finden.

    Noch bevor ein Mensch eine feste Vorstellung von seinem Glück hat, wendet sein Zweifel ein, ob es wirklich lohnenswert sei, sich ernsthaft um ein unsicheres Glück zu bemühen und sich damit auf einen Lebensweg zu wagen, der bestimmt voller Anstrengungen und Risiken sein wird und bei dem Enttäuschungen gar nicht ausbleiben können.

    Noch stärker wird der Zweifel, wenn der Mensch nach den Voraussetzungen eines möglichen Glückes fragt.

    Wenn er mit Bestimmtheit wissen will, ob die Welt überhaupt so beschaffen ist, den Menschen glücklich sein zu lassen.

    Schließlich ist auch der Zweifel sehr bedeutend, der sich gegen den fragenden Menschen selbst richtet:

    Wenn er wissen will, ober er unter den Bedingungen seiner Eigenschaften überhaupt zu dauerhaftem Glück fähig sein kann.

    Der Mensch ist ja kaum fähig, sich der Herrschaft von Gefühlen, Trieben und Bedürfnissen zu entziehen, die ihn immer wieder aufs neue in leidvolle Abhängigkeiten treiben. Ist er nicht auch unfähig, seine Gefühle von der Angst vor dem Scheitern zu befreien, die ihn nicht mehr offen dafür sein läßt, überhaupt Glück zu empfinden?

    Oft verkommt das mögliche Glück auch zu der bloßen Erwartung, daß es sich durch Zufall VON SELBST einfinden möge.

    Aber was kann das schon für ein Glück sein, welches das Leben eines Menschen in einen schicksalhaften Wartezustand versetzt, das also die Freiheit des Mitwirkens am eigenen, persönlichen Glück mißachtet ?

    Welchen Sinn sollte denn ein Glück haben, das der Mensch sich nicht selbst abgerungen hat ?

    Eine Antwort auf die Frage, was denn des Menschen Glück sei, kann nicht gefunden werden, wenn der Mensch sein Denken und Handeln ausschließlich in den Dienst des zerstörerischen Zweifels gestellt hat.

    Der Mensch darf sein Glück nicht bezweifeln, aber er darf es auch nicht bloß erwarten oder versuchen, es zu erzwingen.

    Glück ist wohl nicht anderes als die Fähigkeit, es zu empfinden, auch wenn es nur wenige Augenblicke andauert.

 


 

Vor 25 Jahren sandte mir Carla Mötteli ihre Gedichte zur Veröffentlichung in meinem Fan-Magazin "tomorrow" zu.

Da "tomorrow" aber leider schon nach 6 Ausgaben eingestellt wurde, konnte ich damals einige ihrer Gedichte nicht mehr veröffentlichen.

 

Deshalb bekommen Carlas Gedichte nun hier einen kleinen Ehrenplatz.

 


 

Nacht auf Mars

von Carla Mötteli

 

 Kalt sinkt sie nieder auf sandigen Wall,

wie Eiskristalle glitzern die Sterne,

und weit hinten in dämmernder Ferne,

zieht sprühend ein Meteor durch das All,

 

Zerstiebend plötzlich in tausend Funken,

die, an der eigenen Glut verbrennend,

des Daseins Sinn im Vergeh'n erkennend,

wie ein Schemen sind im Nichts versunken.

 

Kristallgleich wölbt sich des Himmels Schale

weit über dem dürren einsamen Land,

im Nachtwind raschelt der stiebende Sand,

im Zwielicht wird die Landschaft zum Saale,

 

durch den ein heimliches Summen ertönt,

wie Chorgesänge betender Nonnen,

die, in Mysterien eingesponnen,

sind mit sich selbst und dem Schöpfer versöhnt.

 

Der Nachtwind singt, und Sandwolken stieben,

juwelengleich steh'n die Sterne im All,

ein Raumfahrer träumt von dem freien Fall

und wie auf Erden die Mädchen lieben.....

 

 

 


Als die Erde stillstand

von Carla Mötteli

 

Sie halten den Atem an und bleiben steh'n in der Nacht,

In ihren Augen steht ein großes Fragen,

In ihrem Denken ist ein jähes Zagen,

Als hätte ein kalter Wind den Hauch des Todes gebracht.

 

Sie seh'n sich erschrocken an und seh'n einander doch nicht,

Sie denken: "Bruder, wie fremd doch bist du mir ...",

Sie fühlen sich einsam, wie das ärmste Tier

Und suchen im Dunkel der Nacht nach einem Funken Licht.

 

Sie lauschen stumm und entsetzt dem Summen des Blutes nach,

Das heiß und drängend in ihren Schläfen sang,

Und fühlen bedrückt sich und so seltsam bang,

Im Herzen sterbensmüd, doch im Denken so grausam wach.

 

Dann ist es vorüber und war nur ein angstvoller Traum,

Der wie ein Reif herab von den Sternen fiel,

Und war nichts and'res als das tändelnde Spiel,

Das ein Wirbelwind trieb mit den Blättern am Straßensaum.

 

 

 


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