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STAR-FORCE

Science-Fiction-Serie

von

Karl-Heinz R. Friedhoff

 Band 15

 Die Rückkehr der Titanen

 

 

Man schrieb das Jahr 2326 n.Chr., ein Jahr nach der größten Entdeckung der Menschheitsgeschichte, die der terranische Fernaufklärer NOSTRADAMUS gemacht hatte, als er in der galaktischen Randzone (äußeres Ende des Perseus-Spiralarmes) auf die Spuren einer Zivilisation gestoßen war, die von einer menschenähnlichen Spezies hinterlassen worden waren.

Die Raumforschungsbehörde (RFB) hatte daraufhin das Forschungsraumschiff  SOKRATES (Explorerschiff der Beta-Klasse) unter der Leitung von Commodorin Schloerben in das DARIAN-System entsandt, um die dort entdeckten gigantischen Pyramidenbauten auf dem 2.Planeten des Systems zu untersuchen.

 

Das Forschungsteam der SOKRATES fand in den Riesenpyramiden von DARIAN-2 Aufzeichnungen über die Geschichte einer raumfahrenden Zivilisation, die schon existiert hatte, bevor auf der Erde die Menschheit entstanden war. Alles deutete darauf hin, dass diese verblüffend menschenähnliche Spezies schon vor Jahrtausenden einen Teil der Galaxie beherrscht hatte.

Außerdem hatte das Forschungsteam in den untersten Kammern der DARIAN-Pyramiden Sternenkataloge gefunden, aus denen zu erkennen war, dass auch das solare  Sonnensystem (und damit auch die Erde) einst zum Einflussbereich dieses gewaltigen Imperiums gehört haben musste.

Die verblüffenden Übereinstimmungen der außerirdischen Schriftzeichen mit den Schriften der alten Sumerer wiesen darauf hin, dass die Menschen der Erde bereits in vorgeschichtlichen Zeiten Kontakte mit den Fremden gehabt hatten.

Welcher Art diese Kontakte waren und ob sie die menschliche Entwicklung beeinflusst oder sogar erst ermöglicht hatten,  konnte jedoch nur vermutet werden.

 

Da sich das DARIAN-System jedoch in einem Raumsektor am äußersten Ende des galaktischen Perseus-Spiralarmes befand, in dem sich auch Flottenverbände des Rodalischen Imperiums aufhielten, bestand die Gefahr, dass die Rodaler von den terranischen Aktivitäten auf DARIAN-2 erfuhren und versuchen würden, dagegen vorzugehen.

Die Rodaler hatten im etwa 50 Lichtjahre vom DARIAN-System entfernten KHARIM-BEY-Sonnensystem mit der Kolonisierung eines Planeten begonnen, der nach Erkenntnissen des terranischen Geheimdienstes bereits von einer intelligenten Lebensform bewohnt war. Es stand zu befürchten, dass diese Intelligenzen durch die rodalische Invasion ausgerottet werden würden.

Um jedoch die Forschungsarbeiten auf DARIAN-2 nicht zu gefährden, verzichtete die Terranische Föderation auf Maßnahmen zur Rettung der bedrohten Spezies von KHARIM-BEY-4. Es gab zwar geheimdienstliche Aktivitäten, um die bedrohten Wesen zu unterstützen, doch deren Erfolgsaussichten waren mehr als unwahrscheinlich.

So wurde im November des Jahres 2325 zwischen der Terranischen Föderation und dem Rodalischen Imperium ein Vertrag geschlossen, der die gegenseitige Anerkennung des KHARIM-BEY-Systems und des DARIAN-Systems als jeweiliges Hoheitsgebiet der Vertragspartner zum Inhalt hatte.

Die Öffentlichkeit war weder über diesen Vertrag noch über die Entdeckungen auf DARIAN-2 informiert worden...

 

 

12. Januar 2326,

Zwischen-Bericht zu den Untersuchungen auf DARIAN-2,

Commodorin Simone Schloerben, Kommandantin des Explorerschiffes SOKRATES :

        "Der M-Klasse-Planet DARIAN-2 besitzt eine für menschliche Lungen geeignete Sauerstoff-Stickstoff-Atmosphäre. Seine Oberfläche besteht fast ausschließlich aus riesigen Sandwüsten und gewaltigen Felsgebirgen. Es gibt dort keinerlei erkennbare Vegetation. Eine Fauna konnte ebenfalls nicht entdeckt werden.  

Wasser gibt es an der Oberfläche nicht. Es wurden jedoch große Vorkommen unter der Oberfläche der Polar-Regionen festgestellt.

Wir fanden am Äquator des Planeten drei völlig identisch wirkende Pyramidenbauten, die in asymetrischer Anordnung inmitten einer Wüstenebene stehen, die von allen Seiten von Gebirgsketten eingeschlossen wird.

Die Kantenlänge der quadratischen Grundflächen und die Höhe der Bauten beträgt genau 777 Meter, was für Bauwerke dieser Art eine enorme Größe darstellt.

Unser Forschungsteam hatte sich die mittlere, genau über der Äquatorlinie stehende Pyramide ausgesucht, um dort mit der Arbeit zu beginnen.

Anders als bei Ihren irdischen Gegenstücken sind die Eingänge der Pyramiden auf DARIAN-2 weder versteckt noch besonders gesichert, so dass es nicht sehr schwierig war, in das Innere der Bauten zu gelangen.

Allerdings gibt es ein immer noch gut funktionierendes Sicherheitssystem, das alles vernichtet, was sich nicht auf zwei Beinen bewegt. Einer unserer Techniker wurde davon getötet, als er aufgrund eines Sturzes nicht mehr auf seinen Füßen stand.

Bei der Untersuchung dieser Pyramide fanden wir zunächst eine Art Eingangshalle, in der sich mehrere Statuen von menschenähnlichen Humanoiden, Darstellungen von Raumschiffen und Fluggeräten und mehrere Monolithen mit eingravierten Inschriften befinden, die wir mittlerweile auf der Basis der sumerischen Schriftzeichen fast vollständig entschlüsseln und übersetzen konnten. Der Zugang zu den unteren Stockwerken der Pyramide wurde uns zunächst jedoch durch das immer noch voll funktionsfähige Sicherheitssystem der Anlage verwehrt. Nur durch einen mehr als unwahrscheinlich zu nennenden Zufall (siehe Zwischenbericht vom 10.Okt.2325) öffnete das automatische Sicherheitssystem uns den Zugang zu den unteren Stockwerken.

Damit erhielt unser Team Zutritt zu einer großen Halle, die nach unseren Erkenntnissen eine Art Archiv darstellt.

Wir fanden dort gewaltige Mengen von Schriftrollen, die aus extrem dünnen Metallfolien bestehen, in deren Oberfläche Texte, Zeichnungen, Diagramme, Formeln und dergleichen eingraviert sind. Trotz der weitgehenden Übereinstimmungen der außerirdischen Schriftzeichen mit den Schriften der alten Sumerer war eine Auswertung dieses Informationsmaterials aufgrund der gewaltigen Menge nur zu einem geringen Teil möglich, da dies die Kapazität unseres Bordcomputers weit überstieg.

Nach unseren bisherigen Erkenntnissen handelt es sich um eine Art Enzyklopädie der Fremden, die sich  selbst als 'Aitalanii' bezeichneten. Es wurden erstaunlicherweise keine elektronischen Medien gefunden, obwohl die Fremden technisch in der Lage gewesen sein müssen, solche Medien zu erstellen. Offenbar legten die Ersteller der Schriftrollen größten Wert darauf, dass ihre Aufzeichnungen auch ohne technische Hilfsmittel gelesen werden konnten. Leider erschwert dieser Umstand die Auswertungen, da sämtliche Schriftrollen erst fotografisch erfasst und digitalisiert werden müssen, um die Daten in unsere Computer übertragen zu können. Dies erfordert einen hohen Zeit- und Personalaufwand, der die Möglichkeiten der SOKRATES bei weitem übersteigt.

        Unter der Archiv-Halle fanden wir ein weiteres Stockwerk, das von den Erbauern als Grabstätte angelegt wurde. In diesem Stockwerk befinden sich 3612 Sarkophage, in denen die sterblichen Überreste der Fremden bestattet wurden. An allen Sarkophagen sind weitere beschriftete Metallfolien angebracht. Nachdem wir eine von diesen Schriftfolien übersetzt hatten, stellte sich heraus, dass es sich dabei um eine Art Lebenslauf des jeweiligen Bestatteten handelt, was für spätere Auswertungen von großem Interesse sein dürfte. Das Öffnen eines Sarkophages hatte zur Folge, dass der Zugang zur Grabhalle sofort automatisch geschlossen wurde. Offensichtlich sollte dadurch das Entfernen der Körper verhindert werden. Eine Untersuchung der Leichen konnte allerdings durchgeführt werden, ohne dass das Sicherheitssystem etwas dagegen unternahm.

Zu den Bereichen der Pyramide, in denen wir die technischen Einrichtungen vermuten, bekamen wir jedoch keinen Zutritt. Von einem gewaltsamen Eindringen wurde abgesehen, da wir nicht wissen, zu welchen Gegenmaßnahmen das automatische Sicherheitssystem fähig ist."

 

Ergänzung von Betty Wonderan, Kosmobiologin der SOKRATES:

        "In dem Sarkophag, der in der Grabhalle zuerst geöffnet wurde, befand sich eine vollständig erhaltene, mit bislang unbekannten Mitteln konservierte Leiche, die nicht die geringsten Verwesungserscheinungen zeigte. Es handelte sich um einen männlichen Humanoiden von außergewöhnlicher Körpergröße (3,12 Meter), dessen Äußeres fast dem eines Menschen glich. Eine sofort durchgeführte Tomographie zeigte jedoch, dass sich der Knochenbau von dem eines Menschen erheblich unterschied. Anstelle eines Rippenkorbes ist der Oberkörper von nach außen gewölbten Knochenplatten umschlossen, die an einer Wirbelsäule verankert sind, welche am gesamten Rücken, beginnend an den Nackenwirbeln, zusätzlich durch eine aneinanderhängende Reihe von sich überlappenden Knochenscheiben geschützt wird. Es kann sein, dass dadurch der Kopf nicht ganz so beweglich war wie bei einem Menschen. Unter der Bauchdecke befinden sich zwei stabile und dennoch sehr flexible Knorpelscheiben, die den gesamten Unterleib abdecken und so die inneren Organe schützen. Der ganze Knochenbau des Rumpfes ist wie ein natürlicher Schutzpanzer angelegt, was darauf schließen lässt, dass diese fremde Spezies auf einer Welt entstanden ist, auf der sie einen solchen Schutz zum Überleben brauchte. Auch der Schädel wird zusätzlich von einer 6 cm breiten und 2 cm dicken Knochenwulst verstärkt, die von der Stirn bis tief in den Nacken verläuft und vor allem den Hinterkopf schützt. Die sechsfingrigen Hände des Toten verfügen über zwei Daumen, wogegen die Füße nur vier Zehen haben, die aber verhältnismäßig lang sind und zwischen denen sich rudimentäre Schwimmhäute befinden. Auch die inneren Organe unterscheiden sich zum Teil von dem eines Menschen. Der Tote verfügt über zwei Herzen sowie über mehrere unbekannte Organe, deren Funktion wir  nicht erkennen konnten. In den oberen Bereichen der beiden Lungenflügel befinden sich kleine Zusatzorgane, die anscheinend als Filtersysteme fungierten. Alle anderen Organe entsprachen weitgehend  den Organen eines Menschen und hatten vermutlich ähnliche Funktionen.

In anderen Sarkophagen fanden wir auch Körper von weiblichen Humanoiden, die ebenfalls tomographisch untersucht wurden, wobei sich jedoch keine neuen Erkenntnisse ergaben, da die geschlechtsspezifischen Organe denen eines Menschen weitgehend entsprachen.

Weitergehende Untersuchungen der Leichen waren nicht möglich, da wir sie nicht aus der Bestattungshalle hinausschaffen konnten, denn erst nachdem wir die Sarkophage wieder geschlossen hatten, öffnete das automatische Sicherheitssysten auch den Zugang wieder. Auf eine Sezierung der Leichen wurde verzichtet, da wir davon ausgehen mussten, dass dies von der Sicherheitsautomatik gewaltsam verhindert worden wäre. Es konnten jedoch mehrere Gewebeproben für eine gentechnische Untersuchung sichergestellt werden, die bereits an die RFB weitergeleitet wurden."

 

Ergänzung von Corinna Cocome', Archäologin der SOKRATES:

        "Am Äquator des Planeten DARIAN-2 befinden sich drei völlig identisch wirkende Pyramidenbauten, die in asymetrischer Anordnung gebaut wurden.

Die Kantenlänge der quadratischen Grundflächen und die Höhe der Bauten beträgt genau 777 Meter.

Die Außenverkleidung der Bauwerke besteht aus stufenweise aufeinandergesetzten Felsquadern mit einem Volumen von jeweils 60 Quadratzentimetern.

Unter diesem bereits sehr stark verwitterten und teilweise auch stark beschädigten Außenmauerwerk befindet sich eine circa 3 Meter dicke Schicht aus einer extrem harten Kunststoff-Masse, die offensichtlich im halbflüssigen Zustand aufgetragen wurde und erst später ausgehärtet ist. Unsere Messungen zeigten weder Fugen noch Spalten in dieser Schicht, die eine absolut luftdichte Hülle darstellt. Darunter konnten wir eine Metallschicht orten, die ebenfalls die gesamte Pyrmide umgibt. Unsere Masse-Taster zeigten, dass sich im für uns nicht zugänglichen oberen Drittel des Gebäudes große Metallmengen befinden. Wir vermuten, dass hier die technischen Anlagen der Pyramide untergebracht sind, zu denen wir jedoch nicht vordringen konnten.

In der völlig frei zugänglichen Eingangshalle befinden sich mehrere Statuen, die humanoide Wesen darstellen, bei denen erst bei näherer Betrachtung zu sehen ist, dass sie nichtmenschlich sind. Die Statuen ähneln den Kriegerdenkmälern aus der Erd-Vergangenheit, da die Wesen offensichtlich mit Waffen oder waffenartigen Gegenständen dargestellt werden.

Weiter befinden sich in der Halle achtzehn Monolithen aus grauem, marmorartigem Material, in denen Inschriften eingraviert sind, die nicht nur große Ähnlichkeit mit den Schriftzeichen der Sumerer aufweisen, sondern größtenteils sogar damit übereinstimmen. Es ist daher zu vermuten, dass die Sumerer Kontakt mit diesen Wesen hatten und versuchten haben, deren Schrift nachzuahmen. Auf der Basis der sumerischen Schriftzeichen konnten die Inschriften auf den Monolithen inzwischen übersetzt werden. Es handelt sich um Inschriften, wie sie auch auf den alten Denkmälern auf der Erde üblich waren. Zwei der Monolithen weisen jedoch einen längeren Text auf, der ebenfalls übersetzt werden konnte. Hier handelt es sich um die epische Beschreibung einer Weltraumschlacht, die zwischen den 'Aitalanii' und einem feindlichen Volk stattgefunden hat, das als 'Koitunii'  bezeichnet wird. Es gibt sogar eine eingravierte Sternkarte, in der gezeigt wird, wo diese Schlacht stattgefunden hat. Da es sich aber um Sternkonstellationen handelt, die vor mehr als 12.000 Jahren aktuell waren, stimmen die Koordinaten mit den heutigen Konstellationen nicht mehr überein. Wir vermuten, dass diese Schlacht irgendwo im Perseus-Spiralarm stattgefunden hat.

Neben den großen Statuen und den Monolithen gibt es weitere, kleinere Skulpturen, welche Modelle von Raumschiffen und Fluggeräten verschiedener Größe darstellen.

Einige dieser Skulpturen stellen Raumfahrzeuge in der Form von runden Diskus-Scheiben dar, die eine unheimliche Ähnlichkeit mit Beschreibungen aus den so genannten UFO-Sichtungen des 20.Erd-Jahrhunderts haben. Zusammenhänge scheinen hier jedoch nicht wahrscheinlich zu sein."

 

Commodorin Simone Schloerben, Nachsatz:

        "Durch das Eintreffen der Explorerschiffe ARISTOTELES und JULES_VERNE  (Alpha-Klasse) wurde unser Team mittlerweile verstärkt. Wir haben in unmittelbarer Nähe der Pyramiden eine Forschungsstation eingerichtet, die ihre Arbeit inzwischen aufgenommen hat.

Zum Schutz des DARIAN-Systems hat das Militär die beiden Trägerschlachtschiffe MEDUSA und NEMESIS geschickt, damit unsere Arbeit nicht von den Rodalern behindert wird.

Bericht Ende".

 

 

17. März 2326,

Kairo, Planet TERRA, Kontinental-Distrikt Afrika, Territorial-Region Ägypten, Institut für Kosmologie - Zentrale Projekt-Leitung der DARIAN-Forschungen:

 

        "Wieso sind wir in mehr als 200 Jahren interstellarer Raumfahrt niemals auf irgendwelche Spuren dieses geheimnisvollen Aitalanii-Reiches gestoßen?" fragte die Projekt-Leiterin Elisa Abatan, "Wenn die auf DARIAN-2 gefundenen Daten stimmen, dann hätte es doch auch im Orion-Spiralarm Spuren dieser Zivilisation geben müssen. Aber in allen interstellaren Kolonien der Menschheit wurden niemals entsprechende Hinweise oder gar Artefakte gefunden. Die einzigen raumfahrenden nichtmenschlichen Intelligenzen, die wir bislang kennen, sind die Nardim, wenn man von der ausgelöschten Zivilisation auf der anderen Seite der Galaxie absieht (siehe Band 9: Die Expedition)."

 

        "Die Nardim sprachen von einer alten Macht, die uns ähnlich gewesen sein soll (siehe Band 10: Killernebel),"  meinte einer ihrer Mitarbeiter, "Vielleicht haben sie damit die Aitalanii gemeint."

        "Hoffentlich nicht", meinte sein Nebenmann, "Denn nach Ansicht der Nardim muss es sich um eine sehr aggressive Macht gehandelt haben. Wenn sie tatsächlich die Aitalanii gemeint haben, dann müssen wir vielleicht mit unangenehmen Überraschungen rechnen."

 

        "Gibt es in den sumerischen Mythen irgendwelche Hinweise auf Kontakte mit den Aitalanii?" fragte die Projektleiterin weiter und blickte auffordernd in die Runde.

 

        "Nun ja", meldete sich eine Frau am Ende des Konferenztisches zögernd zu Wort, "es gibt ein paar vage Hinweise, bei denen wir aber nicht wissen, ob es sich um rein religiösen Mythos oder um die verzerrte Überlieferung von tatsächlichen Ereignissen handelt. Die höchste Gottheit der alten Sumerer wurde MARDUK genannt. Es heißt, dass er von einem Stern zu den Menschen gekommen sei. Und genau der Begriff MARDUK taucht immer wieder in den Schriftfolien von DARIAN-2 auf, wobei es sich offensichtlich um den Titel oder den Rang eines Befehlshabers handelt. Ein Besuch der Aitalanii auf der Erde könnte die Ursache des sumerischen Marduk-Glaubens gewesen sein. Allerdings steht nicht fest, ob die Sumerer selbst noch Kontakt mit den Aitalanii hatten oder bereits ihre frühen Vorfahren, von denen sie diese Überlieferungen übernommen haben."

 

        "Erzählen Sie uns mehr über diesen Marduk-Mythos", forderte Elisa Abatan die Frau auf, die sich als Dr. Juliane Ibanez von der Universität Berkeley in Kalifornien vorgestellt hatte.

 

        "Vermutlich ist dieser Mythos auf sumerische Überlieferungen zurückzuführen, in denen es heißt, dass mächtige Götter von einem großen Planeten die Erde besuchten und die ersten sumerischen Kulturen gründeten. Die damals bekannten Planeten wurden von den Sumerern als Lichtsignale der Götter betrachtet, wobei aus den Überlieferungen zu ersehen ist, dass die Sumerer über ganz erstaunliche astronomische Kenntnisse verfügt haben mussten. In den sumerischen Überlieferungen wurden aus den Lichtsignalen der Götter schließlich 'Götterzeichen', die in den nachfolgenden Kulturen als schicksalsbestimmend betrachtet wurden. Daraus entstand schließlich die Astrologie, die sich auf der Erde bis zum Beginn des 22.Jahrhunderts noch großer Beliebtheit erfreute. Erst der Beginn der interstellaren Raumfahrt und die Kolonisierung anderer Planeten beendete schließlich den Glauben an die Schicksals-Kräfte von Sternen und Planeten."

 

        "Wenn diese Götter die Aitalanii waren, dann ergibt dieser Mythos einen Sinn", überlegte Elisa Abatan, "Es wäre ein Hinweis auf Kontakte der Aitalanii mit den frühen mesopotamischen Hochkulturen."

 

        "Solange wir aber in den in den Schriftfolien von DARIAN-2 keinen eindeutigen Hinweis darauf finden, bleibt das eine zwar naheliegende, aber dennoch unbewiesene Vermutung", wandte Dr. Ibanez ein.

 

        "Dann müssen wir uns bei der Analyse der Schriftfolien vor allem auf alles konzentrieren, was mit Raumfahrt und Astronomie zu tun haben könnte", ordnete die Projektleiterin an.

 

 

18. März 2326,

Planet KHARIM-BEY-4, nördliche Hemisphäre:

 

        ("Diese verdammten Hüpfer werden immer schlauer",) dachte Zenturio Hendrik Tronstein, als er mit seiner Kampftruppe in das verlassene Dorf eindrang, ("Es wird immer schwieriger, sie zu erwischen.")

 

        In der ersten Tagen der Invasion war es spielend einfach gewesen, die pelzigen Eingeborenen von KHARIM-BEY-4 aufzuspüren und umzubringen, denn die 'Hüpfer' hatten erst gar nicht begriffen, dass die Besucher von den Sternen keinesfalls mit freundlichen Absichten zu ihnen gekommen waren.

Schon am ersten Tag waren sie in Scharen zu den Landeplätzen geeilt, um staunend zuzuschauen, wie die rodalischen Landetruppen aus den Transportfähren strömten.

Zuerst hatte man sie für pelzige Herdentiere gehalten, aber dann waren einige Gruppen von ihnen bis an die Landefähren herangekommen, um primitive Geschenke zu überreichen.

Als der Befehlshaber der Landetruppen, Intendant Erik Antaro, den Befehl zur Liquidierung gab, war es für eine Flucht zu spät. Keiner der neugierigen Zuschauer war dem Gemetzel entkommen, und so hatte auch keiner von ihnen ihre Dörfer vor den Invasoren warnen können.

Innerhalb einer Woche waren in einem Radius von 3000 Kilometern alle Siedlungen der 'Hüpfer' mitsamt ihren Einwohnern restlos ausgelöscht worden. Aber ein paar dieser Pelzwesen, deren Äußeres einer Mischung aus überdimensionierten Kaninchen und Känguruhs ähnelte, waren offenbar entkommen und hatten ihre Artgenossen in den weiter entfernten Waldsiedlungen warnen können.

 

Von da an wurde es schwieriger und die rodalischen Soldaten mussten feststellen, dass sie die pelzigen Ureinwohner von KHARIM-BEY-4 unterschätzt hatten. Es verging kein Tag mehr, an dem es nicht zu Überfällen der 'Hüpfer' kam, die die Rodaler mit primitiven Waffen und dem Mut der Verzweiflung  angriffen, auch wenn die meisten von ihnen dies mit dem Leben bezahlten.

 

Es wäre einfach gewesen, die riesigen dschungelartigen Wälder, in denen sich die 'Hüpfer' gut verstecken konnten, mit schweren Brandbomben und Thermowaffen auszulöschen und so auch die 'Hüpfer' zu vernichten, aber das hätte wertvolles Siedlungsgebiet zerstört und jahrelang unbrauchbar gemacht.

 

Also blieb den Invasoren nichts anderes übrig, als mit Einsatzkommandos in die dichten Wälder einzudringen und die von der Luftaufklärung aufgespürten Siedlungen der 'Hüpfer' nach und nach zu vernichten.

Das hatte natürlich zur Folge, dass die Kampftruppen im Dschungel leichter angreifbar waren, was den Ureinwohnern von KHARIM-BEY-4 einen kleinen Vorteil verschaffte, den sie schon bald zu nutzen lernten.

 

Allein die Kohorte von Zenturio Tronstein hatte während ihrer Einsätze bereits ein Sechstel ihrer Soldaten durch Fallen und Hinterhalte verloren, und bei den anderen Kohorten, die sich in den Dschungel hineinwagten, sah es nicht besser aus.

Es war den 'Hüpfern' sogar gelungen, ein paar rodalische Lasergewehre zu erbeuten, aber zum Glück funktionierten die nur, wenn ihr Besitzer einen codierten Sender besaß, der die Waffe elektronisch freischaltete.

Doch vor kurzem hatte es auch Kämpfe mit einer 'Hüpfer'-Gruppe gegeben, die über funktionierende Energiewaffen verfügte, und niemand wusste, woher sie die bekommen hatten.

 

        ("Hoffentlich treffen wir hier nicht auf die Hüpfer mit den Laserwaffen",) dachte Zenturio Tronstein besorgt, während seine Leute ausschwärmten und die Hütten durchsuchten, ("Diese Viecher sind schon lästig genug, wenn sie uns nur mit ihren primitiven Speeren angreifen. Ich frage mich, warum sie nicht aufgeben. Sie müssen doch längst begriffen haben, dass sie ihr Ende nicht verhindern können.")

 

An diesem Tag erwiesen sich Tronsteins Sorgen jedoch als unbegründet, denn seine Kohorte wurde nicht ein einziges Mal angegriffen. Nachdem die Infanteristen alle Hütten gründlich durchsucht hatten, zerstörten sie die einfachen Behausungen mit Thermo-Sprengladungen und machten sich dann auf den Rückweg zum Stützpunkt.....

 

 

4. April 2326,

Kairo, Planet Terra, Kontinental-Distrikt Afrika, Territorial-Region Ägypten, Institut für Kosmologie - Zentrale Projekt-Leitung der DARIAN-Forschungen:

 

        "Wir haben jetzt fast alle Folien ausgewertet, auf denen wir Sternkarten oder ähnliches entdecken konnten," erklärte Giacomo Casseli, seines Zeichens Leiter des institutseigenen Rechenzentrums, "Aber nur ein Teil davon stimmt mit den Sternkonstellationen in unserer Galaxie überein, wie sie vor 12.000 Jahren aktuell waren. Alle anderen Karten zeigen völlig andere Konstellationen - egal wie weit wir zurückrechnen. Wir glauben, dass es Sternkarten aus einer anderen Galaxie sind."

 

        "Welche andere Galaxie ?" wollte Elisa Abatan  wissen.

 

        "Das wissen wir nicht", antwortete der Mann schulterzuckend, "Und wir haben auch keine Möglichkeit, das herauszufinden, es sei denn, wir finden noch irgendwelche Folien, auf denen sich die entsprechenden Hinweise befinden. Aber solange wir nicht alle Daten in unseren Computern haben, ist eine Suche nach solchen Hinweisen aussichtslos."

 

        "Wir sollten uns auf unsere eigene Galaxie konzentrieren", meinte die Projektleiterin, "Gibt es da schon Hinweise, wo sich die Kolonien der Aitalanii befunden haben könnten?"

 

        "In allen Sternkarten befinden sich Markierungen mit verschiedenen Symbolen", erklärte Giacomo Casseli, "Und es sind auch viele Sonnensysteme markiert, die uns bekannt sind. Aber die meisten dieser Sonnensysteme haben keine Planeten, auf denen die Aitalanii hätten leben können. Schließlich waren es Sauerstoffatmer wie wir und hätten nur Planeten der M-Klasse besiedeln können. Und die markierten Systeme mit lebensfreundlichen Planeten wurden inzwischen von Menschen besiedelt, ohne dass dort jemals ähnliche Artefakte wie auf DARIAN-2 gefunden wurden."

 

        "Vielleicht haben Sie die Kartenmarkierungen falsch interpretiert", überlegte E.Abatan, "Vielleicht weisen sie gar nicht auf Kolonien hin, sondern auf etwas ganz anderes. Das sollten Sie nochmal überprüfen."

Dann wandte sie sich an Juliane Ibanez.

        "Und wie sind Sie weitergekommen, Dr.Ibanez? Haben Sie in den sumerischen Mythen verwendbare Hinweise finden können?"

 

        "Ich habe mich hauptsächlich mit dem sumerischen Schöpfungsmythos ENUMA-ELISCH befasst, in dem Marduk als allerhöchster Gott genannt wird", antwortete die Angesprochene, "Es gibt aber auch andere sumerische, akkadische und babylonische Texte wie zum Beispiel den ATRAMHASIS-MYTHOS. Die  wichtigsten Götter der Sumerer, Akkader und Babylonier waren MARDUK, ANU, INANNA, ENKI und ENLIL. Aber die verschiedenen sumerischen und babylonischen Texte machen die Klärung der Rangfolge von Enlil, Enki und Marduk nicht gerade einfach. Es gibt hier teils widersprüchliche Aussagen, denn Enki als auch Enlil werden als Obergötter der Erde und des Himmels benannt. Auch Inanna wird als Beherrscherin der Menschen bezeichnet. Enki wird als 'Allerhöchster'  im Himmel und auf der Erde benannt und mit Vater und Herr angesprochen. Und sowohl Enlil als auch sein Vater Anu wurden ebenfalls als Obergott dargestellt.

In einem anderen Text wird wiederum der Bericht des ENUMA-ELISCH bestätigt , wonach Marduk der Obergott des Universums war. Hier wird berichtet, dass Marduk sein Leben zur Verteidigung der Götter einsetzte und nur ihm allein Anbetung und Obergewalt zusteht."

 

        "Das hört sich aber reichlich kompliziert an", meinte E.Abatan mit leichtem Stirnrunzeln.

 

        "Ist es auch", nickte J.Ibanez, "Darum habe ich jedem Projektmitarbeiter eine Kurz-Interpretation des ENUMA-ELISCH zukommen lassen, damit sich jeder selbst ein Bild davon machen kann. Ich hoffe nur, dass wir auf den DARIAN-Schriftfolien etwas finden, was irgendwelche Zusammenhänge mit den sumerischen Schöpfungsmythen erkennen lässt. Deshalb schlage ich vor, die Schriftfolien vor allem nach diesen Götternamen zu durchsuchen. Vielleicht können wir dann die sumerischen Mythen besser interpretieren."

 

 

Verkürzte Interpretation des "Enuma-Elisch", sumerisch-babylonischer Weltschöpfungsepos,

zusammengestellt von Dr. Juliane Ibanez:

 

Der Weltschöpfungsepos Enuma-Elisch, dessen Entstehungszeit nicht genau geklärt ist, stammt vermutlich aus der Zeit um 1700 v.Chr.  

Den Anfang bilden Ur-Gott Apsu und seine Frau Tiamat.  Ihre Kinder sind die Götter der ersten Generation, zu denen unter anderen Lachmu, Lachamu, Aeon, Mummu, Kingu, Kischar und Anschar zählen.

Anschar erzeugt seinen erstgeborenen Sohn Anu und macht ihn sich gleich.

Anu schafft sein Ebenbild Enki.  Dieser wird der Herrscher seiner Väter.

 

Der erste Konflikt entsteht, denn die Götter der Folgegenerationen verhalten sich nicht so, wie es ihre Eltern wünschen. Apsu beschließt, die Götter der zweiten und dritten Generation zu vernichten. Aber diese Götter erlangen Kenntnis von der bösen Absicht des Apsu, sie töten zu wollen.  

Enki übernimmt die Verteidigung der Götter und wird durch diese Tat zum dritten Herrscher des Universums (Reihenfolge: Apsu - Anschar - Enki). Enki nimmt den Ur-Gott Apsu gefangen und tötet ihn.

Nun erzeugen Enki und seine Frau Damkina den Sohn Marduk, der als besonders mächtig und göttlich beschrieben wird. Anu stattet Marduk mit noch mehr Macht und Göttlichkeit aus.  

Dadurch haben Enki, Damkina und Anu mit Marduk den mächtigsten Gott des Universums geschaffen.  

 

Der zweite Konflikt im Universum beginnt. Der Hauptverantwortliche ist Anu, denn er erfindet Dinge, um seine Ur-Mutter Tiamat unablässig zu ärgern. Die Götter aus der 1.Generation geben ihrer Mutter Tiamat deshalb den Rat, die restlichen Götter wieder zu vernichten.

Tiamat entwickelt neue, schreckliche, für immer Vernichtung bringende Waffen zur Kriegsführung. Sie ernennt Gott Kingu aus der 1.Generation zu ihrem zweiten Gatten und ernennt ihn zum neuen Herrscher des Universums. Kingu sollte als Heerführer die neuen Waffen bedienen und zusammen mit den anderen Göttern aus der 1.Generation gegen die folgenden Generationen der Götter kämpfen, um diese zu vernichten!  

Enki berichtet Anschar von der Kriegsabsicht der Tiamat, worauf Anschar dem bewährten Enki Vollmacht erteilt, die Tiamat zu vernichten, was Enki jedoch ablehnt.  

Nun will Anschar Anu mit dieser Aufgabe betrauen, aber auch Anu fühlt sich der Aufgabe nicht gewachsen und bittet deshalb Marduk, den Kampf gegen die Tiamat zu übernehmen. Marduk stimmt unter der Bedingung zu, nach dem Sieg über die Tiamat die gesamte Macht des Universums zu erhalten. Die Götter nehmen das Angebot an, worauf Marduk sich vorbereitet und in Richtung Tiamat startet.

Marduk setzt sein "Zyklon-Feuer" und den "Schlimmen Wind" ein, um die Tiamat zu töten. Ab hier wird Marduk im Enuma-Elisch als der HERR bezeichnet. Nun besiegt Marduk noch das Heer der Tiamat, was von Kingu angeführt wird. Die von Tiamat erschaffenen Monster und Dämonen werden eingesperrt.

Aus der Materie der Tiamat erzeugt Marduk den neu geordneten Kosmos und bewegt sich durch das Weltall, um eine Heimat für Enki, Anu und Enlil zu schaffen.  

Marduk der HERR erzeugt einen "Himmelspalast", mit Namen "Escharra". Hier errichtet er den Wohnsitz für Anu , Enlil und Enki. (Es ist anzunehmen, dass dieses "Escharra" der Planet Erde ist.)

Als nächstes schafft Marduk das Klima auf der Erde , welches durch Wind und Wasser bestimmt wird.

Er trennt dabei das Wasser (die Materie des alten Apsu), um Himmel und Erde zu erschaffen.

Enki wird von Marduk zum Herrscher und Gott der Erde bestellt und auch Anu wird von Marduk weiter in seiner Stellung erhöht. Ein erbarmungsloser Aufseher der Anunnaki (Untergötter), war Enlil, der Sohn des Anu. Es gibt jedoch Probleme mit den den Anunnaki , die gegen Anu und Enlil revoltieren, so dass diese sogar kurzzeitig fliehen müssen.

Marduk und Enki planen deshalb, den Menschen als Sklaven schaffen zu lassen. Der Mensch soll als Sklave der Götter für Arbeiten eingesetzt werden und somit den Göttern das Leben erleichtern.

Enki stimmt dem Vorhaben zu und erklärt sich bereit den Menschen zu schaffen.

Der gefangene Gott Kingu wird nun von Enki zur "Materialgewinnung" auseinandergenommen. Enki baut aus dem Geist des Kingu und sterblicher Materie die Menschen.

Marduk teilt die Anunnaki nun in zwei Gruppen. Eine soll auf der Erde leben, die andere im Himmel.  

Anu wurde von Marduk als Aufseher für diese Maßnahme eingesetzt.

Der Mythos endet mit dem Vorhaben Marduks, die Stadt Babylon als "Torweg der Götter" zu erbauen.  

gez.: Dr. Juliane Ibanez

 

 

21. April 2326,

Information zu den Untersuchungen auf DARIAN-2,

Commodorin Simone Schloerben, Kommandantin des Explorerschiffes SOKRATES :

 

Berichtigung

zum Zwischenbericht vom 12.Januar 2326:

Auf einer der in den DARIAN-Pyramiden gefundenen Monolithen befindet sich folgende Inschrift:

"Ehre den Kriegern von [aitalan], die hier starben für alle [aitalanii], die ihnen anvertraut waren. In der Schlacht von [kagai] siegten sie über die Heere der [koitunii] und opferten ihr Leben für die Völker von [aitalan].  Hier stehen ihre Grabmale, damit ihre Namen und ihre Taten auf ewig unvergessen bleiben, auch wenn die Völker von [aitalan] lange schon vergangen sind."

 

Danach folgt ein längerer Text, bei dem es sich um die epische Beschreibung einer Weltraumschlacht handelt,  die zwischen den "Aitalanii" und einem feindlichen Volk stattgefunden hat, das als "Koitunii"  bezeichnet wird. Auf einer eingravierten Sternkarte wird gezeigt, wo diese Schlacht stattgefunden hat.

Bisher sind wir davon ausgegangen, dass diese Schlacht im Perseus-Spiralarm stattgefunden hat.

Diese Annahme hat sich als falsch herausgestellt !

 

Begründung:

Es wurde inzwischen andere Texte gescannt und übersetzt, in denen der Begriff "Kagai" als Bezeichnung für ein Sonnensystem verwendet wurde, das über mehrere Planeten verfügt, von denen einer als "Escharra" bezeichnet wird.

Unter der Annahme, dass "Escharra" der Planet Erde ist und mit "Kagai" das Solare Sonnensystem gemeint war, haben wir die zur oben genannten Inschrift gehörende Sternkarte noch einmal neu analysiert und mit den Planeten-Positionen des solaren Sonnensystems verglichen.

Die Konstellationen stimmen im wesentlichen überein, wobei es jedoch einen gravierenden Unterschied gibt:

In der Aitalanii-Sternkarte befindet sich der Planet Venus nicht an seiner heutigen Position, so dass die Erde nicht der dritte, sondern der zweite Planet nach dem Merkur ist.

Dafür ist in der Aitalanii-Sternkarte ein Planet eingezeichnet, der sich dort befand, wo sich heute der Asteroidengürtel zwischen Mars und Jupiter befindet.

Dieser Planet wurde von den Aitalanii "TIAMAT" genannt, genauso wie die sumerische Urgöttin.

Aus den vorgefundenen Texten geht hervor, dass dieser Planet der Mittelpunkt einer Schlacht war, in deren Verlauf der Planet zerstört wurde und nur sein glühender Kern übrigblieb, der aus seiner Umlaufbahn geschleudert wurde und sich in Richtung Sonne bewegte.

Dabei soll er "Escharra", also der Erde, gefährlich nahe gekommen sein und fast aus der Bahn geworfen haben. Später soll der Magma-Kern des zerstörten Planeten eine neue Umlaufbahn um die Sonne ("Kagai") gefunden haben.

Auf einer anderen Aitalanii-Sternkarte vom "Kagai"-System stimmt die Position des 2.Planeten mit der heutigen Position der Venus wieder weitgehend überein. Offensichtlich wurde diese neuere Sternkarte erst nach der Katastrophe angefertigt. Daher liegt die Vermutung nahe, dass die heutige Venus aus dem Kern des zerstörten Planeten entstanden ist.

Hinweis:

Die ausgewerteten Texte weisen große Ähnlichkeiten mit dem sogenannten "Phaeton-Mythos" auf, in dem von einem zehnten Planeten zwischen Mars und Jupiter die Rede ist, der "Phaeton" genannt wurde und angeblich in grauer Vorzeit durch eine kosmische Katastrophe vernichtet wurde. Dieser Mythos ist auf  Überlieferungen der Sumerer, Akkadier und Babylonier zurückzuführen. Ähnliches findet man auch in den Mythen der Ägypter, Phönizier, Griechen und Azteken.

 

gez.    Commodorin Simone Schloerben,

        Kommandantin des Explorerschiffes SOKRATES.

 

 

7. Mai 2326,

Paris, Planet Terra, Kontinental-Distrikt Europa, Territorial-Region Frankreich, Regierungssitz der Terranischen Föderation:

 

        "Unfassbar!" flüsterte Präsident Saris fast tonlos, "In unserem eigenen Sonnensystem soll vor Jahrtausenden eine Raumschlacht stattgefunden haben? Und dabei ist ein ganzer Planet vernichtet worden? Das ist doch unglaublich!"

 

        "Die DARIAN-Schriften lassen keinen anderen Schluss zu", erklärte Elisa Abatan, "Und die Ähnlichkeiten mit den Schöpfungsmythen der Sumerer, Akkader und Babylonier sind einfach nicht zu übersehen. Dabei muss allerdings berücksichtigt werden, dass die Sumerer nicht nur Personen, sondern auch Dinge als Götter betrachteten. So haben sie offensichtlich den Planeten "TIAMAT" als Urgöttin betrachtet, obwohl das keine wirkliche Person war. Die Ränge und Titel der Aitalanii wurden als die Namen von Göttern überliefert. Inzwischen wissen wir, dass Marduk der Titel eines Oberbefehlshabers war. Ein Enki wiederum war der Kommandeur einer Militär-Einheit und einem Marduk unterstellt. Ein Enlil war so etwas wie ein Statthalter beziehungsweise ein Gouverneur. Ein Anu war ein Oberster Aufseher und unterstand einem Enlil. Eine Inanna war eine geistige Führerin oder Ratgeberin - vielleicht so etwas wie eine Hohepriesterin. Andere Götternamen wiederum könnten die wirklichen Namen einzelner wichtiger oder hochgestellter Aitalanii gewesen sein. So könnte der sumerische Urgott Apzu ein Herrscher auf dem Planeten 'TIAMAT' gewesen sein. Auch der Begriff Anunnaki taucht immer wieder in den DARIAN-Schriften auf - es waren nichts anderes als Soldaten und Arbeiter. Für die Sumerer waren es eine Art Untergötter, wobei sie zwischen den Anunnaki des 'Oben' und des 'Unten' unterschieden. Die 'Anunnaki des Oben' waren wohl die Raumschiffsbesatzungen und die 'Anunnaki des Unten' waren das Bodenpersonal der Aitalanii. Sogar den Begriff Nephilim haben wir in den Schriftfolien gefunden. Für die Sumerer waren das dämonische Riesen - für die Aitalanii war das eine Bezeichnung für ihre Kampfmaschinen!  Es passt einfach viel zu viel zusammen, als dass wir es ignorieren könnten!"

 

        "Und was ist mit diesem phantastischen Mythos, dass die Anunnaki den Menschen erschaffen haben sollen?" fragte der Präsident skeptisch, "Glauben Sie wirklich, die gesamte Menschheit wäre nur durch die Aktivitäten von Außerirdischen entstanden?"

 

        "Nein, denn dafür gibt es in den DARIAN-Schriften nicht den geringsten Hinweis", antwortete die Projektleiterin, "Vermutlich ist das in den Schöpfungsmythen einfach hinzugedichtet worden, um den Menschen als ein von Göttern geschaffenes Wesen darzustellen, das über allen anderen Geschöpfen der Erde steht. Ähnliches findet man ja auch in den anderen Religionen. Nach allem, was wir bisher aus den DARIAN-Schriften wissen, befanden sich die Aitalanii in einem gewaltigen Krieg, der vielleicht sogar zu ihrem Untergang geführt hat. Da dürften sie nur wenig Interesse an der Erschaffung einer neuen intelligenten Spezies gehabt haben."

 

        "Was ich nicht verstehe", sprach der Präsident nach einer Weile des Schweigens, "ist der Umstand, dass diese Pyramiden so weit weg von hier errichtet wurden - praktisch am äußersten Rand der Galaxie. Gibt es dafür eine Erklärung?"

 

        "Wir vermuten, dass die Aitalanii aus diesem Raumsektor fliehen mussten und ihre Toten mitgenommen haben, um sie erst später auf DARIAN-2 zu bestatten", meinte Elisa Abatan, "Aber genau werden wir das wohl nie wissen."

 

 

27. Mai 2326,

Planet KHARIM-BEY-4, nördliche Hemisphäre:

 

        "Die Töter sind überall und ihre Zahl wird mit jedem Tag größer", sprach die Älteste Mutter, "Auch mit den Blitzwaffen, die ihr uns gegeben habt, können wir sie nicht mehr vertreiben. Die Töter sind zu zahlreich und zu mächtig. Und dort, wo sie ihre großen Zauberdampftürme aufgebaut haben, können wir Krellim nicht mehr leben, ohne krank zu werden und zu sterben. Bald werden wir Krellim keine Zuflucht mehr finden, wo wir uns vor den Tötern verbergen können. Warum haben deine Ältesten nicht mehr von euch geschickt, um uns zu helfen? Oder gibt es in deinem Volk zu wenige, die uns helfen wollen?"

Ihre großen, rotbraunen Augen richteten sich fragend auf die terranische Agentin, die nicht wusste, wie sie darauf antworten sollte und bedrückt schwieg.

        "Und nun", fuhr die Älteste Mutter traurig fort, "erfahre ich von dir, dass eure Ältesten dich und deine Gefährten zurückgerufen haben, so dass wir Krellim nun allein kämpfen müssen, ohne jede Hoffnung, diesen Kampf zu überleben. Das einzige, was uns noch bleibt, sind unsere Lieder in der Halle der Großen Alten, die vor undenklich langer Zeit die Ahnen meines Volkes beschützt haben. Die Großen Alten haben unsere Lieder sehr geliebt, doch sie sind schon lange fort und niemand weiß, wohin sie gegangen sind. Sie antworten schon lange nicht mehr auf unsere Lieder und so gibt es keine Hoffnung. Darum werden wir morgen das große letzte Lied der Krellim singen."

 

Carolin Badecci horchte auf, nachdem ihr mobiler Translator die Worte der Ältesten übersetzt hatte.

        "Eine Halle der Großen Alten?" fragte sie, "Davon habt ihr uns nie erzählt. Wo befindet sie sich?"

 

        "Wenn du willst", antwortete die Älteste Mutter, "kannst du morgen mit uns dorthin gehen. Es ist nur einen Tageslauf entfernt von hier in den Nordbergen. Vielleicht ist es gut, wenn du deinem Volk später von unseren Liedern erzählen kannst. Denn das wird wohl alles sein, was von uns übrig bleibt."

 

 

27. Mai 2326,

Kairo, Planet Terra, Kontinental-Distrikt Afrika, Territorial-Bezirk Ägypten, Institut für Kosmologie - Zentrale Projekt-Leitung der DARIAN-Forschungen:

 

Giacomo Casseli machte einen ziemlich verstörten Eindruck, als er der Projektleiterin einen Computer-Ausdruck mit der Übersetzung eines Aitalanii-Textes überreichte.

 

        "Was ist das?" fragte Elisa Abatan, als sie den Ausdruck vor sich auf ihrem Schreibtisch liegen hatte, "Haben Sie etwas Neues herausgefunden? Sie scheinen etwas verwirrt zu sein."

 

        "Das kann man wohl sagen", meinte G.Casseli, "Wir sind durch Zufall darauf gestoßen, weil in dem Text der Begriff Escharra enthalten ist, der ja wahrscheinlich die Bezeichnung der Aitalanii für die Erde war. Es handelt sich um die Übersetzung eines medizinischen Berichtes."

 

        "Ja und?" fragte die Projektleiterin, "Was ist das Besondere daran?"

 

        "Wenn Sie das gelesen haben, werden Sie es verstehen", antwortete der Leiter des institutseigenen Rechenzentrums.

 

        "Nun spannen Sie mich nicht auf die Folter", verlangte sie ungeduldig, "Sagen Sie schon, was es damit auf sich hat."

 

        "Es ist ein medizinischer Bericht über eine Untersuchung, die sich mit Mutationen von Primaten auf Escharra beschäftigt", erklärte der Informatiker, "Aus diesem Bericht geht hervor, dass die genetisch bedingten Veränderungen nur bei Primatengruppen aufgetreten sind, die sich in der Nähe der Anunnaki-Siedlungen aufhielten und sich von deren Abfällen ernährt haben. Weiter steht in diesem Bericht, dass in den Abfällen auch Reste von gentechnisch wirksamen Medikamenten enthalten waren, deren Nebenwirkungen bei den Primaten deutliche Verhaltensänderungen und sogar erhebliche körperliche Mutationen ausgelöst haben. Es ist außerdem vermerkt, dass die betroffenen Primaten eine wesentlich höhere Intelligenz zeigten als ihre Artgenossen, die sich nicht von den Abfällen ernährt hatten."

 

Casseli machte eine kleine Pause, um dann fortzufahren:

        "Wenn es sich bei diesen Primaten um die frühen Vorfahren des Menschen gehandelt hat, dann ist die Entwicklung des Menschen vom Homo-erectus bis zum Homo-sapiens-sapiens auf eine prähistorische Umweltverschmutzung zurückzuführen. Dann wären wir die Nachfahren von Abfallfressern, deren Entwicklung zum heutigen Menschen durch weggeworfene Medikamentenreste ausgelöst wurde!!!

Und vielleicht sind die daraus entstandenen Mutationen der Grund, warum unser Aussehen denen der Aitalanii ähnelt. Ohne diese Mutationen wären wir heute vielleicht nicht viel mehr als kleinwüchsige, haarige Schimpansen!"

 

Elisa Abatan war bleich geworden, als sie sich der Tragweite des soeben Gehörten bewusst wurde.

 

        "Das ist eine fuchtbare Vorstellung", flüsterte sie fassungslos, "Davon darf vorerst niemand etwas erfahren!"

 

 

28. Mai 2326,

Planet KHARIM-BEY-4, nördliche Hemisphäre:

 

Die Halle der Großen Alten entpuppte sich als gewaltiger, kreisrunder Höhlendom, der ganz offensichtlich nicht natürlichen Ursprungs war. Es war deutlich zu erkennen, dass irgendjemand diese Höhle mit schweren Werkzeugen oder Maschinen in den Felsen gebohrt hatte.

Carolin Badecci war sicher, dass die Krellim dazu nicht in der Lage gewesen wären, denn die riesige Höhle war mindestens dreißig Meter hoch und hatte einen Durchmesser von etwa dreihundert Metern.

 

Da sie nicht über die Entdeckungen im DARIAN-System informiert war, konnte sie nicht ahnen, dass die Symbole an den Wänden und an der Höhlendecke die gleichen waren, die man auch in den Pyramiden von  DARIAN-2 gefunden hatte.

 

Mehrere hundert Krellim waren hier versammelt und bildeten einen großen Kreis um einen metallischen Kegel in der Mitte der "Halle", auf dessen Spitze sich eine schwarzschimmernde Kugel aus unbekanntem Material befand.

 

Als die Krellim auf ein Zeichen der Ältesten Mutter mit ihren summenden und trillernden Stimmen zu singen begannen, hatte die Terranerin den Eindruck, als würde die Oberfläche der schwarzen Kugel leicht zu pulsieren beginnen, schrieb diesen Eindruck aber dem flackernden Licht der Fackeln zu.

 

Und dann lauschte sie atemlos und fasziniert dem Gesang der Krellim, die sich rings um sie herum im Takt des Liedes hin und her wiegten. Fast hätte sie vergessen, ihre an der Schulter befestigte Video-Kamera einzuschalten, mit der sie dieses Ereignis dokumentieren wollte.

 

Etwas so Schönes hatte sie niemals zuvor gehört.

Das Trillern und Summen der Krellimstimmen verwob sich zu einer einzigartigen Sinfonie, deren Klang bis tief in ihr Innerstes drang und es zum Erbeben brachte.

Aus dem kleinen Ohrhörer ihres Translators hörte sie jetzt die Übersetzung des Liedtextes, aber auch ohne den elektronischen Dolmetscher hätte sie sofort begriffen, wovon die Krellim sangen, denn sie konnte es in ihrem Innern fühlen:

"..... Ewigkeit  - ein Zeitalter erfüllt sich mit Umbruch und Bewegung - die Welten formen sich - schreien auf wie Säuglinge - roter, golden geschmolzener Fels wird in zischenden Strömen aus ihren Bäuchen gespien - kriecht aus tiefen Ritzen - kocht in die gewaltigen Meere - Landmassen steigen auf - glänzend und schaumig - Klippen stürzen wie Wasserfälle in aufgewühlte weiße Fluten - in einem Zeitalter, in dem alles seinen Anfang nimmt - ein neuer Klang ertönt - eine Klangnote am Grunde der Dinge - eine tiefe Bassnote, die sich  in das Gewebe alles Seienden verwebt - der Klang eines untergehenden Universums - er wohnt in den Herzen der Sterne - die Leere zwischen den Welten ist davon angefüllt - der innerste Kern jeder Welt singt diesen Ton langsam und leise vor sich hin - alle Lebewesen erbeben in ihrem Innern unter diesem Klang, schon während sie aus dem Mutterleib ausgestoßen werden - sie hauchen ihn im Tode aus - ferne Planeten stürzen zurück in ihre Sonnen und die Sonnen verschlingen sie, um dann selbst zu sterben - zusammenzuschrumpfen zu einer Dunkelheit, die noch tiefer ist als das Nichts - gewaltige, allesverschlingende Schlünde - Leiber der Ungeburt, von einer Kraft  erfüllt, die gewaltig und dennoch verloren ist - Ewigkeit ....."

 

Unwillkürlich bewegte sich Carolin Badecci wie die Krellim im Takt der Musik.

        ("Sie wissen mehr vom Universum als wir dachten!")  fuhr es ihr durch den Kopf und sie begriff in diesen Augenblicken, dass dies die eigentliche, wahre Kultur der Krellim war.

Sie waren die Schöpfer einer Musik von solcher Vollendung, wie sie keine menschliche Stimme und kein Musikinstrument jemals erreichen konnte.

Die Terranerin schwor sich, alles zu tun, um diese wundervolle Kultur des Gesanges vor dem Untergang zu bewahren.

 

Doch dann geschah etwas, was auch die Krellim völlig zu überraschen schien.

 

Die schwarzschimmernde Kugel auf der Spitze des Metallkegels begann plötzlich wie von innen heraus zu glühen und begann immer stärker zu pulsieren.

Schlagartig hörten die Krellim auf zu singen und starrten völlig verwirrt auf die jetzt blaustrahlende, pulsierende Kugel.

Und dann ertönte aus der Kugel ein anderes Lied der Krellim, ähnlich wie jenes, das sie gerade noch gesungen hatten.

 

Ein paar Sekunden lang waren alle wie erstarrt, doch dann brach ein ohrenbetäubender Jubel aus und die Krellim hüpften und tanzten wie wild in der riesigen unterirdischen Halle umher.

Carolin Badecci drängte sich durch das Gewimmel, um zur Ältesten Mutter zu gelangen, die trotz ihres hohen Alters wie die anderen herumsprang und trillernde Jubelschreie von sich gab.

 

        "Was ist geschehen? Was hat das zu bedeuten?" wollte die Terranerin von ihr wissen.

 

        "Sie haben geantwortet!" rief die Älteste Mutter frohlockend, "Seit vielen Tagen haben die Krellim hier gesungen. Niemand hat daran gegaubt, doch sie haben unser Lied gehört. Die Großen Alten kommen zurück !!"

 

 

28. Mai 2326, 14:37:48 Uhr mittlere Erdstandardzeit, KHARIM-BEY-System:

 

        "Achtung! Ein Hyperraum-Funksignal vom 4.Planeten wurde registriert!"

 

Tribun Mark Barenson, der Kommandant des Wachkreuzers GARON-58, schreckte auf, als er die Meldung hörte.

 

        "Kam das Signal vom Stützpunkt?" fragte er den Funker.

 

        "Nein", antwortete der Mann, "Es wurde keine unserer Frequenzen benutzt und die Codierung ist unbekannt. Das wurde nicht von unseren Leuten gesendet. Ausgangspunkt ist das große Gebirgsmassiv in der nördlichen Hemisphäre von KHARIM-BEY-4."

 

        "Senden Sie sofort eine Meldung an den planetaren Stützpunkt", ordnete der Tribun an, "und geben sie die Position des Ausgangspunktes durch. Dann können die einen Aufklärer dorthin schicken."

 

Der Funker nickte und wollte sich gerade an die Arbeit machen, als auf seinem Display ein weitere Anzeige aufleuchtete.

        "Da ist noch ein Signal!" rief er, "Aber jetzt kommt es von außerhalb! Codierung und Frequenz sind wieder nicht von uns!"

 

        "Da sendet also jemand auf KHARIM-BEY-4 mit Interdim-Funk", sprach der Kreuzerkommandant in gedehntem Tonfall, "Die 'Hüpfer' können es nicht sein, denn die haben nicht die Technik dafür. Wenn es nicht unsere Leute sind, dann kann es nur ein fremdes Einsatzkommando sein, das auf dem Planeten operiert und die 'Hüpfer' unterstützt. Und dafür kommen nur die verdammten Terraner in Frage. Wahrscheinlich haben sie mit ihrer Flotte im DARIAN-System kommuniziert. Alarmieren Sie den Stützpunkt und senden Sie eine Meldung an Intendant Antaro, dass sich auf KHARIM-BEY-4 vermutlich terranische Agenten  befinden. Informieren Sie aber zuerst den Flottenbefehlshaber."

 

 

28. Mai 2326, 14:40:18 Uhr mittlere Erdstandardzeit, DARIAN-System:

 

        "Achtung! Ein Hyperraum-Funksignal unbekannter Herkunft wurde registriert! Fremde Codierung. Entschlüsselung nicht möglich!"

 

Admiral Marcel Baracas, der Kommandant des Trägerschlachtschiffes MEDUSA, das sich im Orbit um den Planeten DARIAN-2 befand, war kaum informiert worden, als er eine weitere Meldung erhielt, die ihn buchstäblich aus dem Sitz riss.

 

        "Ein starker Sender auf DARIAN-2 wurde aktiviert! Hyperraum-Funksignale werden auf der gleichen Frequenz gesendet. Ein Signal ging in den innergalaktischen Raum in Richtung KHARIM-BEY-System. Alle weiteren Signale werden in den leeren Raum außerhalb der Galaxie gesendet!"

 

Der Admiral ließ Alarm geben, worauf die beiden Trägerschlachtschiffe MEDUSA und NEMESIS gefechtsbereit gemacht wurden und sämtliche Raumbomber, Jäger und Jagdzerstörer starten ließen.

 

Minuten später meldete sich die Forschungsstation auf DARIAN-2 und gab bekannt, dass in den riesigen Pyramiden technische Anlagen aktiviert worden waren, die einen Hyperraumsender mit Energie versorgten, der mit enormer Stärke zu senden begonnen hatte......

 

 

31. Mai 2326, KHARIM-BEY-System:

 

Hauptintendant Wulf Tronje, der Befehlshaber der 3.Imperialen Flotte des Rodalischen Reiches, hätte das Verhängnis vielleicht verhindern können, wenn er etwas besonnener reagiert hätte.

 

Doch nachdem er über die fremden Hyperraumfunksignale informiert worden war, hatte er seine Flotte sofort in höchste Gefechtsbereitschaft versetzen lassen.

 

Intendant Erik Antaro, der Befehlshaber der Landetruppen auf der Oberfläche von KHARIM-BEY-4, hatte sofort die Bombardierung des Gebirgsmassivs in der nördlichen Hemisphäre eingeleitet, wo der fremde Hyperraum-Sender geortet worden war.

Doch bevor die rodalischen Bomber ihr Zerstörungswerk beginnen konnten, hatte sich über dem gesamten Gebirgsmassiv ein energetischer Schutzschirm aufgebaut, der den rodalischen Thermobomben mühelos standhielt.

Aufgrund dieser Entwicklung auf dem Planeten war der Kommandeur der rodalischen Raumflotte nervös geworden, da er jetzt mit einem militärischen Eingreifen der terranischen Raumgarde rechnete.

Er hatte den Befehl erteilt, jedes fremde Raumschiff, das im KHARIM-BEY-System auftauchte, sofort zu vernichten.

 

Und rodalische Offiziere waren darauf gedrillt, solchen Befehlen ohne langes Überlegen zu gehorchen.

 

Als sich am Rande des KHARIM-BEY-Systems ein Raumtunnel öffnete und zwei fremde, ellipsenförmige Raumschiffe unbekannter Bauart mit hoher Geschwindigkeit daraus hervorschossen, eröffneten sämtliche sich in der Nähe befindenden Schiffe der Rodaler das Feuer aus allen Waffen.

 

Das erste der beiden Raumschiffe verging in einem gigantischen Feuerball, worauf das zweite sofort abdrehte und mit hoher Beschleunigung auf Fluchtkurs ging. Wenige Minuten später war es durch einen neuen interdimensionalen Raumtunnel entkommen.

 

Danach geschah fast drei Stunden lang nichts mehr und die Rodaler glaubten schon, sich wieder entspannen zu können.

 

Doch dann öffneten sich außerhalb ihrer Waffenreichweite Dutzende von neuen Hyperraumtunneln, aus denen jetzt fremde Raumschiffe zu Hunderten hervorströmten und die rodalische Raumflotte kompromisslos angriffen.

 

Mit dem Beginn der Schlacht von KHARIM-BEY, die das Ende der 3. Imperialen Flotte des Rodalischen Reiches zur Folge hatte, begann die Apokalypse, von der keine Welt verschont bleiben sollte, die von Menschen bewohnt war......

 

 

Ende des 15. Bandes

 


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