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STAR-FORCE

Science-Fiction-Serie

von

Karl-Heinz R. Friedhoff

 

Band 11

 Devisen

Beschaffung

 

 

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"Unregelmäßigkeiten in der Planetaren Finanzverwaltung von BETEIGEUZE-IV.

Unsere Kassenprüfungen ergaben eine vorläufige Defizitanzeige von rund 18 Milliarden  Interstellarer Credits.

Es besteht dringender Verdacht auf eine kapitale Unterschlagung.

Der Föderationsrechnungshof bittet die administrativen Kontrollbehörden um Amtshilfe.

Die Abordnung eines Planetenkontrolleurs wird für unbedingt erforderlich gehalten.

Die Oberste Administration und der Senat der Terranischen Föderation wurden bereits verständigt.

Das Beteigeuze-Sonnensystem gehört zum Bereich der Kontrollbehörde 1 und fällt somit unter deren Zuständigkeit."

        gez. Chris Wynczec,

        Leiter der Föderationsverwaltung III,

        18. März 2314;

        (Zyklus 456.8755764 neue interstellare Zeitrechnung)

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        "Hast du schon den Beteigeuze-Bericht gelesen? Mann, das ist vielleicht ein tolles Ding", sagte Hendrik Steffen zu seinem Kollegen Patrick Meddelson,  "Achtzehn Milliarden Intercredits sind ein verdammt dicker Brocken. Vermutlich werden deshalb wohl bald einige Leute von ihren Ämtern Abschied nehmen müssen."

        "So ein blöder Mist!" schimpfte Meddelson, "Was müssen das bloß für Idioten sein! Die mussten sich doch denken können, dass so'was mal 'rauskommt."

        "Pech für dich," meinte Steffen achselzuckend, "Beteigeuze ist dein Bereich, nicht wahr? Mit deinem Urlaub wird's ja jetzt wohl nichts mehr."

        "Das ist ja gerade die Sauerei. Konnten diese Eierköpfe von den Prüfungsstellen den Schwindel nicht eine Woche später aufdecken? Dann wäre ich jetzt im Urlaub und meine Vertretung hätte sich um den Kram kümmern müssen."

        "Darüber wäre ich allerdings weniger erfreut gewesen," meinte Steffen, "Ich bin nämlich deine Urlaubsvertretung."

        "Du hast natürlich wieder mal Glück gehabt. Und ich hab' schon von der obersten Administration den Befehl erhalten, nach Beteigeuze IV zu fliegen und dort alles auf den Kopf zu stellen."

        "Sind denn die Schuldigen schon ermittelt?"

        "Eben nicht, sonst bräuchte ich ja nicht hin. Außerdem haben die Leute auf Beteigeuze IV noch keine Ahnung, dass ihr Schwindel entdeckt wurde. Bis jetzt weiß man auch nur, dass bisher 18 Milliarden fehlen, die auf Beteigeuze IV zwar als Steuern eingenommen, aber nicht an die zuständige Sektorenkasse abgeführt wurden. Also kann da etwas bei der Planetaren Finanzverwaltung nicht stimmen. Und ich soll herausfinden, was das nicht stimmt."

        "Nimmst du eine Schutztruppe mit?"

        "Na klar, oder meinst du, mir soll es so gehen wie Zim Jond-Ax auf Rigel VIII? Dem haben sie den ganzen Raumer gesprengt, als er auf der richtigen Fährte war. Die Attentäter wurden bis heute nicht geschnappt. Von der Administration wurde angeordnet, dass zwei Schlachtschiffe und ein Raumlande-Bataillon mich begleiten sollen."

        "Was? Eine ganzes Bataillon? Das sind fünfhundert Gardisten! Und gleich zwei Schlachtschiffe? Ein einziges würde doch schon reichen, um das ganze Beteigeuze-System aus dem Universum zu blasen."

        "Offensichtlich befürchtet die Administration, dass es größeren Ärger geben wird. Da scheint 'ne Menge mehr hinter zu stecken, als es den Anschein hat. Morgen früh ist 'ne Besprechung, da werde ich wohl mehr erfahren. Aber ich habe' ein ziemlich ungutes Gefühl bei dieser Sache, denn in dieser Größenordnung ist so etwas noch nie passiert."

 

 

        "Oberst Reckling, 328.Raumlande-Bataillon der Raumgarde. Ich wurde mit meiner Einheit Ihrem Kommando unterstellt."

Meddelson musste unwillkürlich grinsen, als der Oberst vor ihm salutierte. Diese Militärgepflogenheiten hatten sich seit Jahrhunderten kaum verändert, auch wenn sie mittlerweile ein Anachronismus waren.

        "Wissen Sie schon, worum es geht?" fragte er den Offizier.

        "Nein," antwortete dieser, "Ich habe bisher nur den Befehl bekommen, unter Ihrem Kommando auf Beteigeuze IV zu landen. Meine Truppe soll mit dem Schlachtschiff XERXES dorthin gebracht werden. Weitere Direktiven soll ich von Ihnen erhalten."

        "Na, dann kommen Sie gleich mal mit in die Besprechung. Da erfahren Sie alles, was Sie wissen müssen."

"Jawohl, Controller," antwortete der Oberst zackig und salutierte abermals, denn ein Planetenkontrolleur war ranggleich mit einem Admiral der Raumgarde.

        "Oberst, es wäre mir weitaus lieber, wenn Sie etwas weniger formell wären," meinte Meddelson, "Ich kann dieses militärische Gehabe nicht besonders ausstehen. Doch jetzt kommen Sie erst mal mit zur Besprechung."

 

Als sie in den Konferenzraum traten, war bereits alles dort versammelt und wartete auf sie.

Meddelson hatte schon eine spöttische Bemerkung über die sauertöpfigen Mienen der Versammelten auf der Zunge, aber dann verkniff er sie sich doch lieber, denn die todernste Runde sah nicht so aus, als könne sie jetzt Spaß vertragen. So grüßten er und Reckling nur kurz und setzten sich.

 

        "Sie kommen mal wieder zu spät," brummte Gerald Mixtaire, seines Zeichens Leiter der Kontrollbehörde 1, "Sie könnten sich auch mal etwas mehr Pünktlichkeit angewöhnen, Meddelson. Aber kommen wir lieber zur Sache."

        "Was ich sehr begrüßen würde," bemerkte Meddelson, worauf Mixtaire ihm nur einen giftigen Blick zuwarf.

 

        "Herrschaften," begann der Behördenleiter, "wir haben es hier mit einem Fall zu tun, der alles bisher Dagewesene in den Schatten stellt. In der Kolonie von Beteigeuze IV sind nach vorläufigen Prüfungen im letzten Rechnungszyklus 18 Milliarden Intercredits verschwunden. Es besteht der Verdacht einer großangelegten Unterschlagung. Inzwischen ist diese Defizitmeldung bereits überholt. Vor zwei Stunden meldete der Rechnungshof, dass in den letzten drei Zyklen insgesamt 89 Milliarden verschwunden sind. Und vermutlich ist das noch lange nicht alles, da noch weitere zurückliegende Zyklen überprüft werden sollen."

        "Wieso ist denn das erst jetzt herausgekommen?" wollte Meddelson wissen.

        "Weil die Abbuchungen samt den Empfangsbestätigungen der Sektorenkasse gefälscht wurden. Erst bei einer Vergleichsrückfrage kamen die Differenzen heraus. Das war reiner Zufall. Auf jeden Fall stimmen die Abgabebuchungen auf Beteigeuze IV nicht mit den Annahmebuchungen der Sektorenkasse überein."

 

Mixtaire unterbrach seinen Vortrag, als zwei Roboter hereinrollten und für jeden eine Tasse Kaffee brachten.

        "Seit wann können unsere Dienstroboter Kaffee kochen?" wunderte sich Steffen.

        "Kleine Spezialprogrammierung," klärte Mixtaire ihn auf, "Das Programm hat sich meine kleine Tochter ausgedacht und am Spielcomputer getestet. Nicht schlecht für 'ne Fünfjährige, nicht wahr?"

        "Autsch, ist der heiß," stöhnte Reckling, als er sich die Lippen an dem dampfenden Gebräu verbrannte.

        "Vielleicht ein kleiner Programmierfehler vom Töchterlein," grinste Meddelson.

 

Nach der kleinen Unterbrechung fuhr Mixtaire mit seinem Vortrag fort: "Wie schon gesagt, stimmten die Buchungen bei der Planetaren Finanzverwaltung von Beteigeuze IV nicht. Aber das dicke Ende kommt erst noch. Der Sicherheitsdienst 'Dezernat-GS' fand mit Hilfe von außerstaatlichen Beobachtern heraus, dass in der Republik Lomoghen im gleichnamigen Sonnensystem Föderationswährung aufgetaucht ist.  Die Republik Lomoghen dürfte aber normalerweise nicht über Intercredits verfügen, weil die Föderation und ihre Vertragspartner einen gemeinsamen Devisenboykott über Lomoghen verhängt haben. Die Ausfuhr von Intercredits nach Lomoghen ist streng verboten. Es könnte sein, dass es da einen Zusammenhang mit dem Beteigeuze-Fall gibt. Das Dezernat-GS ermittelt bereits auf den Lomoghen-Planeten und steht mit uns in Verbindung. Sollte sich herausstellen, dass hier ein Zusammenhang vorliegt, werden wir sofort informiert. Auf jeden Fall hat der Föderationsrechnungshof eine gründliche Überprüfung aller Buchungen der letzten zehn Rechnungszyklen auf allen Planeten der Föderation angeordnet. Controller Meddelson, Sie sollen auf Beteigeuze IV alles, was mit den öffentlichen Finanzen zu tun hat, genauestens überprüfen. Sie haben die Vollmacht, auch privatrechtliche Wirtschafts- und Finanzangelegenheiten zu kontrollieren und zu prüfen. Frau Malra Tempers wird Sie als Assistentin begleiten. Sie beide sind allen Behörden der Kolonie gegenüber uneingeschränkt weisungsbefugt. Weiterhin werden zwei Schlachtschiff der taktischen Raumverbände und ein Bataillon der Raumlandetruppen mit Ihnen nach Beteigeuze IV beordert, um Ihrer Autorität Nachdruck zu verleihen. Sollte es notwendig sein, stehen Ihnen weitere Einheiten von den schnellen Raumverbänden zur Verfügung, die in diesem Gebiet operieren. Zusätzlich wird Ihnen die ROCKEFELLER unterstellt, ein Rechnerschiff der Alpha-Klasse mit einem 8-Millionen-Megabyte-Positronik-Rechner. Die Rechneranlage des Schiffes verfügt über hundertfünfzig Roboter als als externe mobile Einheiten, die über eine störungssichere Funkfrequenz mit der Zentraleinheit direkt in Verbindung stehen. Die Roboter sind in der Lage, in jede Datenbank einzudringen und jede Art von Daten zu lesen. Damit können Sie die ganze Kolonie auf den Kopf stellen, Meddelson. Sie haben uneingeschränkte Vollmachten. Denken Sie jedoch daran, dass Sie über jede Ihrer Entscheidungen später Rechenschaft ablegen müssen. Wir haben die ganze Zeit über direkte Verbindung per Hyperraumfunk mit dem Rechner der ROCKEFELLER, so dass wir laufend über ihre Prüfungsergebnisse informiert sind. Hoffen wir, dass dieser Fall so schnell wie möglich aufgeklärt wird, und zwar restlos, sonst fängt einiges an zu rotieren. Vor allen Dingen müssen nicht nur die Schuldigen ermittelt werden, sondern wir müssen auch ganz genau wissen, wie die Unterschlagung vonstatten ging und wohin das Geld verschwunden ist. Dann sehen wir ja, ob das etwas mit der Sache auf den Lomoghen-Planeten zu tun hat. Das wäre alles."

        "Meine Güte! Das reicht aber auch," stöhnte Meddelson, "Und ich wollte morgen in Urlaub gehen."

        "Das könnenSie vorerst vergessen," meinte Mixtaire, "Aber sobald dieser Fall erledigt ist, bekommen Sie Ihren Urlaub."

        "Das versprechen Sie mir schon seit vier Jahren," brummte Meddelson missmutig, "Bald werde ich beantragen, dass mir die Zeit des nichtangetretenen Urlaubs auf die vorzeitige Pensionierung angerechnet wird."

 

 

Das Computerschiff ROCKEFELLER und die beiden Schlachtschiffe starteten von ihren Stützpunkten auf dem Mars und verließen das solare Sonnensystem, um außerhalb der Pluto-Bahn den Hyperraumflug anzutreten, der es ermöglichte, mit Hilfe von selbsterzeugten kleinen Schwarzen Löchern die Raum-Zeit-Krümmung zu durchbrechen und so schneller als das Licht zu reisen, was bekanntlich innerhalb des normalen Raum-Zeit-Kontinuums völlig unmöglich war.

Meddelson und Oberst Reckling saßen in der Zentrale des Schlachtkreuzers XERXES und unterhielten sich.

        "Nach dem, was ich bisher mitgekriegt habe, ist da wohl eine ganz große Schweinerei im Gange," meinte der Oberst.

        "Richtig," nickte Meddelson, "Wir werden daran ganz schön zu knabbern haben. Das wird ganz bestimmt kein Zuckerschlecken."

        "Warum schickt die Kontrollbehörde denn ein solches Aufgebot?" fragte Reckling, "Müssen wir denn mit Ärger rechnen?"

        "Sicher," brummte der Kontrolleur, "Bei solchen Summen muss man auf jeden Fall damit rechnen."

 

 

Der Verband erreichte im Interdimensionalflug das Beteigeuze-Sonnensystem und "fiel" dort wieder in das normale Raumzeitkontinuums zurück. Piloten und Navigatoren korrigierten die Flugachse und nahmen Kurs auf den vierten Planeten des Systems. Sofort wurden sie von der dortigen orbitalen Raumüberwachung angepeilt, worauf sich der anfliegende Verband identifizierte und Leitsignale anforderte.

Dann landeten die Fähren der drei Raumer auf dem einzigen Raumhafen der Kolonie. Meddelson wies sich als Planetenkontrolleur aus und ordnete sie absolute Funkstille in der Raumhafenverwaltung an.

Gleichzeitig übernahms Recklings Bataillon die Kontrolle über den gesamten Raumhafenbereich.

Nach dem Ausschleusen der Truppen starteten die beiden Schlachtkreuzer wieder und gingen in einen Orbit um den Planeten, wo sie im direkten Funkkontakt mit der Truppe blieben.

Die ROCKEFELLER dagegen blieb auf dem Landefeld stehen und schleuste die Roboteinheiten aus, welche mit Militärfahrzeugen zu allen Behörden und sonstigen öffentlichen Einrichtungen der Kolonie gebracht wurden, wo sie sofort mit Kontrollen und Kassenprüfungen begannen.

Erst als alle Kontrollrobots an ihren Einsatzorten waren, informierte Meddelson die Behörden auf Beteigeuze IV, dass eine Planetenkontrolle im Auftrag der Obersten Administration durchgeführt wurde. Die öffentlichen Institute der Kolonie wurden völlig von dieser Maßnahme überrumpelt, und so manchem der Beamten begann es überaus mulmig zu werden......

 

 

In Begleitung von zehn Gardisten erschienen Meddelson, Malra Tempers und Oberst Reckling bei der planetaren Hauptkasse, um die Arbeit der Prüfrobots kurz zu begutachten. Noch war nichts gefunden worden, was auf die verschwundenen Milliarden hinwies, aber das war nach so kurzer Zeit auch nicht zu erwarten gewesen. Der Controller sprach kurz mit einigen Verwaltungsleitern, deren Nervosität nicht zu übersehen war, und erklärte ihnen den Grund der angeordneten Kontrolle.

Danach fuhren die drei zur Finanzverwaltung, bei der alle Geldbuchungen der Kolonie zusammengefasst wurden. Meddelson war überzeugt, dass hier am ehesten etwas zu finden war.

        "Die scheinen hier jetzt aber ziemlich nervös zu werden," meinte Reckling.

        "Kein Wunder," antwortete Malra Tempers, "die stecken wahrscheinlich alle mit drin."

        "Das ist noch nicht bewiesen," schränkte Meddelson ein, "Es kann sich immer noch um reine Fehler in der Buchführung handeln, die hier noch immer nicht bemerkt wurden. Vielleicht spielt einfach nur ein Computer verrückt und macht falsche Abgabebuchungen. Außerdem würde ich auch nervös werden, wenn ein Planetenkontrolleur mit einem solchen Aufgebot anrücken würde. Das ist also noch kein Zeichen für ein schlechtes Gewissen. Gleich sprechen wir mit einem gewissen Mel Danklin. Das ist der Chef der hiesigen Finanzverwaltung. Wenn hier wirklich unterschlagen wurde, dann ist er derjenige, der dafür zur Verantwortung gezogen wird."

        "Und wenn er ahnungslos ist?" fragte Malra.

        "Dann hat dieser Danklin einfach Pech gehabt, denn man wird auf jeden Fall Rechenschaft von ihm fordern. Ich möchte nicht in seiner Haut stecken."

 

Sie trafen bei der Finanzverwaltung ein, die inzwischen einem aufgestörten Bienenschwarm glich, und marschierten gleich in Danklins Büro, wo der Behördenleiter an seinem Schreibtisch saß und sich gerade eine Zigarette anzuzünden versuchte. Aber vor lauter Nervosität zitterten seine Finger so stark, dass er den Lungentorpedo nicht zum Glimmen brachte.

        "Gestatten Sie, dass wir uns vorstellen," sprach Meddelson ihn an, "Ich bin Controller Meddelson, das hier ist die Prüfkommissarin Tempers, und der Herr in Uniform ist Oberst Reckling von der Raumgarde."

Während er sprach, trat er an den Schreibtisch heran und gab dem Mann dahinter Feuer, sonst hätte dieser sein Rauchstäbchen nie zum Glühen gebracht. Danklin erhob sich hastig und murmelte eine Begrüßung, um sich gleich wieder in die Polster seines Sessels sinken zu lassen und den Rauch der Zigarette ein paarmal tief zu inhalieren, worauf er zusehends ruhiger wurde.

        ("Hat der vielleicht 'ne Droge in dem Glimmstengel?") dachte Meddelson, als er es sich mit den anderen in den herumstehenden Bürosesseln bequem machte.

        "Was hat denn das alles zu bedeuten?" fragte Danklin unruhig, "So etwas ist hier doch noch nie gemacht worden."

        "Wir führen hier eine Planetenkontrolle durch," erklärte Meddelson, "denn in Ihrer Finanzverwaltung scheint einiges nicht ganz in Ordnung zu sein. Die Prüfungsstellen haben ein noch vorläufiges Defizit von 89 Milliarden Intercredits festgestellt. Deshalb sind wir hier."

        "Aber das kann doch nicht sein!" rief Danklin erschrocken, "Das hätten wir doch bemerkt! Wir haben alle Zahlungen ordnungsgemäß abgerechnet. Unseren Buchungsstellen ist bestimmt kein Fehler unterlaufen."

        "Wenn es keine Buchungs- oder Datenbankfehler waren," meinte Malro Tempers trocken, "kann es sich nur um Unterschlagung handeln. Das wäre erheblich schlimmer."

        "Sie wollen doch nicht etwa behaupten, dass hier 89 Milliarden unterschlagen wurden!" rief Danklin aufgebracht, "Das ist doch absurd! Es wäre doch sofort aufgefallen!"

        "Na eben," meinte Meddelson im gedehnten Tonfall, "Es hätte auffallen müssen. Aber es ist eben nicht aufgefallen, und das hat uns alle sehr stutzig gemacht. Deshalb sind wir hergeschickt worden. Es wäre am besten für Sie und Ihre Leute, mit uns zu kooperieren, damit wir den Fall aufklären können, ohne dass ich gezwungen bin, die ganze Kolonie auf den Kopf zu stellen. Die notwendigen Vollmachten dazu habe ich. Wenn nötig, steht mir sogar eine ganze Legion der Raumlandetruppen zur Verfügung. Es liegt also in Ihrem eigenen Interesse, den Fall schnellstens aufzuklären, noch bevor ich gezwungen bin, über Beteigeuze IV den Ausnahmezustand zu verhängen."

        "Aber das können Sie nicht tun," protestierte Danklin, "Unsere Wirtschaft würde völlig zusammenbrechen. Beteigeuze IV ist ein Handelsstützpunkt und der Hauptumschlagplatz für den Import von den Randwelten. Wir können uns keine An- und Abflugsperre leisten."

        "Das ist Ihr Problem," entgegnete Meddelson ungerührt, "Ich soll herausfinden, wo die fehlenden Gelder geblieben sind. Und das werde ich, selbst wenn ich die ganze Kolonie in Einzelteile zerlegen muss."

Mit diesen Worten erhob sich der Controller und verließ mit seinen Begleitern das Büro.

Danklin blickte ihnen wie erstarrt nach. Er spürte, wie Angst in ihm hochzusteigen begann, die ihm die Kehle zuzuschnüren schien.....

 

 

Der Großrechner der ROCKEFELLER hatte mit Hilfe seiner Roboter festgestellt, dass sämtliche Buchungen der Beteigeuze-Kolonie rechnerisch absolut korrekt waren. Nun wertete der Computer alle gesammelten Daten aus und addierte die Summen, welche als Abgaben an den Föderationsrechnungshof eingetragen waren. Daraufhin stellte die Mannschaft der ROCKEFELLER eine Interdim-Funkverbindung mit der Hauptdatenbank des Föderationsrechnungshofes her. Der Computer der ROCKEFELLER und der Rechnerverbund des Rechnungshofes konnten jetzt ihre Daten direkt miteinander vergleichen. Nach 22 Stunden und 47 Minuten standen die endgültigen Differenzbeträge fest........

 

 

        "Der Computer hat den Fehler gefunden," sprach Meddelson, "Nun wissen wir endlich, woran wir sind."

        "So? Und was hat die Positronik herausgefunden?" fragte Malra Tempers.

        "Eine ganze Menge," meinte der Controller und begann zu erklären:

        "In den Abgabebuchungen der hiesigen Finanzverwaltung waren Summen eingetragen, die beim Rechnungshof nicht als Einnahmen verzeichnet sind. Komischerweise stimmen aber beim Rechnungshof alle Kassenbelege mit den dort eingegangenen Beträgen überein. Hier wurden also höhere Summen abgebucht als in Wirklichkeit abgegeben wurden. Dagegen stimmen jedoch die Quittungen des Rechnungshofes mit den hiesigen Buchungen überein. Hier muss also eine Fälschung vorliegen, denn die Quittungen stimmen nicht mit den Einnahmen des Rechnungshofes überein."

        "Aber warum hat der Rechnungshof denn nicht viel früher etwas bemerkt?" wunderte sich die Kommissarin.

        "Wie denn? Wenn der Rechnungshof zum Beispiel zweitausend Intercredits angewiesen bekommt und der Zahlungsbeleg mit dieser Summe übereinstimmt, gibt es keinen Grund zum Misstrauen. Hier auf Beteigeuze IV werden nun einfach viertausend Intercredits abgebucht und die Quittungen des Rechnungshofes entsprechend gefälscht. So merkt niemand etwas, denn der Rechnungshof erhält ja schließlich Summen, die mit den eingehenden Belegen übereinstimmen. Wegen der langen Transportwege entstehen zudem erhebliche zeitliche Verzögerungen, da alle Belege und Datenträger von Raumschiffen befördert werden müssen. Direkte Datenbankvergleiche mit Hilfe von Interdim-Funkverbindungen sind ohne vorherige Terminabsprachen unmöglich. Sie wissen ja selbst, welchen organisatorischen Aufwand es erfordert, solche Verbindungen herzustellen. Dazu müssen sowohl der Sender als auch der Empfänger genau wissen, wann die Verbindung hergestellt werden soll. Ohne Empfangs- bzw. Sendebereitschaft beider Seiten kommt eine solche Verbindung nicht zustande. Wenn aber ein solcher direkter Datenbankvergleich schon vorher angekündigt wird, kann man sich hier leicht darauf einstellen. Und auf andere Weise kann der Rechnungshof nicht in die hiesigen Buchungen hineinsehen, es sei denn, er ordnet eine Planetenkontrolle an."

        "Aber wie ist denn dann der Betrug entdeckt worden?" wollte die Kommissarin wissen.

        "Durch einen reinen Zufall," erklärte Meddelson, "Eine Sektorenaußenkasse hatte ihre Buchungsbelege und die dazugehörigen Datenträger zu früh zur Abrechnung abgegeben und zudem versehentlich die eigenen Speicherungen gelöscht. Um nicht aufzufallen, ließ sich ein Beamter dieser Außenkasse auf inoffiziellem Wege Kopien der Belege anfertigen und durch einen Kurier überbringen. Hier auf Beteigeuze IV wurden die Kopien jedoch wohl von jemandem angefertigt, der von dem ganzen Schwindel nichts wusste. Er kopierte natürlich die gefälschten Belege. Später gab die Außenkasse ihre ordentliche Abrechnung an die Sektorenkassen weiter und diese leitete sie dem Föderationsrechnungshof zu. Dort stellte man natürlich sofort die Differenzen fest. Aber noch wusste niemand, was eigentlich los war, bis die ganze Abrechnung noch einmal geprüft wurde. Erst dann wurde offensichtlich, dass etwas bei der Finanzverwaltung von Beteigeuze IV nicht sauber war. Deshalb wurden wir eingeschaltet. Der Rest der Story ist ja bekannt."

 

 

Auszug aus dem Gesetz für Haushaltsführung, Finanzverwaltung, Handel und deren administrative Kontrolle

( GfHFH )

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"Nach den Bestimmungen für Handel und Finanzen der Terranischen Föderation haben die planetaren Finanzverwaltungen der interstellaren Kolonien die Aufgabe, staatliche Ausgaben auszuzahlen und Einnahmen anzunehmen. Sie rechnen ab mit den jeweils zuständigen Sektorenkassen. Dieses wiederum rechnen ab mit dem Föderations-rechnungshof, der die Aufgabe hat, alle staatlichen Finanzen der terranischen Föderation zentral zu verwalten.

Der Föderationsrechnungshof legt Rechenschaft ab bei der obersten Administration und dem Senat, welche den Haushaltsplan für den jeweiligen Abrechnungszyklus überwachen. Der Haushaltsplan wird von Regierung und Administration und nach Verabschiedung durch den Senat zur Durchführung an den Rechnungshof weitergeleitet. Bei Unstimmigkeiten wird die jeweils zuständige 'Kontrollbehörde für Handel und Finanzen' (KBfHF) eingeschaltet, die in schweren Fällen oder nach eigenem Ermessen Planetenkontrollen in den interstellaren Kolonien anordnet. Der beauftragte Planetenkontrolleur (Controller) hat bis zur Erledigung seines Auftrages den Rang und die unbegrenzten Vollmachten eines Föderations-Prokurators. Dazu gehören u.a. Weisungsbefugnis gegenüber den planetaren Gouverneuren (Präfekten), allen staatlichen Institutionen und allen Angehörigen der Raumgarde sowie polizeiliche Befugnisse gegenüber zivilen Personen und Einrichtungen. Der Controller hat über jede seiner Aktionen und Entscheidungen nachträglich Rechenschaft abzulegen. Mit Beendigung seines Auftrages oder im Fall seiner Rückberufung erlöschen seine Vollmachten......"

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        "Höchst interessant," murmelte Ruken Mirl, seines Zeichens Offizier (Tribun) des terranischen Geheimdienstes 'Dezernat-GS', der zur Zeit auf dem Zentralplaneten der Republik Lomoghen in geheimer Mission eingesetzt war.

Die Republik Lomoghen bestand aus insgesamt zwölf bewohnten Planeten des Lomoghen-Sonnensystems und hatte sich aus ehemaligen Kolonien der Erde entwickelt, die sich von der Mutterwelt gelöst hatten und unabhängig geworden waren.

Im staatsrechtlichen Sinne handelte es sich allerdings nur dem Namen nach um eine echte Republik, tatsächlich war es eine Militärdiktatur, welche die Bezeichnung "Republik" nur noch als Aushängeschild benutzte. Aber solche Staatsformen hatte es auch schon auf der Erde des 20.Jahrhunderts gegeben. Die Geschichte pflegte sich des öfteren zu wiederholen, auch im 29.Jahrhundert.

Aber Tribun Ruken Mirl hatte im Moment ganz andere Sorgen, als über staatspolitische Philosophien nachzudenken. Er war mit anderen Agenten des 'Dezernat-GS' hier, um herauszufinden, warum auf den Lomoghen-Planeten Föderationswährung in größeren Mengen aufgetaucht war. An sich war es nicht ungewöhnlich, dass die Währung der terranischen Föderation auch in den anderen interstellaren Staaten als Devisen verwendet wurden. Doch durch das strikte Handels- und Währungsboykott hatte Lomoghen eigentlich keine Verbindungen mehr, mit deren Hilfe es sich Intercredits beschaffen konnte. Natürlich war es auch möglich, dass die Währung auf dem Umweg über andere interstellare Staaten oder Handelslinien nach Lomoghen gekommen war. Es gab jedoch ein gemeinsames Boykott-Abkommen der Stern-Staaten, und wenn keiner von denen vertragsbrüchig geworden war, blieb auch dieser Weg zur Devisenbeschaffung für die Lomoghener versperrt.

Eine andere Möglichkeit war, dass das Geld illegal auf die Lomoghen-Welten gelangt war. Und genau das sollten Ruken Mirl und seine Agenten herausfinden.

Gerade hatte ihm einer seiner Leute gemeldet, dass die Intercredits über ein Raumfracht-Unternehmen kamen, das zu den staatenlosen 'Freihändlern' gehörte, die sich nicht nur mit illegalen Transporten befassten, sondern des öfteren auch Raumpiraterie betrieben. Die 'Freihändler' waren so etwas wie die Wikinger des interstellaren Raumfahrtzeitalters.

Mit der Republik Lomoghen wickelten die Freihändler sehr oft Geschäfte ab, da sie hier nicht von den Polizei-Behörden belangt wurden und damit auch ein Zufluchtsgebiet hatten, in dem sie vor den Raumflotten der Föderation und der anderen Sternstaaten sicher waren.

        "Ist der Freihändler noch hier im System?" fragte Ruken Mirl den Agenten, von dem er nicht einmal den Namen wusste, "Oder ist er vielleicht sogar hier auf dem Zentralplaneten gelandet?"

        "Der Frachter steht auf dem südlichen Raumhafen auf Landefeld 16," antwortete der Mann.

        "Dann sehen Sie mal, ob Sie herausbekommen können, wer der Schiffseigentümer ist, welche üblichen Routen er fliegt, welches Ziel er jetzt hat und welche Fracht er mitführt. Versuchen Sie auch, den Auftraggeber zu ermitteln."

        "Den Namen des Schiffseigners kenne ich bereits. Es ist des Kapitän des Frachters selbst. Sein Name ist Mike Scheerckel, geboren auf der Erde in der Stadt New York im nordamerikanischen Planetenbezirk. Außerhalb des Lomoghen-Sektors wird er für seine Frachtaufträge mit Intercredits bezahlt, die er hier gegen Rohstoffe eintauscht. Die Rohstoffe verkauft er dann mit hohem Gewinn auf den Randwelt-Kolonien, die nicht zur Föderation gehören und auch das Boykott-Abkommen nicht mitunterschrieben haben. Auf diese Weise kommen die Lomoghener trotz des Boykotts an unsere Währung."

        "Und vom wem wurde Scheerckel mit Intercredits bezahlt?"

        "Seine Auftraggeber außerhalb des Lomoghen-Sektors sind leider unbekannt. Falls es Leute von den Randwelten sind, kann die Föderation offiziell nichts dagegen unternehmen."

        "Trotzdem müssen wir das herausfinden."

        "Wir werden es versuchen," murmelte der Agent.

        "In Ordnung," nickte der Tribun, "Ich informiere inzwischen die Kontrollbehörde 1. Die arbeiten da an einem Fall, der eventuell etwas mit unserer Sache zu tun hat. Wenn dieser Scheerckel irgendetwas mit Beteigeuze IV zu tun hat, kommen wir der Sache schon ein ganzes Stück näher."

        "Das könnte schon möglich sein," meinte der Agent, "Das Beteigeuze-System liegt sehr nahe an der Grenze unseres Hoheitsbereiches. Wenn Scheerckel dort Verbindungen hat, kann er über ein Relais-Schiff Frachten übernehmen, ohne in den Föderations-Bereich einfliegen zu müssen. So könnte er auch illegale Devisen übernehmen."

        "Dann müssen wir auch die Raumgarde informieren. Vielleicht können die mit einem ihrer Kreuzer Scheerckels Frachter abfangen und aufbringen."

 

 

 "MELDUNG PER INTERDIM-FUNK AN DEN LEITER DER KONTROLLBEHÖRDE 1:

- dezernat-gs-information: intercredits gelangen über einen freihändler auf die Lomoghen-planeten  

- stop -

- empfehlung des dortigen einsatzleiters:

überwachung des raumgebiets um das beteigeuze-system durch einheiten der schnellen raumverbände

- stop -

- anordnung:

raumfrachter von mike scheerckel stoppen und aufbringen, wenn er sich im überwachungsbereich befindet

- stop -

---------- ENDE."

 

Gerald Mixtaire stieß einen leisen Fluch aus, als er die Meldung las. Dann wandte er sich an Hendrik Steffen, der hinter ihm stand und seine Hände fast bis zu den Ellenbogen in den Hosentaschen vergraben hatte.

        "Wollen Sie verreisen?" fauchte Mixtaire ihn an.

        "Hä? Wieso?" fragte Steffen verdattert.

        "Weil Sie schon alles in Ihren Taschen verpackt haben."

 

Steffen verzog das Gesicht, als hätte er in eine Zitrone gebissen, nahm aber die Hände aus den Taschen. Mit dem Chef schien heute nicht gut Kirschen essen zu sein.

        "Sie werden sich von jetzt an zur Verfügung halten, Steffen," ordnete der Behördenleiter an, "Es ist möglich, dass auch von anderen Kolonien schon Staatsgelder verschwunden sind. Sie werden also voraussichtlich mit anderen Controllern einige der Kolonien aufsuchen und Einzelprüfungen in den Finanzverwaltungen vornehmen. Aber das soll möglichst kein Aufsehen erregen. Ich erwarte in Kürze eine entsprechende Anweisung der obersten Administration. Die anderen Kontrollbehörden haben zum Teil bereits solche Anweisungen erhalten."

        "Schöne Aussichten," seufzte Steffen, "Damit werden wir ein paar Jahre zu tun haben. Ist denn die Raumgarde wegen dieses Freihändlers bereits verständigt worden?"

        "Dezernat-GS hat gleichzeitig mit uns auch die Raumgarde informiert. Die Administration hat das 8.Geschwader der schnellen Raumverbände unter Admiral Xayak Earl zum Beteigeuze-System beordert. Jetzt überwachen zehn Kreuzer und zwanzig Zerstörer nebst einigen Dutzend Patrouillenschiffen das Raumgebiet um Beteigeuze in einem Radius von 20 astronomischen Einheiten. Ich glaube zwar nicht, dass ein solcher Aufmarsch etwas bringt, aber das wird sich herausstellen."

 

 

        "Wir werden uns wohl eine neue Devisenquelle suchen müssen, Herr Präsident," meinte Lobek Krazyene, seines Zeichens Chef des Geheimdienstes von Lomoghen.

        "Warum? Sind die Föderalisten auf unsere Transaktionen aufmerksam geworden?" fragte Elon Arkmere, der selbsternannte Präsident auf Lebenszeit der Republik Lomoghen.

        "Nach den letzten Berichten unseres Verbindungsmannes läuft auf Beteigeuze IV eine Planetenkontrolle der Föderation. Jetzt wird dort alles auf den Kopf gestellt. Von dort werden wir uns keine Intercredits mehr besorgen können."

        "Dann darf auch dieser Scheerckel keine Lieferungen mehr machen."

        "Auf Beteigeuze IV ist jetzt nichts mehr zu holen, aber wir müssen innerhalb von drei Zyklen genug Devisen haben, um unsere Auslandsschulden bezahlen zu können. Unsere eigene Währung wird bald niemand mehr haben wollen. Sie ist schon jetzt nicht einmal mehr ein Viertel des Nominalbetrages wert. Wenn wir damals nicht auf Aldebaran IX interveniert hätten, gäbe es das Handelsboykott nicht und wir hätten keine so hohe Inflationsrate. Nur deshalb stehen wir jetzt vor dem Staatsbankrott."

        "Wollen Sie meine Entscheidungen kritisieren?" fuhr der Präsident zornig auf.

        "Sie müssen doch zugeben, Herr Präsident, dass ich Sie eindringlich davor gewarnt habe, Truppen ins Aldebaran-System zu entsenden," entgegnete Krazyene, "Jetzt haben wir fast alle interstellaren Staaten gegen uns, sogar die autonomen Randwelten. Und für unsere innenpolitische Stabilität kann ich nicht mehr lange garantieren. Durch den fehlenden Export bricht das ganze Wirtschaftssystem nach und nach zusammen, und die Erwerbslosenquote hat bald schon die 50%-Grenze erreicht. Es ist schon zu Unruhen unter der Bevölkerung gekommen, obwohl die meisten Oppositionellen verhaftet oder hingerichtet wurden."

        "Sollte ich etwa zulassen, dass Aldebaran IX sich von uns löst und der Föderation beitritt?" schimpfte der Präsident, "Sollte ich tatenlos zusehen, wie Rebellen meine Regierungsbeamten umbringen und die Macht übernehmen? Nein, ich musste etwas dagegen unternehmen, auch wenn alle anderen galaktischen Staaten dagegen protestierten. Aldebaran IX war schließlich unsere einzige Kolonie außerhalb des Lomoghen-Systems und zugleich auch unsere größte Rohstoffquelle."

        "Trotzdem war die Reaktion der Föderation vorauszusehen gewesen," meinte der Chef des Geheimdienstes, "Ich bin Ihr Berater, Herr Präsident, und es ist nun mal meine Aufgabe, Sie vor Fehlentscheidungen zu warnen. Wenn Sie meinen Ratschlägen nicht folgen, ist das nicht meine Schuld."

        "Hüten Sie sich nur davor, diese Meinung öffentlich zu vertreten," knurrte Arkmere warnend, "sonst landen Sie wie Ihr Vorgänger im Straflager."

        "Keine Sorge," meinte Krazyene beschwichtigend, "Sie können sich auch weiterhin auf meine Loyalität verlassen, denn wenn Sie fallen, falle ich mit Ihnen. Ich werde also diesen Mike Scheerckel wissen lassen, dass er Beteigeuze in nächster Zeit nicht anfliegen darf."

 

 

        "Die Flotte hat das System rundum abgeriegelt," meldete Oberst Reckling, als er Meddelsons Büro auf der ROCKEFELLER betrat, Jetzt kann niemand dieses System unbemerkt anfliegen oder es verlassen."

Meddelson nickte und wandte sich an Malra Tempers, die gerade den Tagesbericht in den Computer diktierte.

        "Ist schon eine Spur sichtbar, die auf den Verbleib der Gelder schließen lässt?"

        "Momentchen!" rief sie über die Schulter, "Ich bin gleich fertig."

Meddelson musste sich jedoch noch geschlagene 17 Minuten gedulden, bis sie sich mit einem Datenauszug in der Hand ihm zuwandte.

        "Sie werden staunen," meinte sie, "denn unsere bisherigen Prüfungen haben ergeben, dass der Gesamtverlust nicht nur 89 Milliarden, sondern sogar rund 335 Milliarden Intercredits beträgt."

        "Du lieber Himmel!!" rief Meddelson erschrocken, "Wissen die von der Administration schon etwas davon?"

        "Wird mit der nächsten Interdim-Funkverbindung durchgegeben."

        "Verdammter Mist," schimpfte der Controller, "Mixtaire wird einen Schlaganfall bekommen."

        "335 Milliarden," murmelte Reckling, "Davon könnte jemand einen ganzen Planeten kaufen."

        "Ab morgen kontrollieren wir auch die zivilen Firmen," entschied Meddelson entschlossen, "Wir müssen wissen, wohin das Geld verschwunden ist."

        "Dazu müssen Sie aber den Ausnahmezustand über die ganze Kolonie verhängen," meinte Reckling, "Das wird ein fürchterliches Theater geben. Vielleicht wäre es gut, wenn wir zusätzliche Verstärkungen anfordern."

 

 

Mel Danklin blickte erschrocken auf, als ein Besucher überraschend in sein Büro trat.

        "Ach, Sie sind das," meinte er aufatmend, als er den Mann erkannte, "Ich dachte schon, es wäre wieder dieser verfluchte Planetenkontrolleur. Der Kerl ist ein richtiger Bluthund, und es sieht sehr brenzlig für uns aus. Wir sollten bald verschwinden."

        "Da haben Sie völlig recht," sprach der Ankömmling, "deshalb bin ich ja auch schon dabei, unsere Spuren so weit wie möglich zu verwischen. Wenn das erledigt ist, werden wir untertauchen und uns absetzen."

        "Aber wie kommen wir hier weg?" fragte Danklin aufgeregt, "Soviel ich weiß, hat die Raumgarde das ganze System abgeriegelt und alle zivilen Raumstarts bis auf weiteres untersagt."

        "Darüber brauchen Sie sich keine Gedanken zu machen," sprach sein Gegenüber, "Ich sorge schon dafür, dass niemand Sie verhaften kann, Herr Danklin."

 

Entsetzt sah der Behördenleiter, wie der Mann plötzlich einen Handlaser auf ihn richtete. Todesangst packte ihn wie mit stählernen Krallen, so dass er unfähig war, sich zu rühren.

        "Nein," flüsterte er, "Das können Sie doch nicht machen! Ich werde ganz bestimmt nicht......"

Der sonnenheiße Energiestrahl zerfetzte seinen Kopf, bevor er zu Ende sprechen konnte, und entseelt sank er in seinem Sessel zusammen.

Der Killer verharrte einige Sekunden lang in völliger Bewegungslosigkeit und lauschte gespannt, ob jemand den Schuss gehört hatte. Doch Danklins Büro war schall-isoliert, und so war niemand aufmerksam geworden.

Seelenruhig wischte der Mann jetzt den Griff der Waffe sorgfältig mit einem Tuch ab und drückte sie dem Toten in die Hand. Dann holte er aus der Brusttasche seiner Uniformjacke ein Bündel Papiere, die er in einem Fach des Schreibtisches unter einem Haufen anderer Schriftstücke deponierte.

Schließlich, nachdem er sich vergewissert hatte, keine Spuren hinterlassen zu haben, verließ der Todesschütze in der Uniform eines Kapitäns der Raumgarde das Büro und verschwand unbemerkt.....

 

 

        "Exzellenz, ich habe Neuigkeiten von Beteigeuze IV," meldete Lobek Krazyene seinem Präsidenten.

        "Dann berichten Sie," forderte dieser ihn ungeduldig auf.

        "Unser Verbindungsmann hat gemeldet, dass die Planetenkontrolle jetzt auch auf die zivilen Einrichtungen der Kolonie ausgedehnt wurde. Der Controller hat den Ausnahmezustand über Beteigeuze IV verhängt. Für unseren Agenten dort wird es langsam Zeit, sich abzusetzen. Er hat Danklin liquidiert und in dessen Büro einige belastende Unterlagen deponiert. Danklins Tod wurde als Selbstmord vorgetäuscht. Unter dem Belastungsmaterial befindet sich übrigens auch die Verkaufs-Urkunde für den Kerian-Mond, den Danklin als Lohn für seine Dienste erhalten sollte."

        "Wird diese Urkunde uns denn nicht belasten?" fragte der Präsident.

        "Nein, denn offiziell gehört der Mond einem Randwelten-Industriellen. Die Föderalisten werden nichts finden, womit sie uns belangen könnten," meinte der Geheimdienstchef gelassen, "Aber wir sollten uns dieses Freihändlers so bald wie möglich entledigen."

        "Haben wir denn inzwischen genügend Devisen beisammen, damit wir die fälligen Auslandsschulden begleichen können?"

        "Für's erste wird es wohl reichen," meinte Krazyene, "auch wenn es ziemlich knapp werden wird."

        "Und wie sollen wir diesen Scheerckel loswerden?"

        "Wir schicken ihn einfach noch einmal ins Beteigeuze-System."

        "Aber dann wird er doch von der Raumgarde aufgebracht," wandte Arkmere ein.

        "Er wird Maschinenbauteile an Bord haben, in denen ein nuklearer Sprengsatz eingebaut ist. Sobald er das Beteigeuze-System erreicht, wird sein Schiff explodieren. Man wird glauben, dass sein Antrieb defekt war und einen Unfall vermuten. Schließlich hat Scheerckels Raumschiff noch einen ziemlich veralteten Atomreaktor. Danach gibt es keine Spuren mehr, die zu uns führen. Und nur aufgrund reiner Vermutungen werden die Föderalisten keine Maßnahmen gegen uns einleiten."

        "Ein brauchbarer Plan," murmelte der Präsident, "Hoffentlich funktioniert er auch."

 

 

"Danklin ist tot."

        "Wie bitte ?" fragte Meddelson verdutzt.

        "Sie haben richtig gehört," sprach Reckling, "Danklin hat Selbstmord begangen. Wir haben bei ihm Unterlagen gefunden, aus denen hervorgeht, dass er für einige hundert Milliarden Intercredits einen Mond mit großen Erzkommen von einem Randweltenhändler erworben hat."

        "Dann war Danklin also unser Mann."

        "Offensichtlich," meinte der Oberst, "Jetzt wissen wir auch, wohin das Geld verschwunden ist."

        "So ein Mist," schimpfte Meddelson, "Dann ist das Geld verloren. Gegen einen Randweltenhändler können wir rechtlich nichts unternehmen, wenn er einen gültigen Verkaufsnachweis hat. Und DEN wird er mit Sicherheit haben."

        "Dann muss die Föderation Danklins Mond beschlagnahmen und weiterverkaufen," schlug Reckling vor.

        "Hoffentlich ist dieser Mond auch etwas wert," murmelte der Controller, "Aber wie dem auch sei - ich verständige jetzt die Kontrollbehörde."

 

 

        "Raumgarde der terranischen Föderation an anfliegendes Raumschiff ! Deaktivieren Sie Ihren Photonen-Antrieb und identifizieren Sie sich !" tönte es aus der Funkanlage des Raumfrachters BAGELE, dem Schiff Mike Scheerckels. Aber das Freihändler-Schiff antwortete nicht und veränderte abrupt seine Flugbahn, die es nach dem Wiedereintritt in das 'normale' Raum-Zeit-Kontinuum eingeschlagen hatte. Auf dem Kreuzer der Raumgarde registrierten die Messgeräte, dass auf der BAGELE die Aggregate des Interdim-Antriebes erneut aktiviert wurden, mit dem der Freihändler in den interdimensionalen Raum zu entkommen versuchte.

 

        "Schalten Sie sofort sämtliche Antriebs-Aggregate ab!" gellte es aus dem Lautsprecher der Funkanlage, "Stoppen Sie Ihren Flug und identifizieren Sie sich! Andernfalls zerschießen wir Ihre Antriebsdüsen!"

Aber der Raumfrachter kam dieser Aufforderung erst nach, als ein fast turmdicker, gleißender Energiestrahl die Schwärze des Weltraumes durchschnitt. Dann schwebte das Raumschiff bewegungslos im All, während sich der Kreuzer der Raumgarde näherte.

 

        "Hier ist der Raumfrachter BAGELE, Eigentümer und Kapitän Mike Scheerckel, freier interstellarer Händler. Wir befinden uns nicht im hoheitlichen Gebiet der Föderation. Sie haben somit kein Recht, uns aufzubringen und zu bedrohen. Ihr Vorgehen verstößt gegen interstellares Recht und ist ein Akt von Raumpiraterie."

 

        "Schneller Raumkreuzer SRV-8-3K, 8. Geschwader der schnellen terranischen Raumverbände  an den Frachter BAGELE:

Dieser Raumsektor ist vor 24 Standard-Rotations-Zyklen von der Föderation vereinnahmt und mit Zustimmung des Völkerrats unserem Hoheitsbereich angegliedert worden. Sie unterliegen damit den Gesetzen der Terranischen Föderation. Wir schicken jetzt ein Enterkommando zu Ihnen hinüber. Leisten Sie keinen Widerstand!"

 

Als ein Beiboot des Raumkreuzers auf den Frachtraumer zuschwebte, explodierte die BAGELE.

 

Es gab keine Überlebenden.........

 

 

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- "Kontrollbehörde 1 an den Planetenkontrolleur Meddelson auf Beteigeuze IV:

Die Planetenkontrolle der Beteigeuze-Kolonie ist mit sofortiger Wirkung zu beenden. Der von Mel Danklin mit unterschlagenem Geld erworbene Kerian-Mond wurde beschlagnahmt. Erste Untersuchungen haben ergeben, dass es dort reichhaltige Uran-Vorkommen unter der Oberfläche gibt. Damit werden die entstandenen Verluste zu einem Großteil ausgeglichen. Der Einsatz ist damit beendet. Ihre Vollmachten als Prokurator enden mit Ihrer Rückkehr.

- Ende."

- gez. Gerald Mixtaire -

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        "Alle fälligen Schulden konnten rechtzeitig beglichen werden," erklärte Lobek Krazyene, "Durch den Besitz von Föderationswährung sind wir wieder kreditwürdig geworden, womit sich unsere finanzielle Lage um einiges verbessert hat."

        "Die Aktion war also ein voller Erfolg," meinte Präsident Arkmere, "Haben wir noch Kontakt zu unserem Verbindungsmann?"

        "Zur Zeit nicht," antwortete Krazyene, "Aber wir können uns auch in Zukunft auf ihn verlassen."

        "Wer ist dieser Mann eigentlicht?" wollte der Präsident wissen.

        "Sein Name ist Noel Elenze," gab ihm Krazyene Auskunft, "Es ist der stellvertretende Leiter der Föderationsverwaltung III. Durch ihn wurden wir vor der Planetenkontrolle auf Beteigeuze IV gewarnt, so dass wir rechtzeitig reagieren konnten. Er war es auch, der für Danklins Liquidation gesorgt hat, um so alle Spuren zu verwischen, die zu ihm oder zu uns führen könnten."

        "Hochinteressant," murmelte Elon Arkmere, "Ich frage mich, wie ein Mann in einer solchen Position für uns angeworben werden konnte."

        "Warum?" meinte Krazyene schulterzuckend, "Auch solch ein Mann ist käuflich, und Korruption ist eine sehr menschliche Schwäche. Und gerade diese Erdgeborenen jagen immer zwei Dingen hinterher, von denen sie glauben, dass sie das Glück bedeuten."

        "Welche Dinge sollen das sein?"

        "Reichtum und Macht," meinte Krazyene lakonisch.

        "Na, darin sind wir uns wohl alle ziemlich ähnlich, nicht wahr?" bemerkte Elon Arkmere grinsend....

 

 

Ende des 11. Bandes

 

 


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