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STAR-FORCE

Science-Fiction-Serie

von

Karl-Heinz R. Friedhoff

 

Band 7

 Beringa-Tanis

 

21. Februar 2306,

Alpha-Basis, militärischer Sektor der Marskolonie,

Hauptquartier der terranischen Raumgarde :

 

       "Die Kampfhandlungen zwischen Rodalern und Nardim im Sternhaufen M-57 halten noch immer an", erklärte Großadmiral Kamarow von den RAV (Raumaufklärungsverbände), "Sie haben an Härte nicht im geringsten nachgelassen. Die Reserven der Nardim scheinen geradezu unerschöpflich zu sein, während die rodalischen Ressourcen immer mehr zusammenschmelzen. Die Rodaler können ihre Verluste nur noch bedingt ersetzen, obwohl sie umfangreiche Nachschublieferungen von der Basaren-Liga und der Khonaza-Organisation erhalten. Sie haben bereits damit begonnen, zivile Frachtschiffe  mit schweren Waffen auszustatten und völlig veraltete Kriegsraumer wieder einzusetzen.  Es sieht ganz danach aus, als würden die Rodaler diesen Kampf verlieren."

       "Ist denn mittlerweile bekannt, warum die Nardim immer wieder die rodalischen Kolonien angreifen?" fragte Marion Sharpe von den TRV (Taktische Raumverbände).

       "Der Sternhaufen M-57 muss für sie von immenser Wichtigkeit sein", meinte Kamarow, "Meine Scoutschiffe haben beobachtet, dass sich die Kämpfe auf eine kleine Sterngruppe in der dem galaktischen Zentrum zugewandten Randzone von M-57 konzentrieren. Dort operieren jetzt ständig große Verbände der Nardim, die immer wieder neu verstärkt werden. Natürlich versuchen die Kampfeinheiten der Rodaler sie von dort zu vertreiben - allerdings ohne jeden Erfolg."

       "Haben die Nardim dort einen Stützpunkt?" wollte John Raven (Strategische Raumverbände) wissen.

       "Wir vermuten es", meinte Kamarow, "Aber wir kennen die genaue Position noch nicht. Bei dem Versuch, den vermuteten Stützpunkt zu finden, haben wir bereits zwei Scoutschiffe verloren."

       "Wissen die Rodaler denn mehr darüber?" erkundigte sich Großadmiralin Jennifer Mandara von den Schnellen Raumverbänden (SRV).

       "Das wissen wir nicht. Die Rodaler reden ja nicht einmal inoffiziell mit uns", antwortete der Oberkommandierende, "Und sie lehnen trotz ihrer prekären Lage jede Unterstützung durch die Föderation ab. Von der Basaren-Liga und der Khonaza lassen sie sich allerdings helfen."

       "Außerdem sind sie zur Zeit dabei, sämtliche Kampfschiffe der Tamarin-Amazonen anzuwerben", sprach der ebenfalls anwesende Geheimdienst-Chef, "Damit wollen sie sich Verstärkungen für ihre Streitkräfte beschaffen. Für die Söldnerinnen ist das ein gutes Geschäft, denn die Rodaler werden in ihrer jetzigen Lage jeden Preis zahlen. Bei den Randwelten-Nomaden wurden ebenfalls Söldnerschiffe angeheuert. Es wird auch von Söldnern aus anderen Kolonialwelten gesprochen, die sich von den Rodalern anwerben lassen."

       "Das wäre doch eine gute Gelegenheit, mit eigenen Einheiten im Kampfgebiet zu operieren", meinte die Chefin der Taktischen Raumverbände, "Wir könnten unsere Einsatzkommandos als Söldner tarnen und von den Rodalern anwerben lassen. Diese Kommandos können uns dann mit besseren Informationen versorgen und herausfinden, ob die Nardim einen Stützpunkt in M-57 haben und wo sich dieser genau befindet."

       "Das ist ein sehr guter Vorschlag", stimmte Hamblin ihr zu, "Wenn niemand etwas dagegen hat, werde ich mich darum kümmern."

       "Ich habe aber etwas dagegen", wandte da Kamarow überraschend ein, "Das ist eine rein militärische Erkundungsoperation und deshalb Aufgabe der Raumaufklärungsverbände. Ich bin der Meinung, dass der Geheimdienst nicht die Arbeit der terranischen Raumstreitkräfte übernehmen sollte."

       "Dieser Einwand ist berechtigt", meinte Lordadmiral Hawkstone, "Und deshalb werden die Raumaufklärungsverbände diesen Job übernehmen."

An Kamarow gewandt fuhr er fort: "Stellen Sie Einsatzgruppen zusammen, die sich als Söldner bei den Rodalern verdingen sollen. Danach werden wir einen Plan für unser weiteres Vorgehen entwerfen."

 

 

Wenn er gewusst hätte, was ihn bei diesem Kommando-Unternehmen erwartete, wäre er vielleicht nicht ganz so bereitwillig gewesen, sich als Freiwilliger zu diesem Einsatz zu melden.

Sein Name war Robert Lescarte und eigentlich war er Kommandant eines Scoutschiffs der Raumaufklärungsverbände (RAV) im Rang eines Oberleutnants. Doch jetzt war er der Boss eines sechsköpfigen Söldnerhaufens an Bord eines Kaperschiffes der Randwelten-Nomaden, das sie zum Zentralsystem des rodalischen Imperiums bringen sollte.

Der Kapitän des Nomadenschiffes war allerdings ein Agent des Dezernat-GS, worüber Lescarte sehr erstaunt war, denn er hatte bislang nicht gewusst, dass auch Menschen von Welten, die nicht zur Föderation gehörten, für den terranischen

Geheimdienst tätig waren.

Lescarte und seine Leute hatten sich  über einen bekannten Söldnervermittler auf RAMAYDA-IX als Spezial-Team für geheime Lande-Operationen bei den Rodalern beworben und waren sofort angeheuert worden, ohne dass sie lange um den Preis für ihre Dienste feilschen mussten.

Allein dieser Umstand zeigte nur allzu deutlich, wie dringend die Rodaler fremde Söldnertruppen brauchten.Die Dinge schienen für sie wirklich nicht zum besten zu stehen.

 

Es dauerte vier Tage, bis sie schließlich auf RODAL-ALPHA eintrafen, dem Zentralplaneten des rodalischen Reiches.

Da im Sternhaufen M-57 eine relativ dichte Zusammenballung von Sonnen herrschte, waren mehrere Hyperraumflugunterbrechungen notwendig gewesen, um nicht mit einer Sonne zu kollidieren, was die Flugdauer natürlich erheblich verlängert hatte. Außerdem war es hin und wieder notwendig, während solcher Hyperraumsprungpausen die Energiespeicher eines Raumschiffes aufzuladen.

 

Gleich am nächsten Tag nach ihrem Eintreffen wurden sie von einem Offizier im Rang eines Intendanten (rodalischer General/Admiral) auf unseren bevorstehenden Einsatz vorbereitet.

Es ging dabei um eine Landeoperation auf einem Planeten im Randgebiet von M-57, wo sie zusammen mit anderen Söldnern und regulären Landetruppen eine Kolonie der Nardim angreifen und zerstören sollten.

Die Vermutung des terranischen Oberkommandos schien sich in diesen Augenblicken zu bestätigen:

Es gab wirklich einen Nardim-Stützpunkt im Gebiet der Rodaler, der von großer Wichtigkeit zu sein schien.

Lescartes Hoffnung, schon jetzt die genaue Position dieses geheimnisvollen Stützpunktes zu erfahren, erfüllte sich jedoch nicht. Allerdings wurden sie darüber aufgeklärt, dass der Planet, auf dem sie landen sollten, von starken Raumverbänden der Nardim bewacht wurde.

Die rodalische Führung plante, diese Verbände mit allen verfügbaren Kampfschiffen anzugreifen, um so den Lande-Einheiten den Weg freizukämpfen.

Dann sollten reguläre Raumlandetruppen die Kräfte des Gegners auf der Planetenoberfläche in Kämpfe verwickeln, um so deren volle Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen und so von den Söldnerkommandos abzulenken. Diese sollten währenddessen versuchen, außerhalb der Kampfzonen auf dem Planeten zu landen und dabei möglichst unbemerkt zu bleiben.

Die regulären Truppen der Rodaler sollten sich später wieder zurückziehen und den Planeten scheinbar fluchtartig verlassen. So sollte bei den Nardim der Eindruck erweckt werden, dass der Angriff gescheitert sei.

Erst danach sollten die Söldner zum Einsatz kommen und die Nardim mit altbewährter Guerilla-Taktik bekämpfen.

Lescartes Gruppe war dazu auserkoren worden, gemeinsam mit einer Infanterie-Abteilung der Tamarin-Amazonen in den Nardim-Stützpunkt einzudringen und dort eine nukleare Sprengladung zu deponieren, die per Fernzündung zur

Explosion gebracht werden sollte.

Im großen und ganzen hörte sich der Plan der Rodaler ganz vernünftig an. Aber Lescarte bezweifelte, dass es so einfach sein würde. Außerdem wurde er den Eindruck nicht los, dass es sich hier um ein Himmelfahrtskommando handelte, von dem sie nicht zurückkommen sollten . . . . .

 

 

Lescarte musste gestehen, dass man der rodalischen Führung zwar vieles nachsagen konnte, aber Unentschlossenheit und langes Zögern gehörte gewiss nicht dazu.

Der Aufenthalt auf RODAL-ALPHA dauerte nicht einmal drei volle Tage, denn schon am dritten Tag nach ihrem Eintreffen wurden die Söldner auf einen Raumtransporter gebracht, der den Planeten in einem stationären Orbit umkreiste.

Dieses Großraumschiff war eigens für Truppentransporte konstruiert worden und verfügte über sechs große Landefähren, mit denen sie später auf dem Zielplaneten landen sollten.

Kaum waren alle Söldnereinheiten an Bord, da wurden bereits die Ionentriebwerke gezündet, die das große Raumschiff auf eine Geschwindigkeit beschleunigten, mit der ein Hyperraumsprung erst möglich wurde.

Zu Lescartes Bedauern wusste von den Söldnern noch immer niemand die Koordinaten ihres Einsatzzieles, und die Besatzung des Schiffes schwieg sich darüber geflissentlich aus. Vermutlich wussten die Besatzungsmitglieder auch nicht mehr als die Söldner, denn es war anzunehmen, dass nur die Schiffsoffiziere das Reiseziel kannten und vor den anderen geheimhielten.

Es wurden sechs Hyperraumsprünge in 19,75 Stunden Erdstandardzeit gebraucht, dann schien das Zielgebiet erreicht zu sein.

Die auch in den Bereitschaftsräumen der Söldner  angebrachten Außensicht-Bildschirme zeigten ein Doppelsternystem mit zwei Sonnen - einem "roten Riesen" und einem sogenannten "weißen Zwerg", die gerade noch weit genug voneinander entfernt waren, dass sie sich nicht gegenseitig mit ihren Anziehungskräften Materie entreißen konnten.

Es war äußerst erstaunlich, dass es in diesem System überhaupt einen Planeten gab, aber die beiden unterschiedlichen Sonnen wurden von einem etwas mehr als erdgroßen Trabanten umkreist, der über eine verhältnismäßig große Masse verfügte und aufgrund der daraus resultierenden hohen Schwerkraft sogar eine dichte Atmosphäre besaß. Offenbar hatte es hier sogar noch weitere Planeten gegeben, aber diese waren vermutlich von den Anziehungskräften der zwei Sonnen in Stücke gerissen worden, so dass von ihnen nur noch zahlreiche Trümmerstücke übrig geblieben waren, die jetzt als gewaltige Asteroidenschwärme um die beiden Sterne kreisten.

Und zwischen diesen kosmischen Trümmern tobte eine erbitterte Raumschlacht zwischen den Kampfschiffen der von den Rodalern aufgebotenen Raumstreitkräfte und den Dreikugelschiffen der Wesen aus dem galaktischen Sagittarius-Arm, die von den Menschen als "Nardim" bezeichnet wurden.

Nach Lescartes groben Schätzung waren mindestens fünfhundert Großraumschiffe an dieser Schlacht beteiligt - vielleicht sogar mehr. Er hatte noch niemals zuvor so viele Kampfraumer auf einmal gesehen. Hier fand seiner Ansicht nach die größte Weltraumschlacht seit dem ersten interstellaren Krieg statt........

 

 

Während die Kampfschiffe der Tamarin-Amazonen, der Randwelten-Nomaden und der anderen Söldner die Nardim-Schiffe von allen Seiten attackierten und in Einzelkämpfe verwickelten, flogen die rodalischen Kriegsraumer in dicht gestaffelten Formationen, damit sich ihre energetischen Abwehrschirme überlappten und so einen größtmöglichen Schutz gegen feindlichen Beschuss boten, der in gewissen Grenzen auch gegen die gefürchteten Gravitationswaffen der Nardim (siehe Band 3: "Sargosa II")  wirksam war. Allerdings konnten diese Gefechtsformationen wegen der vielen Asteroidenschwärme nur bedingt eingehalten werden.

Natürlich versuchten die Nardimschiffe diese rodalischen Angriffsgeschwader abzufangen, wurden dabei jedoch von den Söldnerschiffen stark behindert.

Dadurch gelang es mehreren rodalischen Geschwadern, die Abwehrlinien der Nardim zu durchbrechen und sich dem Planeten zu nähern. Sofort stürzten sich Dutzende kleinerer Nardim-Raumschiffe von allen Seiten wie wütende Hornissen auf sie und feuerten neben hochenergetischen Plasmaladungen auch ganze Salven von Raumtorpedos auf die rodalischen Kriegschiffe ab, so dass diese gezwungen waren, ihre Formationen aufzulösen, um nicht von den Geschossen getroffen zu werden, deren nukleare Sprengladungen auch starke Energieschirme überwinden konnten.

Raumtorpedos waren im Gegensatz zu Raketen besser zu lenken, da ihr Antriebssystem so beschaffen war, dass Geschwindigkeit und Flugrichtung der Torpedos genauer zu kontrollieren war. So war es auch möglich, solche Torpedos mit sehr geringer Geschwindigkeit oder sogar völlig antriebslos im Weltraum schweben zu lassen, so dass sie nur schwer zu orten waren, um sie erst kurz vor dem Einsatz zu aktivieren.

Eine spezielle Art dieser Waffen waren die sogenannten "Streu-Torpedos", die sich durch Fernzündung in Zehntausende von stecknadelkopfgroßen Metallsplittern zerlegten, die dann eine Wolke tödlicher Mini-Geschosse bildeten. Ein Raumschiff, das mit hoher Geschwindigkeit in eine solche Splitterwolke hineinraste, wurde von den winzigen Teilen regelrecht zerfetzt, wenn es nicht rechtzeitig gelang, diesem Geschosshagel auszuweichen oder ihn mit einem Antigravitationsfeld abzuwehren.

Offensichtlich verwendeten die Nardim ähnliche Waffen, allerdings zerlegten sich ihre Geschosse in so winzige Partikelteilchen, dass sie kaum noch zu orten und so gut wie unsichtbar waren.

 

Das Schlachtschiff SOMADO war das erste Schiff der Rodaler, welches dieser heimtückischen Waffe zum Opfer fiel.

In den letzten Sekunden vor der Katastrophe leuchtete das Großraumschiff wie ein riesiges Stück glühender Kohle auf. Die schlagartig auftretende Erhitzung der Außenhülle löste ein nervenzerfetzendes Alarmgeheul auf allen fünfzig Decks des großen Raumschiffes aus. Als es in die Partikelwolke hineinstieß, sah der Weltraum vor ihm noch immer völlig leer aus. Die Partikel, welche die Wolke bildeten, waren so winzig, dass man sie nicht rechtzeitig hätte erkennen können, selbst wenn sich das Schiff weitaus langsamer bewegt hätte.

Hätte die SOMADO noch Zeit zum Abbremsen oder zum Aktivieren eines Antigravitationsfeldes gehabt, wäre die tödliche Partikelwolke für sie ohne jede Bedeutung gewesen. Aber bei einer Geschwindigkeit von fast 3000_Kilometern in der Sekunde war der Zusammenprall mit den Partikelmassen wie der Aufprall auf eine stabile Felswand.

Das große Kriegsraumschiff erbebte mit jeder Stahlplatte und schon in wenigen Sekunden hatten die gewaltigen Kräfte, welche jetzt auf das Sternenschiff einwirkten, sämtliche von seinen Erbauern vorgesehenen Sicherheitssysteme überwunden. Die SOMADO wurde regelrecht in Stücke gerissen.

 

Die Piloten der anderen Kampfraumer reagierten blitzschnell und versuchten der Partikelwolke auszuweichen. Aber für zwei weitere Großraumschiffe kam diese Reaktion zu spät. Auch sie teilten das Schicksal der SOMADO.

 

In den nächsten Minuten schleusten die rodalischen Schlachtschiffe ihre an Bord mitgeführten Raumjäger aus, die sich sofort gegen die kleineren Nardimschiffe wandten und in erbitterte Einzelkämpfe verwickelten.

Jetzt war der Weg frei für die vier schweren Truppentransporter, die nun ihre Landefähren ausklinken konnten. Trotz starken Beschusses schwenkten die großen Raumfähren in einen niedrigen Orbit um den Planeten ein, umkreisten ihn einmal und setzten dann zur Landung an.

Fünf von diesen Landungsschiffen wurden jedoch schon während des Anfluges von Raketen und Energieladungen getroffen und verwandelten sich Sekundenbruchteile später in grellstrahlende Feuerblumen. Die anderen neunzehn Raumfähren aber konnten unbeschadet auf der Planetenoberfläche aufsetzen und ihre Bodentruppen ausschleusen.

Es dauerte nicht lange, bis die rodalischen Raumlandetruppen von den Bodenstreitkräften der Nardim angegriffen wurden. Dann tobte auch auf der Planetenoberfläche eine mörderische Schlacht......

 

 

Sie wurden zur Waffenausgabe und darauf in die Kleiderkammer geführt, wo sie die Kampfanzüge anlegen mussten. Solche Kampfanzüge waren speziell für Landeoperationen auf lebensfeindlichen Planeten konstruiert worden, wogen gute 80 Kilogramm und waren steifer und sperriger als herkömmliche Raumanzüge.

Sie mussten jedoch angelegt werden, weil sie lebensnotwendig waren, denn die Atmosphäre des Planeten sollte für Menschen giftig sein und zudem herrschte dort eine fast doppelt so hohe Schwerkraft  wie auf der Erde. Außerdem waren sie gepanzert und verfügten über ein autarkes Lebenserhaltungssystem mit Flüssignahrungs- und Sauerstoffvorräten für maximal 30 Erdstandard-Tage. Sie waren zudem mit Antigravitationsgeneratoren und Bewegungsverstärkern ausgestattet, ohne die es völlig unmöglich gewesen wäre, in diesen Anzügen weiter als hundert Meter zu gehen, ohne danach zusammenzubrechen.

Die Tamarin-Amazonen hätten das sicher ein ganzes Stück  länger ausgehalten, aber schließlich waren diese Frauen auch auf einer Welt geboren und aufgewachsen, welche die 1,7-fache Schwerkraft der Erde besaß.

Als Umweltangepasste waren sie dadurch natürlich weitaus kräftiger als Menschen, die auf Welten mit geringerer Schwerkraft geboren wurden. Gerade diese körperliche Überlegenheit und ihre matriachaische Kriegerkultur machten sie zu den besten Söldnern, die es auf allen von Menschen besiedelten Welten der Galaxie gab.

Robert Lescarte war froh, sie hier als Verbündete zu haben, denn er kannte ihren Ruf als gefürchtete Kriegerinnen.

Zum Anlegen eines Kampfanzuges wurden zwei Personen benötigt, denn um ohne fremde Hilfe hineinzukommen, hätte man ein bühnenreifer Schlangenmensch mit den Körperkräften eines Ochsen sein müssen. Doch so schwer und ungefüge sie auch waren, wenn man erst einmal darin steckte, erwiesen sich die Anzüge als bemerkenswert beweglich und bequem. Jeder Schutzanzug war mit relativ genauer Passform auf seinen Träger zugeschnitten und das Innenpolster schmiegte sich wie ein weicher Kokon um den Körper.

Als sie endlich alle in den Anzügen steckten, wurden die Vorräte an Sauerstoff und Flüssignahrung überprüft, die Rucksäcke umgeschnallt und die Waffen umgehängt. Nun waren sie fertig zur Landung und brauchten nur abzuwarten, bis die rodalischen Landetruppen die Nardim so weit von den für die Söldnerkommmandos vorgesehenen Landezonen abgelenkt hatten, dass sie dort unbemerkt abgesetzt werden konnten.

Die Einsatztrupps befanden sich bereits im unteren Schleusendeck der Landefähre, da der Ausstieg von dort erfolgen sollte. Ohne die Schwerkraftausgleicher und Bewegungsmotoren konnten die Leute nicht weit gehen, und die Schiffsführung wollte nicht, dass man sie schon an Bord einschaltete, damit das künstliche Schwerkraftfeld des Schiffes nicht beeinträchtigt wurde.

Die nächsten Stunden verbrachten sie an den Wänden lehnend, um das drückende Gewicht ihrer Ausrüstung ein wenig abzumildern. Es war nämlich unmöglich, sich auf den Boden zu setzen, denn sonst wären sie nicht wieder auf die Beine gekommen.

Dann endlich kam das Einsatzsignal. Die Männer und Frauen spürten, wie die Landefähre vom Transportschiff abgekoppelt wurde, dann wurden sie gehörig durchgeschüttelt, als das Landungsschiff fast im Sturzflug durch die Atmosphäre des Planeten raste. Der plötzliche Gegenschub der Bremstriebwerke und der Landestrahldüsen ließ sie fast vornüber fallen, aber sie hatten keine Zeit, sich davon zu erholen, denn nur wenige Augenblicke später bekamen die Stützbeine der Fähre Bodenkontakt. Fast gleichzeitig wurden die Ausstiegsschleusen geöffnet und die Rampen ausgefahren.

 

"Anzugsaggregate einschalten und raus!" brüllte der Kommandant des Landungsschiffes, "Beeilt euch! Ihr habt fünf Minuten Zeit, dann müssen wir wieder starten!"

 

Sie hetzten im Laufschritt über die ausgefahrenen Rampen nach draußen in eine rötlich schimmernde Wüstenlandschaft, über deren Boden gelbliche Rauchschwaden schwebten, die unsere Sicht erheblich behinderten. In der Nähe des Landeplatzes waren die Umrisse hügelartiger Bodenerhebungen zu erkennen, auf die sie zu rannten, um dort in Deckung zu gehen.

 

Hinter ihnen heulten die Starttriebwerke der Landefähre auf, dann hob das tellerförmige Raumfahrzeug schwerfällig vom Boden ab und war wenige Augenblicke später in den rauchigen Schwaden über ihren Köpfen verschwunden.

Ab jetzt waren die Söldner auf sich allein gestellt.....

 

 

 

Die Krieger an den Außenzugängen hatten Alarm gegeben und ihre gefahrverheißenden Vibrationen schwangen durch die Wände der Korridore. In wilder Hast zogen sich die Arbeiter vor diesen Vibrationen zurück und drückten sich dabei eng gegen die Seitenwände. Dadurch konnten die Krieger in ihren gepanzerten Kampfmaschinen ungehindert in Richtung des Alarmsignals eilen, vor dem alle anderen flohen. Eine große Anzahl der Feindwesen war ganz in der Nähe der äußersten Nestkammern gelandet und bewegte sich bereits auf die dortigen Einstiegsschächte zu.

Die Nestmutter befahl den sofortigen Gegenangriff und die völlige Vernichtung aller auf der Nestwelt gelandeten Feindwesen, worauf die Krieger in ihren Kampfmaschinen aus allen Außenschächten nach draußen stürmten und die vordringenden Feindwesen schon kurz darauf von allen Seiten unter Beschuss nahmen.......

 

 

Bericht eines rodalischen Raum-Infanteristen:

       "Was es über den Angriff zu sagen gibt? dass er selbstmörderisch war?  Ja, das war er wirklich! Es fällt mir schwer, mich überhaupt noch an irgendwelche Einzelheiten zu erinnern. Ich kann mich nur entsinnen, dass wir wie Vieh in einem Schlachthaus niedergemetzelt wurden, dass es überhaupt keine Chance gab, diesen Kampf zu gewinnen, dass schon bei den ersten Kampfhandlungen mehr als die Hälfte unserer Kohorten getötet wurde - und dass alle meine Freunde unter den Gefallenen waren. Wie ich es fertiggebracht habe, dieses Gemetzel zu überleben, weiß ich selbst nicht.  Aber ich weiß, dass man uns im Stich gelassen hat - dass wir ganz bewusst geopfert wurden.

Denn als endlich der Befehl zum Rückzug gekommen war und wir gerade den Landeplatz erreicht hatten, da starteten die Transportfähren ohne uns und überließen uns unserem Schicksal, obwohl noch Zeit genug gewesen wäre, uns an Bord kommen zu lassen und mitzunehmen.

Dann kamen die Nardim in ihren gepanzerten Kampfmaschinen und nahmen uns von allen Seiten unter Beschuss. Wir hatten nicht die geringste Chance.

Irgendwie ist dann der Schwerkraftausgleicher in meinem Anzug ausgefallen, so dass ich zu Boden ging und das Bewusstsein verlor. Wie lange ich dort gelegen habe, weiß ich nicht, aber als ich wieder wach wurde, fand ich um mich herum nur noch die Überreste meiner Kameraden, von denen einige auf mir lagen und mich wahrscheinlich davor bewahrt haben, von den Nardim getötet zu werden. Es gelang mir, den Schwerkraftausgleicher in meinem Schutzanzug wieder zu aktivieren, so dass ich mich davonmachen konnte. Dann stieß ich wieder auf eine von unseren Infanterie-Abteilungen, mit der ich die letzte Transportfähre erreichen konnte. Ich bin heilfroh, dass ich diesem Höllenplaneten entkommen bin...."

 

 

Ihre Messinstrumente zeigten an, dass die Planetenoberfläche von der kleineren weißen Sonne mit härtester Gammastrahlung bombardiert wurde.

Die Chlorgasatmosphäre war so stark radioaktiv verseucht, dass die Digitalanzeigen ihrer Geräte permanent auf dem höchsten Wert ihrer Skala standen.

 

Robert Lescarte fragte sich, welche Art von Lebewesen einen derart lebensfeindlichen Planeten auswählte, um darauf einen Stützpunkt einzurichten.

Waren die Nardim vielleicht immun gegen die starke Radioaktivität, die einen Menschen ohne seinen Schutzanzug innerhalb weniger Minuten umgebracht hätte?

Leider beeinträchtigte die Strahlung auch die Leistung der Helmfunkgeräte, so dass die Reichweite nicht viel mehr als 50 Meter betrug und der Empfang von starken Störgeräuschen beeinträchtigt wurde.

Wenigstens die Außenmikrophone und die kleinen Lautsprecher an den Anzügen funktionierten störungsfrei, so dass sie nicht allein auf den Funk angewiesen waren, um sich untereinander zu verständigen.

Angara Gildon, die Anführerin der Amazonenabteilung, kam zu Lescarte herübergelaufen und ging neben ihm in Deckung.

       "Der Nardim-Stützpunkt liegt etwa 25 Kilometer in äquatorialer Richtung", sprach sie mit Hilfe ihres Lautsprechers, "Wir sollten sofort aufbrechen."

       "Einverstanden", antwortete er, "Aber wir müssen aufpassen, dass wir nicht von Vorposten der Nardim entdeckt werden."

       "Wenn die uns in dieser Strahlenhölle anpeilen könnten", meinte sie, "dann müssten ihre Ortungsgeräte den unsrigen weit überlegen sein. Aber das halte ich für unwahrscheinlich. Und in diesem Chlorgasnebel werden sie uns mit Sicherheit erst sehen können, wenn wir direkt vor ihnen stehen."

       "Wir wissen nicht, über welche Sinnesorgane die Nardim verfügen", wandte der Terraner ein, "Vielleicht werden ihre Wahrnehmungsorgane nicht von dieser Atmosphäre beeinträchtigt. Also müssen wir ständig auf unsere Deckung achtgeben."

       "Wissen Sie, wo die anderen Trupps jetzt sind?" fragte sie, ohne weiter auf seinen Einwand einzugehen.

       "Die sind ein ganzes Stück weiter in polarer Richtung abgesetzt worden", erklärte er, "Wir haben keine Verbindung zu ihnen."

       "Ist ja auch nicht notwendig", meinte sie, "Schließlich brauchen wir sie nicht, um den feindlichen Stützpunkt zu sprengen. Aber jetzt sollten wir uns auf den Weg machen. Meine Kriegerinnen werden Ihre Gruppe nach allen Seiten absichern. Achten Sie darauf, dass sie nicht die Verbindung zur Vorhut verlieren."

 

Die Frau stand auf und eilte im Laufschritt zurück zu ihrer Truppe. Lescarte gab seinen Leuten das Zeichen zum Abmarsch, dann machten sie sich auf den Weg......

 

 

18. April 2306,

Marskolonie, Alpha-Basis,

Hauptquartier der terranischen Raumgarde :

 

       "Unsere Fernaufklärer haben gemeldet, dass im Doppelsonnensystem BERINGA-TANIS seit Tagen ungewöhnlich starke Energie-Entladungen gemessen werden", sprach Großdmiral Kamarow, "Außerdem wurden im betreffenden Raumsektor von M-57 verstärkte Flottenbewegungen der rodalischen Raumstreitkräfte und ihrer Verbündeten beobachtet. Wir müssen davon ausgehen, dass im Beringa-Tanis-System eine der größten Raumschlachten seit dem ersten interstellaren Krieg stattfindet. Es ist zu befürchten, dass unsere Leute ebenfalls darin verwickelt sind."

       "Können wir sie noch irgendwie da herausholen?" fragte Lordadmiral Hawkstone.

       "Solange dort eine Schlacht tobt", meinte Kamarow, "können wir ihnen kaum helfen. Uns bleibt vorerst nichts anderes übrig, als abzuwarten, wie sich die Dinge entwickeln. Aber zumindest wissen wir jetzt mit ziemlicher Sicherheit, wo sich der Nardim-Stützpunkt befindet."

       "Wir sollten aber sicherheitshalber Rettungseinheiten in die Nähe von Beringa-Tanis senden, damit wir unsere Leute notfalls da herausholen können", sprach Hawkstone, "Aber die Rodaler dürfen auf keinen Fall merken, dass sich terranische Einheiten in ihrem Gebiet aufhalten."

 

 

Als sie die erste Kampfmaschine der Nardim zu Gesicht bekamen, hätte sie das beinahe alle das Leben gekostet.

Das Ding sah fast so aus wie eine pferdegroße Ameise aus Metall, allerdings ragten keine Beißzangen und Fühler aus ihrem "Kopf", sondern die Abstrahlmündungen von Energiewaffen.

Im großen und ganzen ähnelte die Konstruktion den Raumschiffen der Nardim, denn sie bestand ebenfalls aus drei miteinander verbundenen Metallkugeln, die mit jeweils zwei Metallbeinen mit Mittelgelenken versehen waren. Mit Hilfe

dieser Beine bewegte sich das Ding fast genauso wie eine Ameise, was die Ähnlichkeit mit dieser Insektenart nur noch vergrößerte.

Die vordere Metallkugel verfügte zusätzlich über eine Art Sichtscheibe, die aber von außen nicht durchsichtig war. So war nicht zu erkennen, ob ein lebendiges Wesen hinter dieser Scheibe steckte und diese Maschine steuerte.

Das Ding tauchte direkt vor den fünf Kriegerinnen der Vorhut auf, die sofort ihre Energiewerfer in Anschlag brachten und das Feuer eröffneten.

Die Panzerung der Maschine musste außerordentlich stark sein, denn die ultraheißen Energieladungen konnten sie nicht sofort durchschlagen.

Der Apparat geriet zwar durch die Aufschlagswucht der Treffer ins Wanken, fing sich jedoch sofort wieder und richtete seine Waffen auf die Angreiferinnen, um den Beschuss mit einer ganzen Salve grell leuchtender Geschosse zu erwidern.

Zwei der Tamarin-Amazonen wurden direkt getroffen, bevor sie in Deckung gehen konnten. Die Wirkung der Treffer war mörderisch. Ihre Kampfanzüge explodierten und die anderen konnten sehen, wie Fleischfetzen und Teile der Schutzanzüge viele Meter weit fortgeschleudert wurden.

Ein paar Sekunden später wurde die Nardim-Maschine von mehreren Dutzend Energiegeschossen gleichzeitig getroffen, von denen einige jetzt endlich seine Panzerung durchschlugen.

Die Druckwelle der Explosion fegte zusammen mit scharfkantigen Metallfragmenten über ihre Köpfe hinweg.

Zum Glück hatten sich alle schnell genug zu Boden geworfen, sonst wären ihre Verluste mit Sicherheit wohl größer gewesen.

Als sie sich hochgerappelt hatten, mussten sie feststellen, dass von der Nardim-Maschine nur hunderte von kleinen Trümmern übriggeblieben waren, aus denen nicht einmal ihre ursprüngliche Form zu erkennen war. Und wenn in dem Metallding ein Lebewesen gesteckt hatte, so war jetzt nichts mehr davon zu erkennen.

Die Amazonen-Chefin gab den anderen durch Zeichen zu verstehen, dass es weitergehen sollte.

Offensichtlich wollte sie sich durch diesen Zwischenfall nicht länger als unbedingt nötig aufhalten lassen.

Robert Lescarte war die Kaltblütigkeit der Frau geradezu unheimlich, obwohl er sie insgeheim bewundern musste. Aber er wusste, dass sie recht hatte, denn es stand zu befürchten, dass die Nardim jetzt von ihrer Anwesenheit wussten.

Und wenn diese "Panzerkäfer" die Standardausrüstung der Nardim-Kämpfer war, hatten sie gegen eine Gruppe solcher Kampfmaschinen nur wenige Chancen.

Es war also  angebracht, dass sie möglichst schnell von hier wegkamen........

 

 

Hauptintendant (rodalischer Großadmiral)  Sigurd Pagendar, der Befehlshaber der rodalischen Angriffskräfte, hatte inzwischen erkannt, dass die Schlacht um BERINGA-TANIS nicht mehr zu gewinnen war.

 

Von den Raumschiffen der Nardim war zwar mehr als die Hälfte zerstört worden oder trieb schwer beschädigt und steuerlos im All, aber bei den Rodalern und ihren Verbündeten sah es nicht besser aus.

Pagendar konnte sich ausrechnen, dass seine Streitkräfte dem Untergang geweiht waren, falls sie weiter versuchen sollten, den Kampf fortzusetzen, um die Nardim-Streitkräfte zu vernichten. Und selbst wenn ihnen das gelingen sollte, würde von der Flotte der Rodaler kaum noch etwas übrigbleiben.

 

Mittlerweile waren die Überlebenden der Landetruppen auf die Raumtransporter zurückgekehrt. Fast zwei Drittel der auf dem Planeten gelandeten Truppen war vernichtet worden. Sie waren auf einen Feind getroffen, dessen Kampfstärke völlig unterschätzt worden war.

 

Jetzt befanden sich dort nur noch die Söldnerkommandos, zu denen es keine Verbindung mehr gab. Aber mit ihnen befand sich jetzt auch der millionenfache Tod auf dem Planeten.

 

Hauptintendant Pagendars Aufgabe war erfüllt. Er gab den Befehl zum Rückzug.....

 

 

Fünf Tage nach ihrer Landung bekamen sie den "Stützpunkt" der Nardim endlich zu sehen.

Sie waren zwar noch einige Male auf feindliche Kampfmaschinen gestoßen, vor denen sie sich jedoch jedesmal rechtzeitig verbergen konnten, so dass sie nicht von ihnen entdeckt wurden.

Hin und wieder hörten sie  in einiger Entfernung Gefechtlärm. Vermutlich waren das die anderen Söldnerkommandos, die mit den Nardim in Kämpfe verwickelt wurden.

Norana Kasim, die Kriegerin an der Spitze, sah das Bauwerk als erste und gab den anderen Zeichen, in Deckung zu gehen.

Dann sahen sie es alle.

Es sah aus wie eine riesige Termitenburg, die wie ein mächtiger Berg so hoch in den Himmel ragte, dass ihre Spitze kaum noch zu erkennen war. Rund um den großen Hauptbau waren acht kleinere zu sehen, die wie Wachtürme wirkten und eine Art Schutzkreis bildeten.

Der Anblick verschlug ihnen den Atem und Robert Lescarte begann sich zu fragen, wie sie dieses gewaltige Bauwerk zerstören sollten. Es machte ganz den Eindruck, als würde es sogar eine nukleare Explosion unbeschadet überstehen.

Angara Gildon gab Signal zum Rückzug, denn es bestand Gefahr, dass sie von den Nardim gesehen wurden, wenn sie sich so nahe an ihrem Stützpunkt aufhielten.

Die Söldner zogen sich etwa zehn Kilometer von den Bauwerken zurück, bis sie eine Bodensenke fanden, die nach allen Seiten gute Deckung bot, so dass sie nicht so schnell von feindlichen Patrouillen entdeckt werden konnten.

       "Ihre Leute sollten jetzt die Bombe einsatzbereit machen", wandte Angara Gildon sich an Lescarte, "Es sieht ganz danach aus, als ob wir sie bald brauchen werden."

Lescarte nickte und rief seinen Trupp zusammen, um die nötigen Instruktionen zu erteilen......

 

 

       "Die Operation von BERINGA-TANIS ist so gut wie abgeschlossen", meldete Sigurd Pagendar dem Oberkommandierenden der rodalischen Streitkräfte, "Unsere Bombe befindet sich jetzt im Zielgebiet. Sobald ihre primären Komponenten zusammengesetzt sind, werden sie nach Ablauf von 3 Stunden mittlerer Standardzeit zusammen mit allen externen Komponenten gezündet."

       "Wissen die Söldner etwas davon?" fragte Generalintendant Gronder.

       "Nein", antwortete Pagendar, "Sie glauben, dass sie Teile einer normalen nuklearen Sprengladung mit sich führen. Keiner von ihnen hat eine Ahnung davon, dass Teile ihrer Schutzanzüge zu den externen Komponenten einer Nova-Bombe gehören. Wenn sie es wüssten, würden sie die Primärkomponenten mit Sicherheit nicht zusammensetzen."

       "Wir brauchen also nur noch abzuwarten, bis die Bombe hochgeht und das BERINGA-TANIS-System mitsamt den fremden Invasoren aus dem Universum gefegt wird ?"

       "Genauso ist es", meinte Pagendar bestätigend, "Ich glaube nicht, dass es bis dahin noch lange dauern wird."

 

 

       "Hier sind ein paar Teile, die sich von der üblichen Bauweise unterscheiden."

Lescarte hockte sich neben Frank Simmons nieder, der als Bombenexperte der Gruppe die einzelnen Komponenten der mitgebrachten Wasserstoffbombe zusammensetzte.

       "Kannst du sie trotzdem bereitmachen?" wollte Lescarte wissen.

       "Kein Problem", antwortete Simmons, "Hier gibt's zwar einige Unterschiede, aber nicht so große, dass ich damit nicht klar komme. Vermutlich sind es rodalische Eigenentwicklungen, die sich nur in der Form von den üblichen Teilen unterscheiden. Die Funktionen sind aber die gleichen wie bei den Standardbomben."

       "Wie lange wirst du noch brauchen?" fragte Lescartes.

       "Nur noch ein paar Minuten", lautete die Antwort.

 

In diesem Augenblick gab eine der Tamarin-Amazonen Alarm.

       "Nardim-Maschinen!" rief sie, "Sie kommen von allen Seiten!"

Die Söldner hetzten in ihre Deckungen und begannen sofort auf die Metallungeheuer zu feuern, die das Lager bereits völlig eingekreist hatten.

Offenbar waren sie schon seit einer Weile von den Nardim beobachtet worden, die sich im Schutz der Chlorgas-Wolken dem Söldnerlager genähert hatten, um es dann zu umzingeln.

Obwohl um ihn herum jetzt das Inferno ausbrach, ließ sich Simmons davon nicht aus der Ruhe bringen. Seelenruhig setzte er seine Arbeit fort und machte die Bombe einsatzbereit. Als er das letzte Bauteil in seine Magnethalterung setzte, ahnte er nicht, dass er damit die zeitverzögerte Zündung in Gang setzte.

 

Die Nardim versuchten die Söldner offenbar lebend zu fangen, denn sie feuerten mit relativ schwachen Energieladungen, die für Menschen nicht tödlich waren, sondern nur zu einem Paralyse-Schock führen sollten.

In der ersten halben Stunde des Gefechtes zeigten ihre Ladungen jedoch auch bei Volltreffern nicht die geringste Wirkung, da die Menschen durch die Isolationsschichten ihrer schweren Kampfanzüge geschützt waren.

Den Tamarin-Amazonen gelang es dagegen, vierzehn feindliche Maschinen zu zerstören, indem sie in Dreiergruppen agierten und  eine Nardim-Maschine immer zu dritt unter Beschuss nahmen.

Dann aber erhöhten die Angreifer nach und nach die Stärke ihrer Energieladungen, bis sie schließlich Wirkung zeigten und die ersten von den Tamarin-Amazonen betäubt zu Boden gingen.

Von da an hatten die Söldner kaum noch eine Chance gegen die Angreifer in ihren gepanzerten Metallkäfern. Es gelang ihnen zwar, noch fünf weitere Nardim-Kampfmaschinen zu zerstören, aber dann lagen sie alle bewusstlos am Boden.

Sie nahmen nicht mehr wahr, wie sie von den Nardim aufgesammelt und mitgenommen wurden.

 

 

Das Scoutschiff TRV-S-321 von den Terranischen Raumaufklärungsverbänden (RAV) war zum Zeitpunkt der Raumschlacht zwischen Nardim und Rodalern genau 2,267 Lichtstunden vom Beringa-Tanis-Doppelsonnensystem entfernt und hielt sich in einer kleinen Dunkelwolke versteckt, die im Sternhaufen M-57 sehr häufig zu finden waren.

Oberleutnant Mucamba, der Kommandant des Scoutschiffs, hatte zwei Fernsonden ausgesandt, welche die Vorgänge um Beringa-Tanis aus nächster Nähe beobachten sollten. Während der Schlacht war jedoch eine der Sonden durch die Kollision mit einem rodalischen  Raumjäger zerstört worden. Die zweite Sonde wurde etwa vier Stunden später so schwer beschädigt, dass sie ihre Funktionsfähigkeit verlor. Mucamba war gezwungen, zwei weitere Sonden auszuschleusen, um die Kampfhandlungen weiter beobachten zu können.

Als sich das Ende der Raumschlacht abzuzeichnen begann und sich die Kampfverbände der Rodaler und ihrer Söldner zurückzogen, wollte Mucamba die Sonden zurückrufen, um ihre Aufzeichnungen zu sichern und per Interdim-Funk an die nächste terranische Außenstation weiterzuleiten.

Doch bevor man das Rückrufsignal an die Fernsonden absenden konnte, zeigten die visuellen Übertragungsbildschirme auf dem einzigen Planeten des Doppelsonnensystems ein grelles Aufleuchten weißen Lichtes, das zunächst nach einigen Sekunden wieder verblasste.

Oberleutnant Mucamba nahm an, dass dort eine Nuklearbombe oder sogar eine kleinere Antimateriebombe gezündet worden war, die vermutlich den Nardim-Stützpunkt in diesem Augenblick vernichtete.

Doch dann begann der gesamte Planet plötzlich grell aufzuleuchten und sich mit unvorstellbarer Geschwindigkeit aufzublähen. Eine lodernde Helligkeit, durchzuckt von schwarzen und roten Blitzen breitete sich explosionsartig im

gesamten Beringa-Tanis-System aus und verschlang sogar die beiden Sonnen.

Die Besatzung des terranischen Scoutschiffes starrte fassungslos auf die Außenbildschirme. Die beiden Fernsonden hatten sich längst in ihre Atome aufgelöst, aber die gigantische Explosion war bereits mit den normalen Außenkameras des Schiffes deutlich zu sehen. Das Leuchten drang strahlend und stechend wie ein Messer durch die Augen und betäubte einem schier das Gehirn.

       "Eine Novabombe !" keuchte Mucamba entsetzt, "Die Rodaler haben eine Novabombe gezündet !"

Der Pilot reagierte auch ohne seinen Befehl und startete die Triebwerke mit vollem Schub, um das Scoutschiff so schnell wie möglich auf Fluchtgeschwindigkeit zu bringen.

Das gesamte Beringa-Tanis-Doppelsonnensystem hatte sich in eine schier unvorstellbar gigantische Supernova verwandelt, die sich nahezu mit Lichtgeschwindigkeit in alle Richtungen ausbreitete.......

 

 

       "Im Sternhaufen M-57 sind seit drei Tagen keine Kampfhandlungen mehr zu beobachten", berichtete Großadmiral Kamarow, "Es können auch keine Aktivitäten der Nardim mehr festgestellt werden. Die Rodaler haben eine schwere Nova-Bombe im Beringa-Tanis-System gezündet und damit das gesamte System in eine Supernova verwandelt, die sich noch immer mit großer Geschwindigkeit ausbreitet. Unser Einsatzkommando ist bei dieser Katastrophe umgekommen. Beinahe hätten wir auch noch ein Scoutschiff verloren, das der Vernichtung nur knapp entgangen ist."

       "Eine solche Bombe ist noch niemals in einem Raumgebiet gezündet worden, das so stark mit Materie angefüllt ist wie der Sternhaufen M-57", sprach Lordadmiral Hawkstone, "Es ist kaum abzusehen, welche Folgen das haben wird. Die Rodaler müssen wahnsinnig sein!"

       "Wenn diese Supernova die benachbarten Sternsysteme erfasst, müssen wir befürchten, dass sie soviel Masse in sich hineinzieht, um ein Schwarzes Loch entstehen zu lassen, sobald sie wieder in sich zusammenfällt", meinte Vanessa Robin, die Leiterin der Raumforschungsbehörde (RFB), "Wenn das geschieht, wird der gesamte Sternhaufen M-57 in den nächsten Jahrzehnten dort hineingezogen und regelrecht verschlungen. Vielleicht haben die Rodaler mit ihrer Bombe ihr eigenes Ende heraufbeschworen. Unsere Astrophysiker befürchten sogar, dass ein solches Schwarzes Loch auch für uns eine ernste Bedrohung darstellen wird, denn wir müssen damit rechnen, dass der gesamte von Menschen bewohnte Teil der Galaxis irgendwann davon verschlungen wird. Gegen ein solches Schicksal wären wir völlig machtlos."

 

Niemand wusste darauf etwas zu sagen. Die Gesichter der versammelten Frauen und Männer schienen in diesem Augenblick regelrecht zu versteinern, als ihnen die Bedeutung dieser Worte bewusst wurde.....

 

 

In den folgenden acht Jahren breitete sich die Beringa-Tanis-Supernova bis auf einen Durchmesser von 7,82 Lichtjahren aus, wobei sie vier benachbarte Sonnensysteme und die gesamte Materie einer nahegelegenen Dunkelwolke verschlang, was ihr Potential weiter verstärkte.

Aufklärungsschiffe der Raumaufklärungsverbände (RAV)  stellten fest, dass sich die Gravitationsfelder rings um die Supernova auf erschreckende Weise veränderten und eine starke Verzerrung des Raum-Zeit-Kontinuums verursachten.

 

Im 9. Jahr nach ihrer Entstehung begann die Beringa-Tanis-Supernova wieder in sich zusammenzufallen.

 

Dann bildete sich dort, wo sich einst das Beringa-Tanis-Sonnensystem befunden hatte, ein neues Schwarzes Loch, das damit begann, die benachbarten Sternsysteme mit außergewöhnlicher Schnelligkeit in sich hineinzuziehen.

 

Nach den Berechnungen der Astrophysiker konnte es nicht länger als ein knappes Jahrhundert dauern, bis der gesamte Sternhaufen M-57 von dem neuen Schwarzen Loch verschlungen sein würde.

 

In welchem Ausmaß die gesamte Galaxis davon in Mitleidenschaft gezogen werden würde, konnte zu diesem Zeitpunkt nicht vorhergesagt werden....

 

 

Ende des 7. Bandes

 

 


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