Science Fiction

zurück


 

 

Die drei großen Themen

der Science Fiction

 

Science-Fiction-Autoren kennen Außerirdische, wissen wie man künstliche Menschen erschaffen kann und wie man schneller als das Licht fliegt.

Doch die Wissenschaftler schütteln dazu meist die Köpfe.

Diese drei Themen bilden den größten Graben zwischen Science und Fiction.

 

   Außerirdische Intelligenzen

Heutzutage ist die Existenz nichtmenschlicher Außerirdischer kaum noch eine umwälzende Idee.

Als revolutionär dagegen könnte man ansehen, dass im Laufe der vergangenen zwanzig Jahre auch die Wissenschaftler dazu gekommen sind, solche Gedanken zu akzeptieren.

Anfangs geschah dies zwar nur zögernd, aber inzwischen ist das beinahe zu einem Glaubensartikel geworden.

 

Der Weg zur Akzeptanz der speziellen Suche nach außerirdischer Intelligenz durch die etablierte Wissenschaft war zunächst recht steinig. Noch in den fünfziger Jahren wurden Astronomen, die von einer wissenschaftlichen Suche nach fremden Intelligenzen im Kosmos sprachen, von Fachkollegen oft als unseriöse Außenseiter gebrandmarkt.

Das ist inzwischen anders geworden.

 

Wenn wir uns mit drei großen Fragen der Science-Fiction befassen, dann ist es gut, sich die Tatsache vor Augen zu halten, dass die Welt der Fiktion sehr häufig wesentliche Errungenschaften vorweggenommen hat, die später tatsächlich realisiert werden konnten.

Heute zeigt sich, dass die Wirklichkeit in manchen Bereichen schon weit über die kühnsten Träume von gestern hinausgeeilt ist. Allerdings müssen wir auch zugeben, dass oftmals auch das Gegenteil der Fall ist und die Fiktionen bis heute nur das geblieben sind, was sie von Anfang an waren: nur faszinierende Ideen - mehr nicht.

 

Was nun die Suche nach den Außerirdischen im Speziellen betrifft, wurde bis heute leider noch kein einziger allgemein anerkannter und offizieller Nachweis der Existenz fremder, intelligenzbegabter Wesen im All erbracht. Aber bereits seit einigen Jahrzehnten sind Forscher in der Lage, mit einigermaßen sinnvollen Voraussetzungen und Methoden auf die Suche nach fremder Intelligenz zu gehen.

Der entscheidende Anstoß bestand in einem geradezu epochalen Artikel der beiden Physiker Philip Morrison und Giuseppe Cocconi, der am 19.September 1959 in der Fachzeitschrift NATURE erschien und sich mit den Möglichkeiten einer Kommunikation über interstellare Strecken hinweg befasste.

 

Mit irdischen Mitteln wäre ein "Anruf nach Hause" auch für einen Außerirdischen alles andere als einfach.

Deshalb lautete die Devise "Ohren auf und lauschen!".

Die "Anderen" wären ja in der interstellaren Kommunikation schon etwas weiter als wir, somit wäre der naheliegendere Weg eher in der passiven Rolle zu sehen.

Aber es blieben immer noch die Fragen: Wie? Wohin? Mit welcher Technik?

 

Wie kommuniziert eine fortgeschrittene außerirdische Zivilisation?

Cocconi und Morrison überlegten, dass zumindest die Art von Botschaften, die zur Kontaktaufnahme mit anderen Weltraumwesen gedacht wären, in einer "universalen Sprache" verfasst sein sollten.

Die beiden Physiker erklärten, dass eine fremde Intelligenz wohl die überall im Kosmos anzutreffende Frequenz nutzen würde, mit der ein umkippendes Wasserstoff-Atom "funkt".

Atomarer Wasserstoff strahlt bei dieser sogenannten Spin-Umkehr auf einer Wellenlänge von 21 Zentimetern. Das entspricht einer Frequenz von 1,43 Gigahertz. Hier, auf diesem "internationalen" Sender könnte man fündig werden.

Durch diese einfache, aber wirksame Idee wurde die Such auf einmal sinnvoll und nachvollziehbar und der Suchbereich nahm einigermaßen überschaubare Dimensionen an.

Der erste renommierte Astronom, der die Idee von Cocconi und Morrison verwirklichen wollte, war Professor Frank Drake. Durch sein Projekt "OZMA" setzte er ein Zeichen für die wissenschaftliche Seti-Forschung. Dieses Unternehmen, benannt nach dem Märchenland "Oz", war im Verhältnis zu den späteren Programmen technisch sehr bescheiden und tastete den Himmel so engbandig und außerdem auch zeitlich knapp bemessen ab, dass ihm von vornherein kein Erfolg beschieden sein konnte.

Dennoch ist vor allem sein Symbolcharakter nicht zu unterschätzen, denn endlich befasste sich auch die Forschung mit fremden Intelligenzen und unternahm den Versuch, mit ihnen in Kontakt zu kommen.

Leider fand sich bis heute kein einziges künstliches Signal nichtmenschlichen Ursprungs.

Doch die Such-Möglichkeiten sind auch noch lange nicht alle ausgeschöpft.

Heute sind sich Forscher gar nicht mehr so sicher, ob Radiowellen wirklich der richtige Weg sind.

Vielleicht nutzen Außerirdische ganz andere Wellenbereiche.

Im optischen Wellenbereich ließen sich zum Beispiel viel größere Datenpakete versenden.

Wenn man Sonnensysteme finden würde, in denen nachweislich erdähnliche Planeten um ihr Zentralgestirn kreisen, wäre die Chance wohl größer, mit etwas Glück von dort Signale zu empfangen.

Andere Forscher gehen sogar noch einen Schritt weiter.

Sie halten es für möglich, dass in den Weiten des Alls bereits hochentwickelte Raumschiffe fremder Intelligenzen unterwegs sind und durch ihre Antriebe Gammastrahlung abgeben, die in Form von sich schnell bewegenden Strahlen-Quellen nachweisbar wäre.

Konservative Forscher können sich allerdings mit diesem Gedanken nicht anfreunden.

Schließlich gelten die kosmischen Distanzen als so gewaltig, dass selbst Supertriebwerke nicht ausreichen, um den nötigen Energie- und Zeitaufwand in akzeptablen Grenzen zu halten.

Wir müssen immer bedenken:

Licht ist so schnell, dass es in einer einzigen Sekunde rund sieben mal um die Erde rasen kann. Aber schon von der Sonne zur Erde ist es volle acht Minuten lang unterwegs. Ein Lichtjahr ist bekanntlich die Strecke, die das Licht in einem Jahr zurücklegt. Ein irdisches Jahr hat rund 32 Millionen Sekunden! Vom nächstgelegenen Stern aber, dem Alpha-Centauri-System, benötigt es schon 4,3 Jahre bis zu unserem Planeten. Niemand kann sich diese gewaltige Strecke wirklich vorstellen.

 

   Schneller als das Licht

Es ist also kein Wunder, dass sich die Astronomen bis heute nicht wirklich vorstellen können, dass selbst weit fortentwickelte Intelligenzen im All diese gigantischen Distanzen in akzeptablen Zeiträumen überwinden können.

Aber vielleicht sind wir in unserem Denken auch wieder zu sehr den menschlichen Dimensionen und Perspektiven verhaftet.

Denn in der Theorie könnte es ja auch möglich sein, "Abkürzungen" durch den Raum zu nehmen.

Wer in der Lage wäre, die Raumzeit in zusätzliche Dimensionen hinein zu "verbiegen", wäre damit auch in der Lage, auch weit voneinander entfernte Punkte zur Deckung zu bringen und die Strecke dazwischen in Nullzeit mit einem Tunnel (einem "Wurmloch") zu überwinden. Damit wird die Lichtgeschwindigkeit gleich um ein Vielfaches übertroffen. Modelle, die auf Einsteins Allgemeiner Relativitätstheorie basieren, zeigen, dass winzig kleine Wurmlöcher möglich sind, die aber für die Raumfahrt völlig ungeeignet wären.

Doch es soll auch große, stabile Wurmlöcher geben, denn nach Berechnungen des russischen Forschers Sergei Krasnikow wären diese sogar vereinbar mit allen bekannten Gesetzen der Physik.

Solche Wurmlöcher wären groß genug und würden lange genug geöffnet bleiben, um als Transportwege für Raumschiffe verwendbar zu sein.

Doch auch Krasnikow geht davon aus, dass das Erzeugen eines Wurmloches weit jenseits der Grenzen der heutigen und auch der absehbaren zukünftigen technischen Möglichkeiten liegt.

Der beliebte Warp-Antrieb von Star Trek, bei dem mit gewaltiger Energie der Raum zusammengekrümmt wird, um dann mit einem kleinen Sprung hunderte von Lichtjahren zurückzulegen, ist reine Utopie und wird wahrscheinlich auch eine solche bleiben.

 

Abgesehen von utopischen Wurmlöchern oder phantastischen Überlicht-Antrieben könnten aber auch viel einfachere Tricks helfen, die großen Entfernungen zwischen den Sternen zurückzulegen.

Zum Beispiel künstliche Planeten, die wie "Flugsamen" durch das All treiben, könnten über viele Generationen hinweg eine Heimat bieten. Mit nur einem Promille der Lichtgeschwindigkeit würden diese Generationenschiffe innerhalb einer astronomisch gesehenen "kurzen" Zeitspanne von 100 Millionen Jahren die gesamte Galaxis besiedeln.

Natürlich sind die Wissenschaftler von solchen gigantischen Projekten immer noch weit entfernt, doch immerhin erreichen die schnellsten Raumsonden schon 0,2 Promille der Lichtgeschwindigkeit.

 

Allerdings ist noch lange nicht geklärt, wie der Antrieb eines künstlichen Planeten aussehen könnte. Chemische Treibstoffe oder auch die Wasserstoff-Fusion reichen bei weitem nicht aus, um die gewaltige Masse eines solchen Kunstplaneten aus der Schwerkraft der Erde und des Sonnensystems heraus zu befördern.

 

Der russisch-finnische Materialwissenschaftler Eugene Podkletnow könnte hierfür eine mögliche Lösung gefunden haben: Podkletnow stellte nämlich fest, dass die Schwerkraft über einer auf starken Elektromagneten rotierenden Scheibe aus supraleitender Keramik messbar abnimmt !!

Es ist aber noch nicht wirklich klar, ob das fast schon legendäre Podkletnow-Experiment das Ergebnis eines fehlerhaften Versuchsaufbaus ist oder ob hier tatsächlich eine bisher unbekannte physikalische Gesetzmäßigkeit entdeckt wurde.

Einige Physiker versuchten erfolglos, das Experiment zu wiederholen. Andere erklärten dagegen, es durchaus reproduzieren zu können - sogar mit noch einfacheren Mitteln als Podkletnow.

Die Arbeit der chinesischen Physikerin Ning Li an der Universität von Huntsville, Alabama (USA) geht sogar über die reine Wiederholung des Podkletnow-Experiments hinaus. Sie behauptet, auch die theoretischen Hintergründe gefunden zu haben, die den ungewöhnlichen Effekt erklären.

 

Die Fachwelt bleibt verständlicherweise sehr skeptisch, nicht zuletzt auch wegen der praktischen Konsequenzen.

Die Aufhebung der Schwerkraft würde ja nicht nur einen äußerst leistungsfähigen Antrieb für Raumschiffe ermöglichen, sondern auch für den irdischen Verkehr könnte sich dadurch so einiges ändern. Der Schwebeflug würde zur Normalität, Flugzeuge bräuchten keine Flügel mehr und Science-Fiction-Flugscheiben würden Wirklichkeit.

 

   Roboter und Androiden

Nicht nur die Reisen durch Raum und Zeit mitsamt ihren vielfachen Problemen sind ein großes Thema der Science Fiction, das auch die reale Wissenschaft beschäftigt.

Schließlich ist die Science Fiction immer ein Spiegel der großen Menschheitsträume gewesen, denen auch die echten Forscher schon immer nachgejagt sind.

Vor allem träumen die Menschen davon, sich größtmögliche Freiheit und Bequemlichkeit durch technische Hilfsmittel zu verschaffen. Und dafür brauchen sie in vielen Fällen mehr oder weniger gute Kopien von sich selbst - künstliche Ersatzmenschen.

Die Geschichte des Menschen-Ersatzes fängt eigentlich schon bei der mechanisch bewegten Schaufensterpuppe an und hat inzwischen die Entwicklungsstufe von Robotern und künstlicher Intelligenz erreicht.

Oft bleibt dem Menschen gar nichts anderes übrig, als solche möglichst intelligenten Ersatzwesen an seiner Stelle einzusetzen - an Orten, die für Leben nicht geeignet sind. Dann ist es oft wesentlich preiswerter, einen Roboter anstelle eines Menschen einzusetzen. Nur auf diese Weise war ja auch die Vor-Ort-Forschung durch Raumsonden möglich, denn sie sind ja nichts anderes als künstliche Späher.

Wichtig sind Roboter auch bei der Erkundung von Unterwassergebieten oder bei der Suche nach Erdöl und anderen Bodenschätzen.

 

Bei der Erforschung fremder Planeten kommt allerdings ein großes Problem hinzu, denn diese Welten sind so weit entfernt, dass eine direkte Steuerung durch Funkbefehle nicht möglich ist. Ein Signal ist viele Minuten oder gar Stunden unterwegs, deshalb muss ein Roboter so weit wie möglich in bestimmten Situationen selbst entscheiden können, was er zu tun hat. Hier ist also künstliche Intelligenz zwingend notwendig.

Die kleinen, aber feinen Marsroboter haben deutlich gezeigt, wie gut das funktioniert.

Und die Bilder und Messdaten der Sonde "Huygens" von der Oberfläche des Saturnmondes Titan waren ein Highlight der Weltraumforschung.

 

Viele Funktionen auf geringem Raum erfordern aber auch ein großes Maß an Miniaturisierung, wie sie nur durch die Nanotechnologie erreicht werden kann. Kleinst-Roboter werden heute schon von Computern gebaut. Die Konstruktion und der Bau von mikroskopisch kleinen Motoren und Kraftwerken wird erst durch neue Verfahren ermöglicht, die aber noch am Anfang ihrer Entwicklung stehen. Aber in bereits absehbarer Zukunft werden wahrscheinlich winzigste Roboter gebaut, die in den Körper eines kranken Menschen injiziert werden, um ganz gezielt an Ort und Stelle Krebs-Geschwüre oder andere Krankheitsherde zu bekämpfen.

 

Auch eine Verbindung zwischen Biologie und Technologie wird immer mehr angestrebt.

Die Realisierung des in der Science Fiction schon lange vohergesagten kybernetischen Organismus' - der "Cyborg" (cybernetic organism), ist nicht mehr allzu fern.

Es gibt sogar Forscher, die das ehrgeizige Ziel verfolgen, das menschliche Gehirn auf lernfähige Roboter zu übertragen. Ob die Verwirklichung dieses Zieles aber überhaupt wünschenswert ist, bleibt offen.

 

In der Science Fiction wird oft die Erschaffung von möglichst menschenähnlichen Robotern - "Androiden" - beschrieben.

Der Entwicklungstrend scheint aber vielmehr in eine andere Richtung zu gehen.

In der Medizin werden zunehmend künstliche Ersatzteile verwendet - Microchips, Implantate, Prothesen, künstliche Herzen, Sensoren und vieles mehr.

So werden eigentlich nicht die Maschinen mehr und mehr zum Menschen gemacht, sondern vielmehr wird der Mensch immer mehr zur Maschine. Am Ende bleibt die Vision vom Menschen, der aus vielen künstlichen Teilen zusammengebaut wird und die Grenzen zwischen Mensch und Maschine immer mehr verschwimmen.

 

Wie schnell all diese einst als utopisch geltenden Visionen zur Realität werden, wird uns die Zukunft zeigen.

Ob sie auch immer wünschenswert für uns Menschen sind - das ist eine andere Frage...

 

Karl-Heinz Friedhoff

 


zurück