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"Präventiv-Schlag"

von

Karl-Heinz R. Friedhoff

 

 

Oberst Sarek Jordan, Kommandeur des vierten Kreuzerverbandes der Kaiserlichen Sternenflotte, war ein wenig überrascht, als er die Zentrale seines Flaggschiffs betrat und die drei Männer des Abwehrdienstes erblickte.

Er mochte die Schnüffler nicht, wusste aber auch, dass er nichts gegen deren Anwesenheit unternehmen konnte.

 

Er wandte sich seinem 1.Offizier zu, ohne die Abwehrbeamten zu beachten.

    "Gibt es irgendwelche Neuigkeiten?"

    "Keine," verneinte der Oberleutnant, "Die Fremden scheinen abzuwarten, was wir tun werden. Wir konnten auch noch keinen Kontaktversuch ihrerseits feststellen."

 

Jordan ließ sich in seinem Sessel nieder. Vor ihm auf dem Außenbildschirm war eine ganze Flotte von fremdartigen Raumschiffen zu sehen, die in relativer Bewegungslosigkeit im All schwebte. Vermutlich wurde der kaiserliche Kreuzerverband von den Fremden mit gleicher Neugier beobachtet.

 

Einer der Abwehrbeamten meldete sich zu Wort:

    "Der Zentralrechner der Obersten Administration hat eine 98%ige Wahrscheinlichkeit ermittelt, dass die Fremden unsere Kolonien angreifen werden. Der Kaiser hat daher den präventiven Vernichtungsschlag gegen die fremde Raumflotte angeordnet."

 

    "Aber wir wissen doch noch gar nichts über die Fremden!" wandte Jordan ein, "Es gibt noch keinen Grund, Feindseligkeit anzunehmen. Sie haben nichts getan, was auf aggressive Absichten schließen lässt. Ein Vernichtungsschlag wäre die größte Dummheit, die wir begehen könnten."

 

    "Wollen Sie klüger sein als die oberste Administration?" entgegnete der Abwehrmann, "Warum sollten die Fremden sonst mit einer ganzen Flotte hier auftauchen? Wären es Forscher, dann hätten sie nur ein oder zwei Schiffe geschickt. Aber da vor uns schweben 233 Großraumschiffe, die mit unseren Schlachtschiffen vergleichbar sind. Und sie sind in den Hoheitsbereich des terranischen Kaiserreiches eingedrungen. Damit haben sie uns geradezu herausgefordert. Geben Sie den Feuerbefehl, Oberst. Der Kaiser hat es so angeordnet."

 

    "Der Kaiser?" Jordan grinste verächtlich, "Der Kaiser ist ein schwachsinniger Greis, der sich von einem Großcomputer wie eine Marionette gängeln lässt. Ich verlange, dass  der Ministerrat eine Entscheidung trifft, bevor ich grundlos fremde Lebewesen umbringe, von denen ich nicht einmal weiß, wie sie aussehen."

 

    "Wollen Sie dem Kaiser den Gehorsam verweigern, Oberst?"

 

Als der Kommandant zur Seite blickte, starrte er in die Abstrahlmündung eines Handlasers, den der Abwehrbeamte auf ihn gerichtet hatte.

 

    "Wollen Sie mich jetzt erschießen?" fragte er spöttisch.

 

    "Sie sind verhaftet, Oberst Jordan," sprach der Abwehrmann, "Wenn Sie Widerstand leisten, werde ich Ihren Kopf wegbrennen. Sie werden sich jetzt unverzüglich in Ihr Quartier begeben und dort bleiben. Ab sofort stehen Sie unter Arrest und sind Ihres Kommandos enthoben."

 

Der Oberst sah seinen 1.Offizier an.

Aber dieser blickte schnell in eine andere Richtung und tat so, als ginge ihn der Vorfall nicht das Geringste an. Von ihm konnte Jordan keine Unterstützung erwarten.

Wortlos erhob sich der Kommandeur und verließ die Schiffszentrale in Begleitung eines Abwehrmannes, der mit schussbereiter Waffe hinter ihm ging.

 

    "Oberleutnant Kamaron," wandte sich der erste Abwehrbeamte jetzt an den 1.Offizier, "Sie übernehmen bis auf weiteres das Kommando über den vierten Kreuzerverband. Führen Sie den Befehl des Kaisers aus!"

 

Der 1.Offizier nickte und nahm auf dem Kommandantensessel Platz.

Dann gab er den Feuerbefehl an die Kampfschiffe des Kreuzerverbandes.

 

Grelle Energie-Geschosse rasten fast lichtschnell auf die fremden Raumschiffe zu und verwandelten diese innerhalb weniger Sekunden in kleine Sonnen.

Die Fremden machten nicht den geringsten Versuch, sich zu wehren.

Sie besaßen keine Waffen.

 

Intelligente Lebewesen wurden gnadenlos vernichtet, weil sie das Pech hatten, ausgerechnet solchen Wesen zu begegnen, die schon seit Urzeiten allem misstrauten, was ihnen fremd und unbekannt war.

 

Diese Wesen hatten sich auch nach Jahrtausenden nicht verändert.

Ihr größter Fortschritt bestand darin, dass sie statt der Keulen ihrer Vorfahren jetzt Energie-Kanonen verwendeten............

 

Ende

 

 

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