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Das UFO

von

 Karl-Heinz R. Friedhoff

 

Die Mittagssonne brennt heiß vom wolkenlosen Himmel herab.

Ihre goldenen Strahlen werden von der silbrigen Oberfläche des tellerförmigen Flugobjektes reflektiert.

Seit zwei Stunden schon schwebt die "Fliegende Untertasse" bewegungslos über der Stadt, genau über dem Einkaufsviertel.

 

Unten hat sich schon eine riesige Menschenmenge angesammelt; die ganze Geschäftsstraße ist voller Leute. Alle starren gebannt nach oben, wo das UFO unbeweglich in der Luft schwebt.

Jeder möchte sich schließlich später rühmen können, der erste gewesen zu sein, der eine Bewegung oder eine sonstige Aktion von IHNEN gesehen hat - oder sogar SIE selbst.

 

"Man sollte sie abschießen," meint ein älterer Mann mit schlohweißem Haar.

"Warum?" fragt ihn sein Nachbar.

"Weil sie nichts tun," antwortet der Alte.

 

Jemand geht mit einem Bauchladen umher und verkauft Schokolade und Erdnüsse. Ein Eisverkäufer und eine fahrbare Bierbude sind inzwischen auch schon aufgetaucht. An der nächsten Ecke wird in aller Eile eine Würstchenbude aufgestellt.

Natürlich wird mit einem saftigen Preisaufschlag verkauft, aber trotzdem läuft das Geschäft prima. Die Leute sind viel zu sehr mit dem UFO über ihren Köpfen beschäftigt, um an Geld zu denken.

Ein Optiker-Geschäft hat vor dem Laden mehrere Stative mit Teleskop-Fernrohren aufgestellt. Für "nur" fünf Euro darf man fünf Minuten lang hindurchsehen, und auch hier sitzt den Leuten das Geld locker in den Taschen. Viele gehen auch gleich in das Geschäft hinein und kaufen sich dort ein eigenes Fernglas. Im Nu ist der Bestand ausverkauft, denn schließlich kommt es nicht alle Tage vor, daß ein UFO stundenlang über der Stadt schwebt.

 

Plötzlich bewegt sich das Flugobjekt rüttelnd hin und her. Auf seiner Außenhülle blitzen mehrere Lichter auf.

Ein Aufschrei geht durch die Menge, und viele ziehen erschrocken den Kopf ein. Aber dann passiert nichts mehr.

 

"Man sollte sie doch abschießen," meint der alte Mann wieder.

"Aber warum denn?" fragt sein Nebenmann, inzwischen ein anderer.

"Weil sie etwas tun?" lautet die lakonische Antwort des Alten.

 

Mancher blickt ziemlich ängstlich nach oben. Wenn man ihn fragt, warum er denn so ängstlich schaue, so macht er ein Gesicht, aus dem die fürchterlichsten Vorahnungen herauszulesen sind und zuckt unbestimmt mit den Schultern.

 

Einige Leute fragen laut, warum denn von der Luftwaffe noch nichts zu sehen ist. Immerhin zahle man doch genug Steuern für die teuren Kampfflugzeuge. Und was tun die? Nichts !!!

 

Mittlerweile findet man hier und da auch einige "Propheten", die den Weltuntergang, das Jüngste Gericht, die Rückkehr von Jesus oder die Strafe Gottes verkünden. Einer behauptet sogar, daß das silbrig schimmernde Ding da oben ein Gottesbote sei.

Natürlich rufen diese "Propheten" zur Buße auf, und sofort sammeln sie gleich diverse Geldbeträge ein, durch deren Abgabe die Seelen vor dem Weltengericht geläutert werden sollen. Je höher der Betrag, desto gründlicher ist selbstverständlich auch die seelische Läuterung.

Es gibt sogar einige Dumme, die darauf hereinfallen. Die meisten Umstehenden aber lachen verächtlich und beachten diese "Verkünder" nicht weiter, weil sie zu laut schreien,  zu laut, um es ehrlich zu meinen. Wenn ein Polizist in die Nähe dieser "Propheten" kommt, werden sie jedes Mal auffallend leise und verhalten sich ganz plötzlich sehr unauffällig.

 

Am Ende der Straße taucht jetzt auch noch ein selbsternannter "Parapsychologe" auf, der sich diese Gelegenheit natürlich nicht entgehen lassen will, um den Leuten seine ominösen Dienste aufzuschwatzen.

 

Plötzlich zerplatzt das nun bunt schillernde UFO am Himmel.

Dann wird eine goldglänzende Schrift sichtbar:

 

"Trinken Sie Ihr Bier

im

SCHWARZEN SCHAF,

der Musikkneipe für junge Leute !"

 

Die Werbe-Show ist vorbei, und die Menschenmenge beginnt sich wieder zu zerstreuen.

Mancher sieht sich nach den "Propheten" um, denen er sein Geld gegeben hat. Doch die sind längst spurlos verschwunden.

Viele sind sehr enttäuscht, daß es kein richtiges UFO war, so eines mit kleinen, grünen Männchen drin, wie es sein sollte.

Aber jene, die jetzt ihre Einnahmen zählen, sind sehr zufrieden.

 

"Man hätte sie doch abschießen sollen," meint wieder der alte Mann.

"Warum das denn?" fragt ihn eine korpulente Frau mit prallgefüllter Einkaufstasche.

"Weil es dann nicht so lange gedauert hätte," meint der Alte trocken.

 

 

 

Ende

 

 

 

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