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Cybernetic Love

 von

Karl-Heinz R. Friedhoff

 

  

Eilig hastete Bernd Rolter über die automatisch laufenden Bandstraßen.

("Verflucht,") dachte er, ("das Band läuft mal wieder so langsam wie eine Schnecke.")

Und dabei hatte er es heute ganz besonders eilig.

Heute wollte er sich mit Maria verloben, und er wollte um keinen Preis zu spät zu der kleinen Feier kommen, das hatte er ihr fest versprochen.

Aber jetzt war er schon ziemlich spät dran.

 

Der junge Mann sprang vom Personenbeförderungsband, um auf ein anderes zu gelangen, das etwas schneller lief.

("Mist, da warten ja auch schon Hunderte. Na', dann lauf' ich eben quer über die Bahn.")

Bernd schaute sich schnell um, ob kein Polizist in der Nähe war, denn das Überqueren der Gleitschienen war streng verboten. Dann spurtete er los.

Geschickt sprang er über die erste Gleitschiene. Doch als er an zweiten war, passierte es.

Mit einer Geschwindigkeit von etwa 300 km/h raste ein Personengleiter heran.

Als Bernd ihn bemerkte, war es schon zu spät. Er sah das projektilförmige Fahrzeug rasend schnell auf sich zukommen, wollte sich noch zur Seite werfen, doch da wurde er bereits von dem Gleiter erfaßt.

Das letzte, was er noch bewußt wahrnahm, war ein furchtbarer Schlag.

Dann schien irgendetwas in seinem Kopf zu explodieren, und es wurde Nacht um ihn.

 

 

 

Er schrie, schrie seine ganze Pein hinaus, und doch kam nicht ein einziger Laut über seine Lippen.

Lippen ?

("Wo sind meine Lippen? Mein Mund? Warum kann ich ihn nicht spüren!")

 

Doch bevor er diese Tatsache noch richtig registrieren konnte, verlor Bernd wieder das Bewußtsein.

 

 

 

Maria Borkel wurde von einem Polizeibeamten zu Hause abgeholt und zum Unfallkrankenhaus gebracht. Dort empfing sie der Chefarzt höchstpersönlich und versuchte ihr so schonend wie möglich beizubringen, was mit Bernd passiert war.

        "......und Ihr Freund wurde auf der 64.Gleitschienenstraße von einem Schnellgleiter erfaßt. Er wurde dabei so schwer verletzt, daß er eigentlich keine Überlebenschance mehr hat."

        "Muß er sterben?" fragte Maria erschrocken und voller Angst.

        "Nein," antwortete der Chefarzt beruhigend, "denn noch haben wir die Möglichkeit, ihn zu retten."

        "Gott sei Dank !!!"

        "Verzeihen Sie mir, aber ich will Ihnen keine falschen Hoffnungen machen. Bernd Rolter ist bereits klinisch tot; nur sein Gehirn lebt noch. Seinen Körper konnten wir beim besten Willen nicht mehr retten."

        "Lieber Himmel !" keuchte sie entsetzt, "Was haben Sie mit ihm gemacht?"

        "Erschrecken Sie bitte nicht; wir haben sein Gehirn aus dem Schädel genommen und in eine Nährlösung gebettet. So halten wir ihn zur Zeit noch am Leben. Aber das geht nur für etwa 76 Stunden, dann wird auch sein Gehirn sterben. Es gibt nur noch eine einzige Möglichkeit, sein Leben zu retten. Doch dazu brauchen wir die Einwilligung einer ihm nahestehenden Person. Und Sie als seine Lebensgefährtin sind derzeit die einzige, die greifbar ist."

        "Aber Bernd hat doch einen Bruder," wandte sie ein.

        "Ich weiß, es ist sein einziger noch lebender Verwandter," nickte der Chefarzt, "Aber Heinz Rolter ist ein Major der Space Patrol und befindet sich zur Zeit auf einem Raumkreuzer im Alpha-Crucis-Sonnensystem. Er ist deshalb nicht erreichbar. Sie sind also die einzige Person, an die wir uns wenden können."

        "Aber wozu brauchen Sie denn meine Zustimmung?" fragte Maria voll düsterer Ahnungen.

        "Wir können Bernd Rolter nur retten, wenn wir sein Gehirn in einen künstlichen Körper einpflanzen. Ich spreche von einem Robot-Körper."

        "WAS ?" keuchte sie, "Sie wollen einen Roboter aus ihm machen?"

        "Nicht ganz. Bernd Rolter würde als cybernetischer Organismus weiterleben, als ein sogenannter CYBORG. Dazu brauchen wir jedoch Ihre Zustimmung, denn das schreibt das Gesetz vor."

        "Das - das - kann ich nicht !!" rief Maria entsetzt, "Darüber kann ich doch nicht einfach so entscheiden! Ich - ich - brauche etwas Zeit dazu."

        "Zeit," seufzte der Chefarzt, "Zeit haben wir leider nicht mehr. Sie müssen Ihre Entscheidung sofort treffen, sonst wird Bernd Rolter sterben."

        "Mein Gott, was soll ich denn tun?"

Sie barg weinend ihr Gesicht in den Händen.

        "Entscheiden Sie sich!" drängte der Arzt, "Wir haben nicht mehr viel Zeit."

        "Ich kann das nicht," schluchzte sie.

        "Aber sie müssen! Oder wollen Sie, daß er sterben muß."

 

Eine Weile antwortete Maria nicht, dann jedoch schaute sie den Arzt an.

        "Also gut," sagte sie, "Sie haben mein Einverständnis. Retten Sie sein Leben. Ich hoffe nur, daß ich jetzt keinen Fehler mache."

        "Ein Leben zu retten, kann niemals ein Fehler sein," meinte der Chefarzt, "Wir werden sofort mit der Operation beginnen."

 

 

 

Er fühlte, wie irgendetwas in ihn eindrang, aber er wußte nicht, was das sein konnte.

Dann glaubte er zu spüren, wie er in eine tiefe Grube gelegt wurde, in eine Art Grab, das sich über ihm für immer schloß........

 

 

 

"Emulsion in den Gehirnbehälter einfließen lassen!"

"Elektronisches und cybernetisches System koppeln und auf Funktion überprüfen!"

"Hirnfrequenz normal. Nervenimpulse werden ohne Verzögerung übertragen und korrekt umgesetzt. Keine Codierungsprobleme."

"Messungen zeigen keine Abweichung an. Alles in Ordnung. Funktionen sind einwandfrei!"

"Selbsterhaltungsprogramm ist in Funktion."

"Audiovisuelle Übertragung ist korrekt. Nervenimpulse weichen nicht vom Normalwert eines biologischen Systems ab. Auch sonst keine Unregelmäßigkeiten festzustellen."

"Alles klar. Das gesamte Körpersystem funktioniert."

 

Die Verbindung zwischen einem menschlichen Gehirn und einem cybernetischen Robotkörper war hergestellt. Bernd Rolter hatte jetzt einen neuen Körper aus Kunststoff und Stahl.

Er war zum "Cyborg"  geworden, denn so pflegte man einen cybernetischen Organismus im Fachjargon zu nennen.

 

 

Bernd kam nur langsam wieder zu Bewußtsein. Als er seine elektronischen "Augen" aufschlug, sah er als erstes das Gesicht von Maria, die beruhigend auf ihn einredete, wie es ihr die Ärzte geraten hatten.

Noch während der Operation war sein Gehirn durch elektronische Hypnose-Impulse auf seinen neuen Zustand vorbereitet worden, um zu verhindern, daß diese Erkenntnis zu einem Schock führte.

Vier Wochen lang blieb er noch unter Beobachtung und wurde von Ärzten, Psychologen und Elektronikern rundum getestet. Sein Verhalten und seine Reaktionen wurden als völlig normal eingestuft und galten als zufriedenstellend.

Schließlich wurde er als geheilt entlassen.

 

Äußerlich unterschied sich Bernd nur wenig von seinem ehemaligen menschlichen Körper, dafür sorgten verblüffend echt aussehende Verkleidungen aus Kunststoff und Gummi. Aber sein Leib war eben nur eine Maschine, in der nur sein Gehirn noch menschlich war. Bernd konnte sich nur schwer an diesen Gedanken gewöhnen.

Doch Maria gab sich die allergrößte Mühe, ihn vergessen zu lassen, daß er jetzt kein normaler Mensch mehr war, und das bewahrte ihn davor, den Verstand zu verlieren.

 

 

 

Die TF-2-321 landete auf dem internationalen Raumflughafen von Frankfurt.

Major Heinz Rolter erledigte die üblichen Formalitäten und bestellte dann ein Flugtaxi, um seinen Bruder Bernd zu besuchen. Doch bevor das Taxi eintraf, erreichte ihn die Nachtricht, daß er sich dringend in der cybernetischen Abteilung des Zentralkrankenhauses melden sollte.

Etwas verwundert kam er dieser Aufforderung nach und erfuhr dort, was seinem Bruder zugestoßen war.

 

 

 

Bernd Rolter konnte seinen Arbeitsplatz als Journalist bei der Zeitung NEW WORLD TIMES behalten. Da er sich aber genierte, sich mehr als unbedingt nötig unter anderen Menschen aufzuhalten, wurde Maria auch seine berufliche Partnerin.

Sie machte die Bild- und Tonaufnahmen an den Brennpunkten des Geschehens, während Bernd die dazugehörigen Reportagen schrieb.

Sie waren ein gutes Team, und ihre Arbeit wurde von der Chefredaktion der Zeitung sehr geschätzt.

Für Bernd hatte das Leben praktisch neu begonnen. Und er wußte, daß er das allein Maria zu verdanken hatte, denn sie gab ihm den Halt, den er jetzt dringender brauchte als jemals zuvor.

Er konnte sich ein Leben ohne sie überhaupt nicht mehr vorstellen.

 

 

 

Heinz Rolter machte dem Chefarzt die größten Vorwürfe.

        "Wie konnten Sie meinem Bruder so etwas antun?" schimpfte er, "Sie wissen doch genau, wie groß die psychische Belastung eines solchen Zustandes ist. Ein Leben in einem Roboter kann die Hölle sein, in der ein Mensch ständig unter schwersten Depressionen leidet. Man fühlt sich doch nicht mehr wie ein richtiger Mensch. Ist ein solches Leben nicht vielleicht schlimmer als der Tod?"

        "Wir haben Ihrem Bruder das Leben gerettet, und nur das zählt," erwiderte der Chefarzt ungehalten, "Schließlich konnten wir ihn nicht ein fach sterben lassen."

        "So? Ist das Ihre Meinung?" fragte Heinz aggressiv, "Dann müßten Sie doch auch wissen, was vor zwei Jahren passiert ist, und zwar auf meinem Raumkreuzer. Das hat doch wohl genug Aufregung in der ganzen medizinischen Fachwelt ausgelöst. Oder irre ich mich da?"

        "Wovon reden Sie?" fragte der Arzt verwirrt.

        "Wissen Sie davon etwa nichts mehr? Ein Mann aus meiner Mannschaft wurde damals so schwer verletzt, daß er bereits klinisch tot war. Er war der erste Mensch, dessen Gehirn in einen Robotkörper eingepflanzt wurde."

        "Ach ja," murmelte der Arzt, "Ich erinnere mich."

        "Dann wissen Sie ja auch, wie das endete, nicht wahr? Nach bereits vier Monaten wurde der Mann trotz seiner überaus hohen psychischen Stabilität und Belastbarkeit wahnsinnig und lief im Raumschiff Amok, weil er sich wegen des gottverdammten Selbsterhaltungsprogramms nicht selbst umbringen konnte. Seine eigenen Kameraden mußten ihn erschießen, weil er sonst das ganze Raumschiff zur Explosion gebracht hätte. Glauben Sie, daß es meinem Bruder besser ergehen wird? Wollen Sie, daß er leiden muß, nur damit Medizin und Technik triumphieren können? Es wäre wahrhaftig barmherziger gewesen, wenn Sie ihn hätten sterben lassen."

        "Aber nein, Herr Rolter, bei Ihrem Bruder ist die Sachlage doch völlig anders. Er lebt jetzt schon fast drei Monate als Cyborg, und er ist glücklich und zufrieden. Er hat seine Arbeit und ein gutes Einkommen. Und in seiner Verlobten hat er einen Menschen gefunden, der zu ihm hält und ihm Halt gibt. Diese Maria Borkel hält seinen Lebenswillen aufrecht. Sie ist der stabilisierende Faktor. Ihr Bruder ist unter solchen fast schon idealen Umständen weit davon entfernt, wahnsinnig zu werden. Darum brauchen Sie sich nun wirklich keine Sorgen zu machen."

        "Ich glaube nicht, daß man da je völlig sicher sein kann. Die menschliche Psyche ist einfach zu unberechenbar. Ich kann nur hoffen, daß Sie recht behalten."

 

 

 

Nach seinem Gespräch mit dem Chefarzt besuchte Heinz seinen Bruder.

Maria war zu dieser Zeit nicht zu Hause, so daß sie unter vier Augen miteinander reden konnten. Aber ihr Gespräch beschränkte sich nur auf belanglose Dinge, da keiner der beiden sich traute, über Bernds neues Leben in einem Maschinenleib zu sprechen. Zu diesem Thema kam es zu keiner Aussprache zwischen den Brüdern, obwohl es beiden danach drängte.

Etwa drei Stunden später mußte sich Heinz wieder verabschieden. Sein Aufenthalt auf der Erde war nur ein kurzer Zwischenstop gewesen. Am nächsten Morgen schon mußte er wieder an Bord seines Raumers sein und auf einem neuen Patrouillenflug mitfliegen. Voraussichtlich würde er fast ein halbes Jahr fortbleiben.

        "In sechs Monaten sehen wir uns wieder," meinte Heinz, als er schon wieder in der Tür stand, "Dann habe ich ein ganzes Jahr Urlaub und kann länger dableiben. Bis dahin laß' es dir gutgehen, Bruder."

 

 

 

Sie fühlte, wie seine Kunststoffhände ihren Körper streichelten. Niemals hätte sie geglaubt, daß künstliche Hände soviel Gefühl und Zärtlichkeit vermitteln konnten.

Geschlechtlicher Verkehr war für Bernd nicht mehr möglich, und ihre sexuelle Beziehung mußte sich auf Zärtlichkeiten und Berührungen beschränken, wobei Bernd mit seinen hochempfindlichen Sensoren in der Kunsthaut noch genug empfinden konnte.

Sie würden niemal Kinder haben können, sofern Maria sich nicht zu einer künstlichen Befruchtung entschloß. Aber die beiden verband eine innige, seelische Verbundenheit, der sie sich hingaben und die ihnen die Kraft gab, auf jene Art von Sexualität verzichten zu können, die 'normale' Paare miteinander genießen konnten.....

 

 

 

Fünf Monate später:

Maria war zu einer Unglücksstelle gefahren, um dort Aufnahmen für eine aktuelle Reportage zu machen.

Eine bioelektronische Speicherbank im Herzen Frankfurts war aus ungeklärter ursache in Brand geraten. Man vermutete Brandstiftung durch Terroristen, die seit einigen Monaten wieder von sich reden machten.

Maria schlüpfte geschickt durch die Absperrungen, lief so nahe wie möglich an den brennenden Gebäudekomplex heran und begann zu filmen, ohne auf die Gefahr zu achten, in die sie sich dabei begab.

Doch da wichen die Feuerwehrleute plötzlich hastig zurück, ließen die Löschgeräte liegen und rannten vom Brandherd weg.

        "Die Energie-Speicher glühen!" rief einer, "Gleich fliegen sie in die Luft.

        "Weg da!!!" schrie ein Feuerwehrmann und rannte auf Maria zu, die immer noch wie besessen filmte.

        "Weg hier! Um Himmels willen, kommen Sie hier weg !!" brüllte der Mann und packte sie am Arm.

 

Da explodierten die Energiespeicher. Maria und der Feuerwehrmann wurde von der Wolke aus sonnenheißer Glut eingehüllt......

 

Aufschreiend wich die Menge der Schaulustigen zurück.

Die bis zur Unkenntlichkeit verbrannten Körper der beiden Unglücklichen wurden später von Sanitätern in Zinksärge gelegt und fortgebracht.

 

 

 

Bernd brach regelrecht zusammen, als er von dem Unglück erfuhr. Er bekam Tobsuchtsanfälle und drohte Amok zu laufen, so daß man ihn wieder ins Krankenhaus bringen mußte, wo man sein Gehirn mit elektrischen Hypnose-Impulsen behandelte, um sein seelisches Gleichgewicht künstlich wiederherzustellen.

Seinem Maschinenkörper gab man nun eine Zusatzprogrammierung, die ihn daran hinderte, Amok zu laufen oder sich selbst und andere in irgendeiner Weise zu gefährden.

Nach sechs Wochen wurde Bernd als 'geheilt' entlassen.

Aber seinen Lebenswillen hatten ihm weder die Ärzte noch die Psycho-Techniker zurückgeben können.......

 

 

 

Knapp eine Woche später kehrte Major Rolter mit dem Raumkreuzer 'TF-2-321' zur Erde zurück. Kaum hatte Heinz das Raumschiff verlassen, da erhielt er eine Nachricht von Bernd, die ihm das Geschehene kurz schilderte. Sofort ließ sich der Major zur Wohnung seines Bruders bringen.

Als er dort eintrat, saß Bernd am Fenster und schaute mit starrem Blick hinaus.

        "Bernd," sprach Heinz leise und trat zögernd näher, "Es - es tut mir so furchtbar leid. Ich......"

        "Du mußt mich töten, Heinz !"

Der Satz war nur leise gesprochen, doch er traf Heinz wie ein Faustschlag.

        "Aber Bernd, das kannst du doch nicht ernst meinen!"

        "Doch, Heinz, das ist mein voller Ernst. Ich will sterben, denn mein Leben hat doch jetzt keinen Sinn mehr. Maria war alles, was mit Halt gegeben hat. Nun ist sie tot, und damit ist alles vernichtet, was mich überhaupt am Leben hängen ließ. Du bist der einzige, den ich um Hilfe bitten kann. Die Mediziner haben dafür gesorgt, daß ich mich nicht selbst töten kann. Deshalb mußt du es tun. Ich bitte dich darum."

        "Nein, das - das kann ich nicht," keuchte Heinz entsetzt, "Ich kann doch nicht meinen eigenen Bruder umbringen!"

        "Bitte ! Wenn du barmherzig bist, dann erlöse mich von diesem Dasein. Oder willst du, daß ich allmählich wahnsinnig werde? Willst du, daß ich ganz langsam, Stück für Stück den Verstand verliere und auf diese Weise zugrunde gehe?"

        "Nein, natürlich nicht. Das würde ich nicht einmal meinem schlimmsten Feind wünschen."

        "Dann, verdammt noch 'mal, töte mich doch!!!" schrie ihn Bernd an, der plötzlich die mühsam gewahrte Fassung verlor, "Ich kann es einfach nicht mehr ertragen! Ich will sterben, bevor ich den Verstand verliere. Hast du denn kein Erbarmen? Ich flehe dich an, Heinz, töte mich!"

        "Ist das denn wirklich dein fester Wille? Vielleicht solltest du dir das noch einmal überlegen."

        "Zum Teufel, ich habe seit Marias Tod nächtelang darüber nachgedacht. Ich will endlich sterben, weil ich es nicht mehr aushalte, in diesem Maschinenmonstrum zu leben. Ich habe keine Freunde mehr, keine Bekannten, weil alle mich meiden und mit aus dem Weg gehen. Für die anderen bin ich doch schon längst kein richtiger Mensch mehr, sondern nur noch ein Monstrum. Maria war die einzige, die mich noch als Mensch gesehen hat. Aber sie ist tot, und ich bin allein! Schrecklich allein! Eingesperrt in einer Maschine! Ich halte das einfach nicht mehr aus!!!"

 

Da konnte Heinz nicht anders. Mit einer eckig wirkenden Bewegung zog er seine Dienstwaffe aus dem Schulterholster unter seiner Uniformjacke und richtete den Lauf auf seinen Bruder.

        "Ich danke dir, Heinz," flüsterte Bernd, als er die Laserpistole sah, "Du ahnst ja gar nicht, wie dankbar ich dir dafür bin."

        "Leb' wohl, Bernd," sprach Heinz mit erstickter Stimme, während ihm Tränen über die Wangen liefen.

 

Dann drückte er auf den Feuerknopf seiner Waffe........

 

 

 

 ENDE

 

 

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