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Fernfracht-Raumschiff Colossus

 

Die Mission

(Entwurf)

 

 
Tex Clifford hatte einen ziemlich dicken Kloß im Halse, als ihm der scheidende Kapitän zum Abschied die Hand drückte.

Die große Feier, mit der sich die gesamte Besatzung der Colossus von ihrem alten Kapitän verabschiedet hatte, war schon seit Stunden vorbei und nun standen nur noch die beiden Männer vor dem Abflugterminal auf Conway-Outbase, wo ein startbereites Passagierschiff darauf wartete, seinen Flug zur Erde anzutreten.

Am liebsten wäre die ganze Besatzung mitgekommen, doch Kapitän Iljuschin hatte die Leute gebeten, davon abzusehen. Er hatte sich von jedem Einzelnen persönlich verabschiedet, doch am Ende zog er es vor, still und leise zu gehen - ohne großes Brimborium.

  "So, Erster", sprach Gregor Stephanowitsch Iljuschin mit einem wehmütigen Lächeln, "Jetzt sind Sie Kapitän der Colossus. Hegen und pflegen Sie die gute alte Lady, damit sie noch lange ihre Touren fliegen kann."

  "Die alte Lady ist zwar schon betagt", antwortete Tex Clifford, "aber sie gehört noch lange nicht zum alten Eisen. Ich bin sicher, dass sie noch auf große Fahrt gehen wird, wenn auch ich schon im Ruhestand bin. Ich werde mich gut um sie kümmern. Versprochen!"

  "Das ist gut zu wissen", meinte der alte Kapitän zufrieden nickend, "Aber ich bin ohnehin sicher, dass die Colossus bei Ihnen in guten Händen ist."

Die beiden Männer schwiegen eine Weile und schauten den emsig herumflitzenden Robotern zu, die das Gepäck der Passagiere an Bord des wartenden Raumschiffes brachten.

  "Werden Sie auf der Erde bleiben?" unterbrach Tex Clifford schließlich das Schweigen, "Oder reisen Sie von dort aus weiter nach Cadonia?"

  "Nein", antworte Kapitän Iljuschin, "Ich habe zwar mit dem Gedanken gespielt, mich auf Cadonia niederzulassen, aber ich habe mir auf der Erde ein hübsches Anwesen in der Toscana gekauft. Dort werde ich bleiben und meinen Ruhestand damit verbringen, mein inzwischen beträchtliches Vermögen zu verprassen. Ich hatte ja schon immer ein Faible für die italienische Lebensart. Dort werde ich mich sicher sehr wohl fühlen."

  "Wenn ich mal wieder zur Erde komme", meinte Tex Clifford, "werde ich sie dort besuchen."

  "Das würde mich freuen", murmelte der alte Kapitän leise, aber sie wussten beide, dass es mit großer Wahrscheinlichkeit kein Wiedersehen mehr geben würde.

Die bei interstellaren Reisen auftretende Zeitdilatation würde dafür sorgen, dass sich die beiden Männer zu Lebzeiten nicht noch einmal begegnen würden. Durch die Zeitdehnung alterten Raumfahrer auf ihren langen Reisen viel langsamer als Menschen, die auf einem Planeten zurückblieben. Dies war ein Abschied für immer und Tex Clifford fiel es nicht leicht, sich damit abzufinden.

  "Nehmen Sie es nicht so schwer, Erster", meinte Gregor S.Iljuschin, "Wir wussten doch immer, dass es irgendwann für jeden von uns so weit ist. Wenn die ersten Schwundsymptome auftreten, müssen wir uns vom Weltraum verabschieden, auch wenn es uns noch so schwer fällt."

  "Aber es ist einfach nicht fair", brummte Tex Clifford unzufrieden, "Wir Raumfahrer sind im Weltraum zu Hause und es ist eine fiese Laune der Natur, dass wir am Ende doch alle wieder auf den Boden zurück müssen."

  "Das Universum war noch niemals fair", entgegnete Gregor S.Iljuschin mit einer wegwerfenden Handbewegung, "Und wir Menschen sind nun mal Lebewesen, die sich auf einem Planeten entwickelt haben. Der Weltraum ist nicht unser Lebensraum, auch wenn wir Raumfahrer das immer gern aus unserem Bewusstsein verdrängen. Unsere Medizin kann den verdammten Eisenschwund im Blut zwar jahrzehntelang verhindern, aber leider nicht für immer. Man weiß ja bis heute nicht einmal, wodurch das verursacht wird. Aber wenn die ersten Symptome auftreten, gibt es nur eine Rettung: Wir müssen dem Weltraum Lebewohl sagen, auch wenn das noch so bitter ist. Aber das ist immer noch besser als zum Krüppel zu werden."

  "Sie haben ja Recht, Käpt'n", murmelte Tex Clifford, "aber es ist trotzdem nicht leicht, sich damit abzufinden."

 

  "Die Passagiere der Zamorra werden gebeten, sich unverzüglich an Bord zu begeben!" schallte es durch die Wartehalle, "Die Zamorra startet in zehn Minuten!"

  "Es ist so weit, Erster", meinte der alte Kapitän, "Zeit zu gehen."

  "Es war mir eine große Ehre und eine Freude, unter Ihrem Kommando zu fahren", sprach Tex Clifford mit brüchig klingender Stimme, "Ich habe viel von Ihnen lernen können."

  "Das will ich aber auch hoffen", schmunzelte Gregor S.Iljuschin und setzte hinzu: "Sie waren ein verdammt guter Erster Offizier. Und Sie werden auch ein verdammt guter Kapitän sein."

Er legte die Hand an den Schirm seiner weißen Kapitänsmütze, die er auch im Ruhestand noch tragen würde. Tex Clifford salutierte auf die gleiche Weise, dann wandte sich Gregor Stephanowitsch Iljuschin ohne ein weiteres Wort ab und eilte mit schnellen Schritten auf die Schleuse zum wartenden Passagierschiff zu. Er wollte nicht, dass sein langjähriger Stellvertreter die Tränen in seinen Augen sah...

 

 
Die Raumbasis
Conway-Outbase war das größte künstliche Weltraumobjekt, das jemals von Menschen gebaut worden war. Selbst die riesigen Fernfrachter der Union wirkten daneben nur wie Wespen, die einen großen Kuchen umkreisten. Ursprünglich hatte man die Station nur als kleinen Außenposten der Menschheit im Conway-System eingerichtet, doch dann war Conway-Outbase im Verlauf von fast hundert Erdenjahren durch immer neue Erweiterungen und Anbauten zu einer gigantischen Raumbasis von der Größe eines kleinen Mondes angewachsen.

Conway-Outbase war Handelszentrum, Weltraumbahnhof, Umschlagplatz, Flottenstützpunkt und Reparaturwerkstatt in einem. Sämtliche interstellaren Frachtrouten der solarischen Union liefen hier zusammen. Waren und Güter von den Welten der Außerirdischen wurden von den großen Fernfrachtschiffen hierher gebracht, die hier verkauft und dann mit kleineren Frachtern meist im Direktflug zur Erde und zu den Kolonien der Menschen gebracht wurden. Umgekehrt wurden auch Waren und Güter, welche für die nichtmenschlichen Handelspartner bestimmt waren, mit Kurzstreckenschiffen nach Conway-Outbase befördert, um dann von den großen Fernfrachtern mitgenommen und zu ihren Bestimmungsorten transportiert zu werden.

Ein Teil der Riesenstation wurde sogar als Stützpunkt der Starforce genutzt, die hier zwei komplette Kreuzergeschwader und mehrere Jägerstaffeln stationiert hielt.

Auf der riesigen Raumbasis herrschte ein ständiges Kommen und Gehen, denn menschliche und nichtmenschliche Passagiere stiegen hier um oder warteten auf Anschlussflüge, die sie zu ihren Zielplaneten bringen sollten. Viele blieben auch dauerhaft auf der Raumbasis, um hier ihren Geschäften nachzugehen.

Jedes im interstellaren Handel tätige Unternehmen verfügte auf der Raumbasis über ein eigenes Kontor. Auch Prospektoren-Gesellschaften, deren Geschäft die Entdeckung und Erschließung fremder Welten war, hatten hier ihre Vertretungen. Einzelhändler und Reisebüros waren ebenso zu finden wie Vermittlungsagenturen für Raumfahrer, die eine neue Anstellung auf einem der vielen an- und abfliegenden Raumschiffe suchten.

Selbstverständlich gab es auch Vergnügungs-Sektionen, in denen Bars, Spielhallen, Kinos, Tanzhallen und Bordelle zu finden waren.

Und genau dorthin wollte Tex Clifford jetzt, denn er hatte das große Bedürfnis, sich heute einfach sinnlos zu besaufen.

 

 
Der frischgebackene Kapitän der
Colossus wunderte sich, als er über sein mobiles Visiophon aufgefordert wurde, sich unverzüglich bei der Administration von Conway-Outbase zu melden.

  'Was wollen die denn jetzt wieder?' dachte er verärgert, 'Alle Transaktionen sind doch abgeschlossen und die amtlichen Formalitäten sind längst erledigt. Oder hat einer dieser Bürohengste wieder 'ne neue Vorschrift erfunden?'

Brummig tippte er auf den angezeigten Link und stellte so die Verbindung zum Verwaltungszentrum der Raumbasis her. Als das Gesicht eines Angestellten auf dem kleinen Display erschien, schnauzte er den Mann ungehalten an, was man denn von ihm wolle.

So kurz nach dem Abschied seines alten Kapitäns war Tex Cliffords Laune nicht gerade die Beste. Er hatte auch nicht die geringste Lust, sich jetzt mit irgendwelchem Behördenkram abzugeben. Dass der Verwaltungsangestellte nichts für seine schlechte Laune konnte, war ihm im Augenblick herzlich egal.

Aber der Mann schien es gewohnt zu sein, dass seine "Kunden" einen ruppigen Ton an den Tag legten und reagierte mit stoischem Gleichmut.

  "Kapitän Clifford", erklärte er mit einer Gleichgültigkeit, die fast schon herablassend wirkte, "der Gouverneur wünscht Sie so schnell wie möglich persönlich zu sprechen."

  "In welcher Angelegenheit?" wollte Tex Clifford aufhorchend wissen.

  "Das weiß ich nicht", antwortete der Bedienstete und zuckte dabei mit den Schultern, "Mir wurde nur gesagt, dass es sehr wichtig ist."

  "Na gut", brummte der neue Kapitän der Colossus, nun etwas weniger ungehalten, "Richten Sie dem Gouverneur aus, dass ich unterwegs bin."

Der Angestellte nickte bestätigend und trennte die Verbindung ohne einen weiteren Kommentar.

 

 
Rodgar Sevantez, der seinen Posten als Gouverneur von
Conway-Outbase erst vor einigen Monaten angetreten hatte, entpuppte sich als jovial auftretender, etwas dicklich wirkender Typ mit schon lichter werdenden Haaren, der nicht viel Wert auf diplomatische Etikette legte. Auf Tex Clifford machte er eher den Eindruck eines Werksleiters als den eines Politikers, was den Mann in seinen Augen durchaus sympathisch erschienen ließ.

  "Es tut mir leid, Herr Kapitän", sprach der Gouverneur, während er ihn mit einem kräftigen Händedruck begrüßte, "dass ich Sie belästigen muss, aber Sie und die Colossus werden gebraucht."

  "Ausgerechnet jetzt?" wunderte sich der Frachterkapitän, während er sich in einem angebotenen Sessel niederließ, "Die Colossus soll für mindestens zehn Monate ins Myrmidon-Raumdock, um unsere Antriebssysteme komplett umzurüsten und die neue Gravitationstechnik zu installieren. Meine Stammbesatzung freut sich schon auf den Urlaub und die Saisonarbeiter haben schon abgemustert. Ist denn kein anderer Fernfrachter verfügbar?"

  "Verfügbar schon", meinte der Gouverneur, während er sich ebenfalls setzte, "aber die Magal wollen unbedingt die Colossus."

  "Die Magal?" staunte sein Gegenüber, "Die haben sich tatsächlich wieder bei uns gemeldet?"

  "Genauer gesagt", erklärte Rodgar Sevantez, "haben sie die RFB (Raumforschungsbehörde) auf der Erde kontaktiert. Über eines der Ring-Artefakte, die Sie vor zwei Jahren mitgebracht haben. Zum Glück haben die Geeks bei der RFB nur eines der beiden Geräte in seine Bestandteile zerlegt, die man ihnen überlassen hat. So blieb wenigstens das zweite Exemplar funktionsfähig, denn leider ist es unseren Wissenschaftlern immer noch nicht gelungen, so ein Ding nachzubauen. Einen dritten Ringempfänger haben wir ja noch hier auf Conway-Outbase."

  "Und der Vierte ist auf der Colossus", ergänzte Tex Clifford, "Zusammen mit einer Magal-Sonde als Sendegerät."

  "Ich weiß", nickte der Gouverneur, "Deshalb wundert es mich, dass die Magal nicht direkt mit der Colossus Kontakt aufgenommen haben."

  "Das wird wohl daran liegen, dass unser Exemplar zurzeit nicht in Betrieb ist", erklärte der Raumkapitän mit einem Schulterzucken, "Nachdem unsere Wissenschaftsabteilung lange genug damit herumgespielt hat und wir nicht wollten, dass unsere neugierigen Nerds sie auseinandernehmen, wurden Ring und Sonde gut verpackt und sicher verstaut. Die Geräte wurden ja nicht wirklich gebraucht und hätten nur unnütz im Weg gestanden. Wir haben allerdings nicht mit einer Kontaktaufnahme gerechnet. Wenn die Magal unseren Ring angewählt haben, hat das niemand bemerkt."

  "Erzählen Sie das bloß nicht den Leuten den RFB", schmunzelte der Gouverneur, "Die haben sich ziemlich darüber geärgert, dass Sie nicht alle Exemplare 'rausgerückt haben."

  "Ohne uns wüsste die RFB ja nicht 'mal, dass es so eine Technologie überhaupt gibt", brummte Tex Clifford abfällig, "Und wenn die es bis jetzt nicht schaffen konnten, diese Technik zu kopieren, wird ihnen unser Gerät auch nicht weiterhelfen."

  "Da mögen Sie wohl recht haben", stimmte ihm Rodgar Sevantez mit einem leichten Grinsen zu, "Aber jetzt erweist es sich als Glücksfall, dass die Geräte immer noch auf der Colossus sind. Das wird sicher hilfreich für Ihre Mission sein."

  "Mission?" echote Tex Clifford fragend.

  "Eine Hilfsmission für die Magal", erklärte der Gouverneur, "Die haben nämlich um unsere Unterstützung gebeten."

  "Unterstützung wofür?" wollte sein Gegenüber wissen.

  "Die wollen ein neues Archiv bauen", antwortete Rodgar Sevantez, "Aber nicht auf dem Planeten, auf dem sie jetzt sind, sondern im Innern eines Kleinplaneten, der in ihrem Sonnensystem kreist. Dafür haben sie aber nicht mehr die technischen Ressourcen. Und da kommt die Colossus ins Spiel."

  "Was sollen wir denn tun?"

  "Sie sollen im Auftrag der Unionsregierung nach Cideron-IV fliegen, dort möglichst viele Container mit Bergbau- und Terraforming-Robotern beladen und diese zu den Magal bringen."

  "Warum kann das denn kein anderer Fernfrachter übernehmen?"

  "Weil die Magal nur den Leuten der Colossus uneingeschränkt vertrauen", lautete die Antwort.

  "Mit cideronischen Robotern hatten wir schon mal ziemlichen Ärger", murmelte Tex Clifford mit gerunzelter Stirn, "als die Dinger ungewollt aktiviert wurden. Die hätten beinahe unsere Generatorenhalle umgebaut und das Schiff lahmgelegt. Diese Robots sind zwar verdammt effektiv, aber besonders gern transportiere ich die seitdem nicht mehr."

  "Sie meinen den Vorfall mit dem Gammablitz?" erkundigte sich der Gouverneur und als der Kapitän bestätigend nickte, meinte er: "Es dürfte aber sehr unwahrscheinlich sein, dass Ihnen das noch einmal passiert."

  "Ihr Wort in Gottes Ohr", brummte sein Gesprächspartner skeptisch und fragte dann: "Wissen die Cideroner denn schon, dass wir eine so große Menge von ihren Robotern brauchen?"

  "Ein Kurierschiff hat bereits die Echnaton kontaktiert, die jetzt auf dem Weg ins Cideron-System ist", erläuterte ihm der Gouverneur, "Sie liefert eine große Ladung Nahrungsmittel an die Cideroner und wird ein paar Wochen vor Ihnen dort eintreffen. Ihr Käpt'n wird unsere Bestellung weitergeben. Wenn alles klappt, werden die Ladungen bereitstehen, sobald die Colossus eintrifft."

  "Na schön", brummte Tex Clifford, der noch immer wenig Begeisterung zeigte, "dann müssen Sie mir nur noch verraten, wie ich auf die Schnelle genug Leute zusammenkriege, um wieder auf volle Personalstärke zu kommen. Momentan habe ich nur noch eine Kernbesatzung und wenn die Söldner bereits andere Verträge abgeschlossen haben, brauche ich auch erfahrene Leute für die Begleitfregatten und Raumjäger. Es wird sicher einige Tage dauern, bis meine Truppe vollzählig ist. Außerdem fehlt mir auch noch ein Zweiter Offizier."

  "Ich werde unserem Job-Center Anweisung erteilen, zuerst die Personalanforderungen der Colossus zu bedienen", versprach Rodgar Sevantez, "Und falls Sie keine Söldner mehr bekommen sollten, wird Ihnen das Militär mit gut ausgebildeten Raumgardisten aushelfen können. Wenn Sie wollen, kann Ihnen die Starforce sicher auch einen erfahrenen Raumoffizier ausleihen."

  "Um Gottes Willen!" wehrte der Kapitän erschrocken ab, "Ein Flottenheini als Offizier auf einem Fernfrachter? Das würde nicht funktionieren. Da fahre ich ohne einen Zweiten Offizier mit Sicherheit besser."

Der Gouverneur quittierte den Ausbruch nur mit einem Achselzucken und zog es vor, sich nicht dazu zu äußern. Er kannte die Animositäten zwischen der Raumflotte und den zivilen Raumfahrern nur zur Genüge.

  "Wer übernimmt denn eigentlich die Kosten?" wollte Tex Clifford nun wissen, "Das Ganze ist schließlich nicht gerade billig und die Colossus ist alles andere als ein Wohlfahrtsunternehmen. Dass natürlich auch ein angemessener Gewinn für uns 'rausspringen muss, brauche ich wohl nicht extra zu erwähnen."

  "Die Regierung und der Senat der solarischen Union werden alle Kosten für die Mission und selbstverständlich auch Ihre Bezahlung übernehmen", lautete die Antwort des Gouverneurs, der mit einem schiefen Lächeln hinzufügte: "Natürlich erwarten unsere Politiker, dass sich die Magal dafür erkenntlich zeigen und sie davon reichlich profitieren können."

  "Irgendwie überrascht mich das nicht", meinte Tex Clifford grinsend. Dann fragte er: "Ist denn den Magal klar, dass wir 'ne ganze Weile brauchen werden, bis wir bei ihnen sind? Schließlich sind die rund dreißigtausend Lichtjahre von uns entfernt. Dafür brauchen wir mindestens sechs Divings durch den Interdim-Raum. Und für die Beschleunigungs- und Aufladephasen benötigen wir voraussichtlich sechsunddreißig Wochen relative Flugzeit. Das sind aber fast dreieinhalb Jahre Normalzeit. Wenn die Magal unsere Diving-Reichweite nicht wieder per Ferneinwirkung erhöhen, können wir nicht schneller bei ihnen sein. Haben sich die Magal dazu irgendwie geäußert?"

Rodgar Sevantez schüttelte bedauernd den Kopf.

  "Haben sie denn wenigsten die genaue Position ihres Systems übermittelt?" fragte der Kapitän weiter, "Damals haben sie ja verhindert, dass wir diese Daten speichern konnten."

  "Ist jetzt kein Problem mehr", lautete die Antwort, "Die Magal haben uns die genauen Koordinaten gesendet. Sonst wäre ihr Hilfeersuchen auch ziemlich sinnlos gewesen."

  "Nun", meinte Tex Clifford stirnrunzelnd, "dann werde ich wohl jetzt damit anfangen müssen, meine Leute zu suchen. Die meisten haben jetzt Freigang und treiben sich in den Vergnügungssektionen herum. Könnte 'ne Weile dauern, bis ich alle an Bord habe."

  "Äh ... Käpt'n, da wäre noch 'was", sprach der Gouverneur und machte dabei einen etwas zögerlichen Eindruck.

  "Und was?" wollte der Angesprochene aufhorchend wissen.

  "Sie werden noch jemand mitnehmen müssen", antwortete Rodgar Sevantez.

Als der Kapitän der Colossus ihn fragend anblickte, erklärte er: "Eine Senatorin wird Sie begleiten. Sie soll als Sonderbotschafterin der Union zukünftige diplomatische Beziehungen zu den Magal in die Wege leiten. Natürlich wird sie auch ein paar Leute ihres Stabes mitbringen."

Kapitän Clifford verdrehte die Augen und verzog das Gesicht zu einem leidensvollen Ausdruck.

 

 
  "Uns fehlen jetzt noch neun Schlepperpiloten, sieben Lade-Arbeiter, fünf Wartungstechniker und zwei Piloten für die Jäger", zählte Oberleutnant Kurt Carstens auf, der nach dem Abschied des alten Kapitäns zum 1.Offizier aufgestiegen war, "Die Söldner haben zu unserem Glück noch keine neuen Verträge abgeschlossen und stehen ausnahmslos zur Verfügung. Allerdings verlangen sie eine Extra-Zulage, unabhängig vom jeweiligen Rang. Aber da unsere großzügigen Politiker alle Kosten der Mission übernehmen, fällt das nicht weiter ins Gewicht."

  "Wie steht's mit Piloten für die Frachtfähren?" erkundigte sich Tex Clifford.

  "Die gehören sowieso zur Stammbesatzung", erklärte Kurt Carstens, "Dafür brauchen wir niemanden mehr einstellen."

  "Es fehlt uns aber immer noch ein Zweiter Offizier", murmelte Kapitän Clifford sorgenvoll, "Auf ganz Conway-Outbase ist derzeit niemand mit entsprechender Qualifikation zu finden."

  "Ich hätte zwar Bedenken, aber vielleicht könnten wir Fähnrich Krosney vorübergehend diesen Job übertragen", schlug Kurt Carstens vor, "Sozusagen auf Probe."

  "Jan Krosney ist nicht dafür bereit", schüttelte Tanja Rion den Kopf, "Der macht immer noch zu viele Fehler aus reiner Schusseligkeit. Und für den Umgang mit der Mannschaft fehlt ihm die Autorität. Ich würde nicht sehr gut schlafen können, wenn ich wüsste, dass Krosney während meiner Ruhezeit das Schiff führen muss."

  "Da muss ich Ihnen leider recht geben", stimmte ihr der Kapitän zu, "Wir können Fähnrich Krosney nicht auf diesen Posten setzen, ohne es dann wahrscheinlich zu bereuen. Ich fürchte sogar, dass der Fähnrich nie ein guter Schiffsoffizier sein wird, denn nach all den Jahren sehe ich bei ihm immer noch keine echten Führungsqualitäten."

  "Vielleicht sollten wir uns doch jemanden von der Starforce ausleihen", meinte Kurt Carstens, "Sonst müssen wir ohne 2.Offizier fliegen, was für uns drei aber heißt, dass wir auf dieser Reise längere Wachschichten schieben müssen."

  "Immer noch besser als mit einem Flottenheini auskommen zu müssen; der uns mit Vorschriften auf die Nerven geht", murmelte Tanja Rion leise.

  "Aber was machen wir jetzt mit Krosney?" hakte Kurt Carstens nach, "Behalten wir ihn oder geben wir ihm den Laufpass?"

Tex Clifford rieb sich nachdenklich mit dem Zeigefinger den Nasenrücken.

  "Ich möchte dem Burschen zwar nur ungern die Laufbahn kaputtmachen", murmelte er, "aber ich weiß leider auch, dass er als Führungskraft nicht geeignet ist. Er hat zu wenig Durchsetzungsvermögen und kommt nicht klar, wenn er unter Stress steht. Wir werden uns wohl oder übel von ihm trennen müssen."

  "Als Navigator ist er aber ziemlich gut", warf Tanja Rion ein.

  "Wir haben aber schon zwei ausgezeichnete Navigatoren", hielt der Kapitän dagegen, "Einen Dritten brauchen wir auf der Colossus nicht. Außerdem wäre es für Krosney eine Demütigung, wenn er an Bord bleibt und die ganze Besatzung mitbekommt, dass er kein Offiziersanwärter mehr ist. Ich werde ihn unserem Firmen-Büro auf Conway-Outbase übergeben und ihm ein gutes Zeugnis als Navigator ausstellen. Damit stehen ihm auch weiterhin viele Wege offen und er kann noch immer Karriere in der Raumfahrt machen. Gute Navigatoren werden schließlich auf jedem Raumschiff gebraucht."

 

 
Kapitän Clifford war äußerst erfreut darüber, dass die Versorgung seines Schiffes mit Treibstoff, Wasser und Sauerstoff-Vorräten wesentlich schneller vonstatten ging als er befürchtet hatte. Da ursprünglich geplant war, dass die
Colossus monatelang im Myrmidon-Raumdock verbringen sollte, waren ihre Vorratskammern nur noch mit geringen Beständen gefüllt, die natürlich nicht einmal annähernd für die Reise zum System der Magal reichen würden.

Die Poseidonis, ein älteres Schwesterschiff der Colossus, war vier Tage nach seinem Gespräch mit dem Gouverneur vor Conway-Outbase eingetroffen, deren Frachtcontainer randvoll mit allen benötigten Versorgungsgütern waren. Eigentlich war die komplette Ladung der Poseidonis für die Versorgung der riesigen Raumbasis vorgesehen. Aber da die bevorstehende Mission der Colossus eine hohe Priorität genoss, wurde ein Teil der Poseidonis-Ladung kurzerhand umdisponiert. So konnte die Colossus innerhalb kurzer Zeit mit allen Versorgungsgütern ausgestattet werden, die sie für ihre lange Reise benötigte. Für die Raumbasis Conway-Outbase bedeutete das kaum eine besondere Einschränkung, denn als riesiges Handels- und Warenumschlagszentrum der solarischen Union wurde sie tagtäglich von Frachtraumschiffen angeflogen, welche mehr als genug Nachschub an Bord hatten. Als schließlich auch noch ein Passagierschiff eintraf, mit dem auch arbeitssuchende Raumfahrer nach Conway-Outbase kamen, besaß die Besatzung der Colossus bald wieder volle Personalstärke.

Zu Kapitän Cliffords großer Enttäuschung hatte er jedoch keinen qualifizierten Raumoffizier finden können, den er für den Posten des Zweiten Offiziers benötigte. Es war ihm auch nicht gelungen, jemanden von den anderen Raumschiffen abzuwerben, obwohl er ausgesprochen hohe Verpflichtungsprämien angeboten hatte. Wenn er es vermeiden wollte, sich von der Starforce einen Flottenoffizier auszuleihen, würde er die Reise wohl oder übel ohne einen Zweiten Offizier antreten müssen.

 

 
Senatorin Melina Canberas war wesentlich jünger als es Tex Clifford angenommen hatte. Die hochgewachsene Frau trug eine Art blauvioletten Hosenanzug nach der gerade auf Terra aktuellen Mode, der ziemlich eng am Körper anlag und ihre durchtrainiert wirkenden, aber dennoch ausgesprochen weiblichen Formen voll zur Geltung brachte. Das Oberteil ihrer hautengen Bekleidung zeigte ein tief ausgeschnittenes Dekolleté und Tex Clifford ertappte sich dabei, dass er ein wenig zu lange auf ihre ansehnlichen Rundungen starrte. Sofort zwang er seine Augen, ihr gerade ins Gesicht zu blicken. Ihre Züge waren von herb wirkender Schönheit und die kleinen Lachfältchen um die Mundwinkel zeigten, dass sie auch gut gelaunt sein konnte. Doch im Moment blickte sie ihn mit ihren graugrünen Augen nur kühl und äußerst reserviert an.

  'Mist!' fuhr es ihm durch den Kopf, 'Ich hätte nicht so auf ihren Busen glotzen dürfen. Jetzt hab' ich sie verärgert. Warum muss sie auch bloß so ein heißes Outfit tragen?'

  "Willkommen auf der Colossus, Senatorin", sprach er sie jetzt an, "Die Quartiere für Sie und Ihre Begleitung sind hergerichtet und bezugsfertig. Sie sind mit Tiefschlafkammern ausgestattet, in denen Sie die lange Reise verbringen können. Falls Sie es allerdings vorziehen, während des Fluges wach zu bleiben, steht Ihnen das natürlich frei."

Sie strich sich eine Strähne ihres langen, pechschwarzen Haares aus der Stirn.

  "Darf ich annehmen, dass Sie Kapitän Clifford sind?" fragte sie mit einem leicht spöttischen Ausdruck.

  'Jetzt vergesse ich auch noch, mich vorzustellen', dachte er und hatte das Gefühl, momentan von einem Fettnäpfchen in das Nächste zu stolpern.

  "Äh... ja... das ist richtig", antwortete er, räusperte sich verlegen und deutete dann auf die neben ihm stehenden Schiffsoffiziere: "Das sind Leutnant Tanja Rion, meine Ingenieurin, und Oberleutnant Kurt Carstens, mein Erster Offizier."

Die Sonderbotschafterin der Union nickte den beiden mit einem wesentlich freundlicheren Gesichtsausdruck zu als sie es ihm gegönnt hatte.

  'Na toll', dachte der Kapitän, 'Jetzt machen die beiden auch noch einen besseren Eindruck als ich.'

  "Folgen Sie mir, Madam", erbot sich Kurt Carstens, "Ich führe Sie zu Ihren Quartieren."

Als die Senatorin und ihre Begleiter, zwei durchtrainiert wirkende Leibwächter und eine hochgewachsene Blondine in der grauen Uniform des diplomatischen Dienstes, dem 1.Offizier der Colossus folgten, empfand Tex Clifford ein deutliches Gefühl der Erleichterung. Der Umgang mit hochrangigen Mitgliedern des solarischen Senats war einfach nicht sein Ding.

 

 
Für Jan Krosney war regelrecht eine Welt zusammengebrochen, als Kapitän Clifford ihm klipp und klar zu verstehen gegeben hatte, dass er nicht der neue Zweite Offizier sein würde, denn er hatte sich große Hoffnungen gemacht, diesen Posten zu bekommen. Und als ihm der Kapitän auch noch unverblümt erklärt hatte, dass es ihm an der Eignung zum Schiffsoffizier fehle, war sein großer Traum, eines Tages selbst Kapitän eines Raumschiffs zu sein, wie eine Seifenblase zerplatzt.

Erschüttert hatte ihn vor allem, dass auch schon die von Kapitän Iljuschin verfasste Beurteilung kein bisschen besser gewesen war. Das hatte ihm schmerzhaft klar gemacht, dass Tex Clifford nicht der erste Vorgesetzte war, der ihn als ungeeignet für den Job eines Schiffsoffiziers bewertete.

Jan Krosney wusste, dass seine angestrebte Offizierskarriere in der zivilen Raumfahrt mit diesem vernichtenden Urteil beendet war. Wer sich als Offiziersanwärter auf einem der großen Fernfrachter nicht bewähren konnte, bekam keine zweite Chance mehr.

Alles, was ihm blieb, war ein gutes Zeugnis als Navigator, das ihm einen Neuanfang ermöglichen würde. Aber das war für Jan Krosney im Augenblick nur ein schwacher Trost und er fühlte sich, als wäre er in ein tiefes, dunkles Loch gestoßen worden.

Die Colossus war ohne ihn gestartet und hatte ihn auf Conway-Outbase zurückgelassen.

Er starrte durch die transparente Kuppel der Aussichtsplattform in die samtene Schwärze des Alls hinaus. Weit draußen konnte er noch das glosende Leuchten erkennen, das von den Schubtriebwerken der Colossus stammte, die sich mit einer fast behäbig wirkenden Gemächlichkeit von der Raumbasis entfernte.

Jan Krosney war zum Heulen zumute, als er zusehen musste, wie das große Raumschiff, das jahrelang sein Zuhause gewesen war, allmählich in der Dunkelheit des Weltraums verschwand.

 

 
Ralph Moldewig platzte fast vor Stolz und fühlte sich, als würde das ganze Universum ihm allein gehören. Endlich war er vollwertiger Großraumer-Pilot, denn er besaß nun seine Lizenz, für die er so lange und hart gearbeitet hatte. Er war jetzt einer der drei Piloten des Schiffes, die innerhalb der Besatzung eine Sonderstellung innehatten und sogar besser bezahlt wurden als die Schiffsoffiziere. Und nun saß er im Pilotensessel der
Colossus, den Helm mit den EEG-Sensoren auf dem Schädel und steuerte das Riesenraumschiff zum ersten Mal ohne Aufsicht und Anleitung durch einen erfahrenen Ausbilder. Natürlich wurde er auch jetzt von den beiden Operatoren unterstützt, die dafür sorgten, dass er sich voll und ganz auf die Steuerung des Raumgiganten konzentrieren konnte, der gerade die Randzone des Conway-Systems hinter sich gelassen hatte.

Als der für Treibstoff- und Energiezufuhr zuständige Operator ihm "grünes Licht" gab, begann Ralph Moldewig die Leistung der mächtigen Triebwerke langsam aber stetig hochzufahren, um die Geschwindigkeit der Colossus kontinuierlich zu erhöhen.

Es würde aber volle drei Wochen relative Flugzeit dauern, bis das Raumschiff Diving-Geschwindigkeit erreichte, die es ihm ermöglichte, durch den interdimensionalen Raum zu tauchen, wodurch es nahezu in Nullzeit riesige Entfernungen "überspringen" konnte. Das Überwinden der gigantischen Entfernungen zwischen den Sonnensystemen der Galaxis war für die interstellare Raumfahrt dank des "Divings" schon lange kein Problem mehr, aber es dauerte immer noch Wochen, bis man die nötige Geschwindigkeit erreicht hatte, um überhaupt in den interdimensionalen Raum "eintauchen" zu können. Und das Abbremsen nach dem "Wiederauftauchen" dauerte noch einmal so lange.

Fast vermeinte Ralph Moldewig die gewaltigen Titanenkräfte körperlich zu spüren, die jetzt allein seinem Willen gehorchten und das riesige Raumschiff immer schneller durch das All trieben. Ein geradezu berauschendes Gefühl von gottgleicher Kraft und Größe durchströmte ihn, das ihn fast glauben ließ, selbst die Colossus zu sein.

Für einige kurze Augenblicke gab sich der junge Schiffspilot diesen euphorischen Empfindungen hin, doch dann machte sich die mentale Konditionierung und gezielte Elektro-Impulse aus den Helmsensoren bemerkbar, die seine Emotionen abschwächten und in den Hintergrund seines Bewusstseins verbannten. Nur so konnte verhindert werden, dass er durch seine Euphorie in einen rauschähnlichen Zustand geriet, der nicht nur seine Sinne, sondern auch seinen Verstand beeinträchtigte. Ein klein wenig bedauerte Ralph Moldewig diese nicht ganz angenehme Prozedur, aber er wusste, dass sie unbedingt notwendig war, denn sonst würde er Gefahr laufen, in absehbarer Zeit den Verstand zu verlieren.

 

 
Das rötlich leuchtende Zentralgestirn des
Cideron-Systems wurde von dreizehn Planeten umkreist. Doch nur der Vierte von ihnen befand sich in der habitablen Zone und wies Bedingungen auf, unter denen sich Leben entwickeln konnte. Allerdings war die Oberfläche von Cideron-IV längst nicht mehr besonders lebensfreundlich, denn die Zivilisation der Cideroner hatte sich auf eine Weise entwickelt, die zu einer irreparablen Zerstörung ihrer Umwelt geführt hatte. Die Atmosphäre war so stark verunreinigt, dass man sich in ihr nur noch mit Atemgeräten aufhalten konnte. In den Meeren des Planeten gab es so gut wie kein Leben mehr und die gesamte Landoberfläche war praktisch ein einziger Industriepark.

Cideron-IV war eine Maschinenwelt, deren Oberfläche nur noch von Robotern bevölkert wurde, die von einem Rechnernetzwerk mit künstlicher Intelligenz gelenkt wurden. Die noch lebenden Ureinwohner vegetierten nur noch in Bunkern tief unter der Oberfläche und lebten in einer computergenerierten virtuellen Welt, während ihre Körper künstlich am Leben gehalten wurden. Alle dafür nötigen Nährstofflösungen mussten regelmäßig von Raumschiffen der solarischen Union nach Cideron-IV geliefert werden, denn auf dem Planeten selbst konnten keine Nahrungsmittel mehr produziert werden.

Eigentlich war Cideron-IV längst eine Roboter-Zivilisation, deren Erbauer zum Aussterben verurteilt waren. Aber das war für die Händler aus der solarischen Union weniger wichtig, denn sie hätten das Schicksal dieser sterbenden Spezies ohnehin nicht ändern können. Interessiert war man vor allem an der hoch entwickelten cybernetischen Technologie der Cideroner. Hier konnten Automaten und Roboter jeglicher Form, Größe und Funktion erworben werden, die ihre Programmierung den jeweiligen Arbeitsbedingungen selbstständig anpassen konnten. Sie waren sogar in der Lage, sich selbst zu replizieren, wenn das entsprechende Baumaterial verfügbar war. Diese Maschinen waren nicht nur für die Rohstoffgewinnung, sondern auch für den Bau von Habitaten im Innern von Monden, Kleinplaneten und größeren Asteroiden hervorragend geeignet. Und genau solche Maschinen wurden von den Magal gebraucht, wenn sie ein neues Archiv im Innern eines Kleinplaneten aufbauen wollten.

Ärgerlich für die solarischen Raumfahrer war nur, dass Cideron-IV von den Trümmern eines zerstörten Mondes umkreist wurde, die direkt über dem Äquator einen Ring gebildet hatten. Das machte es einem Raumschiff schwer, in einen stabilen geostationären Orbit um den Planeten zu gehen. So war auch die Colossus gezwungen, "oberhalb" des Trümmerringes um den Planeten zu kreisen, wo permanent die Steuertriebwerke laufen mussten, um die Position zu halten.

Das Rechnersystem von Cideron-IV hatte sofort mit der Colossus Kontakt aufgenommen, als diese sich dem Planeten näherte. Es bestätigte die von der Echnaton übermittelte Bestellung und teilte mit, dass die angeforderten Roboter bereitgestellt waren und nur darauf warteten, in Container verladen und zur Colossus hinauf gebracht zu werden.

Kapitän Clifford ließ die Frachtfähren starten, mit denen Leercontainer hinab gebracht wurden, damit diese beladen werden konnten. Arbeitsmaschinen der Cideroner übernahmen das Befüllen der Container, die danach gleich wieder hinauf zum wartenden Frachtraumschiff gebracht und am Transportgerüst verankert wurden.

Lademeister Truk Renrew schätzte zunächst, dass die Übernahme der gesamten Ladung mindestens eine volle Woche dauern würde.

 

 
  "Wie viele Container haben wir jetzt voll?" wollte der Kapitän vom Lademeister wissen, der leise vor sich hin fluchend vor dem Kontroll-Terminal hockte, mit dessen Hilfe er die Andockarbeiten überwachte und koordinierte.

  "Achthundertsiebzehn", antwortete der hünenhafte Mastersergeant, "Knapp die Hälfte davon ist randvoll mit den kleinen Habitat-Erzeugern. Die anderen sind vollgestopft mit frei programmierbaren Replikatoren. Die können praktisch alles bauen, was man ihnen zu bauen befiehlt, wenn sie das nötige Material haben. Sind natürlich auch als Reparatureinheiten einsetzbar. Wir benutzen ähnliche Modelle, die aber nicht so vielseitig sind."

  "Beeindruckend", meinte Tex Clifford, "Wie viele Container müssen noch hochgeholt werden?"

  "Unten wartet noch Ladung für mindestens vierzig Container", lautete die Antwort, "Ich habe eigentlich nur mit Ladung für höchstens fünfhundert gerechnet und frage mich, wie die Cideron-Rechner so viel in so kurzer Zeit bereitstellen konnten."

  "Entweder hatten die genug davon auf Lager", meinte Kapitän Clifford, "oder die können die Dinger noch viel schneller produzieren lassen als wir geahnt haben."

  "Ist ja auch egal", brummte Truk Renrew, "Ich hab' jedenfalls nicht damit gerechnet, dass es so viele sein würden. Jetzt muss ich die vollen Kisten ganz anders im Transportgerüst anordnen als ich ursprünglich geplant hatte. Dafür musste ich alle Schlepper 'raus schicken. Schließlich sollte die Masse der Ladung ja möglichst gleichmäßig im Gerüst verteilt sein."

  "Unsere Schiffspiloten werden es ihnen danken", meinte Tex Clifford schmunzelnd und fragte dann: "Schaffen wir es denn heute noch oder müssen wir länger bleiben?"

  "Keine Sorge, Käpt'n", gab der Lademeister beruhigend zurück, "Das kriegen wir schon hin. Die Maschinenarbeiter da unten sind ziemlich flott. Die haben unsere Container schon vollgepackt, noch bevor sie richtig auf dem Boden stehen. Nur der Transport zur Colossus und das Andocken braucht leider etwas mehr Zeit. Aber es sind jetzt nur noch vier volle Fuhren für unsere Fähren, dann sind wir fertig. Darauf geb' ich Ihnen mein Wort."

  "Das beruhigt mich", antwortete der Kapitän und fügte hinzu: "Ich bin nämlich froh, wenn wir wieder aus diesem beschissenen Orbit 'raus sind. Ich fühle mich einfach nicht besonders wohl, solange die Colossus in der Nähe dieses verdammten Trümmerrings schwebt."

  "Vielleicht sollte mal jemand damit anfangen, die ganzen 'rumschwebenden Brocken wegzuräumen", murmelte Truk Renrew nachdenklich.

  "Das würde aber einige Jahrzehnte dauern", meinte Tex Clifford skeptisch, "und ob Cideron-IV danach noch seine Achsneigung behält, dürfte fraglich sein. Schließlich hält die Masse des Trümmerrings die Planetenachse stabil."

  "Ist zum Glück nicht mein Problem", brummte der Lademeister achselzuckend und wandte sich wieder seinem Kontroll-Terminal zu.

 

 
Es war immer wieder faszinierend anzusehen, wie das Ring-Artefakt in Aktion trat, das die Colossus einst von der Stahlwelt der Magal mitgebracht hatte, bevor diese der Explosion einer sterbenden Sonne zum Opfer gefallen war.

Ohne äußeres Zutun schwebte der Metallring, getragen von unsichtbaren Kräften, etwa eineinhalb Meter über dem Boden und drehte sich langsam in die Senkrechte.

Dann glühten die winzigen Antennen auf seiner Innenseite auf und strahlten hauchdünne Energiebahnen ab, die sich wie die Speichen eines Rades in der Mitte trafen. Dort, wo die kaum sichtbaren Strahlen sich berührten, bildete sich eine Kugel aus grellem, blauweißen Licht, das den Beobachtern schmerzhaft in die Augen stach. Dann dehnte sich die Lichtkugel aus, bis sie fast die Innenseite des Metallringes berührte, während sich Vorder- und Rückseite nach innen zusammenzogen, sodass sie die Form einer Linse annahm.

Das grelle Leuchten begann zu verblassen, wodurch sich die Linse verdunkelte und zugleich transparenter zu werden schien. Im nächsten Augenblick erschien in ihr der Anblick einer unbekannten Region des Weltraumes. Vorder- und Rückseite der Linse zeigten jedoch unterschiedliche Ansichten. Eine Seite bot einen Blick in die Tiefe des Weltraumes, während die andere Seite einen Ausblick auf die Oberfläche eines unbekannten Planeten darbot, denn die Bild-Wiedergabe des schwebenden Ringes war in der Lage, zwei Blickrichtungen gleichzeitig zu visualisieren.

Es war ein technologisches Wunderwerk, das den Wissenschaftlern der Menschen noch immer Rätsel aufgab, obwohl sie von den Magal alle technischen Unterlagen über ihre Ring-Empfänger und Beobachtungssonden erhalten hatten. Bislang war es nicht gelungen, diese hoch entwickelte Technologie zu kopieren.

Der Ring, der von vielen auch als "Gottesauge" bezeichnet wurde, war im Grunde genommen so etwas wie eine Art galaktische Television, mit der durch den interdimensionalen Raum gesendete Videosignale von Sonden empfangen wurden, die irgendwo in der Galaxis irgendwelche Planeten als Satelliten umkreisten.

Eine dieser eiförmigen, pechschwarzen Sonden lag jetzt auf der Colossus direkt neben dem Ring. Da der Ring selbst nur ein reines Empfangsgerät war, erfüllte sie die Funktion des Senders, damit man durch den Interdim-Raum mit den Magal kommunizieren konnte, sobald diese mit der Colossus Kontakt aufgenommen hatten.

Kapitän Clifford hatte Sendersonde und Ringempfänger im Besprechungsraum direkt neben der Kommandozentrale aufstellen lassen und ein Mitglied der Brücken-Crew mit deren Überwachung beauftragt. Eigentlich war er davon ausgegangen, dass sich die Magal sofort mit der Colossus in Verbindung setzen würden, sobald die Geräte aktiviert waren, aber bislang hatten sich diese Intelligenzwesen nicht gemeldet.

  'Die müssten doch inzwischen wissen, dass wir zu ihnen unterwegs sind', dachte Tex Clifford besorgt, 'Ich frage mich, warum die sich nicht bei uns melden.'

 
Die Heliopause des
Cideron-Systems lag bereits seit knapp einer Woche hinter ihnen und die Colossus befand sich seitdem in der Beschleunigungsphase, um die fünfzigprozentige Lichtgeschwindigkeit zu erreichen, die für das "Eintauchen" in den interdimensionalen Raum notwendig war. Bis auf eine für die Kontrolle der Schiffstechnik notwendige Wachmannschaft befand sich jetzt der größte Teil der Besatzung im Tiefschlaf, während das große Raumschiff immer schneller werdend durch das All raste.

 

 
  "Langsam wird es aber höchste Zeit, dass sich die Magal bei uns melden", brummte Oberleutnant Carstens missmutig, als die
Colossus aus dem zweiten Diving nach dem Halt im Cideron-System wieder in den Normalraum zurückgekehrt war.

Im Gegensatz zum sonst üblichen Verfahren nach dem "Wiederauftauchen" blieben die Bremstriebwerke inaktiv, sodass die Colossus mit einer nur wenig geringeren Geschwindigkeit als vor dem Diving durch die dunkle Leere raste. Kapitän Clifford hatte dies so angeordnet, um nach dem Aufladen des Tachyonenfelderzeugers nicht wieder wochenlang beschleunigen zu müssen. Außerdem wurde die Gesamtreisezeit durch diese Vorgehensweise um gut ein Dreivierteljahr verkürzt.

  "Mit dem nächsten Diving springen wir in unerforschtes Raumgebiet", sprach Kurt Carstens weiter, "Nach unseren astronomischen Daten soll das zwar leerer Raum sein, aber das heißt ja noch lange nicht, dass da nicht doch ein paar Hindernisse 'rumschwirren. Wäre nicht so toll, wenn wir da mit irgendeinem Objekt zusammenkrachen."

  "Wir werden das Operating-System so programmieren", beruhigte ihn Tanja Rion, "dass es sofort die Energieschilde auf Maximum hochfährt, sobald wir aus dem Interdim-Raum herauskommen. Das SSOS (Starship Operating System) braucht ja nicht erst wieder aufgewärmt zu werden, um funktionsfähig zu sein - ganz im Gegensatz zu uns."

  "Brrr...", machte Kurt Carstens und schüttelte sich, "Ich hasse es, mich nach jedem Diving wie ein Stück tiefgekühltes Fleisch zu fühlen. Manchmal dauert es Stunden, bis mir endlich wieder richtig warm ist. Darauf könnte ich wirklich gut verzichten."

  "Wenn es stimmt, was die Wissenschaftler behaupten", meinte Tanja Rion, "dann findet im Interdim-Raum überhaupt nichts statt, was als Zeit interpretierbar wäre. Also bleiben dort auch alle physischen Vorgänge einfach stehen. Im Interdim-Raum sind wir praktisch wie eingefroren. Da ist es kein Wunder, dass es uns danach schweinekalt ist."

  "Ich hab' schon oft versucht, die Theorien über den interdimensionalen Raum wenigstens halbwegs zu verstehen", gestand der 1.Offizier ein, "aber ich habe es inzwischen aufgegeben. Es will mir nämlich einfach nicht in den Kopf, dass es dort überhaupt keine Zeit geben soll. Das ist mir schlichtweg zu hoch."

  "Wenn es dort überhaupt etwas gibt, das man als Äquivalent von Zeit betrachten könnte, dann verhält es sich jedenfalls völlig anders als alles, was wir im Allgemeinen unter Zeit verstehen", erklärte die Schiffsingenieurin und fügte hinzu: "Aber wenn es nicht so wäre, dann wären wir auch heute nicht imstande, durch die Galaxis zu reisen. Ich finde, dass das die Unannehmlichkeiten mehr als wettmacht."

 

  "Kontakt!" brüllte plötzlich der Mann im angrenzenden Besprechungsraum, der die Aufgabe hatte, den Ringempfänger im Auge zu behalten, "Die Magal rufen uns!"

 

 
Kapitän Clifford musste zwar nicht aus dem Tiefschlaf geholt werden, aber er hatte sich während seiner Ruhezeit eigentlich ein paar Stündchen Schlaf gönnen wollen. Doch kaum war er eingeschlafen, da wurde er schon wieder geweckt und fühlte sich daraufhin wie gerädert. So machte er auch keinen besonders ausgeschlafenen Eindruck, als er mit zerzausten Haaren und müde blinzelnden Augen in der Kommandozentrale erschien und zum Ringempfänger eilte.

In der Wiedergabe-Linse war die Gestalt eines Wesens zu sehen, das den Menschen als Magal bekannt war. Auf den ersten Blick sah das Alien humanoid aus, doch wenn man genauer hin sah, konnte man sehen, dass seine Beine eher den Hinterläufen eines Vierbeiners glichen. Dort, wo sich bei einem Menschen das Knie befand, war bei diesem Geschöpf ein nach hinten geknicktes Gelenk. Die Arme des Wesens besaßen jeweils zwei unterschiedlich gewinkelte Ellenbögen und seine Greifglieder endeten in drei langen mehrgelenkigen Fingern. Sein überproportional groß wirkender Schädel hatte ein entfernt menschlich erscheinendes Gesicht, doch die übergroßen Augen, die fühlerartigen Auswüchse über der Stirn und die riesigen Fledermaus-Ohren an den Seiten hoben seine Fremdartigkeit mehr als deutlich hervor.

Tex Clifford vermochte nicht zu sagen, ob er diesem Wesen bei seinem letzten Kontakt mit den Magal schon persönlich begegnet war, denn dazu kannte er die Physiognomie dieser Spezies nicht gut genug. Er stellte sich so vor die Sendersonde, dass deren unsichtbare Sensoren ihn gut erfassen konnten, damit sein Gesprächspartner ihn ebenso gut in seinem Ring sehen konnte wie er ihn. Als er erkannte, dass sich der Magal einen der kleinen, würfelförmigen Translatoren an die Stirn geheftet hatte, holte er sofort ein identisches Gerät aus seiner Hosentasche und heftete es sich an die Schläfe. Mit diesen kleinen selbsthaftenden Würfeln konnten Tonfolgen einer fremden Sprache übersetzt und wie Gedanken direkt ins Gehirn übertragen werden. Die Colossus hatte von ihrer letzten Begegnung mit den Magal Hunderte dieser kleinen technischen Wunderwerke mitgebracht. Es hatte sich herausgestellt, dass sie wie Universal-Übersetzer funktionierten und - nach einer kurzen Lernphase - auch bei vielen anderen nichtmenschlichen Spezies die Kommunikation erheblich erleichterten.

  "Es freut mich sehr, dass ihr euch endlich meldet", sprach er das Wesen an, dessen Abbild Zehntausende Lichtjahre weit durch den interdimensionalen Raum gesendet wurde, "Wir haben uns schon Sorgen gemacht."

Der Magal sagte etwas in seiner Sprache und im selben Moment 'hörte' Tex Clifford die übersetzten Worte in seinem Kopf, als würde er sie selbst denken.

  "Es gab Schwierigkeiten, euren Ring zu finden", erklärte das Wesen, "Wir wussten nicht, dass ihr bereits zu uns unterwegs seid."

  "Das sind wir in der Tat", bestätigte Tex Clifford nickend, "Aber ihr wisst sicher, dass wir noch lange brauchen werden, bis wir bei euch sein können. Wir haben gehofft, dass ihr uns wieder helfen könnt, schneller zu euch zu kommen."

  "Das können wir leider nicht mehr", antwortete der Magal, während auf seinem Gesicht ein Ausdruck erschien, der wahrscheinlich Bedauern zeigen sollte, "Wir verfügen nicht mehr über die technischen Möglichkeiten, die wir auf unserer einstigen Archiv-Welt hatten. Aber wir können euch die Koordinaten aller Raumsektoren senden, die vor euch liegen und in denen ihr ohne Gefahr aus dem 'Dazwischen' in das obere Raumgefüge zurückkommen könnt."

  "Das wäre sehr hilfreich", antwortete Kapitän Clifford.

Er sah, wie der Magal zur Seite blickte und jemandem ein Zeichen gab, der sich außerhalb der Bilderfassung befand.

  "Die Daten werden in den Speicher eures Ringes übertragen", erklärte das Wesen kurz darauf. Dann hielt es eine runde Scheibe hoch, auf der ein Symbol zu sehen war, das ein Rechteck darstellte, welches einen kleineren Kreis umrahmte.

  "Jedes Mal, wenn ihr dieses Zeichen unten am Rand des Ringes berührt", erklärte der Magal, "werden euch die Koordinaten in eurem eigenen Zahlensystem angezeigt - ausgehend von der Position der großen Raumstation, die ihr Conway-Outbase nennt."

  "Wir danken euch", antwortete der Kapitän, "Es ist zwar bedauerlich, dass ihr unsere Reisedauer nicht verkürzen könnt, aber die Daten sind trotzdem eine große Hilfe."

Der Magal senkte in einer sehr menschlich anmutenden Geste den Kopf und sprach: "Wir sind es, die in eurer Schuld stehen. Es war ein großes Glück für unser Volk, dass wir eurer Spezies begegnet sind."

  "Naja... ", winkte Tex Clifford bescheiden ab, "so ganz ohne Eigennutz sind wir Menschen aber nun auch nicht."

  "Natürlich wissen wir, dass ihr nicht uneigennützig handelt und auch auf euren Vorteil bedacht seid", erwiderte sein Gesprächspartner und fuhr fort: "Aber dennoch ist eure Hilfsbereitschaft beeindruckend. Wenn ihr bei uns seid, wird alles Wissen, das wir und unsere Vorgänger gesammelt haben, auch euch Menschen gehören. Denn wir glauben, dass es die Menschen sind, die einmal unsere Nachfolge antreten werden, wenn unser Volk vergangen ist."

Dann verblasste das Bild des Wesens und die Wiedergabe-Linse zeigte nur noch eine schwarze Fläche, auf der jetzt leuchtende Zahlenkolonnen zu sehen waren: die Koordinaten der Raumsektoren, in denen der Wiedereintritt in das normale Raumzeit-Kontinuum gefahrlos war.

  "Wow!" machte Tex Clifford verblüfft, "Das sind ja erfreuliche Aussichten. Wir scheinen ja wirklich Eindruck auf die Magal zu machen."

  "Vielleicht sollten wir Senatorin Canberas darüber informieren", bemerkte Kurt Carstens beiläufig.

  "Ist die denn überhaupt wach?" fragte der Kapitän, "Ich dachte, die hätte es vorgezogen, die ganze Reise im Tiefschlaf zu verbringen."

  "Wir könnten sie wecken", schlug der 1.Offizier vor, "In zwei Stunden wäre sie wieder putzmunter."

  "Nein", winkte der Kapitän ab, "Je länger ich mich nicht mit Politikern abgeben muss, desto besser."

 

 
Das letzte Diving war überstanden und die
Colossus war wieder aus dem Interdim-Raum in das einsteinsche Raumzeit-Kontinuum zurückgeworfen worden. Während die Leistung des Hauptantriebs auf Null herunter gefahren wurde, traten nun die Bremstriebwerke in Aktion, um die rasende Vorwärtsbewegung des großen Raumschiffs allmählich zu verringern.

Weit vor der Colossus war eine Sonne vom Sol-Typ auszumachen, die von jener Welt umkreist wurde, auf der das Volk der Magal Zuflucht gefunden hatte. Der Einfachheit halber hatte man dem System kurzerhand die Bezeichnung Refuge verliehen, da kein Mensch den Namen aussprechen konnte, den die Magal dafür verwendeten.

Diese hatten sich nach dem letzten Kontakt nicht wieder gemeldet, was aber niemanden sonderlich beunruhigte. Doch nun fand es Kapitän Clifford ein wenig seltsam, dass die Magal weiterhin still blieben, obwohl sich die Colossus schon im Anflug auf ihr System befand. Eigentlich hatte er erwartet, dass die Magal sich jetzt wieder über den Ringempfänger bemerkbar machen würden.

  "Ein paar warme Worte zur Begrüßung wären eigentlich ganz nett gewesen", brummelte er etwas verstimmt.

  "Vielleicht warten sie damit, bis wir ins System einfliegen", meinte der 1.Offizier gleichmütig, "Schließlich dauert es noch fast drei Wochen, bis wir dort sind. Kann ja sein, dass sie es jetzt noch nicht für nötig halten."

Der Kapitän wandte sich an den Operator, der für die Überwachung des Ringempfängers zuständig war.

  "Stellen Sie unser Gerät auf den Ring von Conway-Outbase ein", befahl er, "Sobald die Verbindung steht, melden Sie denen, dass wir im Anflug auf das Refuge-System sind und bei uns alles okay ist."

  "Sollen wir die Senatorin jetzt aus dem Tiefschlaf holen?" erkundigte sich Kurt Carstens mit einem süffisanten Grinsen.

Der Kapitän verzog das Gesicht und schüttelte den Kopf.

  "Nein", entschied er, "Damit warten wir, bis wir den Magal-Planeten erreicht haben. Lassen wir die holde Dame noch eine Weile schlummern."

 

 
Die orange-gelbe, sol-ähnliche Sonne des
Refuge-Systems wurde von fünf Planeten umkreist, von denen der Zweite nicht nur eine dichte Atmosphäre besaß, sondern auch den richtigen Abstand zu seinem Zentralgestirn hatte, um Leben zu ermöglichen. Während der innerste Planet wegen seiner Nähe zur Sonne eine kochende Gluthölle war, stellten der Dritte und Vierte nur Felskugeln dar, die von einem dicken Eispanzer bedeckt waren. Die Äußerste der fünf Welten war ein rötlich leuchtender Gasriese von doppelter Jupitergröße. Weit dahinter erstreckte sich in der Randzone des Systems ein breiter Kuiper-Gürtel aus Asteroiden und Eisbrocken. Am inneren Rand dieses Gürtels bewegten sich zwei Kleinstplaneten, die aber groß genug waren, dass sie aufgrund ihrer Masse Kugelform gebildet hatten. Tex Clifford nahm an, dass die Magal planten, einen dieser Plutoiden auszuhöhlen, um dann ihr riesiges Wissensarchiv in seinem Innern unterzubringen.

Die einzige lebensfreundliche Welt des Refuge-Systems war zugleich auch die schönste, denn sie leuchtete wie ein türkisfarbener Edelstein in der Schwärze des Alls. Hier hatten die Magal Zuflucht gesucht, als ihre künstlich geschaffene Archiv-Welt dem Untergang geweiht war. Und hierher waren auch Millionen von Datenspeichern gebracht worden, um Jahrtausende altes Wissen vor der Vernichtung zu retten. Die Colossus hatte dabei einen wesentlichen Beitrag geleistet und den Magal damit einen großen Dienst erwiesen.

 
Das große Frachtraumschiff drang "oberhalb" der Ekliptik in das
Refuge-System ein und nahm von dort aus direkten Kurs auf den Magal-Planeten. Aber etwas schien hier nicht so zu sein wie es sein sollte. Denn obwohl die Colossus die Magal jetzt ununterbrochen mit konventionellem Funk zu erreichen versuchte, kam von diesen immer noch keine Antwort.

  "Keine Raumschiffe im Orbit von Refuge-II", meldete jetzt die diensthabende Teamleiterin der Raumaufklärung.

Kapitän Clifford runzelte ungläubig die Stirn.

  "Kein einziges?" fragte er, "Die Magal hatten mehr als hundert robotgesteuerte Raumschiffe. Wo sind die denn alle abgeblieben?"

  "Vielleicht sind alle irgendwo in der Galaxis unterwegs", mutmaßte der 1.Offizier.

  "Alle auf einmal?" hielt der Kapitän dagegen, "Kann ich mir nicht vorstellen."

  "Da sind jede Menge kleinerer Objekte im Orbit", meldete sich die Ortungsgruppe wieder, "Keine Energieanzeigen. Unregelmäßige Größe und Form. Könnten Trümmerstücke sein."

  "Trümmer?" entfuhr es Kapitän Clifford erschrocken, "Und die Magal antworten nicht? Ich fürchte, hier ist irgend'was Schlimmeres passiert."

  "So ein Scheiß!" gab der 1.Offizier ärgerlich von sich und wandte sich an den Piloten: "Wie lange noch, bis wir da sind?"

  "Neunundvierzig Stunden", lautete dessen Antwort, "Wir sind schon in der Bremsphase. Beschleunigen kann ich jetzt nicht mehr, sonst flitzen wir am Planeten vorbei und müssen dann 'ne Ehrenrunde durch das halbe System drehen."

  "Lassen Sie sofort alle Leute aus dem Tiefschlaf holen", befahl der Tex Clifford seinem Stellvertreter und fügte hinzu: "Auch die Senatorin und ihre Leute. Wenn es hier Schwierigkeiten gibt, sollten es alle an Bord wissen."

 

 

  "Meine Güte!" stieß Kurt Carstens entgeistert aus, "Die sind nicht nur zusammengeschossen worden, die wurden ja regelrecht zerfetzt!"

Von den Raumschiffen der Magal waren nur noch große Haufen aus Metallfragmenten übrig geblieben, die jetzt als Trümmerwolken im Orbit kreisten. Mit großer Wahrscheinlichkeit war ein Teil davon bereits auf den Planeten hinab gestürzt und vermutlich in dessen Atmosphäre verglüht.

Die Colossus war inzwischen in eine Umlaufbahn um den Magal-Planeten eingeschwenkt und ihre Scanner hatten begonnen, die unter ihr liegende Oberfläche abzusuchen. Kapitän Clifford hoffte zwar, dass es da unten noch Überlebende dieses verheerenden Angriffs gab, aber angesichts der völlig vernichteten Raumflotte musste er befürchten, dass die unbekannten Angreifer auch die Magal-Kolonie restlos ausgelöscht hatten. Dass die meisten Trümmerteile im Orbit von den "Flügeldildos" der Magal stammen mussten, hatten die Radaristen des Ortungsteams schnell herausgefunden. Aber es gab auch Trümmerteile, deren Materialstruktur nicht den Magal-Raumschiffen zugeordnet werden konnte. Ein Zeichen dafür, dass sich die Robotraumer gegen die Angreifer zur Wehr gesetzt hatten, auch wenn sie dabei nicht besonders erfolgreich gewesen waren. Die Ortungsspezialisten stellten verblüfft fest, dass die fremden Trümmerstücke eine dicke Beschichtung aus Gesteinsmasse oder einer Art Beton hatten. Aber sie konnten nicht beurteilen, ob es sich dabei nur um einen Schutz oder gar um eine Tarnung handelte.

  "Verdammt - verdammt - verdammt!" stieß Tex Clifford hervor, erschüttert und wütend zugleich, "Das hier war eine gut bewaffnete Raumflotte. Was für ein Feind hat die bloß so in Stücke hauen können?"

  "Entweder waren die Angreifer ihnen weit überlegen", murmelte der 1.Offizier mit bleichem Gesicht, "oder der Angriff kam so überraschend, dass sie keine Chance mehr hatten, sich erfolgreich zu verteidigen."

Der Kapitän wandte sich an die Ortungsgruppe: "Gibt es da unten Anzeichen für Überlebende?"

  "Können wir erst sagen, wenn wir über der Magal-Siedlung sind", antwortete die Leitende des Ortungsteams, "Unser Infrarot erfasst zwar jede Menge an kleinen, beweglichen Wärmequellen, aber das dürften nur Lebensformen der hiesigen Tierwelt sein. In ein paar Minuten sind wir über dem Gebiet, in dem die Siedlung liegen sollte. Dann werden wir mehr wissen."

  "Bringen Sie das Schiff in einen geostationären Orbit über den Koordinaten der Kolonie", befahl Tex Clifford dem Piloten, "Wenn wir in Position sind, schicken wir einen Jäger nach unten, der sich das Gebiet genauer ansehen soll."

  "Wir sollten zuerst die Trümmer, die uns im Weg sind, mit den Lasern verdampfen", bemerkte der Maat an der Feuerleitstation.

  "Schießen Sie alles ab, was uns zu nahe kommen könnte", stimmte ihm der Kapitän zu, "Aber lassen Sie ein paar von den Fragmenten übrig, die nicht von den Magal-Schiffen stammen. Davon müssen wir noch welche einsammeln und untersuchen können."

An den 1.Offizier gerichtet fuhr er fort: "Das leitende Personal soll sich in der Kantine versammeln. Auch Senatorin Canberas und die Offiziere der Begleitfregatten. Wir müssen beraten, was wir jetzt tun sollen."

  "Sollten wir nicht damit warten, bis wir wissen, ob es Überlebende gibt?" wandte der Angesprochene ein.

Kapitän Clifford überlegte kurz, kam zu der Erkenntnis, dass sein Stellvertreter recht hatte und meinte schließlich: "Wir warten, bis der Jäger seinen Erkundungsflug gemacht hat. Dann werden wir mehr wissen."

Leise fügte er hinzu: "Ich hoffe zwar sehr, dass es da unten noch lebende Magal gibt. Aber wer auch immer diese Flotte vernichtet hat, der hatte mit Sicherheit die Absicht, die Magal-Kolonie auszulöschen. Wir müssen leider mit dem Schlimmsten rechnen."

 

 
Als ihr Raumjäger in die tieferen Schichten der Lufthülle abgesunken war, fuhr Marisa Ontesi die Zusatztragflächen aus, um die Atmosphären-Flugtauglichkeit des Jägers zu optimieren. In etwa vierzehn Kilometern Höhe zog sie ihre Maschine in eine lange Kehre, um dabei noch tiefer zu gehen und dann Kurs auf das Gebiet zu nehmen, in dem die Magal sich angesiedelt hatten. Es dauerte nicht lange, dann raste sie bereits im Tiefflug über das breite, aber dennoch sehr lang gestreckte Tal zwischen zwei dicht bewachsenen Berghängen hinweg, in dem die Magal ihre neuen Heimstätten errichtet hatten. Unter ihr lagen die rauchgeschwärzten Trümmer einer großen Stadt und Marisa Ontesi konnte sofort sehen, dass es da unten kaum noch ein Gebäude gab, welches keine Spuren der Zerstörung aufwies.

Es musste eine prächtige Stadt gewesen sein, die aus den ursprünglich behelfsmäßigen Unterkünften der Magal-Flüchtlinge entstanden war. Aber von ihrer Pracht war jetzt nichts mehr übrig geblieben.

Die Jägerpilotin ließ die Kameras laufen, um die Bilder der Verwüstung aufzuzeichnen und direkt an die Colossus zu senden. Als ihre Maschine über dem Ende des großen Tales angelangt war, flog sie eine enge Schleife, um dann ein zweites Mal mit geringerem Tempo über die zerstörte Stadt hinweg zu fliegen. Sie konnte erkennen, dass einige Stadtteile offensichtlich von oben beschossen oder bombardiert worden waren, was die dort stehenden Gebäude förmlich pulverisiert hatte. Aber die Pilotin konnte auch Stadtviertel sehen, in denen die meist kegelförmigen Bauwerke immer noch standen, auch wenn es jetzt nicht viel mehr als ausgebrannte Ruinen waren.

Für einen kurzen Moment glaubte sie Bewegungen zwischen den Ruinen wahrzunehmen, war sich dessen aber nicht sicher. Also flog sie ein drittes Mal über die zerstörte Stadt hinweg, konnte jedoch nichts entdecken, was auf Überlebende hinwies. Aber die Aufnahmen der beiden Hochgeschwindigkeitskameras und des Infrarot-Scanners würden ohnehin Aufschluss darüber geben, ob es tatsächlich noch etwas Lebendiges in dieser Ruinenlandschaft gab.

Marisa Ontesi vergewisserte sich, dass die Aufnahmen an die Colossus gesendet waren, dann sah sie ihren Auftrag als erfüllt an und zog ihren Raumjäger nach oben, um die Atmosphäre des Planeten zu verlassen und zum wartenden Raumfrachter zurückzukehren.

 

 
Thera Larssen war lange genug Assistentin der Senatorin, um zu wissen, dass diese nach dem Aufwachen gewöhnlich nicht besonders gut gelaunt war. Sie konnte also getrost davon ausgehen, dass dies auch nach einem monatelangen Tiefschlaf nicht viel besser war. Aber da sie selbst nach dem Aufstehen auch nicht gerade ein Ausbund an Fröhlichkeit war, hatte sie dafür volles Verständnis. Sie war ebenso ein "Morgenmuffel" wie die Senatorin und wahrscheinlich trug dieser Umstand sogar dazu bei, dass sich die beiden Frauen so gut verstanden.

Als sie in die geräumige und komfortabel eingerichtete Unterkunft ihrer Chefin trat, stand diese gerade vor dem Spiegel und kämmte ihr langes schwarzes Haar, das ihr bis weit über die Schulterblätter hinaus auf den Rücken fiel. Natürlich trug sie auch jetzt wieder eine ihrer hautengen Kombinationen, diesmal eine knallrote, deren Oberteil wie gewohnt ein ziemlich "offenherziges" Dekolleté hatte.

Thera Larssen wusste, dass die Senatorin ihre Attraktivität und ganz besonders ihren Sex-Appeal ganz bewusst und gezielt einsetzte, um sich so vor allem bei Männern einen psychologischen Vorteil zu verschaffen. So schaffte sie es gewöhnlich, ihren Willen durchzusetzen und bislang war ihr das auch in den meisten Fällen gelungen.

  "Komm' herein, Thera", begrüßte Melina Canberas ihre Assistentin, die an der Tür stehen geblieben war, "Ich bin gleich fertig."

  "Der Steward sagt, dass es in der Bordkantine Frühstück gibt", erklärte Thera Larssen, "Wenn wir es wünschen, kann er es aber auch hierher bringen."

  "Ich hab' zwar schon diese Nährlösung mit Stärkungsmitteln getrunken", antwortete die Senatorin, während sie ihre Figur kritisch im Spiegel begutachtete, "aber dieses geschmacklose Zeug macht irgendwie nicht richtig satt. Wir werden unser Frühstück in der Kantine zu uns nehmen. Dann lerne ich auch ein paar Leute der Besatzung kennen."

  "Kapitän Clifford hat ohnehin eine Konferenz in der Kantine einberufen", erklärte die Assistentin, "In etwa einer Stunde. Er hat darum gebeten, dass auch wir dabei sind."

  "Eine Konferenz?" wunderte sich Melina Canberas, "Weißt du, worum es geht?"

  "Nicht so richtig", bedauerte Thera Larssen, "aber der Steward deutete an, dass es Probleme gibt. Die Magal reagieren nicht auf unsere Funkrufe. Mehr konnte mir der Mann aber auch nicht sagen."

  "Dann hoffe ich mal, dass unser Käpt'n etwas mehr weiß", brummelte die Schwarzhaarige unwirsch und fragte dann: "Was hältst du eigentlich von diesem Kapitän?"

  "Ich hab' zwar noch nicht viel mit ihm zu tun gehabt, aber es scheint ein ganz passabler Typ zu sein", antwortete Thera Larssen, "Groß, körperlich fit, einigermaßen gut aussehend und sicherlich auch kein Dummkopf."

  "Ein Dummkopf würde auch ganz gewiss kein Großraumschiff kommandieren", meinte die Senatorin, "Zumindest nicht allzu lange."

  "Du hast ihn allerdings bei deinem ersten Auftritt ganz schön in Verlegenheit gebracht", bemerkte ihre Assistentin schmunzelnd.

  "War ja auch meine Absicht", erwiderte Melina Canberas und konnte sich ein schadenfrohes Grinsen nicht verkneifen, "Ich schätze es sehr, wenn ich die Kerle ein wenig aus dem Gleichgewicht bringen kann. Das macht es leichter, sie dahin zu lenken, wohin ich sie haben will."

Sie machte eine wegwischende Handbewegung.

  "Genug davon. Lass' uns frühstücken. Sind unsere Bodyguards schon da?"

  "Warten draußen auf dem Gang", lautete die Antwort.

  "Dann lass' uns gehen", entschied die Senatorin, "Erstens habe ich Hunger und zweitens will ich wissen, was uns der Herr Kapitän zu sagen hat."

 

 
Melina Canberas und ihre Begleiter waren gerade mit dem Frühstück fertig, als die Teamleiter der verschiedenen Arbeitsgruppen, der Lademeister und die Söldner-Offiziere der Begleitfregatten hereinkamen. Kurz nach ihnen tauchte auch Professor Tao-Liang auf, der Leiter der wissenschaftlichen Abteilung, begleitet von einer außergewöhnlich schönen Frau mit bronzefarbener Haut und silberglänzenden Haaren.

  "Was macht denn eine Gismari auf der Colossus?" wunderte sich die Senatorin, "Ich dachte, wir wären die einzigen Passagiere an Bord."

  "Sie ist kein Passagier, sie gehört zur Besatzung", klärte Thera Larssen sie auf, "Die Gismari verstehen sich hervorragend auf die Übersetzung von Navigationsdateien des untergegangenen Rahindi-Reiches. Sie verwenden ähnliche Schriftzeichen und Symbole, denn schließlich sind sie Nachfahren der rahindischen Flüchtlinge, die sich vor zweitausend Jahren retten konnten. Seitdem die erbeuteten Rahindi-Dateien von Prospektorenschiffen und Fernfrachtern genutzt werden, heuert man auf diesen Schiffen auch Gismari für die Auswertung der Daten an. Sogar die RFB soll auf ihren Explorerschiffen Gismari beschäftigen - natürlich nur inoffiziell."

  'Das gefällt mir nicht', dachte Melina Canberas in plötzlicher Verstimmung, denn sie spürte instinktiv, dass diese Alien-Frau eine ernst zu nehmende Konkurrenz für sie darstellte. Der Senatorin war bekannt, dass die Frauen bei den Gismari das dominierende Geschlecht waren und ihre Pheromone nicht nur bewusst, sondern auch gezielt einsetzen konnten. Während die männlichen Gismari dagegen eine gewisse, wenn auch nur begrenzte Immunität entwickelt hatten, konnten Menschen der Wirkung dieser Botenstoffe nur in wenigen Ausnahmefällen widerstehen - was vor allem für Männer galt. Melina Canberas beneidete die Gismari-Frauen um diese Fähigkeit. Sie würde bedenkenlos ihre Seele verkaufen oder sogar einen Mord begehen, wenn sie dadurch in den Besitz dieser Macht gelangen könnte.

Die nächsten Worte ihrer Assistentin aber waren für sie wie ein Schlag in die Magengrube: "Soviel ich mitbekommen habe, soll sie mit dem Kapitän liiert sein."

  'Verdammt!' schoss es ihr durchs Hirn, 'Damit kann ich's wohl vergessen, den Käpt'n zu kontrollieren. So ein Mist!'

Ihre wenig freundlichen Gedankengänge wurden unterbrochen, als Kapitän Clifford und seine Schiffsoffiziere hereinkamen.

Der Kommandant der Colossus hielt sich nicht mit langen Vorreden aus, nachdem er einen kurzen Blick in die Runde geworfen hatte.

  "Meine Damen und Herren", begann er, "Wir mussten leider feststellen, dass die Magal einem Angriff zum Opfer gefallen sind. Nicht nur ihre Raumschiffe im Orbit wurden vernichtet, sondern auch ihre Kolonie auf Refuge-II."

Er zeigte auf die große Bildschirmfläche in der Rückwand der Kantine, die normalerweise eine Außensicht auf den umgebenden Weltraum zeigte. Jetzt erschienen darin die Aufnahmen, die Marisa Ontesi auf ihrem Erkundungsflug gemacht hatte.

  "Sie sehen", fuhr der Kapitän fort, "dass von der Stadt der Magal nicht allzu viel übrig geblieben ist."

  "Das war aber kein kompletter Orbitalschlag", bemerkte Manfred Pizarro, Commander der zweiten Fregatte, "Sonst würden da keine Ruinen mehr stehen."

  "Das ist richtig, Commander", stimmte ihm der Kapitän zu, "Offensichtlich wurden nur einzelne Stadtteile bombardiert und damit völlig ausradiert. Vermutlich befanden sich dort die Anlagen zur Energieversorgung der Stadt, die von den Angreifern gezielt ausgeschaltet wurden. Die Zerstörungen in den anderen Stadtvierteln stammen nach meiner Einschätzung von Bodentruppen."

  "So ein Scheiß", gab Lademeister Renrew mürrisch von sich, "Das war's dann wohl mit unserer Mission. Wir sind leider zu spät gekommen."

  "Wahrscheinlich war das unser Glück", antwortete der Kapitän, "denn wenn wir hier gewesen wären, als der Angriff stattfand, dann gäbe es uns nicht mehr. Ein Feind, der eine ganze Flotte bewaffneter Raumschiffe völlig auslöschen konnte, hätte auch von der Colossus nichts übrig gelassen."

  "Gibt es Anzeichen, dass es Überlebende gibt?" wollte Commander Albarez wissen, der die dritte Begleitfregatte befehligte.

  "Die Infrarot-Scans des Erkundungsfluges zeigen, dass sich Lebewesen zwischen den Ruinen aufhalten", erklärte jetzt der 1.Offizier, "Es gibt aber keine visuelle Aufnahmen. Deshalb wissen wir nicht, ob es sich um überlebende Magal handelt oder nur um Tiere, die in den Ruinen nach Beute suchen."

  "Was gedenken Sie nun zu tun, Herr Kapitän?" machte sich jetzt Senatorin Canberas mit erhobener Stimme bemerkbar, "Wollen Sie die Mission abbrechen und unverrichteter Dinge zurückfliegen? Oder wollen Sie wenigstens herausfinden, was aus dem Wissensarchiv der Magal geworden ist? Wenn wir auch den Magal nicht mehr helfen können, so sollten wir doch zumindest versuchen, ihre Datenspeicher zu bergen. Das gesammelte Wissen der Magal ist viel zu wertvoll, als dass wir es aufgeben können."

  'Für Politiker ist es wohl auch wertvoller als überlebende Magal', dachte Tex Clifford verärgert und antwortete: "Zunächst geht es darum, nach Überlebenden zu suchen. Nur von denen können wir erfahren, was hier passiert ist. Danach können wir immer noch nach den Datenspeichern suchen."

Er wandte sich den vier Kommandanten der Begleitfregatten zu.

  "Jeder von Ihnen schickt ein Landekommando nach unten", befahl er, "Sie teilen sich auf Areale auf, um diese systematisch zu durchsuchen. Primäres Ziel ist das Finden und Bergen von Überlebenden."

Mit einem Seitenblick auf die Senatorin setzte er hinzu: "Um alles andere kümmern wir uns danach."

 

 
Jede der vier Begleitfregatten, die sich inzwischen von der
Colossus abgekoppelt hatten, schickte ihre beiden Raumkampfboote mit je einem zwölfköpfigen Einsatzkommando auf den Planeten hinunter.

Die acht Raumboote, Spezialkonstruktionen für Enter- und Landeoperationen, die sowohl für den Weltraum als auch für den Flug in einer Atmosphäre geeignet waren, landeten paarweise an vier verschiedenen Stellen in den Außenbezirken der zerstörten Stadt, um dort die Einsatzkommandos abzusetzen.

Während die Landetrupps von außen in Richtung Zentrum vordrangen, hoben die Raumboote wieder vom Boden ab und begannen in niedriger Höhe über der Magal-Stadt zu kreisen, um diese systematisch von oben abzusuchen. Gleichzeitig konnten sie so den Landekommandos helfen, sich zu orientieren und sie durch die von Trümmerstücken übersäten Straßen lotsen.

Die vier Fregatten-Kommandanten hatten die Führung der Landetrupps persönlich übernommen und drangen jetzt an der Spitze ihrer Leute in die Stadt ein. Bereits nach wenigen Minuten stieß die Truppe von Commander Ernest Albarez in ihrem Abschnitt auf Lebewesen, die sich zwischen den Ruinen herumtrieben. Aber es war schnell klar, dass es sich nicht um überlebende Stadtbewohner handelte, sondern um Raubtiere, die in die Stadt eingedrungen waren und auf der Jagd nach Beute waren. Die Biester wirkten wie zwei Meter lange Tausendfüßler, deren Köpfe fast nur aus kräftigen Kiefern mit nadelspitzen Zähnen zu bestehen schienen und deren hinteres Ende mit zwei unterarmlangen, gefährlich aussehenden Stacheln versehen waren.

Ohne die Infrarot-Anzeigen ihrer Helmvisiere wären die Söldner den Biestern wahrscheinlich in die Falle gegangen, denn über ein Dutzend dieser Raubtiere hatte sich zwischen den Ruinen versteckt und dem vorrückenden Landekommando aufgelauert. Aber ihre Körper strahlten Wärme ab und so wurden sie entdeckt, bevor sie sich auf die Infanteristen stürzen konnten. Als sie mit beachtlicher Schnelligkeit aus ihren Verstecken stürmten, um sich auf ihre vermeintlichen Opfer zu stürzen, wurden die meisten von Salven aus stecknadelkopfgroßen Thermo-Sprenggeschossen in Stücke gerissen. Der Rest ergriff daraufhin die Flucht und verschwand wieder zwischen den teilweise eingestürzten Gemäuern. Von nun an gingen die Söldner noch vorsichtiger vor, denn keiner von ihnen hatte Lust, als Futter dieser Biester zu enden. Etwa eine halbe Stunde später stießen sie auf die Überreste von Magal, die offensichtlich von diesen Bestien getötet und gefressen worden waren.

Auch die drei anderen Landetrupps wurden attackiert, aber auch sie konnten die räuberischen Kreaturen ohne große Mühe zurückschlagen. Danach schienen die Biester genau zu wissen, dass die schwer bewaffneten Infanteristen keine leichte Beute waren und trauten sich nicht mehr, die Einsatzgruppen anzugreifen. Sie schienen sogar intelligent genug zu sein, sich sofort zurückzuziehen, wenn die Söldner sich ihnen näherten, was auf den Infrarot-Anzeigen deutlich zu erkennen war.

Aber die Magal, auf deren zerfetzte Überreste man jetzt immer häufiger stieß, hatten offenbar nicht so viel Glück gehabt. Sie hatten wohl den Angriff auf ihre Stadt überlebt, doch dann waren sie offensichtlich den eingedrungenen Raubkreaturen zum Opfer gefallen.

Die Frauen und Männer der Landekommandos begannen zu befürchten, dass sie in der zerstörten Stadt keine lebenden Magal mehr finden würden.

 

 
Tex Clifford fluchte erbittert, als er die Videoanzeigen zu sehen bekam, die von den Landetruppen direkt zur
Colossus hinauf gesendet wurden. Die Wahrscheinlichkeit, da unten noch Überlebende zu finden, wurde von Minute zu Minute geringer.

Doch dann meldete sich das Ortungsteam, das die Magal-Stadt weiterhin mit den hochempfindlichen Messgeräten des Raumschiffes vom Orbit aus absuchte.

  "Die Einsatzgruppen sollten sich im Norden der Stadt umsehen", wurde dem Kapitän mitgeteilt, "Dort befindet sich ein weitgehend intakter Gebäudetrakt. Unser Infrarot zeigt darin eine größere Anzahl beweglicher Wärmequellen. Es könnte sein, dass es Magal sind, die dort Schutz gesucht haben."

Der Kapitän nickte dem 1.Offizier zu, worauf dieser sofort mit den Landetrupps Verbindung aufnahm. Kurz darauf nahmen zwei der Raumboote Kurs auf das angegebene Stadtviertel, um es genauer mit den Scannern abzutasten. Tatsächlich befanden sich im Norden der Stadt zwei niedrige, kuppelförmige Gebäude, die nur geringe Beschädigungen aufwiesen. Und im Innern dieser Kuppelbauten hielten sich anscheinend mehr als hundert Lebewesen auf.

Ein Funkruf an die Bodeneinheiten sorgte dafür, dass diese sich auf den Weg in den Norden der Stadt machten.

 
Als die Raumboote über den beiden flachen Kuppelbauten kreisten, mussten die Piloten feststellen, dass diese regelrecht belagert wurden. Rund um die nebeneinander liegenden Gebäude wimmelte es geradezu von den gefräßigen "Riesen-Tausendfüßlern", die offensichtlich gierig auf die Beute waren, die sich in den Kuppelbauten vor ihnen versteckte. Es waren Hunderte von diesen Biestern und es schien fraglich, ob sie sich von den Landekommandos so leicht vertreiben lassen würden wie bisher. Schließlich gab es keine Welt, auf der sich Raubtiere einfach ihre Beute entreißen ließen, ohne dagegen Widerstand zu leisten.

Die Infanteristen, die sich nun aus vier verschiedenen Richtungen auf die Gebäude zu bewegten, mussten damit rechnen, heftig attackiert zu werden, wenn sie versuchten, zu den beiden Kuppelbauten vorzudringen.

Aber schließlich kreisten alle acht Raumboote über dem Areal und die Söldner am Boden überließen es den fliegenden Kampfmaschinen, das Gebiet rund um die kuppelförmigen Gebäude mit Maschinenkanonen und Plasmawerfern unter Beschuss zu nehmen.

 

 
Die wenigen der räuberischen Kreaturen, die den Beschuss durch die Raumboote überlebt hatten und danach nicht geflohen waren, stellten für die nun vorrückenden Infanteristen keine ernsthafte Gefahr mehr dar. Es gab zwar vereinzelte Attacken, die aber alle damit endeten, dass nur ein paar getötete "Riesen-Tausendfüßler" mehr herumlagen.

Während die Hälfte der Einsatzgruppen jetzt das Gelände rund um die Kuppelbauten absicherte, drang die Truppe unter Commander Molbreg zum verschlossenen Eingang des vorderen Kuppelbaues vor. Nach vergeblichen Versuchen, das stabile, zweiflügelige Tor zu öffnen, war dem Commander und seinen Leuten klar, dass man es von innen verbarrikadiert hatte, um ein Eindringen der vielbeinigen Raubtiere zu verhindern. Henry Molbreg gab den Befehl, das Tor gewaltsam mit einer Sprengladung zu öffnen. Doch einer der Söldner machte ihn darauf aufmerksam, dass die Sprengung jeden umbringen würde, der sich drinnen in der Nähe des Eingangs aufhielt. Deshalb entschied sich der Commander, zuerst nur eine schwache Ladung anzubringen, die zwar den Eingang nicht aufsprengen, aber dennoch genug Getöse machen würde, um jeden aus der Nähe des Eingangs zu vertreiben, dem sein Leben lieb war. Danach konnte eine stärkere Ladung eingesetzt werden.

 
Als der Zugang endlich frei war, drangen die Infanteristen vorsichtig in das Gebäude ein. Das Innere des Kuppelbaues bestand aus einer einzigen großen Halle, die vielleicht einmal Versammlungen oder kulturellen Veranstaltungen gedient hatte. An der rückwärtigen Wand hatten sich ein paar Dutzend Magal hinter einer behelfsmäßigen Barriere aus Möbeln, Kisten und verschiedenen Gerätschaften zusammengekauert. Sie hatten keine Waffen, mit der sie sich hätten verteidigen können.

Commander Molbreg befahl seinen Leuten, die Waffen zu senken, dann legte er sein Gewehr auf den Boden und ging mit erhobenen Händen auf die verängstigten Wesen zu. Als er die Halle durchquert hatte und nur wenige Schritte vor ihnen stehen blieb, sah er, dass sie allesamt von hohem Alter zu sein schienen. Jedenfalls konnte er keinen einzigen jüngeren Magal unter ihnen ausmachen.

Henry Molbreg nahm seinen Helm ab, kramte aus einer seiner Beintaschen einen der kleinen Translator-Würfel hervor und heftete ihn sich deutlich sichtbar an die Stirn.

  "Wir sind von der Colossus!" rief er, "Wir wollen euch helfen!"

Minutenlang reagiert keiner der Magal und der Commander fürchtete, dass sie nicht begriffen, was er ihnen zu sagen versuchte.

  'Die sind völlig verängstigt', dachte er, 'Halten die mich für einen Feind?'

Doch dann kam einer der Magal hinter der armseligen Barrikade hervor und näherte sich ihm mit deutlichem Zögern. Dann holte er aus irgendeiner Falte seiner Kleidung einen der kleinen, schwarzen Translatoren hervor und heftete ihn sich ebenfalls an die Stirn.

  'Glück gehabt', dachte der Commander, 'Wenigstens einer von denen hat so ein Ding bei sich.'

Dann gab der Magal zirpende Laute von sich und im selben Moment "hörte" der Commander dessen übersetzte Worte wie eigene Gedanken in seinem Kopf.

  "Wer seid ihr? Habt ihr die Krulls vertrieben?"

Henry Molbreg nahm an, dass mit "Krulls" die vielbeinigen Raubwesen gemeint waren, die das Gebäude umzingelt hatten.

  "Die Krulls sind alle tot oder geflohen", erklärte er, "Sie sind keine Gefahr mehr."

  "Wer seid ihr?" wiederholte der Magal seine erste Frage.

  "Wir sind von der Colossus", erklärte der Gefragte noch einmal geduldig.

Auf dem Gesicht des Magal erschien ein Ausdruck, der einem menschlichen Lächeln recht nahe kam.

  "Die Colossus?" fragte er, "Das große Schiff der Helfenden?"

  "Genau", bestätigte der Commander mit einem Nicken, "Kommt mit uns. Wir bringen euch in Sicherheit."

Als Molbregs Leute zusammen mit den Magal nach draußen kamen, hatte sich die zweite Einsatztruppe unter der Führung von Commander Pizarro bereits Zugang zum benachbarten Kuppelgebäude verschafft. Auch darin hatten fast hundert Magal Schutz gesucht, die jetzt zögerlich ins Freie kamen. Eine kurze Funkmeldung an die Colossus genügte, dann schickte Kapitän Clifford die großen Frachtfähren hinunter, um die überlebenden Magal zu evakuieren.

 

 

  "Es ist kein einziger junger Magal bei ihnen", murmelte Kurt Carstens, als die Geretteten an Bord gebracht und zunächst einmal in die Bordkantine gebracht wurden, wo sie etwas zu essen und zu trinken bekommen sollten.

  "Sie haben recht", stimmte ihm der Kapitän zu, "Die sind alle schon recht alt. Ich frage mich, warum es keine jungen Überlebenden gibt."

  "Warum sind keine weiblichen Magal bei ihnen?" wollte Melina Canberas wissen. Die Senatorin hatte natürlich darauf bestanden, dabei zu sein, wenn die Geretteten auf der Colossus eintrafen.

Der Kapitän und sein 1.Offizier schauten sich grinsend an, dann erklärte Oberleutnant Carstens ihr, dass die Spezies der Magal nur ein Geschlecht besaß, welches Nachkommen sowohl zeugen als auch gebären konnte. Melina Canberas ärgerte sich, dass sie sich gerade blamiert hatte und nahm sich vor, ihr Dossier über die Magal noch einmal genauer zu studieren.

  "Wann kann ich mit denen reden?" fragte sie, "Wir müssen schließlich erfahren, was hier passiert ist. Vor allem sollten wir herausfinden, was aus dem Wissensarchiv dieses Volkes geworden ist."

  "Wir reden mit ihnen, wenn sie versorgt wurden und sich etwas erholt haben", entschied Kapitän Clifford, "Diese Leute sind traumatisiert, denn sie haben einiges hinter sich. Deshalb sollten wir behutsam mit ihnen umgehen und sie nicht bedrängen. Außerdem werden sie schon von sich aus erzählen wollen, was ihnen zugestoßen ist. Haben Sie also ein wenig Geduld, Madam."

Melina Canberas spürte, wie Zorn in ihr aufstieg, denn sie wusste, dass die Worte des Kapitäns eine zwar höfliche, aber dennoch deutliche Abfuhr waren. Sie war es gewohnt, dass Männer sich ihren Wünschen beugten, aber dieser Kapitän dachte nicht daran. Offenbar hatten ihre weiblichen Reize weit weniger Wirkung auf ihn als sie es sich erhofft hatte. Die Senatorin fragte sich, ob sie damit mehr Erfolg gehabt hätte, wenn der Kapitän der Colossus nicht ausgerechnet mit einer Gismari zusammenleben würde.

  "Dann geben Sie mir Bescheid, wenn es soweit ist, Herr Kapitän", antwortete sie beherrscht, "Ich bestehe darauf, dabei zu sein."

  "Selbstverständlich, Madam", antwortete Tex Clifford höflich, "Ich werde Sie sofort rufen lassen, wenn wir mit den Magal reden können."

Melina Canberas wollte noch etwas entgegnen, aber in diesem Augenblick gellte der Alarm durch die Colossus. Die Raumüberwachung hatte die Energie-Signatur eines Raumschiffs erfasst, das in der Randzone des Refuge-Systems aufgetaucht war.

 

 
 
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