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Die Vernichtung
der XIM

von Karl-Heinz R. Friedhoff

 

Langsam schwebte das Raumschiff der Iccions in das fremde Sonnensystem hinein, das bisher noch auf keiner Sternkarte verzeichnet war.

Die vollautomatischen Ortungssysteme tasteten das Sonnensystem und sämtliche darin befindlichen Himmelskörper ab. Das Rechengehirn des Raumschiffs nahm die so ermittelten Daten an und wertete sie unverzüglich aus.

Dieses bislang den Iccions noch unbekannte Sonnensystem besaß eine gelbe Sonne der "Kliman-Klasse", sowie neun Planeten, von denen ein paar sogar über Trabanten verfügten. Zwei der Planeten waren geradezu gigantisch. Einer der beiden Riesenplaneten besaß einen leuchtenden Ring aus Eis- und Gesteinsbrocken - ein wahrhaft göttlicher Anblick.

Die meisten der neun Planeten schienen jedoch untauglich für die Entwicklung organischen Lebens zu sein. Nur vier verfügten über über eine dichtere Atmosphäre. Davon schieden jedoch zwei als lebensfeindlich im Sinne der Iccionbedürfnisse aus. Die beiden Riesenplaneten waren Gasriesen, die keinen festen Kern zu haben schienen. Einer der kleineren Planeten verfügte nur über eine Giftgashülle und über viel zu hohe Druckverhältnisse für die Iccions. Außerdem herrschte dort eine geradezu mörderische Hitze.

Nur einer der Planeten schien geeignet für Iccionbedürfnisse zu sein, denn seine Umlaufbahn um die Sonne lag innerhalb der Lebenszone. Seine Atmosphäre hatte den für die Iccions idealen Sauerstoff-Stickstoff-Gehalt. Es handelte sich, vom äußeren Planeten aus gezählt, um den siebten Planeten des Systems, der wie ein kostbarer, blauweißer Edelstein im reflektierten Licht der Sonne strahlte und von einem Trabanten umkreist wurde. Für die Iccions war diese Welt ein wahrhaft göttlicher Anblick.

Das musste die Welt sein, nach der sie so lange gesucht hatten. Hier konnten die Iccions eine neue Heimat finden. Ganze Stämme würden ihren überfüllten, verschmutzten und verseuchten Heimatplaneten endlich verlassen können und sich auf dieser verheißungsvoll strahlenden Welt niederlassen.

 

Der Kommandant des Raumschiffes, das den Namen "XIM" trug, ließ das Schiff näher an den blauweißen Planeten heranfliegen. Er war skeptischer als die anderen und wollte sich diesen scheinbar so idealen Himmelskörper zunächst genauer ansehen. Doch genau wie die anderen konnte er es kaum erwarten, seine Füße auf den Boden dieser Welt zu setzen.

 

Ganze Generationen der Iccions hatten vergeblich nach einer solchen Welt in den Tiefen des Raumes gesucht, auf die ihre Rasse umsiedeln konnte, bevor sie mit ihrer sterbenden Heimatwelt untergehen musste.

Endlich, nach so langer Zeit fieberhaften Suchens, hatte man diese rettende Welt gefunden.

 

 

Die XIM flog näher an den Planeten heran und drang in dessen Atmosphäre ein. Die automatischen Messgeräte liefen auf Hochtouren. Bislang schien die atmosphärische Zusammensetzung tatsächlich ideal zu sein.

Doch da! Was war das?

In den tiefergelegenen Schichten zeigten die Messungen plötzlich beunruhigende Werte an.

Verschmutzungen 4.Grades!

Auf den Gesichtern der Besatzung zeigte sich Unruhe und Besorgnis. Alle starrten gebannt auf die Außenbildschirme.

 

DA !

Plötzlich tauchte eine unübersehbare Masse gigantischer Gebäude aus Stein, Stahl und Glas auf, zwischen denen sich Wesen bewegten, die im Verhältnis zu den Iccions riesige Titanen waren. Auf dem Kopf eines dieser gigantischen Wesen hätten drei Raumschiffe von der Größe der XIM landen können.

Der Planet wurde von Riesen bewohnt !

 

Welche grenzenlose Enttäuschung!

So lange hatten die Iccions nach einer solchen Welt gesucht; unter Millionen von Planeten hatten sie endlich einen gefunden - und nun war dieser bereits bewohnt von titanenhaften Intelligenzen.

 

Niedergeschlagenheit und Verzweiflung machte sich an Bord des Forschungsraumers breit. Die Mission der XIM war gescheitert.

Aber man wollte nicht völlig ohne Ergebnisse heimkehren und daher etwas über diese Riesenwesen in Erfahrung bringen, um wenigstens neue Erkenntnisse und Daten über fremde Intelligenzen heimzubringen. Dann war die lange Reise wenigstens nicht ganz umsonst gewesen.

Um nicht von den Riesen entdeckt zu werden, flog die XIM auf die Nachtseite des Planeten, wo sie eine der gewaltigen Städte ansteuerte.

Dort wollten die Iccions die Riesen beobachten und ihre Verhaltensweise studieren.

Der Pilot ließ die XIM über einer der breiten Straßen zwischen den hohen Gebäuden schweben. Die Außenkameras liefen ununterbrochen, um so viel wie möglich an Dokumentation zu sammeln.

 

Da begann die Katastrophe !

Plötzlich stürzten überall Riesen aus den Gebäuden, stießen laute Rufe aus und schrien irgendwelche Worte in ihrer Sprache. Sie gebährdeten sich wie Verrückte.

Und dann schossen und warfen sie überall furchtbare Feuerkugeln und Sprenggeschosse in die Luft.

Bekämpften sie sich untereinander? War das ein barbarisches Kriegsritual? Oder hatten sie die XIM entdeckt und versuchten sie zu vernichten?

 

Verzweifelt versuchte der Pilot den unzähligen Geschossen auszuweichen. Überall rasten grellstrahlende Feuerkugeln in den Himmel. Fürchterliche Sprenggeschosse detonierten in der Luft, und rings um die XIM tobte ein wahres Inferno.

Immer wieder riss der Pilot das Raumschiff in eine andere Flugbahn, um der Vernichtung zu entgehen.

Aber dann schaffte er es nicht mehr.

 

Ein gleißend helles, funkensprühendes Geschoss raste auf die XIM zu und traf das Raumschiff. Dann verging für die Besatzung das Universum in einer grellen, allesvernichtenden Explosion......

 

 

"Prosit Neujahr !"

Die Uhren zeigten auf Mitternacht.

Tausende von Feuerwerkskörpern stiegen in den Nachthimmel und boten einen herrlichen, farbenprächtigen Anblick. Die Menschen wünschten einander alles Gute für die Zukunft. In das Krachen und Knallen mischte sich das Läuten von Kirchenglocken....

 

Auf der Erde hatte ein neues Jahr begonnen ...

 

 

Ende

 

 


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