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 In den "Tiefen"
des Hyperraums

 

von

Karl-Heinz R. Friedhoff

 

Carlos Montanez wusste, dass es in den Strömungen des "Hyperraumes" Gravitations-Verwirbelungen und Schwerkraft-Schlünde gab, denen schon manches Schiff zum Opfer gefallen war. Schließlich war er seit über dreißig Jahren Raumpilot und hatte mehr Erfahrung im interstellaren Flugverkehr als die meisten seiner Kollegen bei der "Viking-Line". Doch bislang war er diesen gefährlichen Phänomenen des "Hyperraumes" nie begegnet und er hatte auch nicht wirklich damit gerechnet, dass ihm das tatsächlich einmal passieren würde.

 

Das "Eintauchen" in den interdimensionalen Hyperraum, auf dessen "Oberfläche" die Dimensionen des "normalen" Raum-Zeit-Kontinuums wie auf einer Meeres-Oberfläche "schwammen", war noch völlig problemlos vonstatten gegangen.

Die Eintauch-Energie war groß genug gewesen, um sofort von der Alpha-Schicht bis hinunter zur Gamma-Schicht hinunter zu tauchen, wo die "Drehwirbel-Strömungen" stärker waren und ihm eine größere Geschwindigkeit verliehen. Es gab zwar noch eine schnellere "Delta-Schicht" (die tiefste, die bisher ein interdimensionalflugfähiges Raumschiff erreicht hatte), doch die Frachter der Viking-Line hatten nicht die dafür nötigen Antriebe. Carlos Montanez war darüber auch nicht besonders unglücklich, denn er hatte gehört, dass die Delta-Schicht unberechenbar sein sollte und dass dort die meisten der interstellaren Raumschiffe verloren gegangen waren.

Die Gamma-Schicht galt dagegen als verhältnismäßig sicher.

Doch als er in die Gamma-Schicht eindrang, merkte Carlos Montanez, dass dabei irgendetwas schief gegangen war. Als das SSOS (Starship Operating System) seines Raumfrachters Alarm gab, wußte er, dass er viel "zu tief" hineingekommen und bereits bis weit in die Delta-Schicht eingedrungen war.

Selbst das fast lichtschnelle Rechengehirn war nicht mehr in der Lage, ein weiteres "Hinabsinken" zu verhindern.

Entsetzt erkannte Carlos Montanez, dass er UNTER die Delta-Schicht geriet und sein Raumschiff, die VIKING-54, nun nicht mehr in der Lage war, aus eigener Kraft wieder in den "Normalraum" zurück zu kommen. Er war im Hyperraum gefangen ........

 

 

Carlos Montanez starrte fassungslos auf die Anzeigen seines Kontrollschirms, ohne sie wirklich bewußt wahrzunehmen. Es hätte ihm auch nicht viel genutzt, denn die angezeigten Werte spielten jetzt nur noch verrückt.

Er fühlte sich wie gelähmt - konnte keinen klaren Gedanken fassen. Sein Gehirn war wie in dicke Watte gepackt. Ganz langsam - tröpfchenweise - drang das schreckliche Begreifen in sein Bewußtsein. Er war rettungslos verloren!

 

Was war nur passiert? War er in einen dieser mysteriösen Hyperraum-Strudel geraten, dessen Sog ihn bis weit unter die Delta-Schicht hinab gezogen hatte? Steckte er in diesem Sog fest und wurde jetzt immer weiter in den Hyperraum hinein gezerrt? Und wohin zog es ihn? Wo endete es? Würde er hinab bis zum Zentrum des Hyperraumes gelangen? Gab es so etwas überhaupt? Carlos Montanez wußte, dass all diese Fragen sinnlos waren, aber er konnte sie nicht aus seinem Hirn verdrängen.

Seine Kontrollinstrumente nutzten ihm nichts mehr, denn es gab keinen Bezug mehr zu den Dimensionen des "normalen" Raum-Zeit-Kontinuums, aus denen der Bordrechner sinnvolle Werte hätte ableiten können. Auch der Blick auf die Borduhr half ihm nichts, denn diese zeigte ihm nur an, wieviel Zeit in den "normalen" Raum-Zeit-Dimensionen verging, während er sich im Hyperraum befand. Ihre Zahlenanzeige war wie eingefroren, denn im Normalraum war seit seinem Eintauchen in den Hyperraum nicht einmal eine Tausendstel-Sekunde vergangen. Er wagte es auch nicht, die Außenbildschirme zu aktivieren, denn er wußte, dass ihn der Anblick des formlosen, wabernden Etwas außerhalb des Raumschiffes innerhalb weniger Minuten in den Irrsinn treiben würde.

 

("Was soll ich tun?") fragte er sich und überlegte, ob er die Passagiere in den Tiefschlafkammern wecken und über ihre verzweifelte Lage informieren sollte.

Aber dann entschied er, dass es besser sei, ihnen nichts zu sagen und stattdessen einfach das Lebenserhaltungssystem abzuschalten, bevor er sich selbst mit einer Giftkapsel tötete, die jeder Raumpilot für alle Fälle bei sich hatte.

 

Doch bevor er dazu kam, die dafür notwendige Abschaltung der Sicherheitssysteme vorzunehmen, schreckte ihn die künstliche Stimme des SSOS auf, die ihm leidenschaftslos mitteilte, dass die Prozedur zum Beenden des Hyperraumfluges eingeleitet worden war.

 

"Waaas?" entfuhr es ihm, "Hier? Mitten im Hyperraum?" Und an den Schiffsrechner gewandt fuhr er fort: "Sofort alle Werte überprüfen!"

 

"Alle Werte im zulässigen Bereich", antwortete die Maschine, "Hyperraumflug wird unterbrochen. Auftauch-Vorgang ist eingeleitet."

 

"Kehren wir in den Normalraum zurück?" wollte er wissen.

 

"Nicht bestimmbar", lautete die unbefriedigende Antwort des Bordgehirnes, welches ihm wenige Augenblicke später meldete: "Dimensions-Tunnel geöffnet - Auftauchen beginnt - Vorgang erfolgreich - Hyperraumflug wurde beendet."

 

"Positionsbestimmung!" befahl er dem Rechner.

 

"Positionsbestimmung nicht möglich," antwortete die Maschine, "Keine bekannten Sternkonstellationen erkennbar."

 

("Wo bin ich denn bloß 'rausgekommen?") dachte er und schaltete die Außensichtschirme ein.

 

Doch das, was er darauf zu sehen bekam, ließ ihn fast an seinem Verstand zweifeln......

 

 

Seit mehr als dreißig Jahren war Carlos Montanez Raumpilot und war schon in weit mehr als hundert Sonnensystemen gewesen, aber eines wie dieses hatte er noch nie zu Gesicht bekommen. Er war auch sicher, dass kein anderer jemals ein solches System entdeckt hatte, denn so ein Phänomen wäre eine Sensation gewesen, die sich nicht nur auf Alt-Erde, sondern auch auf allen Kolonialwelten der Menschheit in Windeseile herumgesprochen hätte.

 

Die VIKING-54 schwebte antriebslos etwas oberhalb der Eklyptik des fremden Systems, so dass er es fast vollständig mit den Ortungssystemen erfassen konnte.

 

Das gelbe Zentralgestirn dieses Systems war vom gleichen Typ wie die heimatliche Erd-Sonne.

Sie wurde von hunderten unterschiedlich großer Himmelskörper umkreist, doch deren Umlaufbahnen waren das Ungewöhnlichste, was er je gesehen hatte.

Es gab nur eine Umlaufbahn !!!

In einem Abstand von genau 1,146 Astronomische Einheiten (AE) kreisten die Objekte mit identischer Umlaufgeschwindigkeit um die gelbe Sonne, womit sie sich in der "Lebenszone" ihres Zentralgestirns befanden. Einige dieser Objekte wurden sogar von mehreren Dutzend kleinerer Trabanten umkreist.

 

Nach allem, was er über Astrophysik und die Entstehung von Sonnensystemen wußte, war das eigentlich völlig unmöglich. So ein seltsames Sonnensystem konnte es gar nicht geben! Es sah einfach unecht und künstlich aus!

Seine Vermutung wurde bestätigt, als ihm die Ergebnisse der Masse-Ortung auf dem Display angezeigt wurden: Alle Objekte, die das gelbe Zentralgestirn umkreisten, bestanden ohne Ausnahme aus Metall, womit er die Möglichkeit ausschließen konnte, dass sie auf natürliche Weise entstanden waren.

 

Gebannt vom Anblick dieses unmöglichen Sonnensystems, fiel ihm zunächst gar nicht auf, dass es hier noch eine weitere Merkwürdigkeit gab.

Aber dann bemerkte Carlos Montanez, dass hier etwas fehlte. Der Weltraum um dieses System herum war völlig dunkel. Es war nicht ein einziger Stern zu sehen !

 

"Sind wir in einer Dunkelwolke?" fragte er den Computer.

 

"Nein", antwortete das Rechengehirn, "Außerhalb dieses Systems ist keinerlei Materie feststellbar."

 

"Und wie sieht es in größerer Entfernung aus?" wollte er wissen.

 

"Der Durchmesser des uns umgebenden Weltraumes beträgt 1,0458342 Lichtjahre", gab ihm der Rechner zu verstehen, "Es gibt keine größere Entfernung."

 

("Das verdammte Ding hat 'ne Macke !!") fuhr es ihm durch den Kopf, ("Deshalb bin ich auch viel zu tief eingetaucht. Die Berechnungen müssen falsch gewesen sein. Aber dieser SSOS/90-3000 ist doch noch nagelneu - gerade mal zwei Monate alt. Warum muss das Ding denn ausgerechnet in meinem Pott so schnell kaputt gehen?")

 

"Übergib' alle Kontrollfunktionen an die Sekundär-Systeme und schalte um auf Wartungsmodus!" befahl er dem Rechner.

 

"Mein System wurde vor Reiseantritt überprüft", antwortete der Computer, "Es wurden keine Fehlfunktionen festgestellt."

 

"Trotzdem ist ein kompletter Systemcheck erforderlich", beharrte Carlos auf seiner Anweisung, "Das unplanmäßige Absinken unter die Delta-Schicht kann zu Störungen geführt haben."

 

"Navigation, Astrographie und Lebenserhaltung wird auf die sekundären Kontrolleinheiten übertragen", bestätigte das Rechengehirn, "Hauptsystem schaltet um auf Wartungsmodus."

 

"Reserve-System hochfahren", ordnete Carlos an und wunderte sich einen Moment lang, dass überhaupt nichts geschah.

 

Doch dann fiel ihm ein, dass das zweite Computer-System, ein älterer SSOS/90-400, noch manuell gestartet und per Tastatur-Eingabe bedient werden musste.

Grummelnd zog er das dafür vorgesehene Keyboard aus der Halterung unter dem Kommandopult hervor und begann unbeholfen seine Anweisungen einzutippen, wobei er leise darüber fluchte, dass er auf diese veraltete und umständliche Methode zurückgreifen mußte.

Nachdem das Ersatzsystem vollständig hochgefahren war, ließ er von diesem einen kompletten Systemcheck des Hauptsystems durchführen, der gut eine Stunde Bordzeit dauerte.Aber es war kein Fehler im Hauptsystem feststellbar. Als er dann auch das Ersatzsystem nach der Ausdehnung des ihn umgebenden Weltraumes fragte, bekam er wieder die ihm schon bekannte Antwort: "Der Durchmesser des umgebenden Raumes beträgt 1,0458342 Lichtjahre".

 

Während Carlos das Hauptsystem wieder startete, ließ er vom Ersatzsystem noch einmal eine Überprüfung der gesamten Ortungssysteme durchführen, weil er vermutete, dass die maximale Ortungsreichweite von 5 Lichtjahren vielleicht reduziert worden war. Aber die maximal mögliche Reichweite der Raumortungssysteme lag nach wie vor bei diesem Wert.

 

("Wie ist das möglich ?") fragte er sich, der Verzweiflung nahe, ("Warum kann die Ortung nur einen Bruchteil ihrer Reichweite erfassen? Gibt es hier irgendein Hindernis, das die Raumortung nicht durchdringen kann?")

 

Und dann, ganz langsam und schleichend, begann eine furchteinflößende Erkenntnis wie eine giftige Wolke in sein Bewußtsein einzudringen:

Er war gar nicht in sein eigenes Universum zurückgekehrt!!

Nein, er befand sich in einem anderen Weltraum - einem "Baby-Universum", dessen Ausdehnung nicht größer als 1,0458342 Lichtjahre war !!!

 

 

Carlos Montanez wusste nicht, wie lange er wie betäubt in seinem Pilotensessel gehockt und auf die Kontrollanzeigen gestarrt hatte, ohne sie bewusst wahrzunehmen.

Erst die mechanische Stimme des Starship-Operating-Systems (SSOS) riss ihn abrupt aus seiner Lethargie heraus.

 

"Achtung! Gravitationswarnung! Schiff wird auf die Umlaufbahn der georteten Metall-Objekte zu gezogen. Um den bisherigen Abstand einzuhalten, sind Gegenmaßnahmen erforderlich."

 

"Ach - leck' mich doch...," brummte Carlos genervt.

 

"Anweisung ist unverständlich - bitte spezifieren!" antwortete das Rechengehirn ungerührt.

 

"Ist ja schon gut, verdammter Schraubenhaufen," knurrte Carlos, "Fahr' die Impulstriebwerke hoch und dann bring' uns so weit an diese Metallobjekte heran, dass wir sie auch visuell beobachten können. Ich will mir mal ansehen, was das eigentlich für Dinger sind. Normale Planeten oder Asteroiden sind das bestimmt keine."

 

"Anweisung wird ausgeführt. Annäherungsvektor ist ermittelt - Annäherung auf einen Abstand von 1 Mio. km beginnt. Zielpostion wird erreicht in 12 Stunden, 34 Minuten und 12 Sekunden."

 

"Na - dann haben wir ja noch 'ne Menge Zeit," meinte Carlos, "Deshalb werde ich jetzt erst mal eine Weile schlafen. Weck' mich in sechs Stunden."

 

"Soll dann auch die Weckautomatik für die Passagierkabinen gestartet werden?" fragte das SSOS.

 

"Nein," antwortete Carlos, "Das entscheide ich, wenn ich ausgeschlafen bin."

 

Behäbig stand er auf und ging hinüber zu seiner Schlafkabine.....

 

 

Er hatte das Gefühl, gerade erst eingeschlafen zu sein, als ihn das nervenzerfetzende Heulen des Alarms wieder aus Morpheus Armen riss. Erschrocken fuhr er hoch und knallte prompt mit dem Schädel gegen die Decke seiner in die Kabinenwand eingelassenen Schlafkoje.

 

"Verdammt noch mal!" brüllte er, während er sich an den schmerzenden Kopf fasste, "Was ist denn jetzt schon wieder los, du verfluchte Schraubenkiste?"

 

"Kollisionsgefahr," anwortete das SSOS ungerührt, "Das Schiff wird von starken Gravitationskräften erfasst und auf die georteten Metallobjekte zu gezogen. Die Umlaufbahn der Objekte ist ein Bereich mit hoher Anziehungskraft - ein Gravitationsgraben, der das Zentralgestirn ringförmig umgibt. Jedes Objekt, das dieser Schwerkraftsenke zu nahe kommt, wird von ihm angezogen."

 

"Na, dann gib' doch Gegenschub und ändere den Kurs," wies Carlos die Maschine an, "Auf diese Idee hättest du auch allein kommen können."

 

"Alle möglichen Gegenmaßnahmen wurden bereits durchgeführt," gab der Computer zurück, "Ohne Erfolg. Das Schiff wird weiter auf den ringförmigen Gravitationsgraben um die unbekannte Sonne zu gezogen. Ich habe das Schiff bereits gewendet, um die Haupttriebwerke dagegen einzusetzen. Ihre Schubkraft reicht jedoch nicht aus, um den Anziehungskräften entgegenzuwirken. Es besteht allerhöchste Gefahr, dass wir mit einem der georteten Metallobjekte kollidieren."

 

Keuchend erreichte Carlos die Schiffszentrale und warf sich in seinen Pilotensitz.

"Hast du festgestellt, was das für Objekte sind?"

 

"Ja," antwortete das SSOS, "Es handelt sich um die Trümmer fremder Raumschiffe, die mit hoher Geschwindigkeit miteinander kollidiert sind. Eine Identifikation der Schiffe ist nicht mehr möglich, da sie durch die beim Aufprall erzeugte Hitze miteinander verschmolzen sind. Ich konnte jedoch feststellen, dass der größte Teil der Metallmassen aus unbekannten Legierungen besteht, die nicht beim Bau von Raumschiffen der Menschheit verwendet werden."

 

"Das ist eine gigantische Todesfalle!" entfuhr es Carlos Montanez, "Haben wir noch eine Chance?"

 

"Nein", lautete die niederschmetternde Auskunft des Schiffscomputers, "Wir können nicht mehr manövrieren, da die Anziehungskräfte die volle Schubkraft unserer Triebwerke weit übersteigen. Unsere Annäherungsgeschwindigkeit nimmt bereits pro Sekunde um 18,54682 Prozent zu. Die Wahrscheinlichkeit einer Kollision beträgt 99,768523 Prozent."

 

"Gibt es eine Lücke, durch die wir noch hindurch kommen könnten, ohne dabei zerstört zu werden?" fragte Carlos verzweifelt.

 

"Nicht in dem Bereich, dem wir uns nähern," machte das Computergehirn auch diese winzige Hoffnung zunichte, "Die Kollision mit einer größeren Metallmasse ist nicht zu vermeiden. Die völlige Zerstörung des Schiffs kann nicht mehr verhindert werden.

 

"Wieviel Zeit bleibt uns noch bis zur Kollision?"

 

"6 Stunden, 9 Minuten, 43 Sekunden, mit einer möglichen Differenz von plus/minus 2,42 Sekunden," lautete die präzise Antwort des SSOS.

 

Inzwischen waren die Metallbrocken rund um die fremde Sonne auch auf den visuellen Außenbildschirmen sichtbar geworden.

Carlos konnte jetzt in der Vergrößerung die gewaltigen Brocken aus ineinander verkeilten und verschmolzenen Metallfragmenten erkennen. Ein Teil von ihnen hatte fast die Ausmaße von erdgroßen Planeten, begleitet von Schwärmen aus "Winzlingen", die aber immerhin Durchmesser von mehreren Kilometern aufwiesen.

Carlos Montanez versuchte sich angesichts dieser gigantischen Massen aus Metall vorzustellen, wieviele Raumfahrzeuge in diese tödliche Falle geraten waren und hier ihr Ende gefunden hatten.

Es mussten Milliarden sein!

Wieviele Lebewesen hier gestorben waren, versuchte er sich gar nicht erst vorzustellen.

Er wußte nur, dass er und seine Passagiere genauso enden würden.

Jetzt war er sehr froh, dass er die Weckautomatik der Tiefschlafkammern nicht aktiviert hatte. So blieb es den darin Schlafenden wenigstens erspart, ihr eigenes Ende bewusst mitzuerleben. Sie würden einfach nicht mehr aus ihrem künstlichen Winterschlaf erwachen, womit das Schicksal mit ihnen weitaus gnädiger umging als mit ihrem Schiffspiloten.

 

Schlagartig ging ein Ruck durch das Schiff, als die Triebwerke ausfielen, weil der Treibstoff jetzt restlos verbraucht war.

Carlos vermeinte regelrecht zu spüren, wie das Raumschiff jetzt noch schneller angezogen wurde, obwohl die Andruckabsorber die auftretenden Beschleunigungskräfte noch immer neutralisieren konnten. Ohne die Absorber würde er jetzt als blutiger Brei an den Wänden kleben.

 

Mit fahrigen Bewegungen zog Carlos Montanez die kleine Schublade unter seinem Pilotensitz auf und entnahm den darin liegenden Hochdruckinjektor.

Seine Finger zitterten, als er die Ampulle in die Ladekammer einsetzte und fast wäre sie ihm aus der Hand gefallen.

Ein kleines, rot blinkendes Lämpchen an der Seite der Injektionspistole zeigte ihm, dass das Gerät betriebsbereit war.

 

Mit einem tiefen Atemzug setzte er sich die Mündung an den Hals und drückte den Auslöser, um das tödliche Giftgemisch in seine Blutbahn zu jagen.

 

"Kollision erfolgt in 4 Stunden, 16 Minuten und 37 Sekunden", meldete das Starship Operating System.

 

Aber das konnte Carlos Montanez nicht mehr hören......

 

Ende

 

 

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