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Der Weg

nach Alveron

von

"Don Charon"

 

Einst, vor langer Zeit, hörte im Lande Midgard der junge Grimwulf die Geschichte von der Stadt Alveron, die so voller Schönheit sein soll wie kein anderer Ort der Welt. In ihren Straßen seien die Weisesten der Weisen zu finden, das Leben in ihr sei voller Anmut und Harmonie.

Und so entschloss sich Grimwulf, sich auf die Suche nach dieser Stadt zu machen.

Er wanderte viele Jahre durch Midgard und kam schließlich an eine Weggabelung, an der eine uralte Frau saß, die ihn anschaute, als warte sie auf ihn.

     "Frowe, kannst Du mir sagen, welcher Weg nach Alveron führt?" fragte Grimwulf respektvoll.

Die Alte sah auf und grinste ihn an, wobei sie den einen Zahn entblößte, den sie noch hatte.

     "Du suchst die unendliche Schönheit Alverons, Jüngling, eh?"

Sie schaute ihn von oben bis unten an, dann nochmal von unten bis oben.

     "Nun, dann höre: Beide Wege führen nach Alveron. Aber den, den Du wählst, das wird der längere Weg nach Alveron sein."

Grimwulf schüttelte obgrund dieser Antwort verwirrt den Kopf und entschloss sich, einfach den Weg zu nehmen, der am Flussufer entlang lief.

     "Genieße Deine Reise!" rief sie ihm nach.

 

Und so wanderte er weiter... aus Wochen wurden Monate, aus Monaten Jahre...

Und einige Jahre später kam er wieder an die Weggabelung.

Wieder saß die Alte dort, sie war nur noch Haut und Knochen, an ihr sah er deutlich, wie viele Jahre vergangen waren.

     "Na, war Deine Suche erfolgreich?" fragte sie Grimwulf mit brüchiger Stimme.

     "Nein. Wohin ich auch kam, niemand wusste, wo Alveron liegt.  Warum willst Du es mir nicht verraten?"

     "Aber ich sage Dir doch: Beide Wege führen nach Alveron. Du hast nur den längeren gewählt. Denn welchen Du auch wählst - es ist der längere."

Mit dieser Antwort war Grimwulf sehr unzufrieden. Wieder schüttelte er den Kopf und beschloss diesmal dem anderen Weg - dem Weg in die Berge zu folgen.

     "Genieße Deine Reise!" rief sie ihm nach.

 

Und es vergingen weitere Jahre, in denen Grimwulf durch die Berge wanderte, bis er schließlich wieder zurück zur Weggabelung kam.

Diesmal fand er nur noch das Skelett der alten Frau und auf dem Schädel saß ein Rabe.

     "Hmmm... Du warst schon mal hier!" sprach ihn der Rabe an.

     "Ja... ich bin auf der Suche nach Alveron!" sagte Grimwulf, ehe er den Raben verwundert anschaute. Er schloss die Augen, rieb sie sich und schüttelte den Kopf.

     "Großartig. Ein sprechender Rabe. Jetzt muss ich völlig verrückt sein!"

   "Den Teil will ich jetzt mal überhört haben!" antwortete der Rabe mit leicht säuerlich krächzender Stimme. "Du suchst also Alveron. Soviel ich weiss, haben sie vor kurzem die Stadt abgerissen und jeder, der dort wohnte, ist weggezogen zu einem anderen Platz."

Grimwulf fiel auf die Knie, Entsetzen und Tränen in seinen Augen.

     "Aber wie kann das sein? Ich kann sie doch unmöglich verpasst haben! Ich habe doch so lange gesucht!"

     "Nur ein Narr sucht die Schönheit, die er nicht sehen kann," sagte der Rabe und hackte sich ein Stück Fleisch von dem Knochen.

 

Grimwulf hörte auf zu jammern.

     "Ja", sagte er, "ich war ein Narr. Ich habe soviel Schönes auf meiner Reise gesehen, aber es nicht zu würdigen gewusst, weil ich immer dachte, dass doch Alveron um so vieles schöner sein würde."

Er stand auf und ging langsam den Weg zurück, den er gekommen war.

     "Danke, Rabe," sagte er, als er wegging.

 

     "Willkommen in Alveron!" sagte der Rabe.

 

 

 

 

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