Fantasy

Stories

zurück

 

Die
letzte Schlacht
 

von Karl-Heinz R. Friedhoff

 

Der Abend vor der Schlacht

 

Der große, runde Vollmond versteckte sich hinter dunklen, treibenden Wolken. Die Sterne sandten ihr kaltes, glitzerndes Licht hinab zur Erde. Ihr schwacher Schein fiel auf die Heide, auf den im Süden liegenden Urwald und auf den gewaltigen Kreis aus mehrfach mannshohen Findlingen.

Doch die Sterne waren nicht das einzige, was die Ebene von Mhoraine erhellte.

Zwei weite Kreise aus Wachfeuern, ein kleinerer und darum herum ein weitaus größerer, verwandelten die Heide in ein Meer dunkler, tanzender Schatten.

Im Schutze des kleineren inneren Kreises, der auf den Mauern der alten Festung Caer Dharyd brannte, lagerten dreitausend Krieger aus dem britischen Königreich Gwyness. Dreitausend erschöpfte, hungrige und verwundete Männer, die nur noch ein Wunder vor dem sicheren Tod in den Speerreihen der Scoten bewahren konnte, die Caer Dharyd ringsum belagerten.

Die flackernden Flammen des Beratungsfeuers ließen die Gesichtszüge der Männer scharf und kantig erscheinen. Es waren drei, die letzten des Hohen Rates von Gwyness. In einem lockeren Kreis lagerten ringsumher die Männer, die weder Wachdienst hatten noch schlafen konnten. Vielen Kriegern hatte die Ungewissheit ihrer Lage die Ruhe geraubt.

 

"Beraten?" fauchte Sighard am Feuer giftig und spuckte in die Flammen, "Was soll denn hier noch beraten werden? Wie wir am besten sterben und uns von den Scoten abschlachten lassen?"

"Warum nicht?" sprach Tharad leise, wobei er es vermied, den Verkrüppelten anzublicken, "Es ist nicht das Schlechteste auf dieser verfluchten Welt, wenigsten einen guten, ehrenhaften Tod zu sterben. Es ist eines Kriegers würdiger, im offenen und ehrlichen Kampf getötet zu werden als den Sklavenring der Scoten zu tragen oder in dieser riesigen Mausefalle zu verhungern."

"Dächten alle so wie du, so wären wohl kaum in der letzten Nacht beinahe hundert Männer zu unseren Feinden übergelaufen," höhnte der verkrüppelte Sighard.

"Du sprichst von Männern?" knurrte der alte Brokhyr verächtlich und richtete sich mühsam auf, "Das waren keine Männer. Elende, widerwärtige Feiglinge und Verräter waren das! Oh, könnte ich noch mein Schwert wie ein junger Krieger schwingen, ich würde ihnen nachjagen und ihnen die Haut bei lebendigem Leibe abziehen."

"Das werden wohl schon die Scoten für dich getan haben," lächelte Tharad, "Denn auch wenn sie unsere Feinde sind, so mögen sie doch niemanden, der sein Land und sein Volk verrät. Die feigen Überläufer dürften jetzt kaum noch am Leben sein. Aber anstatt uns hier zu streiten, sollten wir wirklich ernsthaft überlegen, was wir hier noch tun können. Immerhin ist es eine Tatsache, dass wir hier in Caer Dharyd festsitzen, ohne Proviant und Wasser, mit zerbrochenen Waffen, lahmen Pferden und verwundeten Kriegern. Und es ist ebenfalls eine Tatsache, dass da draußen mehr als siebentausend Scoten darauf lauern, dass einer von uns seine Nase aus diesem alten Steinhaufen herausstreckt."

"Dann tun wir ihnen doch den Gefallen!" hetzte der alte Brokhyr wütend, "Lasst uns hinausgehen und so viele von ihnen mit in den Tod reißen, wie wir können!"

"Das ist Wahnsinn!" keuchte der Verkrüppelte, "Tot ist unwiderruflich tot, ohne dass irgendjemand irgendeinen Nutzen davon hätte."

"Je mehr Scoten wir hier vor Caer Dharyd umbringen können, desto weniger können Gwyness und die Südprovinz überrennen," wandte Tharad ein.

"Gwyness steht und fällt mit uns," meinte Brokhyr müde, "Wir sind das letzte Aufgebot unseres Landes. Kein anderer britischer Stamm wird uns zu Hilfe kommen, denn Gwyness ist das einzige britische Königreich, das auf einstigen Gebieten der Scoten und Pikten errichtet wurde. Weder die Scoten noch die Pikten haben uns je verziehen, dass wir uns in Caledonien breitgemacht haben und hier unsere Burgen und Dörfer bauten. Die Pikten haben sich in den Norden zurückgezogen, aber die Scoten werden niemals aufgeben, das einzige britische Reich in ihrem Stammland zu vernichten."

"Aber die Südprovinz könnte sich allein halten," beharrte Tharad, "auch wenn sie jetzt abgeschnitten ist. Die Bergpässe können von wenigen Kriegern auch gegen ein überlegenes Heer leicht verteidigt werden."

"Was sagst du da?!!" kreischte Sighard erregt, "Wir sollen uns hier opfern - für Caldur, den Fürsten der Südprovinz, der sich zum König von ganz Gwyness machen will? Für den Mann, der uns um seiner Frau und seiner Bequemlichkeit willen im Stich gelassen hat? Für den Mann, der die Pest und die Pikten als fadenscheinigen Vorwand benutzt, um uns hier unserem Schicksal zu überlassen? Oder warum ist er nicht hier? Warum kommt er uns nicht mit dem Heer der Südprovinz zu Hilfe? Er hat uns verraten! Und wir sollen für einen Feigling und Verräter sterben? Ich spucke auf Caldur und seine Hure!"

Wütend spie der Verkrüppelte auf den Boden.

"Für einen Verräter sterben?"

Leise Rufe erklangen aus den Reihen der sie umgebenden Krieger.

"Für einen Feigling? Einen ehrlosen Hund? Für einen Mann sterben, der uns hier im Stich gelassen hat?"

Die Rufe wurden langsam lauter und drohender.

 

Ein leichtes Lächeln der Befriedigung huschte über die Lippen des Buckligen.

Er, der schwache, ständig benachteiligte Krüppel genoss die Vorfreude auf die Macht seiner Worte, mit denen er die Gwynessischen Krieger zu beeinflussen plante....

 

 

Ein kleine Reiterschwadron hetzte in gespenstisch anmutender Lautlosigkeit durch die Nacht. Die dunkel gekleideten Reiter auf ihren schwarzen Tieren hoben sich kaum von den hohen, schlanken Bäumen und dem dichten Unterholz ab. Der weiche Waldboden und die um die Hufe gewickelten Lappen verhinderten, dass Hufschlag laut wurde und sie verriet.

An der Spitze der Gruppe ritt eine hohe, schlanke Gestalt:

Caldur - Fürst der Südprovinz von Gwyness.

Er stand aufrecht in den Steigbügeln, um sein Reittier zu entlasten. Er und seine Männer forderten sich und ihren Pferden das Letzte ab. Jeder von ihnen wusste, was auf dem Spiel stand.

 

Der Pfad, auf dem sie ritten, wurde steiniger und breiter. Caldur verlangsamte das Tempo, denn bei der herrschenden Dunkelheit musste jeder Fehltritt eines Pferdes unweigerlich zu einem tödlichen Sturz führen. Doch noch schlimmer war das Risiko, dass die Feinde das Kommen der Reiterschar zu früh bemerkten.

Vor der nächsten Wegbiegung hielten alle ihre Pferde an.

Jeder einzelne der Männer kannte das Gelände genau. Oft hatten die Leute aus der Südprovinz zusammen mit den Kriegern von Burg Naidoc in diesen Bergen streifende Scharen scotischer oder piktischer Räuber verfolgt. Aber diesmal ging es um mehr als um Raubzüge. Jetzt ging es um das Überleben von Gwyness.

Caldur winkte mit dem Arm. Fünf ausgesuchte Krieger stiegen von ihren Pferden. Es waren hagere Männer mit wolfsartigen Bewegungen, die das Leben in der Wildnis hart, schnell und gefährlich gemacht hatte. Sie kannten ihre Aufgabe. Wortlos verschwanden sie in der Dunkelheit. Sosehr sich die anderen dann auch anstrengten, sie konnten nicht das geringste Geräusch von ihnen hören. Aber so würden auch die Feinde nichts wahrnehmen.

Erst nach geraumer Zeit kam einer der ausgesandten Männer zurück. Sein Dolch war gerötet von Blut und auch auf seiner Kleidung waren blutige Flecken zu sehen. Er nickte kurz, als Caldur ihn fragend anschaute. Seine Aufgabe war erfüllt.

 

Mit knappen Gesten teilte Caldur seine Leute ein.

Schwerter wurden gezogen und Bogensehnen gespannt. Dann schlichen fünfzig Gwynesser entlang des Passes auf das Lager der Scoten zu. Viermal hielt die Kolonne kurz an, wenn ein Mann mit blutigem Messer aus dem Gebüsch auftauchte und sich ihnen anschloss. Caldur grinste grimmig bei dem Gedanken, dass jetzt fünf Scoten nie wieder ihr Schwert gegen einen Gwynesser erheben würden.

Die Scoten hatten ihr Lager direkt im Rücken des Engpasses aufgeschlagen. Es handelte sich nur um eine Abteilung des Hauptheeres, das Caer Dharyd belagerte. Sie sollte verhindern, dass Gwynessische Verstärkungen aus der Südprovinz durch den Pass kamen. Caldur schätzte ihre Zahl auf etwa hundert Krieger.

Somit kamen auf jeden seiner Männer zwei Gegner. Doch diese Tatsache wurde mehr als aufgewogen durch den Vorteil der Überraschung, den die Gwynesser hatten, die sich jetzt um das Scotenlager verteilten.

Caldur zählte jetzt  langsam bis sechzig. Dann war er sicher, dass jeder seiner Krieger seine Position eingenommen hatte.

Mit erhobenem Schwert und dem Schlachtruf "GWYNESS" auf den Lippen stürmte er als erster auf das Scotenlager zu. Die Felsen rings um das Lager schienen plötzlich lebendig zu werden. Ein Hagel gezielter Pfeile fuhr auf die völlig überraschten Scoten nieder. Schreie des Schmerzes, der Wut und des Schreckens wurden laut. Noch bevor die Angegriffenen sich von ihren Schlafstellen erheben oder zu den Waffen greifen konnten, waren ihre Gegner schon wie eine dunkle Flut über ihnen. Die überraschten Scoten waren wie gelähmt und damit so gut wie wehrlos.

Es war kein Kampf, sondern ein reines Abschlachten. Die Klingen der Briten röteten sich vom Blut der Erschlagenen. Ahnungslose Scotenkrieger wurden noch im Schlaf erstochen, erschlagen oder von Pfeilen durchbohrt, noch bevor sie begriffen, was um sie herum geschah.

Schließlich war alles vorbei.

 

Caldur sah sich um. Seine Männer hatten keine Verluste erlitten. Einige bluteten aus leichten Wunden. Der Sieg war überraschend leicht gewesen.

Er wollte gerade das Zeichen zum Sammeln geben, als einer der Krieger rief: "Dort! Da flieht einer !!"

Einer der Scoten, er musste sich tot gestellt haben, war aufgesprungen und hetzte in langen Sätzen auf die Pferde zu.

"Haltet ihn auf!" schrie Caldur, "Er darf nicht entkommen!"

Eine Bogensehne sirrte, aber der abgeschossene Pfeil bohrte sich nur harmlos hinter dem Fliehenden in den Boden.

Triumphierend lachend erreichte der flüchtende Scote die Pferde und schwang sich behende auf das erste, das er kriegen konnte.

Caldur war sich im klaren darüber, dass der Scote, erst einmal außer Sicht gelangt, in der Dunkelheit nicht mehr gefasst werden konnte. Er würde die Belagerer von Caer Dharyd sicher warnen und damit jeden Befreiungsversuch zum Scheitern verurteilen. Hastig zerrte Caldur eine faustgroße Kristallkugel aus der Tasche an seinem Gürtel. Von dieser Kugel ging ein seltsames, inneres Leuchten aus, das irgendwie zu pulsieren schien. Seine Männer sahen Caldur jetzt wie durch einen dichten, glühenden Schleier, den das unheimliche Leuchten in der Dunkelheit verursachte. Dann schleuderte Caldur die Kristallkugel direkt vor die Vorderhufe des scotischen Pferdes.

Bevor das Tier aufwiehernd und scheuend zurückweichen konnte, zerbarst die Kugel in einem feurigen Blitz. Für Sekunden waren die schattenhaften Umrisse des Pferdes und des Reiters noch erkennbar. Dann erlosch das helle, allesversengende Feuer. Übrig blieb nur eine runde Stelle verkohlten Grases und einige halbverbrannte Knochen. Ein bestialischer Gestank nach verbranntem Fleisch stieg den Männern in die Nasen.

Doch jetzt war der Pass und somit auch der Weg in die Ebene von Mhoraine frei.

Schon eine knappe Stunde später rollten die ersten Streitwagen aus der Südprovinz donnernd durch den Pass nach Norden ...

 

 

Myrddin Emrys, der Druide, starrte auf den Dolch mit der schlangenförmigen Klinge, der vor ihm auf dem Boden lag. Doch seine Augen sahen weder die goldbraun schimmernden Bernsteine, mit denen der Griff besetzt war, noch die seltsamen, eingravierten Runen auf dem silbrigen Metall, die nur dem Eingeweihten verständlich waren. Er sah auch nicht das Innere des niedrigen dunklen Zeltes, in dem er sich aufhielt. Obwohl sein Körper mitten im belagerten Caer Dharyd war, weilte sein Geist im Lager der Scoten.

Er sah Dargon, den Zauberer und selbsternannten Herrn des Nordens vor einem halben Dutzend scotischer Clan-Häuptlinge in barbarischer Aufmachung stehen.

Trotz der draußen herrschenden Dunkelheit und der Entfernung von mehr als dreihundert Schritten sah er jede Einzelheit.

Dargons Gesicht hatte sich zu einer fanatischen, hassenden und geifernden Fratze verzogen. Der Zauberer war offensichtlich äußerst erregt.

Myrddin schloss die Augen und presste die hageren Hände auf die Lider. Das Geistbild aber blieb bestehen und gewann sogar noch an Deutlichkeit. Die schmalen Lippen des Druiden murmelten magische Formeln, die der Priesterschaft der Druiden seit vielen Jahrhunderten bekannt waren. Es waren Worte, die kein anderer als ein Druide verstehen konnte. Doch auch ein Uneingeweihter hätte ohne weiteres den drohenden Sinn verstanden. Es waren Beschwörungen, die grausame, unirdische Kräfte erweckten. Der vor Myrddin liegende Dolch erhob sich, als ob eine unsichtbare Hand ihn halten würde. Seine Konturen verschwammen, er wurde durchsichtig, bis sein Anblick völlig verblasste.

Die Schultern des weißhaarigen Druiden bebten, sein Atem ging schnell, gepresst und keuchend. Ein kalter Windhauch schien durch das Zelt zu fahren, als die seltsame Waffe vollends verschwand - und im selben Augenblick an einem anderen Ort wieder materiell und existent wurde - im Lager der Scoten.

 

Dargon, der gerade noch mit den Scotenhäuptlingen gesprochen hatte, erstarrte plötzlich. Sein Gesicht nahm einen konzentrierten, lauernden Ausdruck an, als er mit seinen über natürlichen Sinnen die gegnerische Magie spürte. Und er spürte auch, dass diese Magie gegen ihn gerichtet war. Dann fuhr der Zauberer herum. Hinter ihm ertönte ein leises Zischen, als der aus dem Nichts erschienene Dolch pfeilschnell zustieß.

Instinktiv duckte sich Dargon, und die magische Waffe raste über ihn hinweg und bohrte sich einem Scoten in die Brust. Lautlos sank der Kriegsmann in sich zusammen. Er war tot, noch bevor er den Boden berührte.

Mit einem grässlichen Fluch riss Dargon etwas aus seinem Gewand, das der Geist Myrddins nicht erkennen konnte. Ein unsichtbarer Blitz fuhr auf ihn zu, als Dargon das Ding warf.

Myrddin sah nur noch Dunkelheit, die von grellen Lichtspeeren durchzuckt wurde. Taumelnd stand er auf, als sein Geist aus dem Scotenlager blitzschnell in seinen Körper zurückkehrte, wankte hastig zum Ausgang und brach im Freien zusammen. Einige von den seltsamen Vorgängen herbeigelockte Gwynesser sahen, wie das Zelt des Druiden unter einer unsichtbaren tonnenschweren Last zusammenbrach und in Flammen aufging......

 

 

"Welche Möglichkeiten haben wir denn jetzt noch?" rief Sighard am Ratsfeuer in Caer Dharyd. Sein Tonfall und seine Lautstärke ließen klar erkennen, dass er sich nicht mehr an die beiden anderen des Rates, sondern an die umstehenden Krieger wandte, "Entweder schlachten uns die Scoten ab oder wir verhungern hier. Und das alles nur, weil Caldur, dieser Verräter und Renegat, uns geraten hat, gegen Mhoraine vorzurücken. Und weil Myrddin, der alte Narr, nichts Besseres zu tun hatte, als diesen Vorschlag auch noch zu unterstützen. Jetzt ist mir klar geworden, was Caldur plante: Er wollte uns in den sicheren Tod schicken, um sich ungehindert zum König von Gwyness machen zu können! Während hier unsere Gebeine bleichen werden, wird er mit seiner schamlosen Hure Lyssea in Burg Naidoc rauschende Feste und zügellose Orgien feiern!"

Beifall und wütende Rufe, die sich gegen Caldur, Myrddin und die anderen Ratsmitglieder richtete, belohnte die Worte des Buckligen. Die wenigen besonnenen Männer, die ihre Kameraden zu besänftigen versuchten, wurden von der Masse einfach niedergebrüllt.

Es kam schon zu den ersten Auseinandersetzungen innerhalb der Kriegerschar. Irgendwo blitzten schon Dolchklingen auf. Nur noch wenige Augenblicke, dann musste in den alten Mauern ein erbitterter Bruderkampf ausbrechen. Die Menge war aufgestachelt, niedere Instinkte wurden wach, machten sie zu einem vielköpfigen Tier ohne jegliche Vernunft, erfüllt von Wut, Hass und Angst.

 

Sighard hatte sich aufgerichtet und verfolgte die Vorgänge auf sein Schwert gestützt. Seine kleinen, hinter wulstigen Brauen liegenden Augen glänzten triumphierend. Er genoss die Macht, die er in diesen Augenblicken über die Menge hatte, die jetzt nur noch instinktmäßig und triebhaft reagierte, längst nicht mehr von Vernunft gelenkt.

"Seid doch vernünftig!" rief Tharad, "Wir können uns doch nicht hier gegenseitig umbringen, während draußen die Scoten darauf lauern, über uns herzufallen!"

Seine Worte aber drangen nicht durch den ausbrechenden Tumult. Ein Stein flog aus der Menge gegen ihn und streifte seine Schläfe. Tharad taumelte zurück und fiel.

 

"Hört mich an!"

Eine Handbewegung Sighards brachte die Männer zur Ruhe. Sein Gesicht verzerrte sich fast dämonisch, und seine von den zuckenden Flammen beleuchtete, von Schatten umspielte Gestalt schien zu wachsen und ihre körperlichen Mängel zu verlieren. Sogar die älteren und erfahrenen Krieger hatten für einen Augenblick das Gefühl, vor ihnen stände anstelle eines kleinen Krüppels ein viel größerer Mann, der Autorität und Macht ausstrahlte.

"Wir haben immer noch eine Möglichkeit, unser Schicksal zu wenden und den Verräter Caldur zu bestrafen!" rief Sighard laut, "Draußen warten die Scoten, gewiss. Aber auch die Scoten sind nur Menschen, und auch sie haben schon viele Tote zu beklagen. Sie wollen den Krieg sicher genauso gerne beenden wie wir. Auch sie wollen wieder nach Hause zu ihren Kindern und Frauen, um die Wunden zu heilen, die dieser unglückselige Krieg ihnen geschlagen hat. Warum sollte es nicht möglich sein, sich mit den Scoten zu einigen und mit ihnen über einen ehrenhaften Frieden zu verhandeln?"

"Ein Vertrag mit unseren Todfeinden?!!" schrie Brokhyr wütend, "Wir sollen uns ihnen ergeben und uns der Gnade  des verfluchten Dargon ausliefern? Niemals!!! Schweig' endlich, du verräterischer Hund !"

"Bin ich etwa ein Verräter, wenn ich unser aller Leben retten will?" wandte sich Sighard an die aufgebrachte Menge.

Ein vielstimmiges "Nein" schallte ihm entgegen. Die Stimmung war längst zugunsten Sighards umgeschlagen.

Brokhyr wusste das, und er erhob sich langsam. Die Verbände um seine breite Brust färbten sich wieder rot, doch er stand fest und sicher auf den Beinen.

"Dann geh' doch dahin, wo du deine scotischen Freunde wiederfindest!" rief er wutentbrannt, "Zur Hölle mit dir, Sighard!"

Mit einer raschen Bewegung riss Brokhyr das Breitschwert aus der Scheide und führte einen wuchtigen Hieb gegen Sighard, der diesen in zwei Teile gespalten hätte, wenn er nicht katzengewandt zur Seite gesprungen wäre.

Auch Sighard hob nun das Schwert. Aber da hatten sich schon ein paar Krieger auf den alten Riesen gestürzt, ihn zu Boden gerissen, und einer setzte ihm seinen Dolch an die Kehle.

"Tötet ihn!" geiferte der Bucklige voller Hass, "Er ist mitschuldig an Caldurs Verrat, der uns alle verderben sollte!"

Die suggestive Wirkung seiner Worte war so groß, dass der junge Krieger, welcher über Brokhyr kniete, schon den Dolch hob, um zuzustoßen.

 

In diesem Augenblick erklang eine Stimme, die alle kannten:

"Halt!"

Dolch und Hand des Kriegers erstarrten mitten in der Bewegung.

Alle fuhren herum. Außerhalb des Ringes aus bewaffneten Männern stand der Druide Myrddin. Seine Gewänder waren zerrissen, Gesicht und Arme mit Schürfwunden bedeckt. Er stützte sich schwer auf zwei Krieger, die ihn eilends herbeigeholt hatten.

Als die beiden mit Myrddin in der Mitte jetzt auf das Beratungsfeuer zuschritten, öffnete sich ihnen unaufgefordert eine schmale Gasse.

Myrddin trat an das Beratungsfeuer heran. Ein Wink von ihm bewirkte, dass man Brokhyr losließ. Als er die Arme hob, um anzuzeigen, dass er reden wollte, wurde es beklemmend still unter den Kriegern.

Myrddin wusste genau, dass dies die einzige Gelegenheit war, Sighards unheilvollen Einfluss auf die Gwynesser zu brechen. Er fühlte neue Kräfte in seinen alten Körper fließen, als er sich auf seine innere Stärke konzentrierte.

"Männer von Gwyness, hört mich an!" sprach er mit lauter Stimme, "Ich will nicht viel reden, denn Worte nützen heute keinem. Doch ich will euch etwas zeigen. Seht her!"

 

Mit einer raschen Handbewegung warf der Druide eine Handvoll Kräuterpulver in das Feuer. Die Flammen leckten gierig hoch, als ob Myrddin Öl hineingeschüttet hätte.

Das dunkle Rot der Glut verwandelte sich in ein nebliges Grau und schließlich in düsteres Schwarz. Nebel aus dem Nichts umwallte das Feuer und die hochgereckte Gestalt des alten Druiden. Schließlich dehnte sich der gespenstische Nebel immer weiter aus, bis er alle umstehenden Krieger eingehüllt hatte.

Und dann begann sich ein magisches Bild zu formen. In den Flammen entstanden zuerst nur vage, formlose Schatten, dann aber sahen die staunenden Gwynesser klar erkennbare Einzelheiten:

 

.... Hufe dröhnten wie Trommelschlag. Im Nebelbild kristallisierten sich Bilder von Kriegern und Streitwagen. Man sah Reiter, Wagen und Infanteristen durch den Engpass strömen, der die Südprovinz vom übrigen Land trennte. Die Leichen von erschlagenen Scoten lagen beiderseits des Weges. Zehn bis zwanzig Hundertschaften von Bewaffneten waren es, die vor den Augen der staunenden Männer in Caer Dharyd vorbeizogen, im Zauberbild des Druiden. Der an der Spitze fahrende Streitwagen wurde deutlich erkennbar. Und die beiden Gestalten darauf stachen klar gegen den nächtlichen, sternenübersähten Himmel ab, beleuchtet vom fahlen Licht des Mondes...........

Ein Aufstöhnen ging durch die Menge der Zuschauer in der belagerten Festung.

"Caldur!" rief Tharad geistesgegenwärtig, "Es sind Caldur und Lyssea!"

"Caldur kommt uns zu Hilfe!"

"Es lebe Caldur!"

Mehrere hundert Kehlen nahmen den Ruf auf. Es lag Hoffnung und neu erwachter Kampfeswille darin.

"Die Südprovinz kommt uns mit ihren Kriegern zu Hilfe! Caldur lässt uns nicht im Stich! Jetzt jagen wir die Scoten mitsamt ihrem Hexerkönig ins Meer!" rief Brokhyr und hustete, als sich seine Verletzung wieder schmerzhaft in der Brust bemerkbar machte.

Schwerter wurden aus den Scheiden gerissen. Eisen schlug klirrend gegen die Metallbeschläge der breiten Schilde.

"Gwyness !  Gwyness !!!"

Der Schlachtruf aus fast dreitausend Kehlen klang durch die Nacht bis hin zum Lager der Scoten, denen es schauderte, als sie den Ruf vernahmen. Wie ein Schwall flog er über die Mauern  von Caer Dharyd und den Ring der scotischen Wachfeuer hinaus auf die Ebene von Mhoraine, wie um der Welt zu zeigen, dass die Krieger von Gwyness noch immer bereit waren zur entscheidenden Schlacht gegen den finsteren Zauberer, der sich "Herr des Nordens" nannte und schon den größten Teil von Caledonien unter seine Gewalt gebracht hatte.

Mit Hilfe der piktischen Stämme hatte dieser Magier die Clans der Scoten unterworfen und zwang sie nun, gegen das nordbritische Gwyness zu kämpfen. Wenn Gwyness fiel, dann war ganz Caledonien in Dargons Hand. Danach konnte es nicht mehr lange dauern, bis er auch  Britannien angreifen würde, wo die mächtigen Legionen des Römischen Reiches standen.

Vielleicht würden die disziplinierten römischen Legionäre den "Herrn des Nordens" vernichten, aber dann würde es für Gwyness zu spät sein.

Doch noch war Gwyness nicht geschlagen, und noch konnten die Gwynesser kämpfen.

 

Ein zufriedenes Lächeln überflog Myrddins faltiges Gesicht, während sich Sighard geschlagen abwandte und mit schweren Schritten davonging.

Ein paar Augenblicke lang stand der Druide noch aufrecht vor den Kriegern, dann aber versagten seine Beine ihm den Dienst. Erschöpft von den letzten Anstrengungen brach er zusammen....

 

 

Die Schlacht von Mhoraine

 

Die ersten Strahlen der im Osten aufgehenden Sonne tauchten den Äther in düsteres rotes Licht.

Sie fielen auf die Zelte der belagerten Gwynesser im alten Felsenring von Caer Dharyd und auf die provisorischen Hütten der scotischen Belagerer. Aber sie fielen auch auf eine Heersäule, die sich von Süden her dem scotischen Belagerungsring näherte.

Es waren die Krieger der Südprovinz von Gwyness, die ihren bedrängten Kameraden in der Ebene von Mhoraine zu Hilfe kamen.

An der Spitze der Kolonne fuhren die Streitwagen, der Kern des Entsatzheeres: zwanzig schwere, vierspännige und mehr als doppelt so viele leichte, zweispännige Wagen. die eisernen Sicheln an den Radnaben schimmerten düster. Sie waren fast mannslang und konnten bei voller Fahrt einen Krieger in schwerer Rüstung regelrecht in Stücke hacken.

Hinter den Wagen kamen die Infanteristen mit runden Schilden und langen Speeren, mehr als sieben Hundertschaften, gefolgt von etwa zweihundert Reitern mit Schilden, langen keltischen Breitschwertern und schweren Streitäxten. Verdächtig viele der in kurze, rote Mäntel gehüllten Gestalten waren klein, zartgliedrig und langhaarig: Frauen, die den Platz ihrer toten Männer eingenommen hatten.

Die Südprovinz, deren Krieger von der schwarzen Pest weggerafft worden waren oder in den erbitterten Kämpfen gegen das von Dargon in den Süden geschickte Heer der wilden Pikten gefallen waren, hatte ihre letzten Reserven aufgeboten. Es war kein großes, besonders beeindruckendes Heer, das da im Eilmarsch nach Mhoraine zog, aber es hatte gegen die Piktenhorden gekämpft und sie vernichtet, als diese in die Südprovinz eingefallen waren, während die Scoten Mhoraine angriffen, dort das Gwynessische Hauptheer schlugen und in Caer Dharyd einschlossen. Doch die Krieger und Kriegerinnen des kleinen Entsatzheeres waren fest entschlossen, den Lauf des Schicksals zu ändern und Gwyness, das Land der caledonischen Briten, vor dem Ansturm von Dargons Kriegern zu retten, gleich, ob es Pikten, Scoten oder Iren waren....

 

 

Caldur wandte sich halb um. Sein Streitwagen fuhr gerade einen sanft ansteigenden Hügel empor, so dass er einen guten Überblick über seine Armee hatte.

Stolz erfüllte ihn. Der Tod mochte vielleicht ihr aller Schicksal sein, doch sie hatten mit mehr als menschlichen Anstrengungen gegen die Tyrannei des Zauberers mit seiner schwarzen Magie gekämpft, gegen den finsteren Dargon, der sich selbst "Herr des Nordens" nannte.

Die Scoten, die Pikten und sogar die irischen Seeräuber waren von dem Zauberer unterjocht  worden, aber die Gwynesser würden sich niemals unterwerfen.

 

Als Caldur jedoch wieder nach vorn schaute, stieß er einen leisen Ruf der Überraschung aus.

Sie hatten die letzte Hügelkette zwischen dem in der Nacht genommenen Pass und Caer Dharyd überwunden und sahen jetzt die Ebene von Mhoraine vor sich. Doch das Bild, das sich ihnen bot, entsprach nicht Caldurs Erwartungen. Er hatte gehofft, die Scoten in ihrem Lager überraschend angreifen zu können, um sich dann mit den Gwynessern unter der Führung von Brokhyr, Sighard und Tharad zu vereinen. Dann hätten sie gemeinsam die Scoten schlagen können.

Doch auf unergründliche Weise hatten die Scoten vom Anrücken des Entsatzheeres erfahren.

Zwischen den alten Gigantenmauern Caer Dharyds und Caldurs Heer stand jetzt eine dichte Mauer kampfbereiter scotischer Krieger.

 

Caldurs Frau Lyssea stieß eine Verwünschung aus.

"Sie haben uns erwartet!" rief sie, "Vielleicht ist letzte Nacht im Pass doch einer der Scoten entkommen und hat sie gewarnt."

"Wohl kaum," entgegnete Caldur, während sein Gehirn schon fieberhaft nach einem Ausweg suchte, "Ich glaube eher, dass der Hexer Dargon dafür verantwortlich ist. Die bösen Geister der Nacht werden ihm zugeflüstert haben, dass wir kommen."

"Verflucht sei dieser Zauberer!"

 

Lyssea sah Caldur fragend an.

"Was machen wir nun? Sollen wir versuchen, die Reihen der Scoten zu durchbrechen?"

"Das müssen wir wohl."

 

Das Gesicht des Fürsten spannte sich und drückte Entschlossenheit aus.

"So sei's drum. Ich greife mit der Reiterei und dem Fußvolk an. Sobald der Kampf seinen Höhepunkt erreicht hat, stößt du mit den Streitwagen vor und schlägst uns damit eine Gasse, durch die wir uns dann nach Caer Dharyd durchschlagen können."

"Sie werden uns einkreisen und vernichten," prophezeite die Frau düster.

"Wir haben leider kaum eine andere Möglichkeit," meinte Caldur, "Wenn es uns nicht gelingt, uns mit dem eingeschlossenen Hauptheer zu vereinen, ist die Schlacht verloren."

Er winkte einen der neben dem Streitwagen reitenden Gefolgsmänner heran, der eines der Ersatzpferde am Zügel führte. Der Reiter schob sich auf die gleiche Höhe wie der Wagen - ein wegen der wirbelnden Radklingen lebensgefährliches Unternehmen. Caldur legte seinen Mantel ab und machte sich zum Sprung bereit. Als dann ebener Boden unter den Hufen der Zugpferde lag und der Wagen nicht mehr so stark holperte, sprang er ab.

Für einen kurzen, gefährlichen Augenblick schwebte er scheinbar schwerelos über den tödlich wirbelnden Radklingen, dann landete er sicher im Sattel des Ersatzpferdes. Geschickt balancierte er sich aus und griff nach den Zügeln.

 

"Gwyness ! Gwyness !!!"

Der schrille Schlachtruf wurde von den Frauen und Männern aufgenommen und erfüllte die Luft, übertönte das Stampfen der Hufe und das Klirren der Waffen.

Fußvolk und Reiter hielten direkt auf die blitzenden, waffenstarrenden Reihen der scotischen Krieger zu, während die Streitwagen seitlich einschwenkten und sich bereithielten.....

 

 

Tharad schrak auf, als eine Hand unvermittelt an seine Schulter griff.

Er langte blitzschnell nach seinem neben ihm liegenden Schwert, worauf ein amüsiertes Lachen an seine Ohren drang.

"Keine Sorge, es sind noch nicht die Scoten, die dich aus dem Schlaf reißen. Für dieses Mal ist es noch der alte Myrddin."

"Ach, Ihr seid es," murmelte Tharad erleichtert und rieb sich schlaftrunken die Augen, "Ich hab' ziemlich fest geschlafen und hörte Euch nicht kommen."

 

Neben ihm raschelten Decken, als Brokhyr sich aufrichtete. Er stöhnte und hustete, Schweiß klebte ihm auf der Stirn.

"Kommen die Scoten?" lallte er schläfrig.

"Noch nicht, aber wir müssen uns trotzdem bereit machen," antwortete Myrddin, "Gib' das Signal zum Wecken."

 

Tharad trat aus dem Zelt und an den Gong, der neben dem Beratungsfeuer zwischen zwei in den Boden gerammten Speeren hing. Er ergriff einen bereitliegenden Klöppel und schlug damit wuchtig gegen die gehämmerte Bronzescheibe. Ein hallender Ton erscholl, der von den steinernen Wällen zurückgeworfen wurde.

Im Nu wimmelte das Lager von Kriegern, die aus ihren Zelten strömten.

 

"Caldur und seine Streitmacht sind gekommen!" rief der Druide ihnen zu, "Aber der Feind hat zu früh davon erfahren und will sie abfangen. Wir müssen versuchen, die Linien der Scoten zu durchbrechen und zu Caldurs Heer zu stoßen, damit uns die Scoten nicht getrennt niedermachen können!"

 

Auch Brokhyr kam taumelnd auf die Beine und blieb, auf sein Breitschwert gestützt, am Zeltausgang stehen.

 

"Wir müssen angreifen! Bereitet alles zum Aufbruch vor. Wir greifen durch die südliche und östliche Bresche an. Zuerst die Reiter, dann das Fußvolk," befahl der Druide wie ein Feldherr, und so manchem kam der Gedanke, ob der so alt scheinende Myrddin nicht vielleicht wirklich einmal schon ein Feldherr gewesen war.

"Du Brokhyr, bleibst am besten hier. Wir lassen dir zwei Dutzend Verwundete hier, mit denen du das Lager notfalls verteidigen kannst."

"Das kommt gar nicht in Frage," knurrte Brokhyr erzürnt, "Ich reite mit euch, und wenn ich mich an den Steigbügeln und am Sattel festbinden muss. Thark! Fraihn! Kommt her und helft mir!"

 

Die beiden Gerufenen, Angehörige von Brokhyrs Sippe, eilten herbei und stützten ihn.

Die Fürsten der Gwynesser verließen ihr Zelt, um ihre Krieger zu ordnen und gegen die Scoten zu führen. Selbst der verkrüppelte Sighard stellte sich nun an die Spitze der ihm unterstellten Truppe, denn man konnte ihm vieles nachsagen, nur nicht, dass er jemals feige gewesen wäre. Und der Disput der letzten Nacht war jetzt vergessen.

 

Myrddin schaute den Kriegern nach, die jetzt aus den Toren der alten Festung nach draußen strömten, stumm und fast so lautlos wie ein Geisterheer, denn sie wollten die Scoten nicht vorzeitig alarmieren.

Dann schwang er sich auf eine schneeweiße Stute und folgte ihnen langsam.

Vor ihm über dem Sattel lag jetzt ein Stab aus weißem Eschenholz, mit Kupfer und Blei beschlagen und verziert mit seltsamen, geheimnisvollen Runen und Ornamenten.

 

Die Schlacht auf der Ebene von Mhoraine hatte begonnen......

 

 

Caldur beugte sich tief über den Hals seines Rotschimmels vor und gab die Zügel frei. Das starke Tier schien den Boden nur ganz knapp zu berühren. Der wirbelnde Tanz seiner Hufe trug es mit rasender Geschwindigkeit auf die locker angeordneten Pulks der scotischen Lanzenträger zu. Hinter ihm galoppierte die Hälfte seiner Reiterei. Die Entfernung zum Feind verringerte sich in rasender Schnelligkeit.

Caldur zog sein langes, keltisches Schwert. In der Eile hatte er völlig vergessen, sich vor dem Kampf einen Schild zu besorgen. Er fluchte über seine Nachlässigkeit, die ihm jetzt leicht das Leben kosten konnte.

Die scotischen Lanzen bildeten eine eiserne Sperre, die unüberwindlich zu sein schien. Nur noch wenige Meter.....

Jetzt kam der Zusammenprall.

Pferde wieherten schrill und keilten wild aus. Lanzen bohrten sich durch menschliche und tierische Leiber. Schwerter und Äxte hoben und senkten sich in einem satanischen Rhythmus, Eisen färbte sich rot, Metall dröhnte, als Streitäxte auf vorgehaltene Schilde krachten, Krieger schrien gellend, als tödlicher Stahl in ihre Körper stach und hackte. Blut begann die Erde zu tränken und machte den Boden feucht und glitschig.

 

Caldur hieb blindlings nach links und rechts. Seine Klinge trennte eine Lanzenspitze vom hölzernen Schaft und kurz darauf auch den Kopf eines Mannes vom Rumpf. Ein harter Schlag traf seine Brust, doch das Kettenhemd wehrte die feindliche Klinge ab. Überraschend tauchte ein scotischer Kämpfer mit zum Stoß erhobener Lanze vor ihm auf. Bevor Caldur etwas dagegen tun konnte, hatte sich die Lanzenspitze bereits tief in die Brust seines Pferdes gebohrt. Das Tier rannte noch ein paar Schritte weiter, taumelte dann und brach schließlich schrill wiehernd zusammen. Caldur ließ die Zügel fahren und sprang behende aus dem Sattel. Er landete hart auf dem grasigen Boden. Fellstiefel tauchten direkt vor seinem Gesicht auf. Mit einem animalischen Schrei stieß er sein Schwert blindlings nach oben. Ein Schwall hellen, warmen Blutes ergoss sich über ihn, und ein Leichnam stürzte neben ihm zu Boden.

Taumelnd kam Caldur wieder auf die Beine und sah sich schnell um. Von seinen Reitern waren nur noch wenige am Leben, aber die Scoten lagen in ganzen Haufen erschlagen auf der Heide. Die Gwynessischen Reiter hatten eine tiefe Bresche in die scotischen Reihen geschlagen. Doch darüber konnte sich Caldur nicht lange freuen. Schon kam eine neue Horde von Scoten auf ihn und seine wenigen noch lebenden Männer zu. Ihre Schwerter glitzerten in der Sonne und ihre Gesichter waren verzerrt von Hass und Mordlust.

Fürst Caldur packte sein Schwert fester und bereitete sich auf den Tod vor........

 

 

Soeben prallten die Reiter der Südprovinz auf die scotischen Lanzenreihen. Krieger zu Fuß folgten ihnen im Laufschritt. Brokhyr konnte nicht erkennen, wie der Kampf dort verlief, denn in dem Getümmel war kaum zu erkennen, wer da die Oberhand behielt. Er zog sein gewaltiges Breitschwert und stieß es gegen den Himmel. An ihm vorbei strömten die Männer aus Caer Dharyd auf den Feind zu.

Langsam folgte er ihnen. Er fühlte sich schwach wie selten zuvor in seinem nun schon über fünfzig Sommer währenden Leben.

Doch es war nicht das Alter, das an seinen Kräften zehrte, sondern die schlimme Wunde in der Brust, die ihm ein teuflisch vergifteter piktischer Pfeil vor Wochen zugefügt hatte und die einfach nicht heilen wollte. Vermutlich würde ihm das piktische Gift  einen langsamen und qualvollen Tod bescheren.

 

Die Gwynesser aus Caer Dharyd waren erschöpft und ausgehungert, viele waren zudem verwundet und fast am Ende ihrer Kräfte. Doch sie griffen mit der Wut und Wucht gut ausgeruhter Krieger an. Nur wenige Scoten stellten sich ihnen zunächst entgegen, denn anscheinend hatten sie nicht damit gerechnet, dass die erschöpften Männer aus Caer Dharyd noch einen Ausfall wagen würden.

Wütende und schmerzerfüllte Schreie gellten über die Heide, Eisen klirrte auf Eisen, Menschen starben, und die Heide in der Ebene von Mhoraine färbte sich blutig-rot.

 

Brokhyr kniff die Lippen aufeinander. Er sollte abseits stehen, wenn seine Männer für Gwyness kämpften und starben? Bei diesem Gedanken fühlte er seine alten Kräfte wiedererwachen. Entschlossen drückte er seinem Hengst die Hacken in die Weichen. Aufwiehernd preschte das Tier vorwärts und trug ihn in den Kampf.

 

Die Schlachtreihen beider Seiten hatten sich längst in eine unübersehbare Menge von Einzelkämpfen aufgelöst.

Die Strategien der geordnet kämpfenden und deshalb so überlegenen Legionen des Römischen Reiches waren hier unbekannt und niemand dachte hier an die überlegenen Schlachtstrategien eines Julius Cäsar. Zwar gab es bei den südlich des Hadrianswällen lebenden Britenstämmen drei römische Legionen. Aber das die Gwynessischen Briten kaum Kontakte mit ihren südlichen Verwandten hatten, wussten sie nichts von der Kriegsführung der Römer.

 

Die anfänglich an Zahl unterlegenen Scoten hatten Verstärkung aus ihrem Lager bekommen, während die Gwynesser auf keine neuen Kräfte mehr hoffen konnten.

Brokhyr erspähte einen Krieger, der allein drei Scoten gegenüberstand. Schwertschwingend galoppierte der Alte auf die Gegner zu. Die drei Scoten wurden völlig überrascht. Dem einen spaltete Brokhyr den Schädel. Der zweite Krieger wollte ausweichen, wurde aber von den Hufen des Hengstes erfasst und niedergetrampelt. Den dritten ereilte der Tod durch die Klinge des anderen Gwynessers, dem der unvermittelte Angriff des alten Kämpen Luft geschaffen hatte.

Brokhyr winkte dem Mann kurz zu und galoppierte weiter, mitten in das dichteste Gewühl hinein. Eine Gruppe von Scoten stürzte sich auf den alten Riesen, der mit seinem flammend roten Haaren, dem wallenden Bart und dem bluttriefenden Schwert wie eine Sagengestalt wirkte. Doch bevor die Gegner ihn erreichen konnten, geschah etwas, was Brokhyrs Blut fast zum Gefrieren brachte.

 

Zwischen den Linien der Scoten und Gwynesser entstand plötzlich eine dunkle Wolke. Anfangs achteten die meisten der Kämpfenden nicht darauf, doch die Wolke gewann schnell an Größe. Nach wenigen Herzschlägen maß sie schon mehr als drei Mannesgrößen. Sie wurde zusehends dunkler, bis in ihrer Nähe sogar das Licht der Sonne zu verblassen schien. Erschrocken wichen die Kämpfer beider Seiten vor dem unheimlichen Etwas zurück.

In der Geisterwolke wogte und wallte etwas, und dunkelrote Blitze durchzuckten ihr Inneres. Ein Gwynesser, der in die Nähe des Dinges geriet, wurde plötzlich von einem nebelartigen Tentakel erfasst und in die Finsternis hineingezerrt. Sein grauenerfüllter Schrei brach abrupt ab. Dann herrschte für einige Augenblicke unheimliche Totenstille, in der Brokhyr seine eigenen, rasenden Herzschläge deutlich hören konnte.

 

Als hätte der tote Gwynesser der Wolke neue Kräfte verliehen, verdichtete sie sich plötzlich, bis die Konturen eines Wesens erkennbar wurden.

Das Wesen war weder menschlich noch tierisch. Mit über drei Manneslängen Körpergröße überragte es sogar die Reiter.

Ein vorstehendes, mit langen Reißzähnen bewehrtes Maus, eine fliehende Stirn und lange, haarige Arme verliehen dem Ding etwas Affenähnliches und zugleich doch erschreckend Menschliches, denn was ist der Mensch anderes als ein mordlüsternes Tier.

Mit einem röhrenden Schrei stürzte es sich auf die ihm am nächsten stehenden Gwynesser und tötete sie so schnell, als wären es nicht ausgewachsene, bewaffnete und kampferprobte Krieger, sondern nur kriechende Mäuse.

 

Brokhyr überwand sein instinktives Entsetzen über das Auftauchen des Dämons. Das Schwert fester fassend ritt er los, direkt auf die Bestie zu. Jetzt schien der Dämon ein besonderes Augenmerk für den Alten zu haben, denn er wartete dessen Angriff erst gar nicht ab, sondern stürmte selbst mit urweltlichem Gebrüll vorwärts. Seine Bewegungen hatten etwas ungeheuer Kraftvolles, auf überirdische Macht weisendes.

Die Erde zitterte, als Mensch, Pferd und Dämon aufeinanderprallten. Brokhyr stieß mit dem Schwert mit aller Kraft zu. Seine Klinge traf die Haut des fürchterlichen Wesens, aber diese war härter als Stahl. Klirrend zerbrach das Schwert. Das Letzte, was Brokhyr, der Fürst von Nharon, noch bewusst wahrnahm, war der Todesschrei seines Pferdes. Danach umfingen ihn die haarigen, mächtigen Arme des Ungeheuers und erdrückten ihn in tödlicher Umarmung.

Schreiend flohen die Gwynesser nach dem Tod des Herrns von Nharon.

Die Schwerter und Lanzen der sie verfolgenden Scoten hielten blutige Ernte unter ihnen....

 

 

Myrddin hörte die Schreie der Männer, die thriumphierenden der Scoten und die panikerfüllten der Gwynesser. Und noch bevor er es sehen konnte, spürte er das unheimliche Wesen aus der Kälte einer fremden Dimension.

Der Druidenmagier seufzte auf, doch dann ergriff er seinen Stab. Aus der Berührung des magischen Holzes erwuchsen ihm neue Kräfte und neuer Mut, der ihn befähigte, den Kampf mit dem Geschöpf der Finsternis aufzunehmen.

Myrddin stand wie ein Fels in der Brandung, als die flüchtenden Gwynesser an ihm vorbeiströmten. Er wirkte jetzt wie ein großer, mächtiger Mann voll unerklärlicher, magischer Kraft. Viele der fliehenden Gwynesser blieben bei seinem Anblick stehen und warfen sich den Scoten erneut entgegen. Wut und Scham über ihre Angst wurden zu ihren besten Waffen, so dass nach kurzer Zeit der Spieß umgedreht war und nun die Scoten zurückwichen.

 

Doch dann tauchte der riesige Dämon auf. In seinem zottigen Fell steckten Lanzen, Pfeile und Schwerter, die ihm nichts hatten anhaben können.

Nur der Hexer Dargon konnte dieses Ungeheuer gerufen haben.

Seine Schnauze und seine Klauen waren vom Blut der Getöteten rot. Einen Herzschlag lang verharrte er, als er den Druiden erblickte, doch dann stürmte er vorwärts, drohend wie ein Ungewitter, dunkel und schrecklich, ein Wesen aus einer anderen, fremden und grausigeren Welt als diese.

 

Myrddin richtete sich hoch auf und schleuderte seinen weißen Stab wie einen Speer. Ein helles Leuchten ging jetzt von dem magischen Holz aus. Der Stab flog wie ein weißer Blitz auf die Bestie zu, traf sie und schaffte, was Stahl und Eisen nicht vermochten: er durchdrang die steinharte Haut des Monsters und fügte ihm eine tiefe, klaffende Wunde zu.

Giftiges, schwarzes Blut quoll aus dem verletzten Körper der Bestie und ergoss sich in einem breiten Strahl über den Heideboden. Doch der von Dargon beschworene Dämon war noch nicht vernichtet, wenngleich auch sehr schwer verwundet. Wutschnaubend und brüllend vor Schmerz stapfte er auf den Druiden zu.

Dessen weiße Stute stand unbeirrt, als wäre sie kein normales Pferd, sondern ein Reittier der Götter. Zum wiederholten Male zeigte sich die wahre, vollendete Macht der Druiden im Kampf gegen die Kräfte der Dunkelheit.

Doch dann entfaltete die von Dargon gerufene Kreatur ihre volle Kraft. Ein Schatten entstand um das Ding, als es sich auf Myrddin stürzte, aus dessen Händen ihm loderndes Feuer entgegenschlug.

Beide wurden von dunklen Nebelschleiern umwogt, die von blendend hellen und blutroten Blitzen durchzuckt wurden. Die Erde bebte, und eine schwarze Wolke schob sich vor die Sonne.

Stöhnend sanken Gwynesser und Scoten gleichermaßen auf die Knie, um ihre Götter anzurufen, die in diesem Moment selbst machtlos zusehen mussten.

Als die Wolke sich auflöste,  waren der Dämon und der Druide Myrddin spurlos verschwunden. Nur ein Kreis aus schwarzverbrannter Erde zeugte von dem unheimlichen Kampf, der hier zwischen den Mächten schwarzer und weißer Magie ausgetragen worden war, die voneinander so verschieden waren wie Tag und Nacht.

 

 

Fürstin Lyssea biss sich nervös auf die Unterlippe. Die Schlacht wogte hin und her; Staubwolken behinderten die Sicht. Es war nicht zu erkennen, ob die scotischen Reihen noch standhielten oder ob Caldur's Angriff schon jene Lücke geschlagen hatte, die für den Einsatz der Streitwagen notwendig war.

Schließlich endete die Geduld der Fürstin. Sie konnte nicht länger tatenlos zusehen, wie andere für das Königreich Gwyness kämpften und starben.

Lyssea hob die Hand und gab das Zeichen zum Angriff.

 

Donnernd rollten die Streitwagen los und bildeten dabei eine gerade Phalanx.

Es war ein Bild, das einen Betrachter unwillkürlich berauscht hätte.

Wagen, Pferde und Lenker wurden zu einer homogenen Einheit, die entschlossen war, alles niederzurennen, was sich ihr entgegenzustellen wagte. Es war der Anblick einer farbenprächtigen Sturmflut, die unaufhaltsam herandonnerte. Wie eine allesvernichtende Woge rasten die Wagen der Südprovinz, die lange geschonte Elitetruppe der Gwynesser, auf die Scoten zu.

Nach wie vor standen die scotischen Reihen unerschüttert, wenn auch angeschlagen, aber in ihren Linien waren jetzt Lücken, die den Gwynessern zum Sieg verhelfen konnten, wenn sie geschickt ausgenutzt wurden.

Kurz bevor die heranrasende Phalanx die Scoten erreichte, machten sämtliche Streitwagen einen Schwenk nach links und rasten dicht an den vorderen Reihen der Feinde entlang. Die langen, sensenförmigen Klingen an den Rädern hielten eine furchtbare, blutige Ernte unter den Scoten. Dann schwenkten die Wagen wieder nach rechts, formierten sich zum Keil und stießen in die Lücke vor, den Caldur's erster Angriff geschlagen hatte.

Scharfgeschliffene Pferdehufe zertrampelten Rüstungen, Schilde und Leiber, Schwerter zerbrachen an bronzener Wagenpanzerung, wirbelnde Radklingen mähten scotische Krieger haufenweise nieder, die Speere der Gwynesser sausten todbringend von den Wagen herab.

Für ein paar Augenblicke sah es so aus, als würden die Scoten dem wuchtigen Angriff tatsächlich widerstehen, doch dann brachen ihre Linien endgültig zusammen.

Die Reiterei und das Fußvolk der Gwynesser griffen nun erneut an, und jetzt wichen die Scoten überall zurück - und flohen.

Die Schlacht verwandelte sich in ein Gemetzel, in ein grausiges Inferno aus Blut und Eisen, aus fliehenden Scoten und Gwynessern im Blutrausch, die jeden Feind niedermachten, der nicht mehr rechtzeitig fliehen konnte. In einer Orgie aus Tod und Vernichtung gingen die scotischen Hundertschaften zugrunde.

 

 

Im Lager der Scoten fuhr der Zauberer Dargon aus tiefer Trance auf. Er war erschöpft von der Beschwörung des Dämons, die ihn viel zu viel Kraft gekostet hatte.

Mit seinen magischen Sinnen versuchte der Hexer nun festzustellen, was auf dem Schlachtfeld geschah - und erschrak zufiefst.

Die Schlacht war verloren, und die Leichen der scotischen Krieger bedeckten zu Hunderten die Ebene von Mhoraine!

Der Hexer war für einen Augenblick völlig verwirrt.

Da öffnete sich der Eingang der Hütte und ein Gwynessischer Krieger sprang behende herein.

Bevor Dargon reagieren konnte, bohrte sich eine Lanzenspitze durch sein Herz. Er war tot, noch bevor er auf den Boden niederstürzte.....

 

Die Reste des geschlagenen scotischen Heeres flohen nach Norden in die piktischen Wälder, wo sie gegen die steinzeitlichen Stämme der Pikten um ihr Überleben kämpfen mussten. Nur wenige kehrten in ihre Heimat im scotischen Hochland zurück. Sie sollten Gwyness niemals wieder bedrohen.

 

 

Ein Jahrhundert später aber ging Gwyness unter und verschwand im Dunkel der Geschichte. Nach dem endgültigen Abzug der römischen Legionen herrschte in ganz Britannien das Chaos. Die Stämme der Briten bekämpften sich erbittert untereinander, denn jeder ihrer Könige wollte sich zum Hochkönig von ganz Britannien aufschwingen. Auch Gwyness wurde in diese Kriege verwickelt.

Schließlich gelang es Ambrosius Aurelianus, dem König von Cornwall, den man auch UTHER PENDRAGON nannte, seine Widersacher zu besiegen und die Königreiche unter seiner Herrschaft zu vereinen. Auch Gwyness musste sich dem neuen Hochkönig, dem "Superbus tyrannis", unterwerfen, der von einem mächtigen Druidenmagier unterstützt wurde, den man den MERLIN nannte. Es hieß, dass dieser Merlin kein anderer als der wiedergeborene Myrddin Emrys war.

Nach dem Tode von UTHER PENDRAGON übernahm sein erster Feldherr RIOTHAMUS nach vielen neuen Machtkämpfen wieder als Hochkönig die Herrschaft über alle britischen Stämme. Auch die kaledonischen Scotenclans wurden unterworfen.

RIOTHAMUS, der auch ARTORIUS RESTITUTOR genannt wurde, war für Britannien der Erneuerer römisch geprägter Ordnung und Kultur. Seine großen Siege über die nach Britannien eingedrungenen Stämme der Sachsen, Angeln und Jüten ließen ihn zur Legende werden.

Er wurde zu einer mystischen Gestalt namens ARTHUR PENDRAGON, um die sich in den folgenden Jahrhunderten viele Sagen rankten.

Etwa dreißig Jahre lang konnte dieser große König der Briten die germanischen Eroberer fernhalten und den Frieden bewahren. Während eines Kriegszuges in Gallien (dem heutigen Frankreich) wurde er jedoch im Jahre 470 n.Chr. in einer entscheidenden Schlacht gegen die Sachsen an der Loire in der Nähe der Ortschaft Avellon vernichtend geschlagen.

Wo er gestorben ist und ob er jemals nach Britannien zurückkehrte, weiß bis heute niemand.

 

Nach dem Tod des RIOTHAMUS (Arthur Pendragon genannt), zerbrach das Reich der Briten.

Angeln, Sachsen und Jüten eroberten nun ganz Britannien und auch das einstige Gwyness.

Als ein Jahrhundert später die Normannen auf die britischen Inseln kamen und die Angelsachsen besiegten, wusste niemand mehr, dass es jemals das Königreich Gwyness gegeben hatte .....

 

Ende

 

zurück