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[ Diese Fantasy-Serie wurde in den Jahren 1975 bis 1978 geschrieben. ]

 

Fantasy-Serie

von

Karl-Heinz R. Friedhoff

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PROLOG:

 

Auf dem Planeten FATOM,

einer Parallelwelt der Erde in einem anderen Universum,

besteht auf dem Kontinent Eropan das mächtige Reich LIPPIA.

Seine Herrscher, die fünf "Lords von Lippia",

wollen eine ganze Welt unter ihre Herrschaft zwingen.

Im Volksmund nennt man sie und ihre Ritterschaft den

CLAN  DER  LORDS.

Ihre Namen sind:

Lord Manot von Südlippia,

Lord Albertin von Delemund,

Lord Rikard von Schwanenwehr,

Lord Berthon von Burg Makowe,

und Lord Gunther von Scharage.

 

Dies ist ihre phantastische Geschichte, die Geschichte vom Aufstieg und Fall eines mächtigen Fürstenclans, der eine ganze Welt erobern will und sich nicht hindern läßt auf den Wege zur Macht, weder von den Heerscharen anderer mächtiger Reiche, noch durch Götter, Magier oder Dämonen.

Es ist die Geschichte einer Epoche, in der das Wort eines Fürsten Gesetz ist und die Schärfe eines Schwertes das Recht bestimmt. Ganze Kulturen sind dem Untergang geweiht, selbst Götter werden sterblich durch des Menschen Hand. Königreiche, Imperien und ganze Völker gehen unter im Ansturm der Eroberer aus dem lippischen Reich. Die Bastionen der Götter selbst drohen niedergerissen zu werden von lippischer Hand.

Doch sind die Heere der Lords auch noch so stark und unbezwingbar, so ist doch der Untergang ihres Imperiums am Ende unabwendbar. In den Staub getretene Völker werden sich gegen den mächtigen CLAN DER LORDS erheben, und ihre Rache wird das Reich LIPPIA in Blut und Flammen untergehen lassen, wenn die Zeit gekommen ist.......

 

 

 Karte von Eropan

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Band 12

 

Die Tyrannen von Lippia

 

Auf dem Kontinent Eropan zählte man das 125. Jahr seit der Gründung des lippischen Reiches, welches jetzt nahezu den gesamten Kontinent beherrschte.

Die Länder im Süden waren zwar noch relativ eigenständig, mussten jedoch den lippischen Lords Tribute zahlen und ein Bündnisheer für den Waffendienst stellen.

Aber diese Eigenständigkeit sollte schon bald vorbei sein, denn die Lords beabsichtigten, alle südlichen Nationen in einer lippischen Südmark zusammenzufassen und übten bereits diplomatischen Druck auf die Fürsten des Südens aus, welche nicht die Macht besaßen, sich den Forderungen der Lords zu widersetzen.

Zwar hatte der Süden Gesandte nach Stadt-Lippia geschickt, welche die Lords umzustimmen versuchten, aber diese ließen sich erst gar nicht auf Verhandlungen über eine weitere Autonomie des Südens ein.

Lord Albertin, der zwischenzeitlich das Amt des Kriegslords übernommen hatte, schickte schließlich Truppen in den Süden und zwang damit die dortigen Fürsten, sich jetzt völlig der lippischen Oberherrschaft zu unterwerfen.

Von allen eropanischen Nationen waren jetzt nur noch die Inseln Helgona im Norden und Spadalo im Süden selbständig, abgesehen von den Amazonenländern Kajos und Ramo.

 

 

Auf Burg Akaze:

        "Meine Herren", begann Lord Albertin, "Ich habe Euch hergebeten, weil die Verleihung zweier wichtiger Reichsämter ansteht. Wir haben dem Reich eine neue Provinz hinzugefügt, für die wir einen neuen Peer als Lordbevollmächtigten einsetzen müssen. Zudem muss ich zum wiederholten Male daran erinnern, dass wir für die Nordostmark Hambonia noch immer keinen Peer ernannt haben. Darum frage ich Euch, ob Ihr Vorschläge machen könnt, wen wir mit diesen Ämtern betrauen sollen."

        "Einen wüßte ich schon", meinte Berthon, "Doch ich weiß nicht, ob er Euch genehm sein wird."

        "Sagt an, von wem Ihr sprecht", verlangte Rikard.

        "Ihr selbst habt ihn während des hambonischen Feldzuges seiner Ämter enthoben. Ich spreche von Ritter Manrath, der zwei Monde lang in Festungshaft auf Donnerberg verbringen musste und dann mit Rücksicht auf seine Verdienste begnadigt wurde."

        "Ist denn nicht zu befürchten", wandte Albertin ein, "dass er auf Vergeltung für seine Haft sinnen wird, wenn er wieder über die Machtbefugnisse eines Peers verfügt?"

        "Manrath ist ein ehrgeiziger Mann", meinte Rikard abwinkend, "der sich durch die Verleihung von Amt und Würden schnell besänftigen läßt. Die Ernennung zum Peer der Südmark wird ihn seinen Groll schnell vergessen lassen."

        "Dann soll es so sein", nickte Albertin, "Doch wer soll der Peer der Nordostmark werden?"

        "Was haltet Ihr von Ritter Zillos von Makowe?" schlug Manot vor, "Er ist zwar einer der Jüngeren in der Ritterschaft, dennoch halte ich ihn für geeignet."

        "Zillos ist mehr Kaufmann und Verwalter als Kriegsmann", murmelte Gunther, "Wird er als solcher zum Peer taugen?"

        "Für die Verwaltung einer großen Provinz ist ohnehin ein Kaufmann mehr vonnöten als ein Krieger", sprach Rikard, "Ich glaube, dass Zillos geeignet ist."

Es gab keine weiteren Einwände und so kam es, dass Ritter Manrath zum neuen Peer der Südmark und Ritter Zillos zum Peer der Nordostmark ernannt wurden.

 

 

Sechs Jahre vergingen nach der Eingliederung des Südens in das lippische Reich, welches in diesen Jahren in voller Blüte stand.

Quer durch den Kontinent wurden breite Straßen gebaut, auf den bald schon schwer beladene Wagenzüge rollten, denn der Handel zwischen den Provinzen erreichte bald ungeahnte Ausmaße, die alle vorherigen Handelsbeziehungen in den Schatten stellten, denn es gab keine hinderlichen Grenzen mehr und auch die Schwiergkeiten der Kaufleute durch die unterschiedliche Gesetze gehörten der Vergangenheit an.

Noch bedeutender aber wurde der sich immer mehr ausweitende Seehandel mit den bislang wenig bekannten Ländern des Nachbarkontinentes Asani, mit denen zuvor nur das noch immer unabhängige Inselreich Spadalo Handel betrieben hatte.

Nun aber kamen immer mehr fremdländische Schiffe auch in die lippischen Häfen. Segler aus Gryka und Ariban, Ruderer auch Turkin und Dschunken aus Kichani gingen in den lippischen Häfen vor Anker und brachten ihre Fracht an Land. Sogar die schwarzhäutigen Menschen von den großen Inseln Atalania und Agypar, weit draußen im Südmeer gelegen, kamen mit ihren großen, kunstvoll bemalten und mit Schnitzwerk verzierten Langbooten nach Lippia, um hier Tauschhandel zu betreiben. Und auch von dem Inselreich Helvita, wo die geheimnisvolle Königin Caralmot herrschte, kamen hin und wieder Frachtschiffe nach Lippia.

Die Häfen von Magaro, Dorta, Ana und Koblezor wurden zu Hauptumschlagplätzen dieses nahezu weltweiten Handelsnetzes und mussten ihre Hafenanlagen schon bald vergrößern. Von hier aus wurden die Güter mit großen Wagenzügen ins Landesinnere gebracht oder auf andere Schiffe umgeladen, welche sie zu den weiter nördlich gelegenen Häfen Delemas und Hambonias weitertransportierten. Solche Seetransporte durch die stürmischen Nordgewässer wurden inzwischen auch häufig von den helgonischen Seefahrern übernommen, die sich dem Wandel der Zeiten angepaßt und das Piratenhandwerk aufgegeben hatten.

Doch längst waren hier andere an ihre Stelle getreten.

Die berüchtigten Freibeuter von Aziro, einer von zwei großen Inseln im Großen Meer, machten jetzt das Südmeer und vor allen die südlichen Küstengewässer Asanis unsicher.

Sinnigerweise verkauften sie ihre Beute später an lippische Kaufleute, die das natürlich nicht ablehnten, denn die Freibeuter boten erbeuteten Waren weitaus billiger an als ihre ursprünglichen Besitzer.

Doch auch im Norden gab es neue Piraten, die von den Lippiern weitaus weniger gern gesehen wurden.

Die Kriegsflotte von Normia, einem Reich von asketischen Klerikern im hohen Norden Asanis, ehemals verbündet mit Hambonia, verübte immer häufiger Überfälle auf Kauffahrerschiffe im Nordmeer und war sogar schon mit lippischen Kriegsschiffen aneinander geraten.

Vor allem letzteres gab den Lords sehr zu denken, denn sie hatten nicht vergessen, dass die Normier Verbündete des einstigen Hambonias gewesen waren und viele Hambonen vor den lippischen Invasionstruppen über das Nordmeer nach Normia geflohen waren.

Außerdem war bekannt, dass die Normier noch weitaus fanatischere Anhänger des Drachenkultes waren als die einstigen Herren von Hambonia. Das häufige Auftauchen normischer Schiffsgeschwader vor den nördlichen Küsten Eropans ließ daher befürchten, dass die Normier es auf einen Seekrieg mit Lippia ankommen lassen wollten.

Um nicht ihre Flotte kostspielig vergrößern zu müssen, heuerten die Lords delemanische, helgonische und auch cromanisch-hambonische Kapitäne an, die bewaffnete Schiffe besaßen und nun für guten Lohn die Nordküsten bewachten.

Daraufhin kamen die normischen Kampfschiffe zwar nicht mehr so nahe an die Küste heran, überfielen jedoch weiterhin Frachtschiffe, die zumeist lippischer Herkunft waren.

Schließlich kam es zu einer Seeschlacht der Normier gegen die Wachschiffe, aus der die Kriegsschiffe der Normier siegreich hervorgingen.

Nun begannen die lippischen Lords einen Feldzug gegen Normia in Erwägung zu ziehen.

 

Obwohl Lippia jetzt ganz Eropan beherrschte und es kein Land mehr auf dem Kontinent gab, das Lippia zu Lande hätte bedrohen können, hatten die Lords ihre Streitkräfte fast auf das Doppelte ihrer ursprünglichen Stärke vergrößert.

Während die Provinzen Delema, Hambonia, Hellebona und Südland Bundesheere von jeweils zehntausend Kriegern zu stellen hatten, zählten die lippischen Truppen jetzt rund 165.000 Soldaten.

Dies war eine gewaltige Kriegsmacht, die nicht für Friedenszeiten gedacht war. Und so manchem kam der Gedanke, dass die Lords von Lippia weitere kriegerische Unternehmungen planten.

 

 

Die gesamte lippische Ritterschaft, die Abgesandten der Reichgemarkungen und deren Peere hatten sich auf Burg-Südlippia versammelt, wo Lord Albertin ihnen folgendes kundtat:

        "Peers, Ritter und Gesandte! Wir haben Euch kommen lassen, damit Ihr aus unserem Munde erfahrt, dass das Reich gezwungen ist, abermals gegen einen Feind anzutreten. Dieser Feind ist das nordasanische Reich Normia, das letzte Reich der Drachenanbeter. Seit geraumer Zeit machen normische Kampfschiffe die nördlichen Küstengewässer unsicher und greifen immer wieder unsere Frachtschiffe an, um sie auszurauben und anschließend zu versenken. Da es sich offensichtlich nicht um gewöhnliche Piraten handelt, sondern um ganze Geschwader von Kriegsschiffen unter normischer Flagge, gehen wir davon aus, dass die Normier uns einen Seekrieg aufzwingen wollen. Sie verfügen über eine sehr starke Seemacht, die der unsrigen zumindest ebenbürtig sein dürfte. Die Berichte unserer Spione lassen uns vermuten, dass vor allem der Einfluß hambonischer Adliger, die ins Exil nach Normia geflohen sind, der Grund für diese Feindseligkeiten ist. Wir können diese Attacken nicht länger dulden. Wenn die Normier uns jedoch zu einem Seekrieg zwingen wollen, werden wir ihnen diesen Gefallen nicht tun. Stattdessen werden wir die Normier zwingen, uns zu Lande entgegenzutreten, denn wir beabsichtigen, das letzte Reich der Drachenanbeter im kommenden Frühjahr anzugreifen."

 

Die meisten der Versammelten waren ob dieser Ankündigung ziemlich verblüfft, zum Teil sogar erschrocken. Erregtes Stimmengewirr wurde laut, so dass Lord Manot energisch Ruhe gebieten musste.

        "Mitten im Frieden wollt Ihr einen Krieg beginnen?" rief Ritter Manrath aufgebracht, "Welchen Nutzen kann das haben?"

        "Lippia ist doch jetzt so groß und so mächtig", wandte auch Gaiwan von Keleva ein, "dass Normia keine ernsthafte Bedrohung für uns darstellen kann. Es wäre angemessener, nur die normischen Schiffe mit unserer Flotte zu vernichten anstatt einen aufwendigen und teuren Feldzug zu Lande zu führen."

        "Können wir nicht mit den Normiern verhandeln und ein Abkommen mit ihnen schließen?" fragte Gabinius von Warana.

        "Wenn wir mit den Normiern günstige Handelsabkommen abschließen", ließ sich Isidor von Magaro vernehmen, "werden sie uns kaum weiter bekämpfen. Wer lohnenden Handel treiben kann, führt keine Kriege."

        "Auch ich erhebe meine Stimme gegen einen solchen Kriegszug!" rief Gerwin von Doron, "In dieser Blütezeit des Reiches kann ein Krieg uns nur schaden. Ein Feldzug verschlingt Gelder, die dem Gemeinwesen fehlen. Also wird das einfache Volk darunter leiden müssen."

 

        "Genug!!!" rief da Lord Rikard und sprang zornig auf, "Wir haben Euch nicht kommen lassen, um Eure Einwände zu hören, sondern um Euch unseren Willen zu verkünden. Der Feldzug gegen Normia ist unser fester Entschluß und Ihr habt unseren Weisungen Folge zu leisten! Dazu seid Ihr als Lehnsleute und durch Euren Treueid verpflichtet. Darum werdet Ihr unverzüglich mit den Vorbereitungen für den Feldzug gegen Normia beginnen!"

 

 

Am Tage nach der Versammlung kam es zu einem weiteren Zusammentreffen im Brandschlößchen der Lady Angelique, welches im Westteil Stadt-Lippias in einem kleinen Park gelegen war.

Auffallend war, dass viele der dort eintreffenden Gäste sorgsam darauf bedacht schienen, auf der Straße ihre Gesichter im Verborgenen zu halten, um nicht erkannt zu werden.

Zwei Damen und zwölf Männer waren es, die an diesem Tage in das Brandschlößchen gekommen waren.

Die beiden Frauen waren Lady Sigrun vom Bolanhaus und Lady Sieglinde vom Bessariushaus, die Oberhäupter der lippischen Kaufmannsgilden und Herrinnen zweier reicher Handelshäuser, die in fast allen Hafenstädten der Westküste ihre Niederlassungen hatten.

Die Männer waren keine anderen als die Ritter Manrath, Gaiwan von Keleva, Arkadius von Ossabrun, Isidor von Magaro, Hegelot von Dorta, Hereon von Arnbor, Etlantros von Gandor, Kletos von Büra, Gatos von Leba, Gabinius von Warana, Talean von Hemba und Gerwin von Doron.

 

Sie saßen den ganzen Tag und auch noch die darauffolgende Nacht beisammen, um über die Kriegspläne der Lords zu debattieren.

Niemand von ihnen konnte diese Kriegspläne gutheißen, vor allem nicht die beiden Damen von den Kaufmannsgilden, die ihre weitverzweigten Handelsbeziehungen durch mögliche Kriegswirren bedroht sahen.

Und schließlich faßten sie einen folgenschweren Entschluß. Sie beschlossen, sich gegen die Lords von Lippia zu erheben, um einen weiteren Krieg zu verhindern.

Der Peer Manrath erbot sich, ein Rebellenheer in der Südmark aufzustellen, während die anderen das nötige Geld und die Waffen besorgen sollten.

Desweiteren wollte man sich mit Bacanius, den Tyrannen von Spadalo, in Verbindung setzen, damit dessen Soldaten die Rebellen zu Kriegern ausbildeten. Zusätzlich einigte man sich darüber, auch die Angehörigen des lippischen Altadels für die Rebellion zu gewinnen, die den Lords schon seit jeher feindlich gesinnt waren.

Als die Männer und Frauen dieser geheimen Zusammenkunft sich trennten, war ihnen allen bewusst, dass das, was sie taten, nichts anderes als Hochverrat war.....

 

 

Der Peer Manrath hatte seine südmärkische Residenz auf der Festung Salim im ehemaligen Fürstentum Sali eingerichtet. Von dort aus ging seine Weisung an die Fürsten des Südens, dass diese die von den Lords neu erhobene Kriegssteuer einztreiben und an ihn abzugeben hatten.

Weiter, so befahl der Peer, sollte man ihm den Namen eines jeden melden, der seinen Unmut über diese neue Steuer zu äußern wagte. Auf diese Weise hoffte Manrath zu erfahren, wen er vielleicht für seine Sache gewinnen konnte.

 

Als nach Ablauf eines Mondes die ersten Gelder auf Salim eintrafen, zweigte er von der eingenommenen Summe ein gutes Drittel ab und sandte den verbliebenen Teil an den Reichsschatzmeister in Stadt-Lippia.

Vom unterschlagenen Teil der Abgaben schickte er die Hälfte an die Herrinnen der Kaufmannsgilde, damit diese davon Waffen für das zukünftige Rebellenheer kaufen sollten, während Manrath im Süden und in Spadalo Söldner anwerben ließ.

Auch die mit ihm verbündeten Ritter behielten einen Teil der Abgaben zurück und sandten diesen an Manrath nach Salim.

Die Lords ahnten von alledem nicht und nicht einmal ihre Spione, die "Kundschafter vom schwarzen Stern", hegten den geringsten Verdacht.

 

 

        "Baron, ich habe eine Botschaft vom Peer des Südens für Euch", erklärte der Kurier, der mit vermummtem Antlitz im Hof des Baronhauses in Kolona aufgetaucht war.

Baron Siepran, ein Angehöriger des entmachteten lippischen Altadels, wunderte sich zwar, dass ihm ausgerechnet ein lippischer Peer eine Botschaft überbringen ließ, doch er nahm sie entgegen, ohne eine Wort darüber zu verlieren.

Der Geheimkurier, seinem Akzent nach ein Kobalier, hielt sich nicht länger als nötig im Hause des Barons auf. Noch während dieser das Siegel der Schriftrolle erbrach, war der Mann bereits wieder verschwunden.

 

Als Siepran die Botschaft las, kannte sein Erstaunen keine Grenzen, denn Ritter Manrath bat ihn in aller Form darum, heimlich zu ihm nach Salim zu kommen, um mit ihm über eine äußerst wichtige Angelegenheit zu beraten.

Dem Baron widerstrebte es zunächst, dieser Einladung zu folgen, doch er war neugierig zu erfahren, was der Peer des Südens mit ihm zu beraten hatte. Am Ende siegte seine Neugier und er begann noch am selben Tag mit den Vorbereitungen für die Reise.

Er ahnte allerdings nicht, dass Manrath außer ihm auch noch andere nach Salim geladen hatte, denn der Peer hatte folgenden Männern eine gleichlautende Botschaft zugesandt: dem Baron Müllak aus Kolona, dem aufrührerischen Delemaner Herzog Diseram aus Berema, den hambonischen Herzögen Workus und Dadon sowie den lippischen Adligen Graf Giesan und Baron Brandos aus Stadt-Lippia.

All diese Männer waren Adlige, die oder deren Väter von den Lords oder deren Voergängern entmachtet worden waren und dadurch ihre Privilegien und einen Großteil ihrer Besitztümer verloren hatten.

Für Manraths Ziele waren es gerade die richtigen Verbündeten, auch wenn er sie nicht besonders mochte. Aber der entmachtete Adel in Lippia und in den eroberten Provinzen war den Lords und ihren Rittern seit jeher feindlich gesinnt und am ehesten bereit, eine Rebellion zu unterstützen.

Auch Panharen, ein skrupelloser Händler aus Spadalo, der früher mit Sklaven gehandelt hatte, gehörte inzwischen zu Manraths Verbündeten, da er hoffte, nach der Entmachtung der Lords auf ganz Eropan wieder Sklavenhandel betreiben zu können.

Manrath ließ ihn in dem Glauben, nahm sich jedoch vor, diesen zweifelhaften Verbündeten später schnellstens zu beseitigen.

 

Innerhalb von zwölf Wochen hatte Manrath mit allen ihm bekannten Gegnerns der Lords verhandelt und sich ihrer Unterstützung versichert. Es gelang ihm sogar, Bacanius von Spadalo als Verbündeten zu gewinnen, der ihm die Hilfe seines Kriegsvolkes und seiner Seemacht zusicherte und ihm zudem die Erlaubnis gab, die Rebellenarmee auf Spadalo aufzustellen, damit ihre Existenz nicht zu früh entdeckt werden konnte.

 

Dann aber erhielt Manrath unerwarteten Besuch, denn der asanische Magier Iljuschy erschien bei ihm auf Salim und bot ihm seine Hilfe an.....

 

 

        "Wie kommt es, dass Ihr mir helfen wollt, Magier?" fragte Manrath seinen unerwarteten Besucher, "Ich war immer davon überzeugt, dass Ihr ein treuer Freund der Lords wäret. Schließlich habt Ihr mit ihnen Gras und Erde gehalten. Und nun wollt Ihr Euch gegen sie wenden?"

        "Bislang habe ich den Lords von Lippia die Treue gehalten", sprach der Magier, "Aber ich diene den Herren der Ordnung, die Ihr die Götter des Lichtes nennt, und nicht den lippischen Lords. Mit den Schwertern der Rose wurde den Lords große Macht in die Hände gegeben, doch ich fürchte, dass sie diese Macht mißbrauchen werden. Die Schergen des Chaos haben sich in ihre Schlupfwinkel verkrochen und das lippische Reich hat keine Bedrohung mehr zu fürchten. Dies ist im Sinne der Ordnung und es gibt keinen Grund, den jetzigen Zustand der Ruhe und des Friedens zu stören. Dennoch wollen die Lords einen Krieg beginnen und damit wären sie den Mächten des Chaos zu Diensten, auch wenn sie das nicht beabsichtigen."

        "Genau das wollen wir verhindern", erklärte Manrath, "Wir wollen die Lords entmachten, damit der Frieden auf Eropan erhalten bleibt."

        "Deshalb will ich Euch helfen", meinte Iljuschy, "denn ich will verhindern, dass die Mächte des Chaos neu erstarken können. Aber ich fürchte, dass Eure Rebellion zu einem Bürgerkrieg führen wird, der vielleicht schlimmere Auswirkungen haben wird als ein Krieg gegen das ferne Normia."

        "Wir wollen versuchen, die Lords im Handstreich zu entmachten", erklärte Manrath, "damit es erst gar nicht zu langen Kämpfen kommt."

        "Dazu müßtet Ihr den größten Teil der lippischen Truppen auf Eure Seite bringen", murmelte Iljuschy, "aber die meisten Soldaten sind den Lords treu ergeben. Ihr könnt bestenfalls darauf hoffen, dass sich die hellebonischen, südländischen und hambonischen Bundestruppen auf Eure Seite schlagen. Das lippische Kriegsvolk wird sich auf jeden Fall gegen Euch stellen. Die einzige Möglichkeit wäre, das Volk für Eure Sache zu gewinnen, denn dann wird es den Heeren der Lords schwerer fallen, gegen Euch vorzugehen."

        "Und wie soll ich das Volk für mich gewinnen?" wollte Manrath wissen.

        "Die Weisen von Uman werden Euch helfen, denn auch sie wollen keinen Krieg mit den Normiern. Die Weisen werden gegen diesen Krieg predigen und wenn die Lords ihre Pläne nicht ändern, werden sie das Vertrauen des Volkes verlieren. Dann ist es an der Zeit, ihre Herrschaft zu beenden."

 

 

Die Weisen von Uman sollten ihr Versprechen einhalten, denn schon bald predigten die Godor-Priester in ihren Tempeln gegen alle Kriegs- und Eroberungsgelüste.

In aller Offenheit wetterten sie gegen die Kriegsvorbereitungen der Lords und ihre Worte drangen in die Hirne der Menschen, welche bald ihren Unwillen über die Kriegspläne ihrer Herrscher zwar noch nicht offen, jedoch im vertrauten Kreise immer häufiger zu äußern begannen.

Doch die Leute der "Gilde vom Schwarzen Stern", die Spione Lord Rikards, waren überall zugegen und so kam es, dass mancher Bürger wegen aufrührerischer Reden festgenommen wurde, was allerdings den Unmut der Bevölkerung nur noch größer machte.

Sogar innerhalb des lippischen Kriegsvolkes machte sich ein gewisser Mißmut breit, was den Offizieren Grund zu nicht geringer Besorgnis gab....

 

 

        "Das Volk beginnt zu murren", sprach Rikard mit ernst Miene, "Und daran sind die Priester nicht ganz unschuldig, denn sie predigen überall wider unseren geplanten Feldzug gegen die Normier. Sogar unter den Kriegern gibt es bereits verhaltenen Widerspruch."

        "Ich verstehe nicht, warum sich die Weisen von Uman auf einmal gegen uns stellen", murmelte Lord Manot, während er vor dem Kamin stand und in die züngelnden Flammen starrte.

        "Ich habe mit einem der Priester gesprochen", meinte der Peer Eggius, während er den beiden Lords Trinkschalen mit heißem Kavoree anbot, "aber der Mann gab meiner Meinung nach nur unverständliches Zeug von sich, das er mit allerlei mystischem Gefasel auszuschmücken beliebte."

        "Was hat der Priester denn gesagt", wollte Rikard wissen, während er die dampfende Schale an die Lippen hob.

        "Wie ich schon sagte, redete er völligen Unsinn", antwortete Eggius mit geringschätzigem Ausdruck, "Er sprach von der Rückkehr der finsteren Götter und einem neuen Erstarken der Mächte des Chaos durch die Gewalttaten eines neuen Krieges. Die Weisen von Uman glauben offenbar, dass die Götter des Lichts sich von Lippia abwenden werden, wenn wir den Krieg nach Asani tragen. Und sie behaupten, dass dies am Ende zum Untergang des Reiches führen würde."

 

Nachdenklich steckte sich Rikard ein Rauchstäbchen zwischen die Lippen, entzündete es bedächtig und begann den aufputschenden Rauch genüßlich zu inhalieren. Nach einigen Zügen meinte er:

        "Vielleicht sollten wir wirklich keinen Krieg mit den Normiern beginnen, aber mittlerweile haben sich Dinge ereignet, die uns früher oder später zum Handeln zwingen werden."

        "Was meint Ihr damit?" fragte Manot, der sich jetzt vom Kamin abwandte und sich in einen der dick gepolsterten Sessel fallen ließ.

        "Gestern abend erhielt ich besorgniserregende Nachrichten von meinen Spionen", erklärte der Lord von Schwanenwehr mit ernster Miene, "Demzufolge ist das normische Heer in das benachbarte Mangolan eingefallen. Offenbar sind die Normier bestrebt, ihren Machtbereich in Asani auszudehnen. Und das wird ihnen sicherlich gelingen, wenn wir nichts dagegen unternehmen."

        "Die Normier werden es wohl kaum schaffen, ganz Asani zu unterwerfen", winkte Manot ab.

        "Dessen wäre ich mir nicht so sicher", widersprach ihm Rikard, "denn auf dem gesamten asanischen Kontinent verfügen nur die Normier über Kanonen und Schießpulver. Damit sind sie allen anderen asanischen Völkern militärisch überlegen."

        "Dann müssen wir tatsächlich etwas unternehmen", murmelte Lord Manot, "auch wenn das dem Volk und den Priestern nicht gefällt."

 

 

Dass die Nachrichten aus Mangolan wahr zu sein schienen, war schon in den nächsten Wochen am Ausbleiben mangolanischer Schiffe in den lippischen Häfen zu erkennen.

Nach und nach erfuhr man schließlich gerüchteweise von anderen asanischen Seefahrern, dass die Steppenbewohner von Mangolan verzweifelt gegen die Invasoren aus Normia kämpften.

Und nun gab es wiederum viele, die jetzt in Normia eine Gefahr sahen, der die lippische Kriegsmacht entgegentreten sollte.

 

Auch in Salim drangen diese Neuigkeiten an Manraths Ohren und so besprach er die neue Lage mit Meister Iljuschy, der wieder bei ihm zu Gast weilte.

 

        "Meister Ijuschy", wandte sich der Peer des Südens an den Magier, "wenn die Gerüchte aus Asani der Wahrheit entsprechen, dann wird auch eine Entmachtung der Lords nicht verhindern, dass es schlußendlich doch zu einem Waffengang zwischen Lippia und Normia kommen wird. Ich glaube fast, dass unser Vorhaben angesichts der jüngsten Entwicklungen auf dem Nachbarkontinent hinfällig geworden ist. Denn wenn wir jetzt einen Bruderkrieg entfachen, nutzen wir damit nur den Normiern. Ich frage mich, ob es nicht besser wäre, unsere Pläne aufzugeben."

        "Dazu ist es jetzt wohl schon zu spät", meinte Iljuschy, "denn Eure Bundesgenossen werden damit nicht einverstanden sein."

        "Die bislang mit uns verbündeten Ritter haben mir bereits zu verstehen gegeben, dass ich nicht länger auf sie zählen kann und dass sie eher auf seiten der Lords stehen werden, als dass sie vielleicht den Untergang des Reiches heraufbeschwören. Und ich glaube auch nicht, dass die Kaufmannsgilde uns jetzt noch unterstützen wird."

        "Aber die Altadligen und ihr Rebellenheer brennen darauf, sich gegen die Lords zu erheben", gab Iljuschy zu bedenken, "Wie wollt Ihr die Grafen und Barone davon überzeugen, dass sie das Vorhaben aufgeben sollen? Auch Bacanius von Spadalo wird das nicht so ohne weiteres hinnehmen. Die Waffe, die Ihr geschmiedet habt, wird sich gegen Euch selbst richten, wenn Ihr sie nicht führen wollt. Auch ohne Euch wird es zu einem Aufstand kommen."

        "Dann ist mein Schicksal besiegelt", murmelte Manrath düster, "und ich kann nichts tun, um es zu wenden."

        "Noch ist nicht alles verloren", wandte Iljuschy ein, "Außerdem ist Eure Sache nicht ganz so sinnlos, wie es Euch jetzt erscheinen mag. Denn ich glaube noch immer, dass der Frieden wenigstens auf Eropan erhalten werden kann. Solange die Normier damit beschäftigt sind, asanische Länder zu erobern, sind sie keine Bedrohung für Lippia. Sie können schließlich nicht an mehreren Fronten zugleich kämpfen. Erst wenn auch lippische Truppen in den asanischen Ländern sind, ist der Krieg mit Normia unvermeidlich. Doch was wäre die Folge, wenn es den Lords gelingt, die Normier zu besiegen? Glaubt Ihr denn, die Lords gäben sich damit zufrieden? Ganz gewiß nicht, denn sie werden genau das tun, was jetzt die Normier versuchen, nämlich die Unterwerfung der asanischen Völker. Jahrelange Kriege und sinnloses Blutvergießen wären die Folge. Das aber sind genau die Umstände, unter denen die Götter der Finsternis neue Macht erlangen und auf unsere Welt zurückkehren können. Auch die Herren der Ordnung, denen ich diene, betrachten die lippischen Lords bereits als eine ernstzunehmende Gefahr. Wollt Ihr zulassen, dass das lippische Reich zum Werkzeug der Chaosmächte wird?"

        "Könntet Ihr denn die eingeweihten Ritter dazu bringen, trotzdem weiter zu uns zu stehen?" fragte Manrath zweifelnd.

        "Nein", antwortete der Magier bestimmt, "Ich glaube nicht, dass sie unter den jetzigen Bedingungen noch bereit sind, sich gegen die Lords zu stellen. Vielleicht werden sie sich neutral verhalten, aber mehr können wir von ihnen wohl nicht erwarten."

        "Dann sagt mir, was ich jetzt tun soll."

        "Die Lords müssen sterben", sprach der Magier ernst, "denn solange sie leben, werden die lippischen Armeen ihnen treu ergeben sein. Euer Rebellenheer würde unweigerlich zum Untergang verurteilt sein."

        "Wie könnte ich das bewerkstelligen?"

        "Die Lords müssen von ihren Truppen getrennt werden. Und sie dürfen keine Gelegenheit bekommen, ihre magischen Schwerter zu benutzen, denn damit wären sie fast unbesiegbar. Ein Pfeil aus dem Hinterhalt oder ein vergifteter Trank wären geeignete Mittel, denn dagegen sind sie nicht gefeit. Ich rate Euch also, die Lords zu einem Festbankett hierher nach Salim zu laden und mit Gift umzubringen. Wenn dies geschehen ist, könnt Ihr Euch in Eurer Eigenschaft als Peer des Reiches zum Oberbefehlshaber der Truppen ausrufen lassen und gegebenenfalls den lippischen Altadligen den Mord an den Lords unterstellen. So könnt Ihr Euch Eurer unbequemen Verbündeten auf einfache Weise entledigen. Wenn die Ritter und Tribune Euch als Befehlshaber anerkennen, habt Ihr gewonnen. Andernfalls wird es einen blutigen Bürgerkrieg geben, was wir jedoch nicht hoffen wollen."

        "Also gut", entschied sich der Peer, "Ich werde Eurem Ratschlag folgen und die Lords nach Salim einladen. Doch was soll ich tun, wenn sie nicht alle kommen?"

        "Dann sendet geschickte Attentäter zu den anderen", sprach Iljuschy, "Aber sendet zu jedem Lord mindestens zwei, damit wenigsten einer davon sein Werk vollbringt."

        "All dies gefällt mir ganz und gar nicht", murmelte Manrath leise, "doch ich sehe auch, dass es für uns kein Zurück mehr gibt. Ich hoffe nur, dass wir damit den Frieden für Eropan erhalten können."

 

 

Schnelle Boten eilten zu den Stammburgen der Lords, um diesen die Einladung des Peers der Südmark zu überbringen.

Ohne Argwohn nahmen die Lords Berthon und Gunther die Einladung an und machten sich noch in derselben Woche auf den Weg in den Süden.

Rikard, Manot und Albertin versprachen, in den nächsten Tagen nachzukommen.

Aber dann geschah etwas, was Manraths Pläne durchkreuzte......

 

 

Ihr Name war Marliane und sie war eine Stammeskriegerin aus Kajos. Niemand wußte, dass sie im Dienste des Barons Siepran stand, einem Angehörigen des alten Adelsstandes. Und niemand ahnte, dass Siepran ihr den Auftrag erteilt hatte, Lord Rikard zu ermorden.

Marliane gehörte zu einer Abteilung berittener Kriegsfrauen in Rikards Leibgarde. Dadurch war es ihr möglich, eine Gelegenheit zu finden, in der sie nahe genug an den Lord herankommen konnte, um ihm ihr Schwert in den Rücken zu stoßen.

 

Baron Siepran hatte in Erfahrung gebracht, dass Lord Rikard zusammen mit Lord Manot am 19.Tag des Mondes bei der Lady Angelique auf dem Brandschloß im östlichen Teil Stadt-Lippias zu Gast sein würde.

Der Altadlige wollte die Gunst der Stunde nutzen und die beiden bei dieser Gelegenheit töten lassen. Allerdings konnte er nicht ahnen, dass Rikard inzwischen über die magischen Kräfte eines Dämons verfügte. Niemand wußte es und Rikard hielt seine Fähigkeiten tunlichst geheim. Darum wußte auch die Kriegerin nicht, dass sie einen Mann töten wollte, der ein halber Dämon war.

Es sprach für Sieprans Umsicht, dass er zusätzlich zwei Dutzend Bewaffnete im Hof des kleinen Wohnschlosses postiert hatte, die sich dort verborgen hielten, um über den Begleitschutz der beiden Lords herfallen zu können, sobald Rikard den Todesstoß erhalten hatte.

Wie es das Schicksal bestimmte, so geschah es schließlich.

Spät in der Nacht verabschiedeten sich die beiden Lords von Lady Angelique und kamen in den Hof, wo ihre Eskorte bereits wartete. Die Eskorte bestand aus vier kajosischen Kriegerinnen, sechs Reitern aus Rikards leichter Kavallerie und sechs gepanzerten Dragonern aus Manraths Reiterei.

Eine der vier Kriegerinnen war Marliane, die jetzt Rikards Pferd am Zügel hielt. Rikard griff nach dem Sattelhorn, um sich hinaufzuschwingen, da zog Marliane blitzschnell ihr Kurzschwert, um es dem Lord in den Rücken zu stoßen. Im selben Moment aber wirbelte Rikard herum, seine behandschuhte Faust schmetterte mit voller Wucht in ihr Gesicht und brach ihr das Nasenbein, so dass sie benommen rücklings auf den steingepflasterten Boden stürzte.

Dann zog der Lord sein Runenschwert, dessen schwarze Klinge ein schauriges Wimmern von sich gab und nach einem Opfer verlangte. Marliane konnte nicht einmal mehr schreien, als ein sausender Hieb ihr den Kopf abtrennte.

 

Manot, der schon im Sattel saß, trieb sein Pferd heran, da er aufgrund des herrschenden Zwielichtes nicht recht erkennen konnte, was da vor sich ging.

Verblüffung malte sich in seine Züge, als er die kopflose Leiche zu Rikards Füßen sah.

Im nächsten Augenblick packte Rikard seinen Arm und zerrte ihn zu sich herunter, so dass er das Gleichgewicht verlor und unsanft aus dem Sattel fiel.

Fast gleichzeitig sausten gut ein Dutzend Pfeile über ihn hinweg, die ihn sicher durchbohrt hätten, wäre er noch im Sattel verblieben.

Enttäuschtes Fluchen ertönte aus dem Halbdunkel, dann lösten sich finstere Gestalten aus den Schatten und stürzten sich waffenschwingend auf die beiden Lords und ihre Begleiter.

Herzschläge später herrschte auf dem Hof ein chaotisches Kampfgetümmel.

Die Attentäter hatten jedoch den Vorteil der Überraschung verloren und wurden jetzt erbarmungslos niedergekämpft, denn gegen die Machtschwerter der beiden Lords und die Eskorte waren sie im Nachteil.

Als ein Trupp der Stadtwache, vom Kampfeslärm angelockt, im Hof erschien, war der Kampf bereits entschieden.

Zwei der Attentäter waren noch am Leben und ihre Geständnisse führten dazu, dass Baron Siepran noch in derselben Nacht verhaftet wurde.

 

Als er verhört wurde, kam die ganze Tragweite der Verschwörung heraus und dass der Peer der Südmark der eigentliche Kopf dieses verräterischen Unternehmens war......

 

 

Einen Tag später auf Burg Südlippia:

 

        "Wie wir jetzt erfahren haben, bereitet der Peer der Südmark seit geraumer Zeit einen Aufstand gegen uns vor", sprach Lord Manot mit ernster Miene, "Er betrügt uns um Steuerzahlungen, um damit ein Rebellenheer zu bezahlen, dessen Stärke wir nicht einmal kennen. Wir wissen jetzt allerdings, dass Manrath dabei von dem Tyrann von Spadalo unterstützt wird, auf dessen Insel sich die Rebellenstreitmacht derzeit aufhalten soll."

        "Der gesamte lippische Altadel und sogar Teile der Ritterschaft sind darin verwickelt", meinte meinte Albertin nachdenklich, "Wir müssen Manrath unbedingt unschädlich machen, bevor dieses verräterische Treiben noch weiter um sich greift."

        "Habt Ihr schon Kuriere entsandt, die Gunther und Berthon davon abhalten, nach Salim zu reisen?" wollte Rikard wissen.

        "Natürlich", antwortete Manot, "Denn Manraths Einladung ist mit Sicherheit eine heimtückische Falle. Außerdem habe ich gepanzerte Kavallerie nach Salim entsandt, die den Peer des Südens gefangen nehmen soll."

        "Er wird sich dieser Festnahme widersetzen", gab Albertin zu bedenken, "Zudem fürchte ich, dass die Rebellenarmee längst schon auf dem Wege nach Salim ist. Wir sollten uns ebenfalls mit starker Heeresmacht dorthin begeben, um diesen Aufstand niederzuschlagen."

        "Hoffentlich können unsere Kuriere Gunther und Berthon noch einholen", murmelte Rikard düster, "denn sonst werden sie ahnungslos in Manraths Falle laufen."

 

 

Die von Manot entsandten Kuriere schafften es nicht mehr, Berthon und Gunther noch vor Salim einzuholen und so trafen die beiden Lords ohne jeden Argwohn auf Manraths Residenz ein, der sie mit betonter Herzlichkeit emfing.

Der Peer führte seine Gäste ins Kaminzimmer seiner Gemächer, wo sie sich in bequemen Sesseln niederließen und mit munterer Plauderei begannen.

Eine hübsche Magd kredenzte ihnen schweren, süßen Wein in prunkvollen Goldpokalen, dem die beiden Lords gerne zusprachen, waren sie doch dem Genuß berauschender Getränke seit jeher sehr zugetan.

Nachdem sie schon einige Pokale geleert hatten, traten mehrere wohlgestalte Tänzerinnen in äußerst spärlichen Gewändern herein und begannen mit der Darbietung eines sehr erotischen Tanzes.

Berthon und Gunther, bereits leicht berauscht, waren derart angetan und gefesselt von den schönen Tänzerinnen, dass ihnen gar nicht auffiel, wie mehrere Bewaffnete leise in den Raum traten. Und auch die milchige Färbung des Weines, mit dem ihre Pokale schließlich neu gefüllt wurden, bemerkten sie nicht.

        "Lasst uns auf die Schönheit dieser Frauen trinken!" rief der Peer und hob sein Trinkgefäß. Die beiden Lords ergriffen sogleich die ihrigen und leerten sie in einem Zuge.

Und damit waren sie schon so gut wie tot, denn das Gift in ihrem Wein begann sofort zu wirken.

Erst als brennender Schmerz in ihren Eingeweiden zu toben begann und ihnen schier den Atem raubte, erkannten die beiden, welcher Teufelei sie zum Opfer gefallen waren.

Trotz der rasenden Schmerzen aber rappelten sie sich hoch und zogen ihre dunklen Runenschwerter, mit denen sie wutentbrannt den Bewaffneten zu Leibe rückten, die sich jetzt auf sie stürzen wollten.

 

Manrath verließ eilig den Raum, denn er wußte nur zu gut, wie gefährlich die magischen Schwerter waren, auch wenn sie von Todgeweihten geschwungen wurden.

So wartete er im Vorraum auf das Ende des Kampfes, leise den Umstand verfluchend, dass ihm kein schneller wirkendes Gift zur Verfügung gestanden hatte. Als der Kampfeslärm im Kaminzimmer schließlich verstummte, wollte er schon erleichtert aufatmen, doch dann starrte er voller Entsetzen auf die beiden Todgeweihten, die mit bluttriefenden Klingen durch die Tür taumelten.

Hektisch rief der verräterische Peer Verstärkung erbei, die auch kurz darauf erschien und gegen die beiden Lords vorging. Aber die beiden wüteten wie wilde Eber in einer Hundemeute und machten alles nieder, was ihnen in den Weg geriet. Ihre mit magischem Leben erfüllten Klingen mähten wie tödliche Sensen unter Manraths Kriegern. Keiner vermochte Gunter und Berthon aufzuhalten, die in ihrer Pein blindwütig um sich schlugen, beseelt von dem Wunsch, so viele Feinde wie möglich mit in den Tod zu reißen.

So kämpften sie sich bis in den Hof der Festung durch, wo die Männer ihrer Eskorte bereits erschlagen in ihrem Blute lagen. Erst da begann ihre Kraft sie zu verlassen, das Gift in ihren Eingeweiden begann ihnen jetzt endgültig das Leben auszubrennen, bis sie schließlich leblos zu Boden sanken.

Ihr Tod aber hatte einen hohen Blutzoll gefordert, denn dreiundsechzig von Manraths Söldnern waren ihren Schwerthieben zum Opfer gefallen.

Berthon und Gunther waren als Krieger gestorben.

 

 

        "Peer Manrath will seine Söldner schon morgen nach Koblezor übersetzen lassen?" wunderte sich der Herrscher von Spadalo, nachdem er Manraths Boten empfangen hatte, "Soll das bedeuten, dass der Kampf gegen die Lords begonnen hat."

        "So ist es", antwortete der Bote, "In wenigen Tagen werden lippische Streitkräfte vor Salim aufmarschieren. Dann werden wir die Söldner dort brauchen, um die erste Schlacht zu schlagen."

        "Weiß Manrath denn auch, dass nur zwei Drittel seiner Söldner ausreichend bewaffnet sind?" fragte Bacanius, "Und dass er viel zu wenig Artillerie hat? Wie will er damit gegen die kampferprobten Truppen der Lords antreten? Warum wartet Manrath nicht, bis seine Armee besser bewaffnet ist?"

        "Wir können nicht mehr warten", erklärte der Kurier, "denn Manrath hat zwei der Lords auf Salim töten lassen. Die anderen werden nicht lange warten, um Rache zu nehmen."

        "Seid Ihr denn wahnsinnig geworden?" rief Bacanius aufgebracht und sprang erregt auf, "Das war die größte Dummheit, die Ihr begehen konntet! Ihr seid doch noch lang nicht stark genug. Nicht einmal das Volk ist noch auf Eurer Seite. Kaum jemand protestiert noch gegen einen Feldzug gegen die Normier, seit Mangolan überfallen wurde. So berichten es jedenfalls meine Spione. Ihr hättet warten sollen, bis die Lords mit ihren Heeren gegen Normia gezogen wären. Dann hätte Euer Rebellenheer gegen die verbliebenen lippischen Truppen vielleicht eine Chance gehabt. Jetzt aber sind die Lords in der Lage, mehr als hunderttausend gutgerüstete Soldaten gegen Euer erbärmliches Heer aufzubieten. Eure Niederlage ist damit so gut wie sicher!"

        "Dennoch gibt es jetzt kein Zurück mehr", erwiderte der Bote, "Die Würfel des Schicksals sind gefallen. Jetzt müssen wir kämpfen."

        "Dann zieht in Euren sicheren Untergang", meinte Bacanius unwirsch, "Aber Ihr werdet ohne meine Spadaloer kämpfen müssen. Ich bin nicht gewillt, meine Krieger für eine schon verlorene Sache zu opfern. Nicht länger werde ich der Verbündete von Schwachsinnigen sein, die so dumm sind, gegen eine Macht anzutreten, bevor sie ihr gewachsen sind."

 

 

Als Lord Manot in der Festung Mont-Abur eintraf, befahl er den unverzüglichen Aufbruch der dort stationierten Kavallerie der "Drachenreiter", die aus zehn Pantasionen (Tausendschaften der gepanzerten Reiterei) bestand.

Schon am Abend desselben Tages erreichten sie das südliche Ende der Mormiganschlucht, die den einzigen Durchgang durch das sonst nahezu unpassierbare Mont-Gebirge darstellte.

Dort traf die Kavallerie auf eine halbe Hundertschaft kobalischer Bergkrieger, die zum südmärkischen Heer gehörten und den Schluchtausgang zu bewachen hatten.

Gleichzeitig mit dem Anrücken der lippischen Reiterei kam von Süden her ein großer Wagenzug bayanischer Kaufleute über die Handelsstraße heran.

Die kobalische Wachtruppe handelte ihren Weisungen gemäß, sperrte die Straße vor den lippischen Reitern und forderten diese auf, die Straße für die Wagen freizumachen, da dies für Reiter einfacher war als für schwerbeladene Fuhrwerke.

Das Pech des kobalischen Hauptmannes war, dass er Lord Manots Wappen nicht erkannte und daher glaubte, es nur mit einem lippischen Tribun zu tun zu haben, der ihm als Offizier eines Bundesheeres gegenüber keine Befehlsgewalt hatte.

 

Lord Manot trieb ungeduldig sein Pferd vor und herrschte den Kobalier erbost an: "Haltet uns nicht auf, Hauptmann, sondern sorgt dafür, dass die Wagen zur Seite fahren und meinen Reitern den Weg freigeben."

Doch der Hauptmann, welcher die typisch kobalische Sturheit besaß, brüllte ihn wütend an: "Ohne Lordvollmacht habt Ihr mir keine Befehle zu erteilen! Ihr müßt zuerst die Wagen durchfahren lassen. Erst dann könnt Ihr weiterreiten."

        "Ich bin Lord Manot von Südlippia!" fuhr Manot ihn zornig an, "Erkennt Ihr mein Wappen nicht, Ihr Tölpel? Macht sofort die Straße frei, sonst lasse ich Euch den Kopf zwischen Eure Füße legen!"

 

Erst jetzt begriff der Kobalier, wem er da den Weg versperrte. Sein Gesicht wies plötzlich eine ungewöhnliche Blässe auf, dann beeilte er sich hektisch, dem Befehl des Lords so schnell wie möglich Folge zu leisten......

 

 

Während Manot in die Südmark marschierte und sich Salim näherte, zogen Rikard und Albertin aus allen Teilen des Reiches vor Stadt-Lippia ihre Truppen zusammen. Als das Heer sich schließlich zum Abmarsch bereitmachte, besprachen die beiden noch einmal ihr weiteres Vorgehen, wobei Rikard ein beunruhigender Gedanke kam.

        "Hört mir zu, Albertin", sprach er, "Mir fällt soeben ein, dass bei dem Anschlag im Brandschloß kein einziger Bediensteter der Lady Angelique herbeieilte, obwohl der Kampfeslärm laut genug war. Vielleicht ist der Verdacht nicht so abwegig, dass die Lady von dem Überfall wußte und ebenfalls an der Verschwörung beteiligt ist."

        "Hat Euch Siepran darüber nichts verraten?" fragte Albertin.

        "Nein", murmelte Rikard, "aber vielleicht wußte Siepran selbst nichts davon. Schließlich ist es gut möglich, dass sich die Verschwörer nicht alle untereinander kennen."

        "Trotzdem sollten wir sichergehen", meinte Albertin, "Wir sollten Lady Angelique besser bis zu unserer Rückkehr festsetzen lassen. Außerdem fällt mir ein, dass die Herrinnen der Kaufmannsgilde in letzter Zeit recht häufig in die Südmark gereist sind. Das muss zwar nichts zu bedeuten haben, aber möglicherweise sind auch die Handelshäuser an dieser Verschwörung beteiligt. Wir sollten uns vorsichtshalber auch ihrer bemächtigen, auch wenn wir damit vielleicht zu weit gehen."

        "Ihr habt recht", nickte Rikard, "Eine Abteilung meiner Reiter wird in der Stadt bleiben und soll die Damen festsetzen. Wenn wir aus dem Süden zurück sind, werden wir diese Angelegenheit klären."

 

 

Als Rikard und Albertin mit ihren Truppen abmarschierten, wurden die Handelshäuser Bolan und Bessarius von Soldaten durchsucht.

Aber die Ladies Sigrun und Sieglinde waren dort nicht mehr aufzufinden. Von der angstschlotternden Dienerschaft erfuhr man, dass sie in den Süden abgereist seien, womit sich der Verdacht der Lords zu bestätigen schien.

 

Obrist Merkos, welcher mit der Festnahme der Frauen beauftragt worden war, sandte den Lords sofort einen Kurier nach, um sie von der Flucht der Handelsherrinnen zu informieren. Dann machte er sich auf den Weg zum Brandschloß, um Lady Angelique festzunehmen.

Aber auch hier blieb er ohne Erfolg, denn die Lady hatte mit ihrem Sohn Bernion ihr Heim verlassen und Zuflucht bei einem Freund gefunden, in dessen Hause sie sich vor den Häschern verbergen konnte.

Doch Merkos wandte sich an Ritter Klearchos, den Stadtkommandanten der Hauptstadt, worauf dieser die Durchsuchung der ganzen Stadt und strengste Kontrollen an den Toren befahl, denn er vermutete, dass Lady Angelique noch in Stadt-Lippia weilte.

 

 

Nahe der kleinen Stadt Serk südwestlich von Koba kam es zum ersten Aufeinandertreffen zwischen Rebellen und Lordtruppen.

Peer Manrath hatte das noch immer unter seinem Kommando stehende südländische Bundesheer dem Rebellenheer hinzugefügt und konnte damit eine Streitmacht von fast fünfzigtausend Mann aufbieten, von denen jedoch ein Teil nur ungenügend bewaffnet und ausgebildet war.

Aus den Kasematten der Festung Salim hatte er den größten Teil der Festungsgeschütze herausschaffen lassen, damit sein Heer wenigstens über Artillerie verfügte.

Auch Kavallerie besaßen die Rebellen nur im geringen Maße, denn ihre gesamte Reiterei bestand nur aus 500 Berittenen, zumeist Angehörige des lippischen Alt-Adels. Das war verzweifelt wenig im Vergleich mit den gewaltigen Kavalleriekontingenten der Lordtruppen.

Manrath wußte, dass er über das erbärmlichste Heer befehligte, das jemals gegen die lippischen Lords angetreten war. Seine einzige Chance bestand darin, die Truppen der Lords getrennt voneinander zum Kampf zu zwingen, so dass es ihnen nicht mehr gelang, vereint gegen ihn vorzugehen. Außerdem glaubte Manrath daran, dass der Magier Iljuschy ihm gegebenenfalls mit seinen Zauberkräften zu Hilfe kommen würde.

 

In diesem ersten Treffen hatten es die Rebellen ausschließlich mit der schweren, gepanzerten Reiterei Lord Manots zu tun, der sie auf offenen Felde auf gar keinen Fall standhalten konnten. Aber der Peer des Südens war kein Dummkopf und so gelang es ihm, Manots Reiterei in einem Tal nahe der Stadt Serk zu überrumpeln, wo die umliegenden Hänge so dicht bewaldet waren, dass sie nicht von Reitern gestürmt werden konnten.

So konnten die gepanzerten Reiter nur im Talgrund kämpfen und wurden von den Hängen aus von allen Seiten unter Beschuß genommen, gegen den sie nahezu machtlos waren, denn ein Gegenangriff auf die Hänge war wegen des dichten Waldbewuchses so gut wie aussichtslos.

Zwar konnten die Reiter jeden Angriff der Rebellen blutig zurückschlagen, aber es war abzusehen, dass sie unten im Talgrund nach und nach aufgerieben wurden, sollte es ihnen nicht gelingen, aus dieser Falle zu entkommen.

Dies erkannte auch Manot und so befahl er den Rückzug, um das Tal in nördlicher Richtung zu verlassen.

Der nördliche Talausgang wurde jedoch von den zehntausend Pikenieren des südländischen Bundesheeres versperrt, die Manrath dorthin dirigiert hatte, um den manot'schen Reitern den Rückzug unmöglich zu machen.

Seine Rechnung schien zunächst aufzugehen, denn auch für schwer gepanzerte Reiter war es ein tödliches Unterfangen, gegen eine Sperre aus zehntausend Piken anzurennen, die sich ihnen wie eine dichte Hecke aus Stahlspitzen entgegensenkten.

Doch die südländischen Offiziere waren verunsichert, denn als Bundesgenossen Lippias hatten sie sich den Lords zum Gehorsam verpflichtet. Sie hatten erst jetzt erfahren, gegen wen sie eigentlich kämpfen sollten und begriffen, dass ihr Kommandeur, der Peer des Südens, sie als Werkzeuge seines Verrates gegen die lippischen Lords mißbrauchen wollte.

So schickten sie einen Herold zu den Lippiern herüber, welcher Lord Manot erklärte, dass das südländische Bundesheer auf seiner Seite stand.

Danach wurde den Reitern der Weg nach Norden freigegeben, so dass diese das Tal verlassen konnten.

Als die Rebellen den abziehenden Reitern nachsetzen wollten, stellte sich ihnen zu ihrer grenzenlosen Überraschung das südländische Bundesheer entgegen und deckte den Rückzug der lippischen Reiterei.

 

Als Manrath erkennen musste, dass ihm das Heer der Südmark nicht mehr gehorchte, stieß er einige lästerliche Flüche aus, war ihm doch bewußt, dass er jetzt die Schlacht nicht mehr gewinnen konnte.

So wartete er erst gar nicht, bis die Lippier zum Gegenschlag ausholten, sondern zog sich mit seinen Rebellen so schnell wie möglich nach Salim zurück, immer noch darauf vertrauend, dass Iljuschy ihm mit seiner mächtigen Magie beistehen würde.

 

 

        "Ihr müßt Stadt-Lippia so schnell wie nur möglich verlassen", sorach Halkos voller Besorgnis, "Die Stadtwachen und eine Abteilung der rikard'schen Reiterei durchsuchen jetzt jedes Haus. Bald werden sie auch hier auftauchen. Wenn Ihr dann nicht fort seid, fallt Ihr ihnen in die Hände."

        "Ich hätte mich nicht bei Euch verstecken sollen", machte sich Angelique Selbstvorwürfe, "Damit habe ich auch Euch in Gefahr gebracht. Besser wäre es wohl gewesen, wenn ich sofort aus der Stadt geflohen wäre. Nun werden die Tore sicherlich sehr streng bewacht."

        "Laßt das nur meine Sorge sein", meinte Halkos beruhigend, "Ich habe Freunde, die uns helfen werden, sogar unter den Leuten der Stadtwache. Wir sind zwar keine Rebellen, aber uns mißfällt es, wie schnell manche Leute heutzutage im Kerker landen oder den Kopf verlieren sollen. Wenn die Rebellion niedergeschlagen ist, werdet Ihr vielleicht begnadigt. Aber wenn Ihr jetzt gefaßt werdet, müßt Ihr mit dem Schlimmsten rechnen. Darum packt das Nötigste zusammen, was Ihr auf der Flucht mitnehmen könnt. Vor allem aber nehmt Euer Gold mit, denn nicht jeder wird Euch ohne Entgelt helfen. Sobald es dunkel wird, brechen wir auf. Zuerst müßt Ihr in ein anderes Haus, dann die Soldaten durchsuchen schon das Nachbarviertel. Und morgen früh bringen wir Euch aus der Stadt hinaus."

 

 

Bevor Manrath die Festung Salim wieder erreicht hatte, war das Heer der Rebellen auf weniger als ein Viertel seiner ursprünglichen Stärke zusammengeschmolzen.

Der größte Teil der Rebellen war schn während des Rückmarsches desertiert, nachdem sie von den lippischen Panzerreitern, die ihnen gefolgt waren, erbarmungslos attackiert worden waren.

Vielen der Aufständischen war klar geworden, was ihnen bevorstand, wenn sie es erst mit den lippischen Haupttruppen zu tun bekamen. Und die meisten waren noch von dem Umstand schockiert, dass sich das südländische Bundesheer gegen sie gestellt hatte.

 

Manrath waren nicht einmal mehr achttausend Gefolgsleute geblieben, mit denen er jetzt in Salim Zuflucht suchte. Und schon wenig später erreichte auch Lord Manot mit seiner Reiterei die Festung, die er sofort umstellen ließ, um den Rebellen jede Fluchtmöglichkeit zu nehmen. Kurz nach ihm traf auch das Bundesheer der Südländer ein und verstärkte Manots Streitmacht, die jetzt nur noch darauf zu warten brauchte, bis die Lords Rikard und Albertin mit ihren Heeren eintrafen. Dann konnte die Festung gestürmt und der Aufstand endgültig niedergeschlagen werden.

Natürlich war dies auch dem abtrünnigen Peer bewußt und so zermarterte er sich das Hirn, wie er dieser ausweglosen Lage entkommen konnte.

Die Festung gegen die übermächtigen Lordtruppen zu halten, war völlig unmöglich. Und Fluchtgelegenheiten gab es keine mehr.

 

        ("Auf welchen Wahnsinn habe ich mich da bloß eingelassen?") dachte er verzweifelt, ("Wie konnte ich bloß glauben, dass ein solches Unternehmen Erfolg haben könnte?")

Müde ließ er sich in einen Sessel sinken und barg das Gesicht in den Händen. So bemerkte er nicht, wie sich plötzlich in der Mitte des Zimmers ein seltsamer weißer Nebel bildete, der sich schnell verdichtete und schließlich zu einer Gestalt aus Fleisch und Blut wurde, welche kein anderer als der Magier Iljuschy war.

Erst als der Zauberer ihm die Hand auf die Schulter legte, merkte der Peer, dass er nicht mehr allein im Zimmer war und fuhr erschrocken auf.

        "Keine Angst, mein Freund", beruhigte ihn der Magier, "Von mir habt Ihr nichts zu fürchten. Wäre ich ein Feind, dann würdet Ihr jetzt nicht mehr atmen."

        "Den Göttern sei Dank", stieß Manrath hervor, "Da seid Ihr ja endlich! Wo seid Ihr gewesen? Ich hätte Eure Hilfe dringend gebraucht. Unser Aufstand ist bereits zum Scheitern verurteilt und die Truppen der Lords stehen vor den Mauern. Nur Eure Magie kann jetzt das Blatt noch wenden."

        "Nein, mein Freund", sprach der Magier traurig, "Selbst alle meine Zauberkräfte könnten die Lords nicht mehr davon abhalten, Euch und Eure Rebellen zu vernichten. Eure Sache ist verloren, denn das ist Euer Schicksal und Eure Bestimmung."

        "Meine Bestimmung?" fuhr Manrath auf, "Wovon redet Ihr?"

        "Verzeiht mir", sprach der Magier, "aber Ihr seid nur eine Figur in einem großen Spiel um die Macht über die Welten. Es ist Eure Bestimmung, durch die Hand der Lords zu sterben, damit Ihr an einem anderen Ort wiedergeboren werden könnt."

        "Seid Ihr des Wahnsinns?" brüllte der Peer wütend und erschrocken zugleich. "Habt Ihr mich deshalb zu diesem irrwitzigen Abenteuer ermutigt? Nur, damit ich sterben soll? Welchen Sinn soll das haben?"

                "Ich will versuchen, es Euch zu erklären", antwortete Iljuschy, "Darum hört mir zu, damit Ihr versteht, welche Bedeutung Euer Tod hat."

        "Dann fangt schnell damit an", fauchte Manrath ihn an, "Aber erwartet nicht von mir, dass ich mich wie ein Opferlamm in mein Schicksal ergebe."

        "Es wird Euch nicht anderes übrigbleiben", murmelte Iljuschy und ließ sich in einen der Sessel sinken.Dann begann er leise zu erklären:

        "Das lippische Reich beherrscht jetzt den gesamten eropanischen Kontinent und hat damit die Nachfolge des alten Reiches Kamaraan angetreten. Kamaraan war ein Reich des Friedens und der Ordnung und Lippia sollte es ebenso sein. Doch es mehren sich die Zeichen, dass sich die Lord nicht damit zufrieden geben werden. Zu lange haben sie Kriege geführt und andere Völker bekämpft, als dass sie jetzt damit aufhören könnten. Der Konflikt mit Normia ist nur ein Vorwand, um auch die Länder Asanis zu erobern. Die Lords sind dabei, sich mehr und mehr in machtlüsterne Tyrannen zu verwandeln. Sie werden nicht eher Ruhe geben, bis sie die ganze Welt Fatom unter ihre Herrschaft gebracht haben oder daran zugrunde gegangen sind. Aber dies ist längst nicht mehr im Sinne der Götter von MAHRHY-THAYR. Es dient vielmehr den dunklen Herren des Chaos, die damit wieder zu neuer Macht gelangen werden. Damit dies aber nicht geschieht, müssen die Lords untergehen, damit die Geschichte dieser Welt neu geschrieben werden kann. Und Ihr, Ritter Manrath, seid ein Werkzeug der Götter, denn Ihr werdet maßgeblich zum Untergang der Lords beitragen. Allerdings könnt Ihr diese Aufgabe in Eurem jetzigen Leben nicht erfüllen und darum werden Ihr sterben, um andernorts neu geboren zu werden und ein neues Leben in anderer Gestalt zu beginnen. Eure Rebellion war nur ein Mittel, um die sich abzeichnende Entwicklung zu beschleunigen, damit diese blutige Epoche so schnell wie möglich vorübergeht. Durch den Aufstand gegen ihre Herrschaft und den Tod von Berthon und Gunther werden sich die drei letzten Lords in Tyrannen verwandeln. Sie werden auch Asani angreifen, um die dortigen Völker unter ihre Herrschaft zu zwingen. Und schließlich werden sie ihre beutegierigen Hände sogar nach dem Kontinent jenseits des westlichen Meeres ausstrecken. Das jedoch wird der Beginn ihres Unterganges sein, zu dem Ihr in Eurem neuen Dasein beitragen werdet."

        "Ich würde Euch jetzt gern töten, Magier", flüsterte Manrath heiser, "Wenn ich nicht genau wüßte, dass Eure Zauberkraft stärker als mein Schwert ist, würde ich Euch auf der Stelle den Kopf abschlagen."

        "Es tut mir leid", murmelte Iljuschy, "aber auch ich bin nur ein Werkzeug der Götter und erfülle nur meine Aufgabe. Ihr könnt Euch jedoch meines ehrlichen Mitgefühles sicher sein."

        "Das ist ein verdammt schwacher Trost", fauchte Manrath ihn wütend an, "Wäre es für Euch nicht einfacher gewesen, wenn Ihr mich gleich umgebracht hättet?"

        "Das hätte die zwangsläufige Entwicklung verzögert", gab Iljuschy zurück, "Es musste jemand gegen die Lords rebellieren, um damit das Ende dieser Epoche zu beschleunigen. Nur so kann das Leiden der Völker so weit wie möglich verkürzt werden."

        "Ihr seid ein Ungeheuer", flüsterte Manrath fassungslos.

        "Vielleicht bin ich das", meinte der Magier, "aber es ist meine Bestimmung und mein Fluch, das zu tun, was getan werden muss."

 

 

Früh am Morgen rumpelte ein Fuhrwerk in den Hinterhof des Hauses, in dem Angelique versteckt wurde, hoch beladen mit frischem Viehfutter.

Halkos kam mit der Edelfrau und ihrem Knäblein heraus und trat an den Wagen.

        "Ihr müßt Euch mit dem Kleinen unter dem Viehfutter verbergen", sprach er zu der zierlichen Frau, die jetzt in ein ärmlich wirkendes Gewand gekleidet war, "Und Ihr müßt Euch völlig still verhalten. Gebt um gar keinen Preis einen Laut von Euch, auch wenn Ihr glaubt, schon entdeckt zu sein. Vor allem dann, wenn der Wagen untersucht wird, dürft Ihr Euch nicht rühren. Wenn uns die Götter gnädig sind, kommen wir an den Wachen vorbei und bringen Euch nach Geseka, wo Ihr vorerst in Sicherheit seid. Nun kriecht unter das Futter und verhaltet Euch still."

 

Halkos nahm den kleinen Bernion und hob ihn auf den Wagen, dann half er der jungen Frau hinauf.  Als die beiden mit ihrem Bündel unter dem Viehfutter verborgen waren, stieg Halkos zum Fuhrmann nach vorn auf den Bock.

Unter der Ladung spürte Angelique das Anrucken des Wagens und die holperige Fahrt über das Kopfsteinplaster in all ihren Knochen. Eine Ewigkeit von derben Stößen und Geholper schien zu vergehen, dann spürte sie, wie der Wagen anhielt. Sie hörte, wie ein Mann an's Fuhrwerk herantrat und mit Halkos sprach.

Dem kurzen Wortwechsel entnahm sie, dass es sich um einen mit Halkos befreundeten Stadtsoldaten handelte, der den Wagen schon ohne genauere Kontrolle passieren lassen wollte.

Wieder ruckte das Gefährt an und rollte schon durch das südliche Stadttor.

Plötzlich ertönte jedoch der Hufschag mehrerer Pferde und eine scharfe Stimme rief: "Haltet den Wagen auf! Warum wird er nicht durchsucht? Sofort anhalten!"

Der Wagen, fast schon außerhalb der Stadtmauern, blieb stehen; ringsum war jetzt Hufschlag zu hören; Reiter umringten das Fuhrwerk.

Die scharfe, befehlsgewohnte Stimme ertönte abermals.

        "He Bürger! Wohin wollt Ihr mit dem Viehfutter? Draußen gibt es doch genug volle Scheunen, wo man es schneller hernehmen kann. Warum bringt Ihr es dann aus der Stadt hinaus?"

        "Ach, Herr Obrist", erklang jetzt die weinerlich klingende Stimme des Fuhrmannes, "Schlimmes ist mir widerfahren. Gestern abend ist meine Scheune niedergebrannt und mit ihr auch die gesamten Vorräte für meine Tiere. Nur einen Tag zuvor hatte ich eine ganze Fuhre in Halkos Haus gebracht, damit dieser es an die Stallungen der Stadtwache verkaufen kann. Doch nun brauche ich es selbst viel nötiger. Daher hole ich es heute zurück, damit ich meine eigenen Tiere versorgen kann."

        "Es stimmt, was der Mann sagt", hörte Angelique jetzt einen anderen sprechen, "Ich kenne den Bauern, Obrist. Sein Name ist Bartin und er hat seinen Hof nach Geseka hinunter. Wir haben gestern abend dort den Feuerschein gesehen. Und heute früh kam er mit leerem Wagen in die Stadt."

 

Wieder wurden einige Worte gewechselt, die Angelique nicht verstehen konnte. Sie wußte jetzt aber, dass ausgerechnet der Obrist von der rikard'schen Reiterei sie angehalten hatte. Bange lauschte sie, ob der Offizier doch noch Verdacht schöpfte und der nächste Befehl schien ihre schlimmsten Befürchtungen zu bestätigen.

        "Ihr da am Wagen", hörte sie ihn komandieren, "Nehmt die Lanzen und stecht damit in die Ladung hinein. Wenn Blut herausfließt, nehmt den Wagen auseinander!"

 

Eisiger Schrecken durchfuhr die Frau und ließ sie am ganzen Leibe zittern. Schon wollte sie in ihrer Panik hinauskriechen und um Gnade bitten, doch es dauerte nur einen Augenblick, dann hatte sie sich wieder in der Gewalt. So blieb sie zusammengekrümmt liegen und presste den kleinen Bernion an sich, um das Kind mit ihrem Körper zu schützen.

Die Lanzen der Reiter stießen jetzt mehrere Male in die Wagenladung hinein, doch irgendein gnädiger Gott schien sie zu beschützen, denn keine der stählernen Spitzen drang in ihr Fleisch. Eine jedoch fuhr ihr scharf über den Rücken und hinterließ einen zwar nicht sehr tiefen, aber sehr schmerzhaften Schnitt. Sie musste sich auf die Lippen beißen, um nicht laut aufzuschreien.

        "Wenn da jemand drin ist", rief einer der Reiter, "dann müßte er jetzt tot sein!"

        "Dann soll es genug sein", meinte der Offizier, "Laßt den Wagen weiterfahren."

 

Als das Fuhrwerk wieder losfuhr, kam es Angelique so vor, als würde ihr ein Felsen von der Seele fallen.

Doch dann bemerkte sie voller Entsetzen, dass ihr kleiner Sohn nicht mehr atmete.....

 

 

Die Festung Salim war kampflos gefallen.

Manrath und seine Rebellen hatten keinen Widerstand mehr geleistet und waren gefangengenommen worden.

Als die Lords mit ihren Soldaten in die Festung ritten, fanden sie dort zwei Särge vor, in denen sich die einbalsamierten Leichname von Gunther und Berthon befanden. Auch die beiden Runenschwerter lagen in den Särgen; niemand hatte es gewagt, sie an sich zu nehmen, denn sie töteten jeden, dem es nicht bestimmt war, sie zu tragen.

Stumm umstanden Manot, Albertin und Rikard die jetzt geöffneten Särge und tiefe Trauer erfüllte ihre Herzen.

        "Bis zu dieser Stunde habe ich Manrath nicht gehasst", murmelte Manot bitter, "Doch jetzt will ich ihn gehenkt sehen. Dieser Verräter darf nicht leben, während Berthon und Gunther im Reich der Schatten wandeln müssen."

        "Bedenket", wandte Albertin ein, dass auch unsere Väter so handelten wie Manrath. Auch sie waren Rebellen und sie entmachteten den alten Adel, um das lippische Reich zu gründen."

        "Nein!" widersprach ihm Rikard, "Sie waren nicht wie Manrath, denn sie kämpften offen gegen ihre Feinde und gewährten ihnen am Ende sogar Gnade und Vergebung. Manrath aber griff zu Hinterlist und Tücke. Vielleicht mag es irgendeine Rechtfertigung für diese sinnlose Rebellion geben, aber der feige Mord an Berthon und Gunther ist nicht zu verzeihen."

 

Am nächsten Tage ließen die Lords eines der inneren Gemäuer von Salim niederreißen und aus den Steinen eine Grabstätte über den Särgen im Hof der Festung errichten.

Als das schnucklose Grab fertig war, gaben die Lords den Befehl, alle Bastionen und Gebäude von Salim mit Schießpulver zu sprengen, so dass die Mauern über der Grabstätte zusammenstürzten und die Gräber der beiden ermordeten Lords für immer unter sich begruben.

Danach war Salim nur noch ein gewaltiger Trümmerberg.

        "Ein würdiges Grabmal", meinte Albertin, als sie das Werk betrachteten, "Kein Denkmal wäre eindrucksvoller."

Schließlich wurden auf dem Trümmerberg zwei gewaltige Masten aufgestellt, an denen die Banner der beiden toten Lords wehten.

        "Ich werde später Felsquader mit ihren eingemeißelten Namen und Wappen herschaffen lassen", meinte Lord Manot, "Damit man auch in kommenden Jahrhunderten noch weiß, wer unter diesen Trümmern begraben liegt."

        "Hier ist unser Werk getan", sprach Rikard, "Laßt uns nach Stadt-Lippia zurückkehren, damit wir dort über den Verräter Gericht halten können."

 

 

Halkos hatte sie nicht wie zuerst beabsichtigt nach Geseka gebracht, sondern in der Stadt Arnbor bei einem Freund namens Hekingos untergebracht, wo sie vorerst in Sicherheit.

Hekingos war Arzt in Arnbor und hatte ein großes Haus mit Krankengemächern, wo er sie unter dem Vorwand einer ansteckenden Krankheit verbergen konnte.

Hier war Lady Angelique zunächst in sicherer Geborgenheit, doch das bedeutete ihr längst nichts mehr, seit sie ihren kleinen Sohn in einem einsamen Wäldchen in der Nähe von Arnbor begraben hatte.

In apathischer Teilnahmslosigkeit verbrachte sie die Tage in Hekingos Haus - ihr war es inzwischen völlig gleichgültig, ob die Spione der Lords sie hier finden würden oder nicht.

Hekingos, der sie jeden Tag in ihrer Unterkunft besuchte, erzählte ihr voller Besorgnis, dass jetzt überall in den lippischen Reichsgebieten ein Klima des Mißtrauens entstanden war, in dem Denunziantentum und Bespitzelungen immer mehr zunahmen. Man hatte viele Leute verhaftet, die verdächtig waren, mit den Rebellen symphatisiert zu haben und nieman konnte sagen, wieviele Unschuldige in diesen Tagen in den Kerker geworfen wurden.

 

 

Seit Jahrhunderten waren die unterirdischen Tempel von Uman ein Heiligtum, das nicht einmal die mächtigen Lords unerlaubt zu betreten wagten.

Hier hatte der Magier Iljuschy Zuflucht gefunden, nachdem er sich auf Salim kurzerhand entmaterialisiert hatte, um so dem Zugriff der lippischen Häscher zu entgehen.

Sein alter Freund Lashime (siehe Band 4), der inzwischen zum Oberhaupt der Weisen von Uman aufgestiegen war, hatte ihn gerne aufgenommen.

Die Priester von Uman, welche allerorten als heilige Frauen und Männer verehrt wurden, blieben von den Verhaftungen im Reichsgebiet unbehelligt, denn die Lords konnten es nicht riskieren, sich die einflußreichen und im Volke sehr beliebte Priesterschaft zum Feind zu machen. Darum konnten sich die Weisen von Uman auch weiterhin ungehindert an jeden Ort des Reiches begeben und trugen durch das, was sie erfuhren, dazu bei, dass man in Uman ständig über die neuesten Entwicklungen in Lippia informiert war.

So wußte auch Iljuschy, was seit dem Fall von Salim alles geschehen war.

Sein Freund Lashime, der ihn täglich in seinem Gemach aufsuchte, hielt ihn ständig über das Geschehen in der Außenwelt auf dem Laufenden.

Auch jetzt saßen die beiden, der Hohepriester und der Magier, wieder beisammen und unterhielten sich über die Ereignisse, die gerade stattfanden und noch stattfinden sollten.

 

        "Und Ihr seid Euch wirklich sicher, dass Lippia auf dem Wege ist, sich in ein Reich der Finsternis zu verwandeln, in dem die dunklen Götter zu neuer Macht gelangen werden?" fragte Lashime zweifelnd, "Ich vermag das immer noch nicht zu glauben?"

        "Die Götter sandten mir eine Vision", murmelte Iljuschy, "Und ich sah, wie es um diese Welt beschaffen sein wird, wenn Lippia ganz Fatom unter seine Herrschaft gezwungen hat. Ich sah eine zerstörte Welt, gepeinigt von Hunger, Krankheit und Tod. Ich sah sterbende Völker, zerbrochene Kronen, verbrannte Städte und verdorrende Felder. Ich sah die lippischen Heere auf allen Kontinenten marschieren, deren Soldaten alles zertraten, was schön und erhaltenswert gewesen wäre. Ich musste erkennen, dass auch diese Welt zum Untergang verdammt sein wird, wenn die Lords alle Völker unterworfen haben und ihre Kulturen achtlos zertreten. Eine solche Zukunft darf es nicht geben und darum muss das Reich der Lords untergegangen sein, bevor es so weit kommen kann."

        "Aber haben die Lords denn nicht immer den Göttern des Lichtes gedient?" wandte Lashime ein, "Haben sie denn nicht gegen die finsteren Götzen und ihre Schergen gekämpft? Und haben nicht die Götter selbst dafür gesorgt, dass sie mit den Schwertern  der Rose große Macht und eine tausendjährige Lebenserwartung erhielten? War es nicht im Sinne der Götter, dass ganz Eropan vereint wurde?"

        "All das war durchaus im Sinne unserer Herren", stimmte ihm Iljuschy zu, "auch wenn dafür sehr viel Blut vergossen wurde. Aber die Waagschale hat begonnen, sich zur anderen Seite zu neigen, als die Lords beschlossen, Krieg gegen Normia zu führen."

        "Aber Normia hat mittlerweile Mangolan überfallen und schickt sich an, die asanischen Völker zu unterwerfen", meinte der Hohepriester, "Ist es nicht durchaus gerechtfertigt, wenn die Lords dies verhindern wollen?"

        "Und was folgt dann?" hielt der Magier dagegen, "Werden sich die Lords damit zufriedengeben? Oder werden sie nicht vielmehr selbst bestrebt sein, ganz Asani zu erobern? Sie werden glauben, der Ordnung und dem Licht zu dienen, aber sie werden sich in Unterdrücker verwandeln und schließlich nur noch dem Chaos nutzen. Darum muss das Reich der Lords untergehen."

        "Habt Ihr deshalb den Aufstand unterstützt?" fragte ihn Lashime, "Damit seid Ihr gescheitert, denn die Rebellion ist kläglich untergegangen."

        "Es diente nur dem Zweck, die zwangsläufige Entwicklung zu beschleunigen", antwortete Iljuschy, "denn die Lords werden von nun an mit tyrannischer Härte regieren. Und das wird schließlich zu ihrem Untergang führen, auch wenn es eine Weile dauern wird."

        "Vielleicht wird es zu lange dauern", murmelte Lashime bedrückt, "Und bis dahin wird es viel Leid geben. Gibt es denn keinen anderen Weg?"

        "Möglich wäre es", überlegte der Magier, "Vielleicht kann ich mit meiner Magie die Lords zum Abdanken zwingen, damit friedliebendere Ritter ihre Nachfolge antreten können. Ich sollte es zumindest versuchen."

        "Mögen die Götter des Lichtes dabei mit Euch sein", sprach Lashime leise.

 

 

Mitten in der Nacht schreckte Angelique aus dem Schlafe auf, geweckt von lauten Kommandos und Hufgetrappel, das von draußen durch's Fenster hereinklang.

Beunruhigt stand sie auf und spähte durch die Ritzen der Fensterläden in den Hof hinunter, der jetzt von Fackeln erhellt wurde.

        "Bei den Göttern", kam es tonlos über ihre Lippen, als sie begriff, was da unten vor sich ging. Das Haus wurde von den schwarzgerüsteten Reitern Lord Rikards umstellt, von denen bereits ein paar der Haustür mit ihren Äxten zu Leibe rückten. Im Schein der Fackeln erkannte sie nun auch einen Obristen, den sie an seiner Stimme als den Offizier wiedererkannte, dem sie in Stadt-Lippia so knapp entkommen war. Nun hatte dieser Spürhund sie also doch noch gefunden!

 

Als sie voller Resignation vom Fenster zurücktrat, flog die Tür ihres Gemaches auf und Hekingos kam herein. Er trug ein Schwert in der Hand und ein gehetzter Ausdruck lag auf seinem Gesicht.

        "Sie haben Euch gefunden, hohe Dame", flüsterte er heiser, "Jetzt sind sie hier, um Euch zu holen. Aber ich werde das nicht zulassen."

        "Nein, Hekingos", beschwor sie ihn, "Legt das Schwert weg, denn damit werdet ihr diese Krieger nicht aufhalten! Verbergt Euch und rettet Euer Leben, denn ich will nicht schuld an Eurem Tod sein."

 

Erschrocken fuhren sie beide herum, als plötzlich schwere Reiterstiefel die Treppe heraufpolterten.

Dann erschien der erste Soldat mit blankgezogenem Säbel in der Tür.

Ob Hekingos den Mann wirklich angreifen wollte, war später nicht mehr zu sagen, doch der Soldat sah nur das Schwert in der Hand des jungen Heilers und reagierte rein instinktiv. Seine Rechte stieß nach vorn, dann durchbohrte die Säbelspitze Hekingos Herz.....

 

 

Auf der Friedburg:

        "Wir wissen nun, dass die Herrinnen der Handelshäuser Bolan und Bessarius die Rebellen unterstützt haben", sprach Lord Albertin, "Wir hätten guten Grund, diese Damen zu verurteilen. Aber ich meine, dass es gewinnbringender ist, ihnen den Kerker zu ersparen und ihnen stattdessen eine verhältnismäßig milde Geldstrafe aufzuerlegen. Damit sichern wir uns ihre Dankbarkeit, so dass sie uns in Zukunft treu ergeben sind. Außerdem kann es nicht in unserem Interesse sein, den Untergang zweier so großer Handelshäuser herbeizuführen, deren Abgaben dann in der Reichskasse fehlen würden."

        "Und was soll mit den Rittern geschehen, die anfangs mit Manrath symphatisierten?" fragte Lord Rikard.

        "Sie haben sich schlußendlich doch gegen ihn gestellt und sind loyal geblieben", meinte Lord Manot, "Dafür sollten wir sie nicht bestrafen. Schließlich soll jeder wissen, dass wir Treue zu würdigen wissen."

Zustimmend nickten die beiden anderen.

        "Sind denn mittlerweile alle Rebellen und ihre Symphatisanten gefasst worden?" wollte Albertin wissen, "Oder müssen wir auch in Zukunft mit verräterischen Umtrieben rechnen?"

        "Sämtlich Angehörigen des alten Adels wurden in den Kerker geworfen", sprach Rikard, "Und auch die meisten von denen, die ihnen folgten oder ihnen halfen, wurden gefaßt oder getötet. Auch die Lady Angelique konnte in Arnbor festgenommen werden. Doch leider nahm sie sich im Kerker selbst das Leben. Und der Verräter Manrath wartet auf seine öffentliche Hinrichtung. Er stellt keine Gefahr mehr dar."

        "Wir sollten nicht nur ihn, sondern auch den gesamten Altadel hinrichten lassen", meinte Albertin.

        "Dem stimme ich zu", nickte Manot, "Dann wäre dieses Ungeziefer endlich ausgerottet."

        "Wenn das getan ist", sprach Rikard, "haben wir die Ordnung im Reich wiederhergestellt. Der einzige, der uns entkommen konnte, ist der Magier Iljuschy. Vor seinen Umtrieben müssen wir uns auch in Zukunft in acht nehmen."

        "Wie sollen wir mit denen verfahren, die sich dem Rebellenheer angeschlossen haben?" fragte Manot, "Sollen wir sie alle umbringen oder begnadigen?"

        "Das würde nur neuen Aufruhr schaffen", winkte Albertin ab, "Ich meine, dass wir ihnen Gelegenheit geben sollten, ihren Fehler wiedergutzumachen."

        "Was schwebt Euch da vor?" wollte Rikard wissen.

        "Wir sollten sie allesamt nach Asani schaffen", sprach Albertin mit einem verschmitzten Lächeln, "dort mit neuen Waffen ausrüsten, in lippische Uniformen stecken und sie den Mangolanern als Waffenhilfe gegen die Normier schicken."

        "Das ist eine sehr gute Idee", meinte Rikard, "Denn so schonen wir unsere eigenen Truppen und sorgen zugleich dafür, dass die Normier nicht zu mächtig werden können."

        "Und außerdem", sprach Lord Manot grinsend, "behalten wir uns damit die Möglichkeit vor, in absehbarer Zeit unsere Herrschaft auch auf die asanischen Länder auszudehnen."

 

Plötzlich stöhnte Rikard laut auf, fasste sich an den Kopf und erstarrte dann zu völliger Bewegungslosigkeit.

        "Was ist mit Euch?" fragte Manot besorgt, "Seid Ihr krank?"

        "Nein", stieß Rikard zwischen zusammengepressten Zähnen hervor, "-- es - ist - Iljuschy! -- Er - will - meinen - Geist - kontrollieren!!"

        "Verdammt!" fluchte Albertin, "Könnt Ihr ihm widerstehen?"

        "Ja", preßte Rikard hervor, "Mein Wille - ist - stärker - als - seine Magie!"

 

Dann war es schlagartig vorbei und Rikard war wieder in der Lage, sich zu bewegen.

 

"Wir müssen Iljuschy unbedingt finden", murmelte Albertin mit aschfahlem Gesicht, "sonst wird seine Magie uns umbringen."

 

 

Lashime, der Hohepriester von Uman, beobachtete Iljuschy voller Besorgnis und ließ den Meistermagier keinen Moment aus den Augen.

Seit Stunden hockte der Magier auf dem Boden seiner Kammer und war in tiefe Trance versunken. Eine schwache Aura aus blaßblauem Licht hüllte ihn ein, hin und wieder durchzuckt von kleinen, gelben Blitzen.

Plötzlich sah Lashime, wie sich Iljuschy's Gesicht wie im Schmerz verzerrte und dicke Schweißtropen aus seiner Stirn perlten. Rinnsale dünnen Blutes liefen aus seinen Mundwinkeln. Die ihn umgebende Lichtaura begann zu flackern, schien zu verblassen, flammte wieder auf, um dann  schlagartig zu verlöschen.

Iljuschy schrie auf und kippte haltlos vornüber.

Als der erschrockene Hohepriester sich über ihn beugte, sah er, dass der Magier das Bewußtsein verloren hatte.

Schnell holte er etwas Wasser und goß es dem Besinnungslosen ins Gesicht, worauf Iljuschy wieder zu sich kam und sich benommen aufrichtete.

 

        "Rikard ist viel stärker als es der Dämon Jarchak jemals war", flüsterte er voller Grauen, "Seine mentale Energie hätte fast meinen Verstand ausgelöscht."

Zitternd griff er nach Lashimes Händen und der Hohepriester sah nackte Angst in den Augen des Magiers leuchten.

        "Rikard ist kein Mensch mehr", gab Iljuschy wimmernd von sich, "Er besitzt jetzt die magischen Kräfte eines Erzdämonen, die sich in ihm durch die Macht des Runenschwertes sogar noch verstärkt haben. Ich kann seinen Geist nicht mehr bezwingen."

 

 

        "Ritter Manrath, Ihr habt Euch gegen das Reich Lippia erhoben und damit den Treueid gebrochen, den Ihr uns geschworen habt. Mit Eurem Wahmwitz habt Ihr gutgläubige Menschen zu Euren Helfershelfern gemacht und sie ins Unglück gestürzt. Auf ehrlose und heimtückische Weise habt Ihr die Lords Gunther und Berthon ermordet, die in Freundschaft zu Euch kamen und Euch vertrauten. Es gibt nichts, was diese Taten entschuldigen kann. Auch Eure früheren Verdienste können Euch jetzt nicht mehr retten. Darum sollt Ihr auf dem Marktplatz von Stadt-Lippia am Halse aufgehängt und emporgezogen werden, bis dass Ihr tot seid. Euer Leichnam soll zwölfmal um die Stadtmauern durch den Schmutz geschleift werden, bevor er in Stücke gehauen und den Schweinen zum Fraße vorgeworfen werde. Euer Name soll für alle Zeiten vergessen sein und niemand darf es mehr wagen, ihn zu nennen, damit die Erinnerung an Euch und Eure Taten schließlich verblassen mag."

 

 

Die Urteilsvollstreckung begann in den frühen Morgenstunden.

Fast die gesamte Bevölkerung von Stadt-Lippia hatte sich um den Marktplatz herum versammelt, um dem grausamen Schauspiel zuzuschauen.

Ritter Manrath wurde auf die grausame lippische Art und Weise erhängt.

Mit der Schlinge um den Hals wurde er langsam den Galgenbaum hinaufgezogen, bis er qualvoll erstickt war.

Doch als die Henkersknechte seinen Leichnam herabfallen ließen, geschah etwas, womit niemand gerechnet hatte.

Ein riesiger, pechschwarzer Adler stieß vom Himmel herab, packte den Toten mit seinen Greifklauen und hob ihn empor in die Luft.

Schreckensrufe ertönten, dann sandten einige Bogenschützen dem Adler ihre Pfeile nach. Doch die Geschosse wurden wie von unsichtbarer Hand aus ihrer Flugbahn geworfen und konnten den Riesenvogel nicht treffen.

 

Mit einem heiseren Wutschrei sprang Lord Rikard von seinem Sitz auf.

        "Das ist Iljuschy!" brüllte er, "Er darf die Leiche nicht bekommen, sonst erweckt er sie wieder zum Leben!"

 

Gleichzeitig zog er sein Runenschwert, stieß die Klinge nach oben und sandte aus der Schwertspitze einen gleißenden roten Blitz gegen den Riesenadler. Dieser erzitterte unter dem Angriff, flatterte hilflos mit den Schwingen und stüzte mit dem Leichnam Manraths wieder auf den Marktplatz hinab.

Der Vogel schien sich in grauen Rauch aufzulösen, um schon im nächsten Augenblick die Gestalt des Magiers Iljuschy anzunehmen.

Die Luft um ihn herum flimmerte, als Rikard ihm erneut einen grellen Blitz aus der Runenklinge entgegenschickte.

Doch Iljuschy hielt auch diesem Angriff stand.

 

Die Menschenmenge rings um den Platz wich entsetzt zurück, denn hier waren Kräfte am Werke, die ihnen nacktes

Grauen einflößten.

Die Lords Manot und Albertin waren jetzt ebenfalls aufgesprungen und hatte ihre Runenschwerter gezogen, ohne jedoch in das Geschehen einzugreifen.

 

Rotglühende Blitze schossen aus Rikards schwarzer Klinge und stießen wie Lanzen in den Leib des Magiers, der laut aufschrie und zusammenbrach.

Mit letzter Kraft streckte Iljuschy die Hand aus, um Manraths Leiche zu berühren und eine letzte Beschwörung zu flüstern.

Im nächsten Augenblick wurde der Leichnam Manraths von blauen Flammen eingehüllt, in denen er sich in Nichts auflöste und spurlos verschwand.

Rikard sprang wutentbrannt auf den Magier zu, der noch immer am Leben war.

Mit unmenschlicher Anstrengung richtete sich der Sterbende halb auf und starrte den Lord an, der mit erhobenem Schwert über ihm stand.

        "Diesen Kampf habt Ihr verloren, Rikard", flüsterte er triumphierend, "denn Manraths Seele wurde vor dem Schattenreich bewahrt. Noch in dieser Stunde wird sie einen neuen Körper finden und als Kind einer Königin neu geboren werden. Dieses Kind wird zu einem Krieger heranwachsen und das Werkzeug der Götter sein, das zu Eurem Untergang führen wird."

        "Wenn Lippia untergeht", knurrte Rikard böse, "dann wird es die Welt mit ins Verderben reißen. Aber Ihr, Iljuschy, werdet es nicht mehr erleben."

Dann sauste die schwarze Runenklinge herab und trennte dem Magier das Haupt vom Körper.....

 

 

Der Krieg gegen das nordasanische Land Normia dauerte fast fünf Jahre, dann war das letzte Volk der Drachenanbeter besiegt und musste sich lippischer Herrschaft unterwerfen.

 

In den folgenden Jahren wurden in fast allen Ländern des asanischen Kontinents lippische Handelsniederlassungen gegründet, die bald schon zu regelrechten lippischen Kolonien anwuchsen.

Die Völker Asanis mussten es hinnehmen, dass fremde Armeen in ihr Land kamen und ihre Könige zu Vasallen der lippischen Lords wurden.

Hier und dort gab es Widerstand, der jedoch schnell von asanischen Söldnertruppen in lippischen Diensten niedergekämpft wurde.

Es kam so, wie es der Magier Iljuschy vorausgesehen hatte und das Schicksal nahm seinen Lauf......

 

Jenseits des großen westlichen Meeres, auf dem Kontinent El-Mariga, aber wuchs ein junger Krieger als Sohn einer Königin heran.

Sein Name war Rathan - Prinz von Tylorna....

 

ENDE

des zwölften Bandes.

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